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Veröffentlicht am 2014-08-25 16:40:56 in /ph/

/ph/ 11222: Postrukturalismus: Foucault, Dirida, Lacans, Butler

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timgthomas:#11222

Ich hörte mir diese beiden Folgen von CRE neulich an und war angetan ob der gedanklichen Analyse. Dekonstruktivismus finde ich grossartig und der Poststrukturalismus kommt mir da gerade recht.

http://cre.fm/cre091-poststrukturalismus
http://cre.fm/cre192-poststrukturalismus-2

Jetzt will ich mich intensiver damit auseinandersetzen. Foucault fand ich ja schon vorher interessant. Jetzt will ich mich etwas tiefer damit auseinandersetzen. Welches Werk kann Bernd empfehlen? Ich habe keine Lust auf "Einführung in Foucault", sondern will lieber Originale lesen.

Als Metawerk reicht mir erstmal das in CRE empfohlene Buch.
http://www.amazon.de/gp/product/3518112031
Manfred Frank - Was ist Neostrukturalismus?
Hat Bernd davon ein pdf, txt oder epub?

Hier noch ein paar Diskursthesen, die hier seziert werden können.

Der Poststrukturalismus lehnt folgendes Denken vollkommen ab:

1. Die Existenz eines abgegrenzten, einheitlichen Subjekts. Zu den angebbaren Eigenschaften dieses Subjekts der Aufklärung gehört u. a. eine Vernunft, die in der Lage ist, ihre eigenen Prozesse wie die "Naturgesetze" zu begreifen.
2. Die Vernunft und ihre "Wissenschaft", die Philosophie, können eine objektive, zuverlässige und universelle Begründung des Wissens liefern.
3. Das Wissen, das durch den richtigen Gebrauch der Vernunft gewonnen wird, ist "wahr" - so gibt dieses Wissen z. B. Reales und Unveränderliches (Universales) über unser Denken und über die Struktur der na- türlichen Welt wider.
4. Die Vernunft selbst hat transzendentale und universale Qualitäten. Sie existiert unabhängig von der kontin- genten Existenz des Ich. - Körperliche, historische und soziale Erfahrungen beeinträchtigen weder die Struktur der Vernunft noch ihre Fähigkeit, überzeitliches Wissen zu produzieren.
5. Zwischen Vernunft, Autonomie und Freiheit gibt es komplexe Beziehungen. Alle Ansprüche auf Wahrheit und legitime Autorität müssen dem Urteil der Vernunft unterworfen werden. Freiheit besteht im Gehorsam gegenüber Gesetzen, die mit den notwendigen Resultaten des richtigen Gebrauchs der Vernunft überein- stimmen. (Die Regeln, die für mich als vernünftiges Wesen richtig sind, sind für alle anderen vernünftigen notwendigerweise auch richtig.) Indem ich solchen Gesetzen gehorche, folge ich dem besten überzeitlichen Teil meiner selbst (der Vernunft); ich erweise mich als autonom und bestätige meine Existenz als freies Wesen. Durch solche Handlungen entkomme ich einer determinierten oder nur zufälligen Existenz.
6. Wenn Autoritätsansprüche durch die Vernunft legitimiert werden, kann der Konflikt zwischen Wahrheit, Wissen und Macht überwunden werden. Die Wahrheit kann der Macht dienen, ohne Schaden zu nehmen, und umgekehrt sind Freiheit und Fortschritt gesichert, wenn Wissen im Dienst der Macht genutzt wird. Wissen kann beides sein: neutral (= universell und nicht in Partialinteressen gegründet) und für die Gesell- schaft von Vorteil.
7. Die Wissenschaft, das Paradebeispiel für den richtigen Gebrauch der Vernunft, ist zugleich das Paradigma für jedes wahre Wissen. Die Wissenschaft ist in ihren Methoden und Inhalten neutral, in ihren Ergebnissen aber dient sie dem Allgemeinwohl. Denn durch wissenschaftliche Forschung können wir die "Naturgesetze" zum Wohle der Gesellschaft nutzen. Um den wissenschaftlichen Fortschritt zu sichern, müssen Wissen- schaftler allerdings frei sein, den Regeln der Vernunft zu folgen, statt sich für "Interessen" einspannen zu lassen, die außerhalb des Diskurses der Vernunft entstehen.
8. In gewisser Hinsicht ist die Sprache transparent. So wie der richtige Gebrauch der Vernunft zu Wissen führt, das Wirkliches repräsentiert, so ist die Sprache nichts als das Medium, in dem und durch das die Re- präsentation erscheint. Es gibt eine Entsprechung zwischen "Wort" und "Ding" (wie zwischen einer wahren Aussage und dem Wirklichen). Gegenstände werden nicht sprachlich (oder sozial) konstruiert, sie werden dem Bewußtsein durch Benennung und richtigen Gebrauch der Sprache nur präsent gemacht. [...]"

langate Avatar
langate:#11226

>>11222

Isidor? Bist du es? Gott, ich hoffe wirklich, dass du es bist und nicht noch ein anderer diesen elenden Dreck nicht als das durchschaut, was er ist...

iamkeithmason Avatar
iamkeithmason:#11229

>>11226
Wie wärs wenn du das Namensschuchteldrama außen vor lässt weil es wirklich niemanden interessiert? Wenn dir seine Standpunkte missfallen kannst du ihn auch ignorieren, er macht es dir einfach mit seiner Entscheidung das Namensfeld zu besetzen.

karsh Avatar
karsh:#11232

>Die Existenz eines abgegrenzten, einheitlichen Subjekts. Zu den angebbaren Eigenschaften dieses Subjekts der Aufklärung gehört u. a. eine Vernunft, die in der Lage ist, ihre eigenen Prozesse wie die "Naturgesetze" zu begreifen.
Um einfach mal am Anfang anzufangen, da vieles hieraus resultiert: Wieso lehnt der Poststrukturalismus dies völlig ab?
Wieso sind Subjekte nicht abgegrenzt?
Wieso sind sie nicht einheitlich?

terpimost Avatar
terpimost:#11236

>>11226
Nein, ich schreibe Derrida richtig. :3

ryandownie Avatar
ryandownie:#11386

>>11226

>diesen elenden Dreck

Also für mich klingt das alles recht einleuchtend. Und dass du diese Theorien zwar beschimpfst, aber nicht argumentatorisch auf sie eingehst, überzeugt mich nicht gerade vom Gegenteil.

>>11222

>Postrukturalismus
>Po-Strukturalismus

Ebin!

Der Gag hat Potenzial.

agromov Avatar
agromov:#11433

>>11222

>http://cre.fm/cre091-poststrukturalismus
>http://cre.fm/cre192-poststrukturalismus-2

Danke, Bernd. Ein leicht verdaulicher, recht unterhaltsamer Einstieg.

>Welches Werk kann Bernd empfehlen?

Bernd ist gerade auf Seite 200 von Foucaults "Wahnsinn und Gesellschaft", welches ja sogar einmal kurz erwähnt wird in einer Folge. Das Buch ist erhellend und kurzweilig, aber eben doch sehr mit dem behandelten Thema verknüpft. Es ist also nicht wirklich ein Buch über den Poststrukturalismus, den es ja auch gar nicht gibt, sondern eher ein Buch über den Wahnsinn in unserer Gesellschaft aus poststrukturalistischer Sicht.

>Manfred Frank - Was ist Neostrukturalismus?

Hast Du es Dir mittlerweile besorgt? Taugt es etwas?

>>11232

>Wieso sind Subjekte nicht abgegrenzt?

Also, ich bin ein blutiger Laie, aber soweit ich das verstanden habe, geht es um das hier: Das Subjekt ist so sehr kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen unterworfen, dass das Bild eines unabhängigen Subjekts die Realität nicht treffend beschreibt. Dem Kollektiv wird mehr Bedeutung zugesprochen, nicht ganz unbekannt als Ansatz aus nicht-westlichen Philosophien, denke ich.

Grundsätzlich möchte ich aber noch eins sagen: Wenn ich sage, dass ich den Poststrukturalismus gut finde, dann bedeutet das nicht, dass ich mit all seinen Thesen übereinstimme. Ich glaube, mir ist durchaus bewusst, was für wahnsinnige Trolle die Vertreter auch sind. Aber gerade das ist ja das Wertvolle: Es geht nicht darum, nun unbedingt daran zu glauben, dass es kein abgegegrenztes Subjekt gibt, sondern sich zu fragen, ob es heutzutage noch ein abgegegrenztes Subjekt gibt. Für mich steht hier ein Anzweifeln, ein Hintefragen des nicht mehr Angezweifelten, des nicht mehr Hinterfragten im Vordergrund. Und ich denke, so sollte man das ganze auch auffassen.

joshhemsley Avatar
joshhemsley:#11561

>>> Es gibt eine Entsprechung zwischen "Wort" und "Ding" (wie zwischen einer wahren Aussage und dem Wirklichen). Gegenstände werden nicht sprachlich (oder sozial) konstruiert, sie werden dem Bewußtsein durch Benennung und richtigen Gebrauch der Sprache nur präsent gemacht.

Kann Bernd dies noch etwas ausführen?
Lacan würde dem nämlich heftigst wüdersprechen und einwenden, die Beziehung zwischen Wort und Ding ist eine arbiträre. Es gibt keine "wahre, ursprüngliche" Entsprechung zwischen Wort und Ding.
Ein "Haus" ist nur ein Haus in dem es sich von anderen Worten abgrenzt; "Haus" bezeichnet Haus durch strukturelle Verweisungen.
Dies würde genauso funktionieren wenn wir ein anderes Wort statt "Haus" nehmen.
Nur können wir ein Haus nicht als "nicht Haus" denken.
Faden kann damit ins Gas.
Bernd kann sich zurücklehnen.