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Veröffentlicht am 2014-11-11 00:13:16 in /ph/

/ph/ 11638: Vielleicht eine blöde Frage: Wie liest Bernd philo...

cboller1 Avatar
cboller1:#11638

Vielleichteine blöde Frage: Wie liest Bernd philosophische Werke? Also in welcher Reihenfolge gehst er vor; welche Systematik verfolgst er? Oder besser: Wie sucht Bernd sich seine philosophische Literatur aus, die er lesen möchte?

Bisher mache ich es wie mit Belletristik, was mir zufällig auffällt (in der Buchhandlung, Flohmarkt, Amazon etc.), das lese ich. Falls ich Autoren kenne und sie mir zusprechen, dann informiere ich mich, welche Werke mich noch ansprechen könnten oder lese Biographien/Sekundärliteratur zu gelesen Werken. Doch das wirkt eher eklektisch und nicht gerade effektiv. (Selbstverständlich kann man nicht alles lesen haben.)

Doch gibt es hier /ph/ernds, die z. E. Philosophen abarbeiten? Erst Überblick und Werkebiographie, dann Primärtexte durchackern?
>Oh, jetzt lese ich den gesamten Corpus Platonicum, folgend Aristotelicum, danach Hegelium etc.

Oder welche, die sich mit Frage x beschäftigen und dann die einzelnen Autoren durchschmökern oder gar Hauptsächlich Sekunderliteratur lesen und dann einzelne Interessenfelder mit Primärtexten erschließen?

arnel_lenteria Avatar
arnel_lenteria:#11641

>>11638
Fast ausschließlich via
> mit Frage x beschäftigen und dann die einzelnen Autoren durchschmökern
Sekundärliteratur allerdings eher selten. Ich finde, dass Sekundärliteratur zu Philosophen oft noch dunkler ist als die Primärliteratur. Oder aber sie verstellt irgendwas / ist eine eigensinnige Interpretation.
Allerdings ist es bei mir auch ein bisschen ein Schneeballeffekt: Sobald man weiß, dass es zu Frage x tatsächlich philosophische Abhandlungen gibt verfolgt man ja zum einen vielleicht eher die Frage und schlägt zweitens tatsächlich irgendwo nach. Bis man das erstmal weiß, muss man allerdings schon ein bisschen gewurschtelt haben.

marrimo Avatar
marrimo:#11643

Ich suche themenorientiert nach Autoren.
Erst ist das Thema da (z.B. Willensfreiheit) dann stoße ich auf den Autor (wikipferdia,...,..).

Ob ich Sek. oder Primärliteratur lese kommt auch wieder auf das Thema an.
Meistens lese ich aber mehr Sekundärliteratur und lese dann ausgewählt Primärliteratur dazu.
Selten mal andersherum, erst Primärliteratur dann Sekundärliteratur.
Aber meist geht es für mich darum das Konzept und den Gedanken zu fastehn. Dafür will und kann ich nicht Kants Kritik der reinen Vernunft durchlesen.
Hier bietet sich Sekundärliteratur an. Ausgewählte Stellen lese ich selbst nach, oder auch nicht, je nachdem.

marshallchen_ Avatar
marshallchen_:#11697

>>11638
>Wie liest Bernd philosophische Werke? Also in welcher Reihenfolge gehst er vor; welche Systematik verfolgst er? Oder besser: Wie sucht Bernd sich seine philosophische Literatur aus, die er lesen möchte?

Als Philosophiestudent liest man eher systematisch, da so die Seminare und entsprechenden Hausarbeiten gestaffelt sind. Demnach gehe ich ähnlich vor:
> mit Frage x beschäftigen und dann die einzelnen Autoren durchschmökern
Die Frage beschäftigt sich dann mit einem bestimmten Problem, welches mir beim Lesen der vorliegenden Literatur ins Auge gefallen ist.

Alternativ könnte man natürlich auch einen historischen Zugang wählen. In diesem Fall würde ich mir einen Philosophen aussuchen, der mich interessiert, dann über diesen einen Überblicksartikel lesen, wichtige Werke raussuchen und Voraussetzungen klären. Beispielsweise sollte man für die Kritik der reinen Vernunft von Kant schon wissen, welches die wesentlichen Aussagen von Descartes (Rationalismus), Locke (Empirismus) und Hume (Skeptizismus) sind. Mit ein wenig Glück lassen sich solche Punkte auch in einem guten Überblickswerk finden, z. B. in "Geschichte der Philosophie" von Curt Friedlein.

Beim Lesen einen philosophischen Werkes würde ich dann die SQ4R Methode nutzen, sofern du dein Wissen konservieren möchtest. Meiner Meinung nach ist vorallem Schritt 1 wichtig, dass man den Text vorher scannt, um fremdsprachige Phrasen oder Wörter zu erfassen und diese im Vorfeld zu klären, damit man es beim späteren Lesen gleich versteht.

betraydan Avatar
betraydan:#11698

Literaturauswahl erfolgt entweder nach Eigeninteresse oder Erfordernis des Studiums (im Idealfall kongruent). Ich lese wesentlich mehr Primär- als Sekundärliteratur.

Wie genau ich einen Text lese hängt vom Text ab und von meinem Interesse.

Bei Hegel bspw. muss man a) sowieso sehr genau lesen, um überhaupt den Sinn zu verstehen, b) lohnt es sich doppelt, weil "zwischen den Zeilen" oft eine Anspielung oder etwas derartiges versteckt ist. Manchmal lohnt es sich sogar, Sätze rückwärts zu lesen. Manche Sätze habe ich bestimmt fünfzig mal gelesen.
Oft schreibe ich ewig lange Notizen an den Rand. Ich lese sie hinterher nur selten, aber es ist sowieso eher eine Übung, das Verstandene selbst ausdrücken zu können. Gerade bei Hegel fällt einem oft auf, dass es verdammt schwierig ist, manche Inhalte umzuformulieren, ohne an Präzision zu verlieren.
Bei Kant muss man auch sehr genau lesen, vor allem aber ist es wichtig, jede Begriffsdefinition genau zu verstehen und zu verinnerlichen. Bei Hegel ist das ein bisschen anders, denn Begriffsdefinitionen gibt es so nicht bzw. sie verwandeln sich im Laufe des Gedankenganges.
Bei anderen Texten (z. B. neulich Cassirer) muss man sich selber nicht so quälen, weil sie einfach etwas zuvorkommender geschrieben sind.

Jeder Autor/Text ist da ein bisschen anders.

Am allerwichtigsten ist es, sich selbst klarzumachen, OB man einen Satz verstanden hat; und zwar ständig. Das ist eine Sorgfaltsleistung, die einen gerade bei schwierigen Autoren vor Missverständnissen rettet, auch wenn es viel Zeit kostet.