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Veröffentlicht am 2015-05-08 12:01:04 in /ph/

/ph/ 12127: Die Frage zur Antwort

kamal_chaneman Avatar
kamal_chaneman:#12127

Alle fragen sich wer sie sind, ich auch.

Aber jedes mal wenn ich denke eine passable Antwort gefunden zu haben, heißt es wieder es sei zu einfach.
>Du bist nicht dein Job, nicht deine Persönlichkeit, nicht dein Besitz, nicht dein Name.

Könnte mir jemand den Gefallen tun, eine bessere Formulierung der Frage zu pfostieren?

mrxloka Avatar
mrxloka:#12128

>>12127
>Du bist nicht dein Job, nicht deine Persönlichkeit, nicht dein Besitz, nicht dein Name.

Wer bist du? Sicher machen es viele Menschen recht einfach, wenn sie darauf mit ihrem Beruf oder ihrem Besitz antworten, denn eigentlich weichen sie damit der Frage aus. Nichtsdestotrotz gibt es diese Leute, für die ihr Leben den Sinn verliert, wenn sie ihren Besitz oder ihre Stelle verlieren. Manche identifizieren sich tatsächlich so stark mit ihrer Erwerbsstelle, dass Selbstmord eine attraktive Lösung dieser Krise scheint.

Wer bist du, wer bin ich? Woraus ergibt sich unsere Identität? Meines Erachtens ist das das Produkt aus unserer Selbstsicht und der Fremdwahrnehmung. Wenn unser Selbstvertrauen groß ist, wird unsere Selbstsicht wichtiger als die Fremdwahrnehmung sein, andernfalls lassen wir uns von außen sagen, wer wird sind.
Doch wer sind wir wirklich, wenn wir alle Äußerlichkeiten und veränderlichen Komponenten herausrechnen? Für mich bliebe da nichts übrig als die Stille, die immer da ist und der Punkt im Nirgendwo, von dem aus ich das Leben erlebe. Meine Identität ist meine Perspektive auf alles, was in meinem Leben geschieht.

Vielleicht kannst du die Frage für dich umformulieren, wenn du untersuchst, warum es dir überhaupt wichtig ist, die Frage nach deiner Identität zu stellen.

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#12129

>>12128
>Vielleicht kannst du die Frage für dich umformulieren, wenn du untersuchst, warum es dir überhaupt wichtig ist, die Frage nach deiner Identität zu stellen.
Dies. Die Prämisse "Alle fragen sich, wer sie sind", ist schon ziemlich stark. Ich zum Beispiel frage mich das (im Moment) nicht. Die Frage wird in Situationen akut, in denen persönliche Orientierungsmuster nicht mehr so richtig helfen. Du warst am Gymnasium ein ziemlich schlauer Typ, fängst an zu studieren und merkst, dass du Durchschnitt bist? Tja, Zeit für die "Wer bin ich?"-Frage. Du hast gedacht, deine Freundin liebt dich, aber irgendwie fand sie dich doch nicht so toll? Auch so eine Situation.
Aber ich will einräumen, dass sich die Frage auch 'kontextunabhängig' stellt. Sie resultiert dann schlicht aus der "Weltoffenheit" beziehungsweise Instinktarmut des Menschen, wie Gehlen, Uexküll und andere gesagt hätten. Der Mensch ist, wie isidor so poetisch und schön formuliert hat, hineingestellt in "die Stille, die immer da ist und den Punkt im Nirgendwo, von dem aus ich das Leben erlebe". Wäre der Mensch in ein festes Instinktgerüst eingeklemmt, wie das Tier, dann würde er sich solche Fragen nicht stellen. So aber 'krankt' er, wie Kierkegaard gesagt hätte, an seiner Grundlosigkeit. Man könnte auch sagen: an seiner Ortlosigkeit (an seiner 'Utopizität').

buddhasource Avatar
buddhasource:#12130

>>12128
>Woraus ergibt sich unsere Identität? Meines Erachtens ist das das Produkt aus unserer Selbstsicht und der Fremdwahrnehmung.
Zu bemerken habe ich da, dass die Identität nicht unbedingt die Frage beantwortet, wer man sei; ich bin mir ziemlich sicher, dass es genug Leute gibt, die sich für absolute Stecher halten, aber ziemliche Flachpfeifen sind. Und darüber hinaus haben sie eine Milz, die in ihrer Selbstwahrnehmung auch nicht vorkommt, aber zweifelsohne Teil ist. Von daher ist Identität nur ein Aspekt des menschlichen Seins, ein übergeordnetes Konstrukt, das viel Fundament ignoriert oder ignorieren kann.

>>12128
>Vielleicht kannst du die Frage für dich umformulieren, wenn du untersuchst, warum es dir überhaupt wichtig ist, die Frage nach deiner Identität zu stellen.
Dieser Ansatz scheint mir sehr plausibel.

Ich denke im Übrigen, dass die Frage "Wer bin ich?" ziemlich trivial durch einen Blick in den Spiegel beantwortbar ist. Na ja, zumindest sieht man dann die äußere Hülle. Aber gerade deswegen muss man sich fragen, warum man sich das fragt.

mat_stevens Avatar
mat_stevens:#12131

>>12130

>Ich denke im Übrigen, dass die Frage "Wer bin ich?" ziemlich trivial durch einen Blick in den Spiegel beantwortbar ist.

Blinde existieren also gar nicht – ich hab's doch gewusst!

ryhanhassan Avatar
ryhanhassan:#12132

>>12130
> Ich denke im Übrigen, dass die Frage "Wer bin ich?" ziemlich trivial durch einen Blick in den Spiegel beantwortbar ist.

Das ist vielleicht zutreffender, als es auf den ersten Blick scheint. Gesetzt den Umstand, man erweitert die Bedeutung des Wortes Spiegel: nach C.G. Jung ist jede Person, mithin jedes Lebewesen ein Spiegel des Subjekts. Aber wie es bei gewöhnlichen Spiegeln der Fall ist, verzerrt jeder Spiegel das Gespiegelte auf seine eigene charakteristische Weise, subtil oder frappierend. Das bedeutet: der Spiegel (die Person, die dir als Spiegel dient) kann dir letztlich nur sagen, was du für sie bist. Damit du ein zutreffendes Urteil über dich als Person für dich selbst erstellen kannst, musst du in viele Spiegel sehen und das Bleibende ausfindig machen, während die Schwankungen und ständigen Veränderungen, die wohl der Charakter und der Verzerrungsgrad des Spiegels sein können, aus der Rechnung herausgekürzt werden müssen.

davidbaldie Avatar
davidbaldie:#12136

>>12131
Nicht nur nimmst du's wörtlich, du verstehst es sogar dann falsch. Wow.

>>12132
Das ist jetzt schon ein sehr sozial-orientierter Ansatz. Ich wollte den Fragestellenden eigentlich durch eine blöde, aber passende Antwort (ebenso gut wäre "ein Fragestellender" gewesen, oder, wenn wir dabei sind, ein "bipedales federloses Wesen") dazu provozieren eben jene Frage zu spezialisieren.

Was nun
>Du bist nicht dein Job, nicht deine Persönlichkeit, nicht dein Besitz, nicht dein Name.
angeht, wäre eine passende Frage "Was ist 'ne heiße Phrase?". Denn sehr wohl können alle diese Aspekte zu einem Menschen dazugezählt werden, abhängig von der Betrachtung.

iamkarna Avatar
iamkarna:#12141

Wenn mich jemand Fremder fragen würde, wer ich bin oder was ich mache, würde ich wohl mit meinem Beruf antworten. Dabei identifiziere ich mich garnicht sehr mit meinem Beruf, eigentlich mag ich ihn nichtmal. Ich denke, dass diese Antwort so oft gewählt wird, weil man schnell zu etwas anderem überspringen kann. Die Antwort "Ich bin Techniker" ist genauso unwichtig für beide Seiten, wie die Antwort auf die Frage "Wie geht's?" - "Gut" Man könnte auch von seiner Depression erzählen. Man geht mit diesen Antworten keinem auf den Geist, man ermüdet nicht daran, jedem seine Lebensgeschichte aufzuzwingen.

Wenn ich mir jedoch selbst die Frage stelle - Wer bin ich? - kann ich nur antworten, was ich nicht bin, und nicht sein will. Ich denke, dass das weitaus wichtiger ist, denn Identifikationnen bringen nur Leid.
In meinem Fall:
-Ich möchte ein Mensch sein, der einen positiven Fußabdruck auf der Erde hinterlässt
-Ich will versuchen, mehr zu lernen und erfahren

anjhero Avatar
anjhero:#12142

Die Frage lässt sich so allgemein gestellt auch nicht beantworten. Wir sind immer nur im Bezug auf etwas/jemanden, jemand/etwas. Dieser Teil wird für gewöhnlich übersprungen, weil er den Menschen teils nicht bewusst ist, teils weil sie die Antwort auch nur im gesellschaftlichen Kontext erwarten. Demgemäß müsste man streng genommen zurückfragen: "In Bezug zu wem?/worauf?"

solid_color Avatar
solid_color:#12186

>>12127
wer bist du im bezug zu allem und zur unendlichkeit?
https://www.youtube.com/watch?v=k9QXY80OxS0

wiljanslofstra Avatar
wiljanslofstra:#12238

"Und wer san Sie nochad?"
"Äh äh, ich bin Herr Lauert."
"I hob net noch Ihrm Nomma gfrogt, i hob gfrogt wer Sie san!"