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Veröffentlicht am 2015-05-21 23:20:4 in /ph/

/ph/ 12175: Schwur

linux29 Avatar
linux29:#12175

Bernd, würdest du einen Schwur leisten wie "Ich werde niemals mehr dieses Land betreten?"/"Ich werde dich nie mehr besuchen!" usw.? Und ich meine jetzt nicht in der Hitze des Moments, sondern bei vollem Bewusstsein. Es klingt einerseits natürlich gut, aber wie soll man wissen, was in 20 Jahren ist? Da wäre ein Schwur doch richtig unklug, oder?

edobene Avatar
edobene:#12177

Schwüre sind doch ohnehin nicht mehr bindend. Wenn ich jedes Mal, wenn ich damals in Hamburg vor meinem Fenster "Ich schwör, Alter." gehört habe, eine Reichsmark bekommen hätte, hätte ich nun den Gegenwert des gesammelten Nazigolds.

Aber prinzipiell hast du natürlich Recht: In einer Welt, in der Schwüre bindend sind, sollte man sich in ihnen allenfalls über die Vergangenheit äußern.

starburst1977 Avatar
starburst1977:#12178

>>12177
>Aber prinzipiell hast du natürlich Recht: In einer Welt, in der Schwüre bindend sind, sollte man sich in ihnen allenfalls über die Vergangenheit äußern.
Das Gefühl habe ich auch. Und ist nicht jeder Schwur, den man sich selbst gibt, bindend? Anderenfalls wäre es ein Selbstwiderspruch, finde ich. Das macht den Schwur problematisch, denn er nimmt ja gar keine Rücksicht auf später gemachte Erfahrungen, Veränderungen der Identität oder der Umwelt, er soll ewig gelten.
Andererseits könnte ich es mir schon auch irgendwie vorstellen. Ist ein Tattoo denn was anderes? Es gibt Leute, die tragen ihre 'Schwüre' mit Würde. Aber andere eben wieder nicht. Die machen sich dann ein bisschen lächerlich, finde ich. Oder auch geschiedene kirchliche Ehen. Das ist ja auch nichts anderes.

juaumlol Avatar
juaumlol:#12179

>>12175
Gerade weil die Menschen wissen sollten, dass sie nicht wissen können, in welche eigenartigen Situationen ihr Leben sie verschlägt, ist es fahrlässig, zu schwören. Besonders Schwüre, die negativ formuliert sind wie jene im OP. Sich durchweg an ein Verbot zu halten, ist schwierig, weil das Verbot immer wieder das Verbotene ins Gedächtnis ruft. Erfolgversprechend hinsichtlich Selbstdisziplinierung ist es, schlechte Angewohnheiten durch "bessere" zu ersetzen und außerdem nicht so strikt zu sein. Es schadet ja auch der Außenwirkung, leichtfertig zu schwören. Lieber bemüht man sich aufrichtig, diszipliniert zu sein als große Worte zu spucken. Vielleicht leistet man wenig, aber wenn man sich durch Worte nicht größer macht als man ist, gewinnt man auf diesem Wege zumindest Zuspruch oder Sympathie.