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Veröffentlicht am 2014-10-12 15:45:29 in /ph/

/ph/ 11471: Ich bin ab jetzt Erstsemester der Philosophie und suche...

adhiardana Avatar
adhiardana:#11471

Ich bin ab jetzt Erstsemester der Philosophie und suche Ratschläge und Tipps von anderen Philosophie-Studenten hier:
Was sollte man am Anfang unbedingt belegen? Was eher vermeiden?
Interessiert bin ich vor allem am Poststrukturalismus, habe Logik des Sinns und Tausend Plateaus von Gilles Deleuze gelesen und die Tractatus von Wittgenstein - und verspüre eine Wärme dabei abstrakt zu denken. Mein höchstes Bestreben dabei ist es Formen als Teil eines Musters zu erkennen, die möglichst weitreichende Komplexität eines Themas, um dieses dann so einfach wie möglich wiederzugeben zu können.
Ich will, wie Wittgenstein schrieb, die Leiter hochklettern, um sie dann umzustoßen. Etwas verstehen, um zu verstehen, dass ich es nicht verstehen muss. Ein Problem zu der Lösung bringen, dass das Problem eigentlich gar kein Problem war. Ihr versteht glaube ich was ich meine.
Ich war davor längere Zeit NEET und bin ein wenig überfordert mit dem scheinbar großen Ausmaß des Organisationsaufwand. Bernd hat da doch bestimmt einen Tipp wie das zu bewältigen ist? Der große Nachteil bei mir ist dass ich das Studium erst eine Woche später anfangen kann, da die Wohnung in die ich ziehe erst dann bezugsbereit sein wird. Also keine Einführungsveranstaltung für mich. Ich habe Angst.

Lasst uns einfach ein bisschen über die Philosophie als Studienfach reden!

kreativosweb Avatar
kreativosweb:#11473

>>11471
Ich sage dir voraus, dass du enttäuscht sein wirst.

areus Avatar
areus:#11481

>>11471
Du kannst die Infos aus der Einführungsveranstaltung in der Regel auch anders bekommen. Frag z.B. mal in der Fachschaft nach, was du für Veranstaltungen belegen musst.

cbracco Avatar
cbracco:#11482

Wenn du Philosophie studieren willst, solltest du Mathematik studieren. Ehrlich. Die meisten großen Philosophen waren Mathematiker. Akademische Philosophie ist ein Witz. Du wirst auch keine großen Probleme haben; ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Hausarbeiten nicht mal gelesen worden sind, bevor die 1 drunterkam. Sonst hätten sie die Holocaust-Witz mittem im Fließtext bemängelt. Ich frage mich, ob das noch in irgendeinem Archiv liegt und erst rauskommt, wenn ich Bundeskanzler bin.

Also steig lieber auf ein MINT-Fach um, solange du noch kannst. Philosophie studiert sich abseits der Universität besser.

Aber falls du weitergehen willst, Fachschaft und Internet. Die älteren Unis haben oft 5+ Seiten, über die die Organisation vonstatten geht. Gotta find 'em all.

iamkarna Avatar
iamkarna:#11484

>>11482
Nachtrag: Für maximale NEETigkeit studiere erst zwei Semester Philosophie lasch und steig dann um ... das BaföG-Amt zahlt dann einen erneuten Studiengang als wäre es dein erster, wenn du entsprechend begründest.

Interessant aber nur, wenn du BaföG-Gelder erhältst. Selbstsäge für Addendum.

jrxmember Avatar
jrxmember:#11490

Befinde mich in einer ähnlichen Lage, wie OP. Ich fühle mich ziemlich verloren und allein im organisatorischen Zusammenhang kaum, was richtig ist und was ich machen soll. Ferner befürchte ich, im Studium einfach gar nicht mithalten zu können. Zwar ist mein Interesse am Fach recht groß und ich habe mich auch schon vor dem Studium damit auseinandergesetzt, aber wenn ich mein Wissen mit dem anderer Menschen vergleiche, die noch nicht mehr studiert haben als ich, so fühle ich mich doch schon recht unwohl bei dem Gedanken an all das.

mugukamil Avatar
mugukamil:#11491

>>11471
>>11490
Ich habe nun eyn bißchen nachgedenket und byn zu volgender conclusio gelanget: Eure Veranstaltungen solltet ihr nicht nur nach euren Lieblingsthemen aussuchen, sondern auch nach den Dozenten. Oft studiert man ja doch weniger ein Fach und mehr seine Dozenten. (Jedoch studiert man beides, daher nicht einen Teil unter den Tisch fallen lassen.) In meinem Fall sind aber in der Philosophie ein paar interessante Menschen rumgelaufen. Rückblickend kann ich sagen, dass sich das gelohnt hat. Wenn auch nicht unbedingt finanziell. Aber ihr steht ja noch ganz am Anfang ...

thierrymeier_ Avatar
thierrymeier_:#11492

>>11490
1. Universitäten sind fast schon generell kacke organisiert. Gerade am Anfang wirst du viel herumlaufen und viele fragen müssen, um herauszufinden, wie das eigentlich alles läuft. Grase erst die Internetseiten ab, dann die Fachschaft, dann evtl. noch Dozenten. Dein Leid ist/war auch unser Leid.

2. Du musst nicht der beste Student an der Universität sein, kümmere dich nicht zu sehr um andere. Es wird immer welche geben, die besser sind, und immer welche, die schlechter sind. Das passiert bei der Masse einfach. Auch wird es immer welche geben, die versuchen mit ihrem Wissen zu posen und elitär herumschwuchteln, bei genauerer Betrachtung aber nicht viel auf dem Kasten haben. Ich kenne solche Leute wie Sand in der Casio Exilim.

Ich hoffe dies half.

mauriolg Avatar
mauriolg:#11494

>>11492
>Ich kenne solche Leute wie Sand in der Casio Exilim

subtik Avatar
subtik:#11497

Bernd studierte MINT und belegte aus Interesse noch reguläre Philosophiekurse.
Was ihm dabei auffiel: Alle.jpg tatsächlichen Philosophiestudenten sind Vollidioten gewesen, die dem Unterricht entweder nicht folgten oder nicht mehr folgen konnten und fast ausschließlich der anwesende MINT-Teil hinterherkam (was nicht schwer war).

horaciobella Avatar
horaciobella:#11502

>>11497
Deine Definitionen von Intelligenz und Hermeneutik sind scheiße.

danro Avatar
danro:#11507

>>11502
Nein, du!

Es ist nun mal so, dass wirklich Philosophieinteressierte auf der Uni nichts dazu lernen. Schlimmer noch, sie werden ausgbremst, weil sie sich dem Schneckentempo dort anpassen, da versucht wird jeden Studenten dort abzuholen, also auch jene die vor dem Studium noch kein Werk irgendeines Philosophen gelesen haben. Und die Hausarbeiten bzw. mündlichen Prüfungen sind so unfassbar anspruchslos, dass man es schon wollen muss, keine 1 zu bekommen.
Damit ist nicht gesagt, Philosophie an sich sei überflüssig oder stumpfsinnig, aber das sich ein offizielles Studium dafür nicht lohnt, weder geistig noch ökonomisch.

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#11674

Nr. 11507 Kapitalismus sucht nun mal die Erneuerung und die Kreativitaet.Ein Headhunter verirrt sich besser hier im Kraut.Krautchan ist doch die Arena der Philosophen .Oder ?

stushona Avatar
stushona:#11675

>>11497
PROTIP: Philosphiestudenten haben nach Mathmatikern den höchsten IQ. Da kannst du mit deinen Klischees nicht ankommen.

vaughanmoffitt Avatar
vaughanmoffitt:#11676

>>11675
Und glaubst du etwa, den IQ hätten sie durch das Philosophiestudium erworben? In dem Fall muss ich den deinigen im zweistelligen Bereich vermuten.
Es verhält sich zumeist, wie >>11507 feststellt. Philosophische Geister sind vielfältig, leben nicht selten intensiver als reine Wissenschaftler, weil sie Kunst, Musik und die Verbindung von Genuß und Erfahrung schätzen und wahrnehmen. Diese geistige Vielfalt und Denkfähigkeit kommt aber nicht durch ein Studium - vielmehr trägt das Studium dazu bei, der Vielfalt eine Monokultur aufzuzwingen. Und bei noch unentschiedenen unsicheren Exemplaren fruchtet dies und hat eine neue Desorientierung zur Folge.

adhiardana Avatar
adhiardana:#11679

>>11676
Bernd Nummer >>11507 hat keine Monokultur kritisiert, sondern ein zu niedrig angesetztes Niveau. Inwiefern kommst du darauf, dass im Philosophiestudium Vielfalt verhindert wird?

turkutuuli Avatar
turkutuuli:#11680

>>11679
Alle geisteswisssenschaftlichen Studiengänge sind Monokulturen. Bei Politikwissenschaften sind nur linke Ideen akzeptiert, in der Philosophie wird nur der kritische Realismus gutgeheißen. So etwas wie Vielfalt muss man mitbringen, aber eine öffentliche Einrichtung fördert nichts weiter als öffentliche Gleichmacherei.

garand Avatar
garand:#11681

>>11680
Den von dir beschriebenen Philosophen dürfte jede Art von Gleichmacherei natürlich besonders schmerzen, da er von Haus aus "geistige Vielfalt und Denkfähigkeit" schätzen. Andererseits: Wenn deine Beobachtung stimmt, ist sie weniger ein Argument gegen das Philosophiestudium als eines gegen öffentliche Einrichtungen per se. Ich denke aber, dass du ein bisschen übertreibst. Ich habe auch noch nie gesehen, dass an einem philosophischen Institut ausschließlich kritische Theorie gelehrt wurde; im Gegenteil ist gerade die Philosophische Fachschaft - und da beißt sich die Katze in den Schwanz - ein Haufen idiosynkratischer Einzelner die jeweils auch viel Wert darauf legen, besondere Schneeflocken zu sein. Man ist froh, wenn man bei Zweien von ihnen ein gemeinsames Drittes findet. Also in gewisser Weise eine Bestätigung deiner These vom Philosophencharakter; obwohl man auch sagen könnte, dass diese Uneinheitlichkeit durch die methodische Narrenfreiheit der Philosophie institutionalisiert wird. Der eventuell vorhandenen individuellen Anlage des Philosophen wird am Philosophischen Institut dadurch ein warmes Bett bereitet.

anhskohbo Avatar
anhskohbo:#11682

>>11681
Also Kritische Theorie Kritischer Realismus ... du weißt schon.

katiemdaly Avatar
katiemdaly:#11683

>>11681
Ich bin erstaunt, dass mein advocatus diaboli-Beitrag eine so eloquente und diplomatische Antwort zur Folge hat. Schön, dass es so etwas hier doch noch gibt.

fffabs Avatar
fffabs:#11684

>>11683
:3