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Veröffentlicht am 2015-06-15 11:29:41 in /ph/

/ph/ 12251: Fäden weltlicher und religiöser Macht

yesmeck Avatar
yesmeck:#12251

Inspiriert durch den Faden "Entfesseltes Sein" und einen Blick auf /r/, möchte ich ein wenig zur Aufrührerei der Massen beisteuern. Folgender Text und Elfenjunge zum Zitat war Inhalt eines Fadens auf /r/, der umgehend dort vom Mod gebannt wurde. Beigefügtes Foto war Anhang eines Pfostens in einem benachbarten Faden.
Tragt weitere Bilder und Texte zusammen, die gesellschaftliche Lügen aufdecken! Vielen Dank.

"http://bibeltext.com/john/10-34.htm

Die Juden glaubten nicht an die Göttlichkeit Jesu. Jesus wollte zeigen, dass die Göttlichkeit in uns liegt. Ein echter Christ würde seine Göttlichkeit anerkennen, stattdessen stellt er Jesus auf ein Podest, an das er nicht heranreichen kann. Doch wir sind alle (von) Gott und aus Jesus ein unerreichbares Wunder zu machen, heißt, seine Lehre zu verfälschen, statt sie zu verstehen, sie hinter Glasvitrinen einzusperren.
Die meisten heutigen Christen sind nichts weiter als Juden, da sie Göttliches und Menschliches für gegensätzlich halten.
Doch ist es wie Montaigne schreibt: Ein Gott du in dem Maße bist, wie Mensch zu sein du nicht vergißt.
Jesus will verstanden werden. Glauben ist nur der erste Schritt. Heutzutage haben wir alles, damit jeder seine göttliche Herkunft verstehen kann, jeder nach seinen Mitteln.

Der Witz:
Für die Juden war Jesus ein Ketzer. Und wenn man seine Lehre von den Lügen der Kirche bereinigt, dann erscheint er der Kirche auch als der Ketzer. Wo sind die sogenannten Christen also aufgeklärter als die Juden?

Es erscheint Juden wie den Kirchenaffen gleichsam blasphemisch, wenn man ihnen offenbart, dass Jesus nicht DER, nicht der einzige, sondern dem Original der Schrift nach EIN Sohn Gottes war. Eine Kirche wie jene, die wir heute sehen, hat er nie gewollt.
Jesus war ein geistiger Lehrer, der den Menschen von den Fesseln von Dogmen und lebensfeindlicher Doktrinen befreien wollte.
Indem er das Göttliche in uns ansprach, wurde er zum Staatsfeind Nummer eins, denn wer die Herzen der Menschen bewegt, für den ist jede andere Macht Spielzeug.
Und Jesus ist kein Einzelphänomen, jeden Tag erwachen Menschen aus ihrem lebenslangen Schlummer zu ihrer wahren Natur:
Jesus ist kein Einzelphänomen, er ist der Prototyp des neuen Menschen, der sich nicht mehr mit Ego identifiziert, sondern mit etwas Größerem, das uns alle verbindet.
Die Verwandlung ist in Gange und sie wird die grauen Mauern durchbrechen und scheinen wird ein sanftes Licht, das Licht der neuen Zeit, in der scharenweise die Menschen zu sich selbst kommen und kein Lügengebilde wie die katholische Kirche mehr standhalten wird.
Kein Stein wird mehr auf dem anderen stehen in dieser Welt der Heuchler."

a_khadeko Avatar
a_khadeko:#12252

>>12251
Und ich habe mich immer gefragt, wann 1984 von Orwell Wirklichkeit wird, dabei ist es das schon längst, wenn ich das Bild ansehe. Die Befragungen von Ketzern in der Kirche erinnert mich sehr an die Folter gegen Ende in Orwells Roman, wo 2 + 2 auch mal was anderes als 4 sein kann, wenn der Bruder es sagt.

javorszky Avatar
javorszky:#12253

Die Grafik zeigt, dass die katholische Kirche eigentlich nicht besser oder schlechter ist als Scientology. Machtbessesene Idioten haben eine schöne Geschichte entweder wortwörtlich ausgelegt oder wahllos dazugeflunkert und jede Abweichung von ihrem Spinnerballet mit dem Tode bestraft. Es ist so herrlich absurd, dass ich lachen muss.

ntfblog Avatar
ntfblog:#12254

>>12251
http://de.wikipedia.org/wiki/Chick_Publications
Interessanter Verlag von Schwachköpfen.

llun Avatar
llun:#12264

>>12251
Das Bild beeindruckt. Die katholische Kirche ist also nicht "christlich". Kann ich akzeptieren. Wer sagt mir aber jetzt, dass Jesus "Richtig" ist? Liegt die Bibel überhaupt richtig? Das Buch wurde von Menschen geschrieben, und das über einen Zeitraum von einigen Jahrhunderten. Wer auf diesem Planeten kann von sich sagen, dass er die Weisheit besitzt zu wissen, was Gott will? Oder ob er gar existiert? Es gibt so viele Religionen und alle meinen, sie lägen richtig.

xspirits Avatar
xspirits:#12265

Keine Religion hält sich wirklich an ihre Texte. So ist das halt mit Menschen, immer wieder am rumkrebsen. Finde aber auch nicht wichtig, so absolute Interpretationen anzubringen, wenn's ohnehin nur um Unfug und Willkür geht.

Ist eigentlich sogar putzig, wenn die Bibel und das neue Testament genutzt werden, um den Vatikan anzuficken, denn: Die Zusammensetzung der Bibel wurde von den Römerkatholiken doch selbst vorgenommen. Und dabei wurde einiges, wie etwa das Thomas-Evangelium, ganz bewusst nicht mit aufgenommen.

Man stellt sich also gegen den Vatikan, auf Basis dessen, was der Vatikan diktiert? Ist ja 'ne heiße Geschichte, dass sie sich selbst widersprechen, aber Bibeltreue ist keine Alternative, sondern irgendwie auch wieder römisch-katholisch.

Bei all diesen Überlegungen kommt am Ende aber sowieso nichts bei rum. Institutionalisierter Glaube ist Krebs, mehr Nachrichten um 11.

greenbes Avatar
greenbes:#12266

Kann nicht mal ein Fan von Marx und oder Nietzsche diesem Freak hier die Fresse modelieren.

murrayswift Avatar
murrayswift:#12267

>>12266
Wozu der Aufwand?

splashing75 Avatar
splashing75:#12268

Schon Jesus glaubte an "deinen Gott", nur die Katholiken haben ein zweites Judentum daraus gemacht. Das Christentum ist im Grunde pantheistisch, und alle, die die Kirche daran erinnerten, wurden ermahnt oder verbrannt, obwohl jene am ehesten Jesu Nachfolger genannt werden können, also Bruno, Spinoza, etc.

stuartlcrawford Avatar
stuartlcrawford:#12269

Oder Franziskus.

ultragex Avatar
ultragex:#12270

>>12268
Wäre nett, wenn jemand das in den Faden kopiert.

guischmitt Avatar
guischmitt:#12271

>>12268
>Jesus
>Pantheismus

kennyadr Avatar
kennyadr:#12272

>>12270
Liest doch anscheinend eh jeder hier nach, weil /ph/ gerade so eine Art /r/ zwoter Ordnung ist. Kopieren ist folglich nicht nötig.

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#12273

>>12272
Außerdem dies >>12271

karalek Avatar
karalek:#12274

>>12271
Was willst du mir sagen? Die Philosophie des Christentums, nicht die Kirchen, ist pantheistisch. Vor allem Jesus ist ein Pantheist gewesen, bzw Atheist, diese Begriffe werden ja gerne synonym gesehen.
Auch wenn der Verlag der diese Bildergeschichten herausgibt, nicht seriös ist, viele darin angesprochene Punkte entsprechen der Wahrheit. Viele Rituale sind an den Haaren herbeigezogen und im Lichte der ursprünglichen christlichen Lehre einfach nur fehl am Platze.

illyzoren Avatar
illyzoren:#12275

>>12274
Das erinnert mich an einen Vortrag von Alan Watts, der sagte, die Juden hätten es Jesus niemals verziehen, dass er im himmlischen Königreich die Demokratie einführen wollte (das stammt aus dem in meinem Faden "Entfesseltes Sein" verlinkten Vortrag namens On Being God).
Nach dem Judentum ist Gott ein alleiniger Herrscher, ein König, und er ist von den Menschen entfernt, man hat ihn zu fürchten, sonst kriegt man eins in die Fresse.
Doch Jesus beglich die Schuld, er wollte einen neuen Anfang, er wollte die Menschen von ihrer Angst befreien. Wenn er sagt "Ihr seid Götter", dann meint er das wortwörtlich. Wir stammen alle aus der selben Quelle, und die Quelle ist das Unnennbare.
Watts beschreibt in einer anderen Vorlesung, dass der Urknall, der Moment, in dem die Schöpfung ihren Anfang genommen hat, ja genaugenommen auch fortdauert. Wo sollte er denn aufgehört haben? Alle Vorstellungen, die wir zum Ursprung des Seins haben sind unzulänglich, doch wir können sehen, dass Zeit außerhalb menschlicher Messung keine Stufen hat - vom Anfang bis jetzt bis in alle Zeit hängt alles zusammen und ist erfüllt vom unteilbaren logos. Und wie Platon schrieb, gibt es auch nichts großartiges Neues in diesem Universum, sondern die erstaunlichen Neuigkeiten sind Dinge, die wir vergessen haben und uns ihrer erinnern.
Spinoza wurde Atheist oder Pantheist genannt, Giordano Bruno ebenfalls, und hätte Jesus später gelebt, auch ihn hätte man so genannt. Freilich, die eigentliche Sache geht über jeden Namen und jeden Begriff hinaus, die Fülle eines von der Weisheit beseelten Lebens sprengt alle Konzepte.
Der Punkt ist: offenbar war und ist die Öffentlichkeit noch immer zum großen Teil nicht fähig oder willens, diese doch einfachste von allen Ideen zu akzeptieren, stattdessen leben bis heute diese Riesensekten namens Katholiken und Protestanten fort, stellen Jesus auf ein Podest und meinen, das Göttliche sei unerreichbar. Völlig Falsch. Das Göttliche geschieht durch uns, das Unbeschreibliche, hier ist's getan. Jesus ist einfach ein ganzes Stück zu früh geboren. Es erstaunt die Leute bis heute und sie wollen nichts davon hören, dass auch sie, auch der ärmste kleine Wicht ein Ausdruck des Unendlichen ist. Aber die Zeit wird kommen, da wir es erkennen werden und kein unnötig Blut mehr dafür vergossen werden muss.

"The one remains, the many change and pass.
Heaven's light forever shines, earth's shadows fly.
Life, like a dome of many-colored glass
Stains the white radiance of eternity."
Percy Shelley.

jffgrdnr Avatar
jffgrdnr:#12276

Jesus ist ein bisschen so wie Nietzsche, wenn man richtig verstanden hätte, worum es ihm geht, hätte er keine Anhänger. Es gäb keine Christen oder Nietzscheaner, sondern nur Leute, die frei von sozialer und kultureller Konditionierung wären. Dass sich eine Religion um etwas bildet, ist eher ein Fehlschlag. Das ist wie Eiterbildung.

zackeeler Avatar
zackeeler:#12277

>>12272
/r/ zwoter Ordnung, ist das Philosophie nicht sowieso? Religion heißt wörtlich übersetzt Rückbindung, ist eine Art Tradition für spirituelle Dinge. Tradition, Brauchtum, Moral, das Selbstverständliche, das sind alle die Dinge, die die Philosophie in Frage stellt. Weil nichts wirklich selbstverständlich ist, sondern meist nur fingiert und als Wahrheit verpackt.

andina Avatar
andina:#12278

>>12277
Naja, /r/ zwoter Ordnung hieße, es wäre ein Abklatsch. Aber Religion basiert auf Gehorsam und Glaube, Philosophie basiert auf Untersuchung und Spekulation. Das sind zwei elementar verschiedene Dinge.
Kunst, Religion, Philosophie, oder Kunst Wissenschaft, Philosophie, sind die drei großen Geistesdisziplinen.

anass_hassouni Avatar
anass_hassouni:#12281

In diesem Thema: Leute interpretieren Jesus basierend auf römisch-katholischen Quellen so, wie es ihnen in den Kram passt.

lanceguyatt Avatar
lanceguyatt:#12282

>>12281
Aber die Leute interpretieren immer alles so, wie es ihnen in den Kram passt.

dmackerman Avatar
dmackerman:#12283

>>12281
Genau das Gegenteil ist der Fall.

jajodia_saket Avatar
jajodia_saket:#12284

>>12283
In diesem Thema: Leute missinterpretieren Jesus basierend auf nicht-römisch-katholischen Quellen so, wie es ihnen überhaupt nicht gefällt.

doronmalki Avatar
doronmalki:#12285

>>12284
Eher: Leute interpretieren Jesus nach der Art, wie es menschlich am ehesten Sinn ergibt. Jesus ist Reformer, Revolutionär, Philosoph, spiritueller Lehrer und Heiler. Er ist nicht wie die Kirchen ihn darstellen, der (einzige) Sohn Gottes. Sein Vater ist kein weissbärtiger Opa, sondern das Prinzip des Seins. Es hat keinen Zweck außer den der Machtausübung, ihn auf ein Podest zu stellen und ihn dem Menschlichen zu entrücken, es ist daher konstruktiv, zu erkennen, das prinzipiell jeder ein Jesus ist, der sich dessen bewusst wird. Jesu Lehre ist im Kern undogmatisch, sie zielte ja gerade darauf ab, das entmenschlichte Judentum wieder auf den Boden zu holen, um zu zeigen, dass Gott kein furchtbarer Richter ist, sondern die Lebenskraft, die in jedem Wesen, jeder Erscheinung wirkt.
Dass Jesu Werk und Wirken so zu verstehen ist, lässt sich ableiten durch das Werk vieler anderer Ketzer, idealistischer Philosophen und Revolutionäre wie Platon, Giordano Bruno, Spinoza, Franziskus, Nietzsche, Kierkegaard, den Gnostikern, koptischen (Ur-)Christen und vielen mehr.
Die ursprüngliche Botschaft Jesu bestand darin, Gott, die Liebe, die Unendlichkeit in sich selbst zu finden (wie auch Augustinus und Weise verschiedenster Kulturkreise dies sehen) und Gutes nicht aus Furcht vor Strafe zu tun, sondern weil die Freude die aus barmherzigen Handeln entspringt, den Menschen nährt und die Liebe in ihm anspricht sowie die Liebe in anderen. Seine Botschaft ist dem griechischen Spruch Erkenne dich selbst sehr ähnlich und das Ergebnis dieses Erkenntnisprozesses drückt sich aus in dem Vers Ich und der Vater sind eins, das was ich bin, ist vergänglich, doch mein wahres Wesen trotzt der Zeit und fürchtet keinen Tod, denn es ist identisch mit dem Urgrund der Dinge, der reinen Macht, der Liebe, Gott, dem Ganzen, mit dem unsagbaren unteilbaren Einen.
Die Welt ist ein drehendes Rad. Felge und Speichen, das ist die Schöpfung, die entsteht und vergeht, die leidet und klagt, weil sie nichts von der Mitte der Achse weiß. In der Mitte, unversehrt von Sturm und Krieg, befindet sich das ewige Leben. Im Auge des Sturms ist Stille, die Mitte der Achse dreht sich nur um sich selbst - und tief im Menschen bebt das Herz aller Dinge.

samihah Avatar
samihah:#12286

Dafür, dass du über eine hypothetische Person sprichst, die vermutlich vor rund 2000 Jahren gelebt hat und gestorben ist, als Ereignisse nicht gut dokumentiert worden sind und die Texte über diese angenommene Person bekanntermaßen obendrein auch noch erst lange nach deren Tod verfasst worden sind, bist du dir deiner Sache aber ziemlich sicher.

Personenkult ist immer Krebs. Ich fänd's viel schöner, wenn wir über Ideen sprechen würden, nicht über Leute. Leute werden solchen Stilisierungen sowieso nicht gerecht und sind obendrein auch nur allzu selten konsistent.

Aber wenn du ihn unbedingt erhöhen willst, frag doch nach einem Komturcode, damit du das auf /r/ machen kannst.

Ich spreche sicher nicht für alle Bernds - gerade, weil immer mehr /r/s hier rüberschwappen - aber solche Beiträge passen nicht in etwas, das eine Brutstätte des Geistes und nicht ein Forum der Anbetung sein sollte.

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#12287

>>12286
Es geht ja gerade NICHT um eine Überhöhung, wie es die katholische Kirche tut, sondern darum, ihn menschlich nachzuvollziehen. Ich möchte nur mit dem nötigen Respekt nachfragen, ob du den über dir stehenden Pfosten gelesen hast? Wenn ich mich auf einen /r/-Pfosten beziehe oder dort etwas pfostiere, geschieht das in der Regel auch dort aus dem Grund, die Vernebelung und Vergöttlichung einzelner Personen zu verwerfen.
Gerade NICHT um Erhöhung, Vergöttlichung oder Transzendierung geht es mir, es geht mir darum, die Person Jesus als Mensch zu betrachten, was der Kirche absolut gegen den Strich geht, weil sie diese Person, ob fiktiv oder historisch, stilisieren zu einem einzigartigen Wunder, das man anbeten sollte, statt von ihm zu lernen.

Du hast Recht, wenn du von der Zweifelhaftigkeit der historischen Person Jesu redest. Aber selbst wenn diese Person nicht existiert hätte, sie würde als Symbol gelten für das, was einem Menschen abseits von Gier und Angst möglich ist. Und wie in >>12285 beschrieben, gibt es eine Menge historischer Personen, die Qualitäten dieser (symbolischen und / oder historischen) Figur in ihrem Leben umgesetzt haben, also sich gegen Entmenschlichung des Systems eingesetzt haben, nicht für blinden Glauben, sondern mit der Botschaft, dass jeder Einzelne sich selbst erkenne, um ein bewussteres Zusammenleben zu ermöglichen.

Ich bin dir dankbar für deinen Beitrag, aber wie nun schon mehrmals erwähnt, es geht um das exakte Gegenteil dessen, was die etablierten Religionen aus der Person Jesu machen. Man muss sich auch ganz richtig nicht auf sie berufen, schon gar nicht sie anbeten, sondern sie als Mensch mit einem beachtenswerten Ethos betrachten.

> aber solche Beiträge passen nicht in etwas, das eine Brutstätte des Geistes und nicht ein Forum der Anbetung sein sollte.

Ich kann von mir nicht sagen, dass ich besonders feine Kritik abgeben könnte, aber das, was ich hier versuche, ist eine vielleicht abgestandene, aber immer noch überfällige Religionskritik, wie sie in viel stärkerem Maße seinerzeit Spinoza oder Feuerbach betrieben.
Eine Kritik ist aber gleichzeitig keine völlige Ablehnung, jedenfalls nicht in diesem Falle. Das Menschliche ist zu beachten in der Lehre jedes Philosophen und vor allem in der hier thematisierten Person, dieser Faden hat eben gerade genug von Anbetung und Entrückung.
Was angebetet wird, das wird als unerreichbar dargestellt, und eben dies ist eine Verfälschung.

ionuss Avatar
ionuss:#12288

>>12286
Ja, im Grund genommen kannst du Jesus als Symbol sehen, das mit ethischen und epistemologischen Ideen verknüpft ist. So kann man damit umgehen. Der Punkt ist: nicht glauben, sondern verstehen. Und besonders die Dinge, die geglaubt und angebetet werden, von ihrem hohen Sockel herunterschaffen und durchsieben nach Gehalt für unser Leben im Hier und Jetzt.

woodydotmx Avatar
woodydotmx:#12289

> wenn wir über Ideen sprechen würden

Sehr gut möglich, dass Jesus nur eine Kunstfigur ist wie Hannibal Lecter oder Darkwing Duck. Manche Leute bezweifeln ja auch die historische Existenz der Person Sokrates, sie ist ja ähnlich bemerkenswert und in gewisser Weise unwirklich. Nunja, es gibt so einige mythische Personen oder literarische Figuren, die zum Mittelpunkt philosophischer Untersuchung wurden, zum Beispiel Don Juan bei Kierkegaard oder Stawrogin aus Dostojewskijs Dämonen sowie Sisyphos bei Albert Camus. Die Ideen und die Geisteshaltung dieser Figur kann man sehr gut untersuchen, und je kontroverser die Figur und ihre Positionen, umso aufregender.
Mit dem oberflächlichen Wissen über die Person des Jesus von Nazareth aus den kanonischen und apokryphen Zeugnissen würde ich sagen, dass die damit verknüpften Ideen die Selbsterkenntnis und damit die Verantwortung für das eigene Leben sind. Kierkegaard hat seinerzeit gezeigt, dass der Inhalt der Philosophie dieses Ketzers so kontrovers ist wie kaum etwas sonst. Freilich kann man die Konzepte auch gelöst davon betrachten, wenn nur in Jesus nicht auch das Prinzip abendländischen Individualismus begründet läge, das unterbewußt in sovielen westlichen Strömungen mitschwingt. Es ist ein Aufruf zur Selbsterkenntnis und zur Selbstannahme, und dieser Aufruf gilt besonders denen, die an sich zweifeln und leiden und sich ausgestoßen fühlen oder ausgestoßen sind, während die katholische Kirche von diesem Individualismus nichts hören will, ja sogar von ihr bedroht ist.
>>12276 beschreibt es präzise, denn würde man die Philosophie als natürlich anerkennen und mithilfe dessen zur Eigenverantwortung reifen, hätten Kirchen und alle anderen Arten der Bevormundung keinen Nährboden mehr.
Wir leben in der Welt, die wir verdienen. Manchmal kommt jemand vorbei, der aus der Gosse in der wir siechen, auf den wolkenlosen Himmel zeigt, und nur wenige schauen auf, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, denn immer wenn sie sich erhoben, gab es Schläge oder es hagelte ihnen auf den Kopf, und so lernten sie, sich zu fürchten. Weil deshalb nun keiner mehr aufsteht, ist die Bevormundung von Staat, Wirtschaft und Religion der Lebensraum, nach dem wir insgeheim verlangen. Aber der Weg zur Selbsterkenntnis steht immer offen, und ein paar Denker auf der ganzen Welt helfen, die ersten steinigen Meilen auf dem Weg zu überstehen. Manche meinen, wenn sie mit 17 Nietzsche gelesen haben, ist es genug mit der Kinderei und jetzt wird gearbeitet wie es ja normal ist. Manche lesen einmal Hesse und sind fasziniert, doch dann lassen sie das Buch sinken und tun, was alle tun. Doch manche lassen sich nicht aufhalten, weil sie wissen, dass in der Ungewißheit des eigenen Wegs die einzige echte Erfüllung liegt.

adhiardana Avatar
adhiardana:#12290

>>12287
>>12288
Ich verstehe euch durchaus, finde aber, dass es sich um einen Irrweg handelt. Jesus als halb fiktive, halb reale Figur hat viel zu viele Interpretationen und Kirchen erleiden müssen, als dass ein Umgang mit ihm als Galionsfigur noch funktionieren könnte.

Wenn wir Camus' Fremden hernehmen, wissen wir wenigstens: Es ist eine fiktive Figur, zu der es nur endlich viel Material und genug Hintergrundwissen gibt, um ihn sinnhaft zu interpretieren.

Wenn wir hingegen Jesus hernehmen: Fiktivität/Realität ist unklar, Material ist in der Bibel begrenzt, doch auch sonst gibt es reihenweise Quellen, Interpretationen sind nahezu willkürlich möglich, die Originalquellen sind vielartig übersetzbar und jederzeit könnten neue Quellen gefunden oder erfunden werden, auch hat jeder bereits mindestens eine Meinung über ihn.

Ich kann wirklich nicht empfehlen irgendetwas an einer so überladenen Person festzumachen. Auch mutet es so an, als wolle man seine eigenen Ideen auf eine Person projizieren, die bereits populär ist, um seine Ideen zu pushen.

Ungeachtet dessen, dass eine Beschreibung seiner Person als "Reformer, Revolutionär, Philosoph, spiritueller Lehrer und Heiler" schon eine gewisse Erhöhung beinhaltet.

Ein Denkgebäude, das sich derart auf einen Helden fixiert, ist von Vorneherein zum Einsturz verurteilt; jeder wird auf den einen Träger einschlagen und gut möglich, dass ein Hieb gelingt.

starburst1977 Avatar
starburst1977:#12291

>>12290
> Ein Denkgebäude, das sich derart auf einen Helden fixiert, ist von Vorneherein zum Einsturz verurteilt; jeder wird auf den einen Träger einschlagen und gut möglich, dass ein Hieb gelingt.

Durchaus gehaltvolle Kritik. Die Problematik ist verzwickt, denn die Realität ist durch Glaube und Dogma verstellt worden, gleichzeitig berührt die Figur Jesus Christus alle großen wichtigen Menschheitsfragen.
Es ist schwierig, wie man sich da verhalten soll: wenn man Gedanken vortragen möchte, von denen man weiß, man findet sie faszinierend, aber weiß gleichzeitig, dass es viele Denker vorher schon dasselbe dachten, wie soll man sich verhalten? Manche Lehren sind über alle Zeiten von Relevanz und nur ihre Form ändert sich, damit sie verstanden werden kann.
Es stimmt wohl, dass diese Figur von zu vielen Seiten beansprucht wird. Doch darum die damit verbundenen erkenntnistheoretischen und moralischen Fragen und Antworten zu ignorieren, wäre wie Autobahnen zu hassen, weil Hitler mal welche hat bauen lassen.
Auch die anderen genannten Denker haben selten oder nie behauptet, eine völlige Neuheit im Denken darzustellen, höchstens die Form ihres Vortrags kann in der jeweiligen Zeit als wirklich neu gelten. Vielleicht ist das auch wieder eine unattraktive Perspektive auf die gesamte Thematik, aber ich halte eine Philosophia perennia für existent. Die Art der Vermittlung ändert sich, doch der Inhalt bleibt im besten Fall der selbe. Vielleicht hat man ja auch gar keine Verantwortung, der Geistesgeschichte Rechnung zu tragen, wenn man bekannte Konzepte verwendet, ohne wichtige Vertreter derselben zu benennen. Im wissenschaftlichen Kontext würde ich diese Vorgehensweise höchst unprofessionell halten (glaube nichts, das nicht durch hundert Fußnoten gestützt wird!), als eigenständiges literarisches oder rednerisches Werk dagegen sieht es etwas anders aus.

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#12292

>>12291
Was du sagst klingt plausibel. Ich habe nichts darauf zu antworten, wollte nur anmerken, dass du wahrgenommen wurdest. Selbstsäge.

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#12307

Andererseits ist ein rein individuelles Denkgebäude auch zum Scheitern verurteilt. Es ist ja schön, wenn man sagt: Das Evangelium ist ein Symbol und wir überlassen es der individuellen Interpretation, etwas daraus zu machen. Aber im Extremfall wird daraus dann eine Weltanschauung, die im individuellen Bewusstsein bleibt und gar nicht erst in den Bereich der Kommunikation gelangt. Ein Glaube, der nicht geteilt und anerkannt wird, bleibt aber spirituelle Masturbation. Yogamattenphilosophie.
Das ist ja auch das Problem mit dem Übermenschen: Man kann immer schön Werte aus sich selbst schaffen, aber wenn man keinen hat, der sie teilt, landet man in der Beklopptheit. Endstation Raskolnikow.
Also These: Schön, wenn man Jesus nicht dogmatisch sieht, aber letztlich braucht Glaube eine 'Gemeinde'. Und dann ist man meinetwegen bei irgendeiner mystischen oder philosophischen Bewegung, die aber "immer" eine Bewegung innerhalb des Christentums bleibt.

kazukichi_0914 Avatar
kazukichi_0914:#12308

>>12307
>Ein Glaube, der nicht geteilt und anerkannt wird, bleibt aber spirituelle Masturbation. Yogamattenphilosophie.
Ein Glaube, der geteilt und anerkannt wird, ist jedoch spirituelles Kreiswichsen. Priesterlutscherphilosophie.

Jetzt mal so formuliert, um im Bild zu bleiben. Masse macht weder Wahrheit und Erkenntnis; der Mensch als soziales Wesen fühlt sich darin natürlich wohl, aber wenn es nur um Wohlfühlglauben geht, muss man nicht weiter diskutieren.

turkutuuli Avatar
turkutuuli:#12310

>>12308
Der Wohlfühlglaube ist der Glaube, der privat bleibt. Da kann jeder seine Komfortchakren polieren wie er will.

Das wäre meiner Meinung zwar eine ziemlich eigensinnige Auslegung des Evangeliums, aber warum nicht.

Jedoch: Wenn der Glaube nicht nur die private, sondern auch die zivile Person einschließen soll, geht es eben nur mit Kommunikation. Und dann ist er darauf angewiesen, kulturell konkret zu werden und seine historischen Überzeugungen und Ziele offenzulegen: Was soll das denn heißen, dass ich Jesus als Symbol für mich verstehe? Das ist doch beknacktes Namedropping, solange man nicht mal historisch konkret wird. Muh Jesus blablabla. Heißt das, dass man unbedingte Brüderlichkeit auch für Huren, Homos und Flüchtlinge aufbringt? Heißt es das Gegenteil??

Und ja: An diesem Punkt droht wahrscheinlich wirklich die Gefahr des spirituellen Kreiswichens. Ein Sektenseminar, in dem man sich gegenseitig erklärt, wie unangepasst man ist. Oder eben nicht und der Glaube wird zu einer halbwegs ernstzunehmenden historischen Kraft. Vielleicht sogar zu einer Bewegung. Gibts dafür Beispiele?

Solange es immer nur ">muh Jesus" bleibt, imponiert mir das nicht.

samscouto Avatar
samscouto:#12311

>>12310
"Kreiswichser, das sind die anderen."
- Bernd, 2015

>imponiert mir nicht.
Ist auch nicht dafür gedacht. Wenn du im Glauben nur die Zweckmäßigkeit siehst, dass eine "historische Kraft" entstehst, bist du weder auf Weisheit noch Wahrheit aus, sondern auf Macht. Katholik wahrscheinlich?

Im Übrigen halte ich vom Christentum überhaupt nichts, "muh Jesus" kommt bei mir nicht vor. Aber das nur am Rande, falls du mich da mit wem verwechselst/-mischt.

hampusmalmberg Avatar
hampusmalmberg:#12312

>>12311
Mir ist schon klar, dass du kein Christ bist. Ich bin auch keiner. Da das nun aber auf /ph/ gelandet ist, setze ich mich aber damit auseinander. Schon möglich, dass mir da ein paar Schnellschüsse passieren, also bitte übt euch in Milde, Brüder.

Doch wenn man den Revolutionär Jesus (so hier im Faden ja plausibel benannt) schon für sich wiederentdeckt und daraus dann ein Glaube wird, der im privaten Kämmerlein endet, irritiert mich das eben.

>Wenn du im Glauben nur die Zweckmäßigkeit siehst, dass eine "historische Kraft" entstehst, bist du weder auf Weisheit noch Wahrheit aus, sondern auf Macht.

Wenn das so wäre, dann vielleicht; aber das ist eine etwas böswillige Auslegung meines Pfostens.

Ich würde dem noch entgegnen, dass etwas, das nur im Kopf eines Einzelnen existiert, weder Weisheit noch Wahrheit ist. Eher Bewusstsein.

chrisvanderkooi Avatar
chrisvanderkooi:#12313

>>12312
Das ist bemerkenswert, du forderst vom Glauben, dass er öffentlichkeitstauglich ist, wo doch gerade die Menschen, die mit ihrem Glauben öffentlich herumwedeln, nicht nur ein Ärgernis sind, sondern gerade durch die Tatsache ihrer Öffentlichkeit beweisen, dass sie nicht wirklich glauben, denn dann würden sie eben nicht die Bestätigung durch eine Gruppierung verlangen.
Andersherum wird ein Schuh draus, eine tiefempfundene Gewissheit verlangt und benötigt keinüe Bestätigung mehr von außen, sie nährt das Individuum mit Gelassenheit und Genügsamkeit.
Zudem denke ich, dass hier immer noch etwas ungenau wiedergegeben wurde. Jesus in diesem Faden wird als Mensch mit einer Lehre vorgestellt, der verstanden werden will. Der Glaube richtet sich an das Unendliche, einen Menschen aber, insofern man selbst Mensch ist, sollte man stets zu verstehen versuchen.

clementc Avatar
clementc:#12314

>>12313
>eine tiefempfundene Gewissheit verlangt und benötigt keine Bestätigung mehr von außen, sie nährt das Individuum mit Gelassenheit und Genügsamkeit.

Eine Gewissheit zu haben ist ziemlich einfach. Wenn jemand eine hohe Meinung von sich selbst hat, ist ihm zum Beispiel unmittelbar gewiss, was für einer feiner Mensch er ist.

Damit eine Wahrheit daraus wird, sollte aber noch etwas dazukommen. In dem Moment, in dem sich die individuell empfundene Gewissheit in der Rückspiegelung durch andere bestätigt, hat sie sich als Wahrheit bewährt.

Deshalb schreibst du wohl auch: "... benötigt keine Bestätigung mehr von außen" Irgendwann wird sie wohl mal bestätigt worden sein, diese Wahrheit, sonst wäre sie ja keine.

Und das war der Moment, in dem das individuelle Bewusstsein sich entäußert und eine Rückmeldung erhalten hat. Das heißt, sie ist gesellschaftlich wirksam, eben 'historisch' geworden. Und wenn diese Wirksamkeit nur darin bestand, dass der kleine Niclas einen anerkennenden Klapps auf die Schultern von seinem Sportlehrer erhalten hat.

Und das ist meiner Meinung durchaus der Lackmustest für Weltdeutungen. In seinem Kopf kann sich jeder viel ausmalen.

>Jesus in diesem Faden wird als Mensch mit einer Lehre vorgestellt, der verstanden werden will. Der Glaube richtet sich an das Unendliche, einen Menschen aber, insofern man selbst Mensch ist, sollte man stets zu verstehen versuchen.

Das verschiebt die Frage doch bloß. Jesus redet, von Gott, ersteht von den Toten wieder auf usw. usf. Natürlich ist er nur ein Mensch, aber wenn du seine Lehre interpretierst, musst du dich auch mit diesen Dingen auseinandersetzen. Natürlich hat auch eine undogmatische Interpretation des Evangeliums das etwas mit 'Glauben' zu tun.

Dass Gläubige mit ihrem Glauben in der Öffentlichkeit oft unangenehm auffallen, ist doch klar. Aber dann zu sagen "Ha, wir machen einfach einen Glauben, der total solipsistisch bleibt" ist doch absurd. Das geht noch nichtmal theoretisch - zumindest nicht, solange man von Wahrheit spricht.