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Veröffentlicht am 2015-02-09 14:42:24 in /ph/

/ph/ 11789: Philosophia perennis

markmushiva Avatar
markmushiva:#11789

Gibt es eine immerwährende Philosophie? Durch die Zeitalter hindurch finden wir Denker, die von den Theoretikern als Naturphilosophen oder genauer, als Vertreter der sogenannten philosophia perennis gelten. Vertreter dieser Strömung sind demnach Denker wie Giordano Bruno, Spinoza, Leibniz, Platon, aber auch Mystiker christlicher und fernöstlicher Lehren. Buddha und Christus spielen in diese Kategorie auch hinein. Grob gefasst kann man die immerwährende Philosophie als Idealismus bezeichnen, bei dem der Geist und das Geistige alles, was ist, ausmacht.
Der Begriff selbst ist schon kritisierbar - kann es eine Philosophie geben, die immerwährend ist? Vielleicht haben verschiedene Denker tatsächlich an eine Wahrheit gerührt, die über alles erhaben ist, aber falls das der Fall sein sollte, sehen wir beträchtliche Gegnerschaft, die Kritik an genannten Autoren erhebt. Und sollte es eine Wahrheit geben, die der Mensch erfahren kann, heißt das ja nicht, dass man sie ein für allemal sprachlich dingfest machen kann. Was in einem Zeitalter als treffende, klare Beschreibung gilt, das gilt in anderen Kulturkreisen als nichtig, unwesentlich oder verwirrend.
Eure Gedanken dazu?

ffbel Avatar
ffbel:#11790

>>11789

Für mich ist erst einmal unklar, was mit "immerwährend" genau gemeint ist. Geht es tatsächlich um etwas, was alle Zeiten überdauert? Also auch das Zeitalter der Erde und der Menschheit selbst Oder geht es lediglich um etwas, was universell für alle menschlichen Kulturen auf der Erde gültig ist?

mutlu82 Avatar
mutlu82:#11791

Ich mag den Integralen Traditionalismus nicht mehr, also auch nicht mehr die Philosophia perennis et universalis. Ich mag gar nichts mehr.

andrewofficer Avatar
andrewofficer:#11792

>>11789
Ich nehme schon an, dass es philosophische Begriffe gibt, die perennierend sind. Aber ob sie deswegen ewig und immerwährend sind, ist ja eine Frage der Praxis der Tradition. Ewig oder Immerwährend klingt irgendwie zu pathetisch für mich - wie ein kantiges Manifest von Spengler oder Rudolf Steiner. Ob es Gedanken gibt, die man durch aufmerksame Tradition bewahren sollte, darüber lässt sich reden.

vikashpathak18 Avatar
vikashpathak18:#11793

>>11789
>Vasilisa Mudraja

karsh Avatar
karsh:#11796

>>11790
Die Frage dahinter ist, ob es nur viele Wahrheiten gibt und viele Vermittlungen dieser vielen Wahrheiten, oder ob alles Sein einer Wahrheit entspricht, wobei sich die Vermittlung derselben unterscheiden kann.
Die Frage nach allgemeingültigen Lehren ist kompliziert, weil wie schon erwähnt, jedes Zeitalter und jeder Kulturkreis einen unterschiedlichen Sprachgebrauch pflegt und mögliche identische Wahrheiten (übereinstimmende Inhalte verschiedener Philosophien) durch die Form der Vermittlung verschleiert werden.
Ich vermute stark die Existenz einer immerwährenden Philosophie, die anklingt in vielen philosophischen Strömungen und Religionen. Es sind vergleichsweise unwesentliche Details der verschiedenen Strömungen, die Gegnerschaft und Anfeindungen heraufbeschwören.
Es geht mir um eine Versöhnung und Integration (Einfügung) scheinbarer gegensätzlicher geistiger Einstellungen, darunter auch Systemen wie Christentum und Islam. Ich möchte die Ansicht vorstellen, dass den Kontrahenzen zwischen den Weltreligionen ein Tocqueville-Effekt zugrunde liegt: je größer die Übereinstimmungen zweier Systeme sind, desto augenfälliger erscheinen die kleinen Unterschiede und unwesentliche Unterschiede erscheinen so im Dafürhalten der Menge als Disparatheiten, unüberbrückbare Abgründe.
Es klingt abgedroschen, aber der Mensch der Gegenwart hat die Möglichkeit, in seinem Geist eine Versöhnung der scheinbar widerstrebenden Syteme zu erreichen. Wer die Gemeinsamkeiten und das Bleibende ins Auge fasst, leistet indirekt einen Beitrag zur Völkerverständigung.

So wie die Menschen selbst sich im Wesentlichen von Kontinent zu Kontinent nicht unterscheidet - er atmet, er isst, schläft, hat Wünsche und Bedürfnisse, kann Freude empfinden und Leid erfahren - so wenig unterscheiden sich die Philosophien der Welt in ihrem Kern. Es ist die Vermittlung, die Form, auf dessen Rechnung die größten Mißverständnisse gehen. So sollte es Aufgabe der Denkenden unseres Zeitalters sein, eine Ethik, Ästhetik und Epistemologie zu entwerfen, die über alle Irrtümer erhaben dem Menschen Bewußtsein für die Gemeinschaft zu verschaffen, die er als Mensch und als Wesen von Geist mitgestaltet.

exevil Avatar
exevil:#11808

OT: Hallo, R hier.
Komm doch mal wieder online.