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Veröffentlicht am 2015-07-21 20:52:02 in /ph/

/ph/ 12539: Das Heiligtum der Kindheit

mugukamil Avatar
mugukamil:#12539

Selbst die abgebrühtesten Nihilisten erwischen sich dabei, wie ihr Gemüt reagiert, wenn eine Diskussion zum Thema Kinder gelangt. Selbst die säkulärste Gesellschaft, die nichts von Sakramenten wissen will und unantastbare Dogmen oder soziale Axiome für nicht existent hält, gesteht sich ein, dass die Kindheit ein Gut ist, das um jeden Preis zu schützen und zu bewahren ist. Das ergibt Sinn sowohl ökonomisch wie auch psychologisch. Die Fragen, die dabei meist nur behelfsmäßig oder in grobem praktischen Rahmen abgehandelt werden, sind: Was ist ein Kind? Und: Was bedeutet Kindheit? Die erste Frage wird juristisch mit einem Altersrahmen beantwortet, gesellschaftlich kennt man Ausnahmen, man spricht von großen Kindern sowie von kleinen Erwachsenen, philosophisch dagegen steckt in der Frage dagegen ein gewisser Zündstoff.
Die Brisanz der philosophischen Frage nach der Natur des Kindes erstreckt sich dabei nun nicht auf gesellschaftliche Tabuthemen wie kindliche Sexualität, sondern viel allgemeiner, auf die Beschaffenheit und Implikationen des Begriffs des Kindes selbst. Man mag einwenden, diese Problematisierung stehe dem Gegenstand nicht zu Gesicht, es gebe klare Grenzen zwischen Kind und Erwachsenen und dazu bestehe eine klare Dichotomie, die in logischer Unvereinbarkeit der Konzepte gipfelt: Erwachsener ist nicht Kind, Kind ist nicht Erwachsener. Man meint, auf mehreren Ebenen reichlich Belege dafür zu finden, die der Unvereinbarkeit der begrifflichen Gegensätze entsprechen.
Warum aber lohnt es, diese Ordnung der Dinge in Zweifel zu ziehen? Weil das Gegensatzpaar Kind-Erwachsener wie auch das psychologische Gegensatzpaar Gesund-Krank keine Strukturen beschreibt, die in solch polarer Form tatsächlich existent wären. Befürworter dieser Gegensätzlichkeit werden vorbringen, die Kindheit sei, ob fingiert oder real, schützenswert - dabei fällt freilich unter den Tisch, dass die Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt dazu dient, Bevormundung abzusegnen, die sich durch das (begriffliche) Machtgefälle ergibt.
Worauf will ich nun hinaus? Ich prangere an, dass die westliche Gesellschaft ein selbstzerstörerisches Begriffspaar aufrechterhält, das die Folgen hat, dass alle, die als Kinder gelten, unmündig sind und alle, die als erwachsen gelten, mündig sind. Ich will dieser Dichotomie die Theorie von der umfassenden Kindheit entgegenstellen. Es mag befremdlich oder unnütz erscheinen, in diesem Thema eine Umgestaltung anzustreben. Dafür spricht hingegen die Entwicklung der Menschheit, sowie der Kultur und Technik, die sie begleitet, die erkennen lässt, dass es einerseits der Fall ist, dass Erwachsene heutzutage und auch früher ihre Kindheit mit guten Ergebnissen bewahrt und in ihre Persönlichkeit integrieren können, was Begeisterungsfähigkeit, Schöpfergeist und Genialität begünstigt, während auf der anderen Seite Kinder zu zunehmend frühreif werden, geistig und körperlich, und dass ihre Fähigkeiten in jungen Jahren erwachsene und somit mündige Züge tragen.
Das bedeutet: einerseits ermöglicht diese Gesellschaft, immer früher selbstbewusst, pflichtorientiert und verantwortungsvoll zu agieren, andererseits ist den sogenannten Erwachsenen keine Grenze gesetzt, wo ihre Kindheit, ihr Kindsein de facto aufzuhören habe. Dies sind zusammenfassende Beobachtungen von meiner Seite, doch die öffentliche Gewissheit über diese Lage scheint bislang nicht zu bestehen. Eine Revision dessen, was wir mit Kindheit und Erwachsensein meinen, inwieweit diese Zustände sich überschneiden, bedingen oder wie auch immer wechselwirken, scheint mir deshalb ein dankbarer Gegenstand der heutigen philosophischen Debatte.

markmushiva Avatar
markmushiva:#12549

>>12539
Warum ist das Thema von Bedeutung? In ihm spielt sich ein bedeutender, wenn nicht wesentlicher Teil der Existenzphilosophie ab - insofern, als das Kind für die Eltern weiterleben soll und die eigene, kümmerliche Existenz der Eltern durch sein Leben aufzupolieren hat. Dies klingt nach einer Karikatur vergangener Tage, und doch, aus wievielen Gründen wird sich fortgepflanzt, besonders gern aber aus dem unbewußt wirkenden Grund, den Staffelstab an die nächste Generation abzugeben, und damit den existenziellen Schauplatz von sich auf seinen Sprößling zu verlagern.
Dieser Vorgang des eigenen Abtretens aus dem Mittelpunkt des Lebens besitzt dabei eine äußerst seltene Ambivalenz: Zum einen wird das Kind verehrt und verherrlicht, dem westlichen Begriff der Kindheit gemäß, die das verwirklichte Ideal des Menschenlebens überhaupt zu kennzeichnen scheint - auf der anderen Seite besteht in diesem Zustand der Kindheit eine fatal verkannte Sache, was am eklatantesten zutage tritt bei der Art und Weise, wie Kinder in unserer Gesellschaft behandelt werden:
Das Kind ist Projektionsfläche für Wünsche und Träume, trägt den Staffelstab weiter, trägt mithin Kataloge von Lebensentwürfen und Wertsystemen mit sich, gleichzeitig wird es sowohl sexualisiert als auch verniedlicht, es wird zur Existenzprothese, zum Spielball und zur Marionette von Eltern, Lehrern, Medien, Politikern.
Hinter dieser Feststellung wartet kein abgegriffener Aktivismus, sondern ein existenzphilosophisches Programm, das sich auf die Kindheit konzentriert. Betrachten wir nur, mit welch unnachhaltiger, vollkommen unwesentlicher Art und Weise das Kind in unserer Gesellschaft gefördert und wahrgenommen, behandelt und gesehen wird, sehen wir, warum es eine Notwendigkeit dafür gibt.
Solange Kinder wie Marionetten behandelt werden oder als Existenz-Auslagerungen, wird diese Gesellschaft auf keinen grünen Zweig kommen.
Der Anfang besteht in einem radikalen Perspektivenwechsel auf die Themen Kind und Kindheit, der gegen Anfang wie ein bloßes Gedankenexperiment anmutet: Nehmt die Kinder ernst. Glaubt, was sie sagen. Beobachtet, wie sie ihre Welt wahrnehmen und wie ihr scheinbar unmethodisches Denken, hat man sich einmal daran erinnert, dass man desselben auch einmal habhaft war, zu genialischen Lösungen kommt.
Der klarste Einwand dagegen, eine solch rückhaltlose Bestätigung und Ausrichtung hin auf das kindliche Denken vorzunehmen, fußt mit Sicherheit auf der Befürchtung, diesem Paradigmenwechsel würde notwendig die Anarchie folgen. Darauf antworte ich: Anarchie ist bei weitem nichts Schlechtes, denn wenn jeder Mensch zu seiner eigenen Verantwortung und zum Ergreifen und Akzeptieren seines eigenen Seins gereift ist - kurz: wenn ein Mensch durch Selbsterkenntnis Zugang zu seiner eigenen angestammten Autorität gefunden hat, dann sind alle uns bekannten Herrschaftsformen obsolet und die Anarchie ist notwendige Folge.
Anarchische Zustände in einer Gesellschaft, die die kindliche Genialität als Richtwert einsetzt, hat man sich dabei keineswegs in jenen chaotischen Farben auszumalen, wie es sich anböte. Ohnehin besitzt die vollständige Umsetzung dieser philosophisch-politischen Agenda utopische Züge. Die zugrundeliegende Perspektivenänderung aber ist uns allen möglich - und es bedarf keiner großen Mühe, in diesem Projekt eben den Impuls zu finden, der Existenzphilosophie flächendeckend in lebenspraktische Resultate umsetzt.

alexcican Avatar
alexcican:#12550

Das allgemeine Defizit unserer Pädogogik ist schnell skizziert: Die waltende Pädagogik geht von keinem Menschenbild aus, genauer, von keiner Idee, was das Kind eigentlich ist.
Das Kind ist die Zustandsform, der jeder Erwachsene, wenn er noch existenzielle Orientieurung besitzt, wieder einnehmen möchte. Das bedeutet nicht Infantilisierung, sondern die Wiedergewinnung der geistigen Leichtigkeit ohne den Verlust erlernter Methoden, Erfahrungen und Regeln. Das Kindliche ist das Geniale, der kindliche Geist ist Spontaneität und Intuition. Der Großteil aller in Kraft befindlichen pädagogischen Methoden nun hat zur Folge, dass Kinder ihr Kindsein, ihren einzigen wahren Trumpf, ihr Wesen, vergessen oder ablehnen, weil starre Vorstellungen von linearem Denken sie der Natürlichkeit ihrer geistigen Lebendigkeit beraubt.
Folgsamkeit wird belohnt, das Erfüllen von Erwartungen, das genaue Befolgen von Vorgaben. Wenn ein Kind - was oft der Fall ist - bei Aufgaben ganz ohne Hintergedanken einen Einfall äußert, der den Unterrichtsgegenstand witzig und treffsicher behandelt, dann wird es nicht selten dafür getadelt, denn die Schule, wie sie uns bekannt ist, vermittelt bekanntermaßen keine Fähigkeiten, keine Selbsterkenntnis, sondern einzig den Zwang zur Erfüllung von Aufgaben, Folgsamkeit und Berechenbarkeit.
Wer nun die Fähigkeiten eines Kindes nach letzteren Eigenschaften bewertet, verneint damit gerade das Wesen des Kindes. Dies ist vergleichbar damit, einem Vogel die Flügel zu stutzen oder einen Baum zu entwurzeln.
In der herrschenden Pädagogik waltet ein unreflektiertes Menschenbild. Arroganz und Anmaßung bestimmen die Vermittlung von Unterrichtsstoff, insofern sich die Kinder, die neue Generation, sich geistig geradezu selbst erwürgen lassen müssen von der Langeweile und Bedeutungslosigkeit der hergebrachten Pädagogik.
Der Erfinder und Philosoph Viktor Schauberger entwickelte seinerzeit eine Transporttechnik für Baumstämme, die einen Bergfluss entlanggeschwemmt wurden. Seine überragende Kenntnis und Einsicht in das Wesen des Wassers ermöglichte ihm bei seiner Arbeit somit einen ungeahnten Grad an Effizienz. Ähnlich ist es auch um die Frage nach dem richtigen Umgang mit Kind und Kindheit bestellt: Wer das Wesen des Kindes begreift, der kann es richtig wertschätzen, der erkennt es und weiß, welche Unterrichtsmethoden am mühelosesten und am ertragreichsten sind. Die Entschlüsselung des Wesens des Kindes darüberhinaus hat wie im vorigen Beitrag erwähnt dazu einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel zur Folge: Das Kind ist der vollkommene Mensch. Und Kind zu sein ist kein Zustand, der sich durch Alter bestimmen ließe. Kind-Sein ist ein Zustand, der verloren und wiedergewonnen werden kann. Er markiert eine Mühelosigkeit des Seins, mühelose Schöpferkraft und eine Verbundenheit mit dem Fluss der Dinge, effizientes Lernen und intutives Erkennen.

langate Avatar
langate:#12568

>>12539
Im ersten Teil dieses Essays habe ich die Theorie der umfassenden Kindheit vorgestellt. Der Paradigmenwechsel, das Kind-Sein als lebendiges Ideal einzusetzen, ist dabei kein Rückschritt, er ist eine Integration der eigentlich menschlichen Tugenden von Spontaneität, Schöpferkraft und Intuition, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ein Leben im Jetzt ermöglichen. Denn wie erwähnt, ist die Kindheit nicht zeitlich begrenzt, sie ist ein Zustand, der vorteilhaft heraufbeschworen und integriert werden kann. Die Individuen, die unserer Gesellschaft den größten Schaden zufügen, sind nachweislich jene, welche die Verbindung zu ihrer eigenen Kindlichkeit verloren haben. Kindlichkeit bedeutet mentale Flexibilität und Offenheit, die Fähigkeit zur Vergebung, Schöpferkraft und Spielfreude. Diese Eigenschaften sind kindlich und menschlich, und ein Mensch ist erst ganz in seinem Element, wenn er das Kind in sich zur Entfaltung führt.
Was noch aussteht, ist die klare Bestimmung, was Kind ist und was nicht. Und wie die gängigen Definitionen des Begriffes des Kindes dem eigentlichen Wesen und seiner Verwirklichung möglicherweise im Wege stehen.
Das berühmte Haufenparadoxon von Zenon ist ein bekanntes Gedankenexperiment, das auf die Frage der Bestimmung des Grenzwertes aufwirft: Wieviele Körner kann ich von einem Haufen entfernen, bis es kein Haufen mehr ist? Analog dazu kann man das Experiment formen: Wieviele Tage kann ich vom Alter eines Menschen abziehen, bis er kein Kind mehr ist?
Wir sind allesamt alternde Kinder, doch das Alter hat keinen Einfluss auf das Kind-Sein, Einfluss darauf hat einzig die Fehlorientierung des Individuums auf wirtschaftliche Wertvorstellungen, die dem Kind-Sein, dem Leben als Spiel die Vorstellung des Lebens als Kampf, Wettbewerb und exponentiellen Wachstums entgegenstellen.

sokaniwaal Avatar
sokaniwaal:#12569

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder in Sachen Schöpferkraft Erwachsenen etwas voraus haben. Ist diese nicht eine Fähigkeit, die man mit fortschreitendem Alter durch Erfahrungsgewinn trainiert? Schließlich kann man als Erwachsener seine Schöpferkraft derart kanalisieren, dass man sich aller erlernten Techniken entledigt und wieder kindlich kreativ tätig wird. Das mag vielen sehr schwer fallen, ist aber sehr wohl möglich. Als Kind hingegen hat man durch seinen beschränkten Erfahrungshorizont nur relativ geringen Spielraum, seine Schöpferkraft irgendwie zu konkretisieren.

>Solange Kinder wie Marionetten behandelt werden oder als Existenz-Auslagerungen, wird diese Gesellschaft auf keinen grünen Zweig kommen.
Aber Kinder sehnen sich doch nach Liebe und Geborgenheit. Ihre ökonomische und emotionale Abhängigkeit sichert ihnen ja letztendlich genau den Freiraum und die Freizeit die sie im Kindesalter brauchen. Sie gehen also einen Handel ein, Mündigkeit gegen Sorgenfreiheit, was wohl nur wenige, ob Kind oder Erwachsener, als schlechtes Geschäft bezeichnen.

guischmitt Avatar
guischmitt:#12570

>>12569
Dem stimme ich dir zu. Die Erfahrung und das gesammelte Wissen liefert Informationen, wie die Schöpferkraft überhaupt eingesetzt werden kann. Psychologisch gesprochen funktioniert auch nur so die Sublimierung, also die Nutzbarmachung eines Triebes. Doch bei einer Gesellschaft wie der unseren besteht eine sehr widersprüchliche Haltung gegenüber dem Kindlichen: es wird einerseits verehrt und geschützt, andererseits wird es belächelt und kindliche Kreativität sowie kindliches Verhalten an sich wird betrachtet als etwas, dem es zu entkommen gilt. Die Folge sind ein Aufgehen in Disziplin, Verantwortung und hoher geistiger Spezialisierung, bei der man die existenzielle Orientierung verliert: wo komme ich her, wo gehe ich hin? Und zwar, wo gehe ich in meinem Leben hin, aus welchem Zustand komme ich in diesem Leben, auf welchen bewege ich mich zu.
Das Kind wie wir es verstehen, ist ein junger Mensch, juristisch der Lebenszeitraum vom 3. bis zum 14. Lebensjahr. Der Zustand der Kindheit, die Unbeschwertheit, ist aber nicht etwa nur auf diesen Lebenszeitraum beschränkt - manche Leute mit schwerer Kindheit werden die kindliche Leichtigkeit möglicherweise kaum oder gar nicht erlebt haben - sondern der Mensch ist dazu in der Lage, die Kindheit auch in seinem Erwachsenenleben wieder zuzulassen. Das bedeutet nicht, zu verdummen oder die erlernten Konzepte zu vergessen, es bedeutet, die Relativität des Gelernten zu erkennen, um die Flexibilität des Kindlichen in sich wieder zu entdecken. Viele Menschen sind wie gefangen in ihrem Gelderwerb, ihren Pflichten, vor allem aber in ihren Gedankenmustern, die die ursprüngliche Lebendigkeit des Kindlichen überdecken. Um diese Leichtigkeit in das Leben aller Menschen wieder zu integrieren, lautet der erste Schritt, über das Ideal der umfassenden Kindheit zu meditieren und sich der innewohnenden Vertrautheit zu besinnen.

Was deinen zweiten Abschnitt betrifft, würde ich vorsichtig sein. Ökonomisch betrachtet mag es irgendwie aufgehen, einen Generationenhandel zwischen Kind und Erwachsenem bzw zwischen den Eltern gutzuheißen. Auch lebenspraktisch scheint dem nichts im Wege zu stehen.
Höchste Priorität dieses Textes aber liegt darin, dem Menschen zur Gewißheit seiner eigenen Autorität zu verhelfen. Auch wenn Kinder schon Geld verdienen, also in den Augen der Gesellschaft erwachsen sind, so liegen sie mental noch in Ketten des Gesetzes, der Eltern, des Umfelds und dergleichen. Als Erwachsener zu seiner umfassenden Kindheit zu erwachen aber bedeutet nicht allein die Leichtigkeit und Spontaneität der ersten Lebensjahre wiederzuerlangen, sondern auch die natürliche Autorität seiner selbst zu verwirklichen. Nur der Mensch, der weiß, dass er wirklich ganz allein für sich verantwortlich ist, hat auch eine Möglichkeit, seine eigenen Möglichkeiten wahrzunehmen.
Die Entscheidung ist der existenzielle Akt. Und wer sich seiner Autorität bewußt ist, ob jung oder alt, der wird die Verantwortung nicht auf andere verschieben und sie nicht bei Anderen suchen, sondern allein bei sich.

michaelkoper Avatar
michaelkoper:#12572

Eine erfüllte Kindheit gönnt man von vornherein jedem Kind, die Erfahrung von materieller Sorglosigkeit, Nähe und Vertrautheit sowie Gesundheit und Bildung macht es wahrscheinlicher, dass auch im späteren Leben der Mensch eine ausgewogene, leistungsfähige Persönlichkeit haben wird.
Was wir allerdings in der westlichen Gesellschaft bemerken können, ist, dass diese verlangt, dass Menschen erwachsen werden sollen, verantwortungsvoll und pflichtbewußt, dass aber letztlich nichts dafür getan wird. Ein Kind wird eingeschult, lernt Autofahren, geht zur Universität, arbeitet, bezahlt Steuern, macht Fortbildungen - aber wo ist es in diesem Prozess denn nun erwachsen geworden? Alle Institutionen verlangen einen gewissen Gehorsam, so wie es Mutter und Vater verlangen. Das Gehorsamsverhältnis der frühen Kindheit wird im sogenannten Erwachsenenalter nicht aufgelöst oder umgewandelt, es diversifiziert sich nur.
Kinder werden älter und machen Erfahrungen, aber was bereitet sie wirklich auf ein Leben in dieser Welt vor? Sie werden aufgezogen im Wertsystem der Anerkennung, dies ist die Belohnung für die Aufgaben, die ihnen zuteil werden - und studieren sie oder arbeiten sie, so ist dieses Kleinkind-Kontrollschema noch immer dasselbe.
Erwachsene sind keine Erwachsenen - wenn man sich darunter vorstellt, dass Erwachsene sich in etwas außer dem Alter von Kindern unterscheiden. Sogenannte Erwachsene befinden sich mitunter in schlimmeren Abhängigkeitsverhältnissen als Kinder, die Abhängigkeit von Anerkennung und Akzeptanz.
Und falls Erwachsen-Sein bedeuten sollte, dass der Mensch erhaben ist über Mechanismen der Unterordnung und ihm seine eigene Autorität bewußt ist, so wird praktisch nichts dafür getan, dass sich Kinder dorthin entwickeln. Denn viel zu lang behandelt man Kinder wie Kinder - das mag komisch klingen, bedeutet aber dieses: Man behandelt junge Menschen, als wären sie so, wie man denkt, wie junge Menschen wären. Niedlich, klein, folgsam, untergeordnet, ein Rohstoff, den es zu formen gilt. Dieses Konzept wird auf Kinder angewendet und unhinterfragt auf jede neue Generation angewendet, so dass es sich tief in der Psyche verankert, wodurch die Selbstsicht des so aufgezogenen Menschen immer von den sogenannten Autoritäten abhängt, weil die Programmierung genau dies verlangt. Doch wie soll ein Kind dann jemals ein Erwachsener werden? Es gibt kein Übergangsritual ins Erwachsenenalter in dieser westlichen Zivilisation, und wir wissen, dass das Studium oder der Führerschein dafür nicht geeignet sind. Der Erwachsene lebt nach den unbewußten Strukturen der Beeinflussung, die ihm eingegeben wurden, Tag für Tag, Jahr für Jahr. So kommt es, dass viele Menschen sich machtlos fühlen, fremdbestimmt und orientierungslos. In gewisser Weise werden sie durch die gängige Erziehung von sich selbst entfremdet.
Was ist zu tun? Ein Überdenken dessen, was Kindheit bedeutet und damit eine entsprechende Pädagogik. Eine Pädagogik, die das Kind nicht als zu instruierende Puppe betrachtet und genauso wenig als Minderleister in spe. Eine wirklich zukunftsfähige Schule hat die Kinder im frühsten Alter darin zu fördern, ihre natürlichen philosophischen Gedanken zu pflegen und das Ideal greifbar zu machen, das Selbsterkenntnis lautet. Es ist klar, dass Kinder unserer Gesellschaft zu Erwachsenen werden, die sich machtlos fühlen und tun, was man ihnen sagt, was es auch sei, weil sie sich gedanklich niemals von der Belohnungsmaschine in ihrem Kopf distanziert haben.

joki4 Avatar
joki4:#12573

Vielleicht ist es ja gut, dass so viele Menschen dieser Beeinflussung unterliegen, denn nur indem die Gesellschaft unerbittlich ist, kann sich der junge Mensch davon abgrenzen und sich im Konflikt damit formen und seinen Charakter ausbilden. Dagegen halte ich, dass wir uns solch eine gesellschaftliche Schlammlacht nicht länger leisten können. Die jeweils neue Generation wird künstlich kleingehalten, indem sein Wert an obsoleten Gesellschaftssystemen gemessen wird. Vor jedem Herunterbeten von Fakten und vor jedem gedankenlosen Folgen und Gehorchen sollte die Lehre über die Selbsterkenntnis stehen. Wer sich selbst kennt, erkennt die Notwendigkeit, ist effizienter und sucht die Schuld für Fehler bei niemandem sonst außer bei sich. Wer sich selbst erkennt, der ist als Kind schon erwachsen und als Erwachsener immer noch Kind, der darf leben, er bewahrt Schöpfergeist und Spielfreude und verliert sich dabei nicht in fremde Fangstricke. Wenn ein Kind weiß, wer und was es ist, erwacht es zu seiner angestammten Macht. Solange es aber das gängige Verhalten ist, das Kind solange zu bemuttern und wie ein Haustier auf zwei Beinen zu strafen und zu belohnen, wird es immer nach diesem Prinzip denken und handeln. Es wird nach Hilfe suchen, wo es eigentlich alles selber könnte, es wird seine politische Stimme abgeben und auf einen Messias warten, der seine Macht notwendig missbrauchen wird. Religionen sind die Auswirkungen einer Erziehung, die nichts von Selbsterkenntnis wissen will, genauso wie es totalitäre Regimes sind. Wenn eine Gesellschaft und jede ihrer Zellen zur Selbsterkenntnis erwacht und die Autorität bei sich weiß, dann braucht sie keinen Hitler, keinen Jesus, keinen Aufrührer, keinen Führer, keinen Erlöser, sie bewegt sich selbst, sie führt sich selbst und sie erlöst sich selbst.

yesmeck Avatar
yesmeck:#12574

http://gutenberg.spiegel.de/buch/aus-dem-heiligtum-der-schonheit-4310/2

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sava2500:#12575

>>12539
"Die Kindheit soll aus eigenem Rechte da sein. Nicht bloß geduldet. Sie soll nicht von den Begriffen vergewaltigt werden, den greisen Begriffen."

"Entdecken wir das Kind! Die größte Entdeckung, die noch aussteht, ist ein echtes Kinderspiel. Sie erfordert keine unerhörte Kühnheit, nicht den heroischen Vorsatz, mit allen Gefahren und Entbehrungen es aufzunehmen: sie ist keine Nordpolfahrt."

"Ich bewundere das erste Kind, das ein Spiel fertig brachte, mehr wie einen Erfinder."

Peter Hille: Aus dem Heiligtum der Schönheit

sementiy Avatar
sementiy:#12577

Wie sieht die Entwicklung eines Kindes zum Erwachsenen aus? In der Psychologie existieren dafür gängige Modelle und Abfolgen von Phasen, die im Modellfall in einer ausgewogenen körperlich-geistig-seelischen Verfassung gipfeln. Da in den gängigen psychologischen Modellen am Anfang der Säugling und am Ende der erwerbsfähige Erwachsene steht, setze ich dagegen die Entwicklungstheorie der umfassenden Kindheit. Die Grundannahme dieser Theorie ist, dass das Kind, das heißt, der ursprüngliche Mensch, sich nicht grundlegend von seiner inneren Natur entfernt, während alle Maßnahmen von Sozialisierung, Konditionierung und Erziehung dabei eher als Prüfungen, weniger als zielgerichtete Methoden zur gesellschaftlichen Vervollkommnung gesehen werden. Die Entwicklungsabschnitte gliedern sich wie folgt:

1. Frühe Kindheit:
1a) Ozeanischer Zustand
1b) Das Auftauchen des Ich
1c) Das Auftauchen des Anderen
2. Kindheit und Adoleszenz
2a) Selbstbetrachtung
2b) Sexuelles Bewußtsein
2c) Gesellschaftliches Bewußtsein
3. Reintegration
3a) Theoriebildung und Zweifel (philosophisches Stadium)
3b) Überwindung der Gedankensucht
3c) Wiedererlangung des ozeanischen Zustands.

Ich glaube, die einzelnen Punkte sind durch den vorhergehenden Text hinreichend erklärt worden. Falls weiterer Erklärungsbedarf oder Kritik bestehen, wird dem gerne entsprochen.

cheezonbread Avatar
cheezonbread:#12578

Klingt gut. Mein Ansatz ist, dass es ein Maß gibt im Verhältnis von Natürlichkeit und Schliff. Richtiges Maß bedeutet, beides organisch zu verbinden. Gelingt es vollkommen, hast du einen hübschen Diamanten :3

franciscoamk Avatar
franciscoamk:#12580

>>12579
Ich schmunzelte. Vor kurzem hab ich mir auf einen Schmierzettel einen Satz notiert, der mir total tief vorkam: Jede Erklärung ist ein Mythos.

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n1ght_coder:#12581

>>12580
Ist das die Bargaining-Phase?

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subtik:#12582

>>12581
Wahrscheinlich. Wollte sagen, Theorien und Modelle sind auch Mythen. Sie unterliegen der wissenschaftlichen Überprüfung, aber wenn sie widerlegt sind, können sie noch sehr lange im Geist weiterbestehen, weil sie Sachverhalte eindrucksvoll präsentieren. Und nur weil etwas Mythos, also eine Geschichte ist, heißt das nicht, dass es nutzlos oder gar schädlich ist.

joshuapekera Avatar
joshuapekera:#12583

>>12539
Kann Bernd denn etwas anfangen mit dieser Wand-von-Text? Irgendwie ist es hier wohl nicht besonders gut aufgehoben, aber ich mag dieses Brett, ich glaube wenigstens, dass auf einem Bilderbrett weniger Kreiswichserei und ehrlichere Kritik zu erwarten ist als in Fachforen, wo ich mich anmelden muss und 5 Leute mal drüberschauen und dabei bleibt es.
Die Motivation stammt natürlich aus einer recht naiven Weltverbessererlaune. Würde mich interessieren, ob der Inhalt praktikabel ist oder vielleicht zu oberflächlich, bin kein studierter Psychologe, störe mich bloß an den Dingen, von denen ich weiß ... die Art, wie wir mit uns selbst umgehen. Wie erwähnt, es gibt da eine oft übersehene Problematik im Gegensatzpaar Kind-Erwachsener, was sich unter anderem in den Bereichen Psychologie und Pädagogik zeigt, ähnlich wie im Gegensatzpaar Gesund-Krank in der Psychologie und im gesellschaftlichen Dafürhalten.
Würde mich freuen, wenn jemand sich die Mühe macht, dagegenzuhalten oder es kurz zu rezensieren - gesetzt, ich habe das Anliegen und den Vorschlag zur Änderung hinreichend klar beschrieben. Vielen Dank im Voraus.

samihah Avatar
samihah:#12589

>>12583
>Namensschuchtel
>sich über Kreiswichserei ärgern

Wenn du nicht so ein armes Würstchen wärst, könntest du einem leid tun.

alta1r Avatar
alta1r:#12592

>>12589
Entschuldigung, so besser? Ich dachte, dafür wäre das Namensfeld gedacht?

antongenkin Avatar
antongenkin:#12593

>>12589
Als ob Kreiswichserei irgendwie an einem Namen hinge, Bernd ...

eduardostuart Avatar
eduardostuart:#12597

>>12583
Ehrlich gesagt war ich nach dem ersten Beitrag tl;dr. Ich kann viele der Gedanken nachvollziehen, weiß aber nicht, wozu du sie sammelst und worauf du endeffektlich hinaus willst. Habe deswegen auch vermutet, dass du der Typ bist, der lange schwurbelt und irgendwann verlangt, dass man Pädophilie unterstützt. Weil den hatten wir hier mal.

Namensschuchtelei im Rahmen eines Themas ist übrigens voll in Ordnung, um Zusammenhänge von Beiträgen und Gedanken zu verdeutlichen. Wer was anderes behauptet, ist eine "lööl so anonym xd"-Person.

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#12600

>>12597
Ich könnte mir vorstellen, dass isidor ein Pädagogik-Bernd ist. Dann ergibt das Sammeln schon viel Sinn. Aber auch als ganz normaler (Spät-)Adoleszenter schlägt man sich ja mit irgendwelchen Vorurteilen herum, daher finde ich das Thema eigentlich ganz schön.

madebyvadim Avatar
madebyvadim:#12601

>>12600
Ein Pädagogik-Bernd? So sehr hasse ich mich dann doch nicht. Es ist wohl richtig, dass man bei einer gesellschaftlichen Reform bei den Kindern ansetzen muss. Aber wir wissen, wie das abläuft: Lehrer werden oft nur Lehrer, weil sie ihr Studium irgendwie rechtfertigen müssen. Sie können sich nicht eingestehen, dass sie nicht zum Lehrer taugen, wollen aber nicht als unpraktisch gelten, wählen deshalb das Lehramt und ignorieren so lange wie möglich, dass sie Kinder nicht leiden können und weder die Geduld noch die Persönlichkeit haben, zu unterrichten. Und selbst die Pädagogen mit ausgeprägtem Enthusiasmus werden von der enttäuschenden Wirklichkeit darüber belehrt, dass man sich als herausragender Lehrer für nichts aufopfert. Ein Lehrer, der nach der OPs Theorie lehrt, hätte ein ähnliches Schicksal wie Mr. Keating aus Club der toten Dichter zu erwarten, und das gar für undankbare und von Unterhaltungsmedien und Konsumwahn geistig depravierte Kinder, die es sich in der Matrix schon gemütlich gemacht haben.

id835559 Avatar
id835559:#12602

>>12597
Es ist wirklich ziemlich ausgeufert, weil ich die Gedanken schon lange mit mir herumtrage und sie endlich einmal loswerden wollte. Idee war, dass die ganzen Probleme unserer Zeit darauf zurückzuführen sind, dass wir uns künstlich kleinhalten (lassen). Das führt dazu, dass überall gejammert und geklagt wird, weil man sich ohnmächtig fühlt und "die da oben" ja sowieso alles in der Hand haben. Das ist meiner Auffassung nach der schlimmste Irrtum, und um ihn zu beseitigen, muss man mit einer neuen humanistischen Pädagogik ansetzen, die im Zentrum die Selbsterkenntnis und die Selbstverantwortung stehen hat.

> Habe deswegen auch vermutet, dass du der Typ bist, der lange schwurbelt und irgendwann verlangt, dass man Pädophilie unterstützt. Weil den hatten wir hier mal.

Wenn man nach dem geht, was ich in dem Faden geschrieben habe, würde sich zumindest auch in Hinblick auf Pädophilie etwas ändern. Wenn es zum Hauptziel wird, die eigene Autorität und die Verantwortung für das eigene Leben zu begreifen, könnten, so wie ich das sehe, viele Mißbrauchsfälle vermieden werden, weil schon früh darauf hingearbeitet wird, dass das Bewußtsein für sich selbst und die Gesellschaft ausgeprägt wird. Und sollte es einmal so etwas wie pädophile Kontakte geben, dann würde in dieser neuen Gesellschaft zumindest die Sichtweise darauf eine andere sein, weil man die Menschen darauf vorbereiten wird, für sich selbst einzustehen und nicht auf hinterhältige Beeinflussung hereinzufallen. In dieser gedachten Zukunft wären die Karten gerechter verteilt, weil keiner mehr die Schuld bei jemand anderem suchen könnte. Das ist nicht als Gehirnwäsche gemeint, denn es geht nicht darum, Verlangen oder sexuelle Orientierung einem Menschen auszureden oder zu verurteilen. Aber wenn Kinder und Erwachsene gleichermaßen, anders als heute, um ihre Eigenverantwortung wissen, könnte es zumindest eher möglich sein, dass Beziehungen zwischen Kind und Erwachsenem keinem gefährlichen Machtgefälle unterliegen.
Dass du dieses Thema ansprichst, ist gut, weil sich dabei klar zeigt, wie wichtig es ist, dass auch Kinder schon ein Selbstbewußtsein und Selbstverantwortung haben sollten. Viele Erwachsene heutzutage die äußerlich ganz normal scheinen, sind mental auf der kindlichen Ebene stehengeblieben, weil sie bis zum heutigen Tage nicht glauben, dass ihr Leben in ihren Händen liegt. Das sind dann genau die Gefahrenquellen, bei denen Übergriffe zu erwarten sind, die sich dann aus der Affäre ziehen wollen, indem sie sagen, niemand hätte ihnen je gesagt, dass sie allein Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen. Die im Faden skizzierte Theorie hätte also positive Auswirkungen auf das Thema Pädophilie, einerseits präventiv, andererseits als Vorbereitung, um vielleicht irgendwann es möglich zu machen, dass sich Kind und Erwachsener ebenbürtig begegnen können. Mein Hauptanliegen war das aber nicht.

_kkga Avatar
_kkga:#12619

Du prangerst die Unterdrückung des Kindseins an, indem du die von erwachsenen ausgehende Projektion von Wünschen und Erwartungen auf Kinder anprangerst. Und doch, in einer amüsanten Ironie, tust du das Selbe, indem du vom Kind erwartest das zu sein was du dir unter dem Kindsein vorstellst, und sie somit in ihrer persönlichen Entfaltung genau wie Schule und Psychologe behinderst. Indem du das Kindsein als vollkommenes darstellst, erhebst du die Erwartung das Menschen zum Kindsein (zurück)finden sollen, wodurch du die Entwicklung von Menschen nicht nur beeinflusst, sonder auch noch störst. Deine Verherrlichung des Kindes führt zur Rückentwiklung des Menschen. Jung und später auf Freud haben oft die Entwicklung des individuelen Menschen mit der Entwicklung der ganzen Menschheit verglichen. Vorgeschichtliche Stämme hatten wie Kinder den hang zum glauben an das Allmächtige, das alles was um sie herum exestiert gesteuert wird von magischen Wesen, welche wiederum von ihnen mit tänzen und Opfergaben beeinflusst werden können. Es war dieser arrogante Glaube an die eigene Allmacht, das die eigene Umwelt schlussendlich doch ihnen unterstellt war, das den Urmenschen dem modernen Kind gleichstellte. Den auch Kinder haben diese Vorstellung der eigenen Allmacht, der sie mit geschrei und tränen Ausdruck verleihen. Diese Vorstellung, das ihre Tränen alles besser machen können, führt dazu das sie Weinen, dieser Gedanke das sie sogar für den mächtigsten relevant sind lässt sie Beten und ihre Selbstgerechtigkeit lässt sie z.b and den Weihnachtsmann glauben.
Kinder sind unfassbar naiv, ignorant, arrogant und auch narzisstisch. Kinder sind grausame Wesen, ohne Verständniss für Gnade, Gerechtigkeit oder Emphatie, die nur sich selbst sehen. Das Kindliche scheint so wunderbar da es dass schamlose Ausleben dessen darstellt, was viele unterdrücken; Arroganz und egoismus, gemischt mit Unwissenheit und Narzismus.
Kinder wurden nur in "Frommen" Kulturen hoch geschätzt, also in denen, in denen die vorher genannten eigenschaften offiziel verhöhnt waren/sind.
Gegenbeispiele dazu sind Griechen und Römer, welche offensichtlich kein Problem damit hatten Kinder als Arbeitsvieh oder Sexsklaven zu missbrauchen. Bei den Griechen kommen noch die Spartaner in den Sinn, welche Kinder von anfang an als Krieger sahen und von ihnen auch dazu angemessenes Verhalten erwarteten. Mongolen und Japaner schienen auch nicht viel von Kindern zu halten; Temüdschin wurde als Kind als Sklave missbraucht und in Japan war Päderastie und eine Kriegerkultur verbreitet. Das Römer und Griechen arrogant und Narzisstisch waren, darüber müssen wir uns wohl nicht streiten. Mongolen hatten in ihrer Kultur keine Vorstellung das andere Völker ein Recht zur selbstbestimmung haben könnten, statdessen wurde die ganze Welt als Fläche zum Erobern gesehen. Japan hatte sich Jahrtausende von der Ausenwelt isoliert, und ist bis heute stolz und Xenophob. Die Idee der Kindlichen Heilligkeit ist etwas Christliches bzw. etwas Neuzeitliches. Eine neue Idee, die daraus resultiert das man in Kinder das sieht was man selber ist, aber nicht sein kann.
Aber auch das Christentum und Religionen allgemein sind sehr Kindisch. Wieder diese arrogante Idee ein Allmächtiges wesen kümmere sich um einen. Doch selbst moderne Religionen sind einen Schritt weiter, das sie die Allmacht von sich selbst wegnehmen und es voll und ganz einer über allem stehenden Essenz zugestehen.
Ich frage dich jetzt, willst du wirklich für immer ein Kind sein? Nur sich selbst sehend, ohne Blick für das Schöne in der Welt? Sollte man als Mensch nicht mehr sehen als sich selbst? Wie soll es Künste, Gemeinschaft und die Philosophie geben wenn jeder nur sich selbst sieht? Damit man als Mensch sein kann, und der Sinnlosigkeit unseres seins einen Sinn geben kann, muss man sich weiter entwickeln. So wie sich die Menschheit weiterentwickelt hat, muss sich auch der Mensch weiterentwikeln, sonst sind wir dazum verdammt alle unsere Errungenschaften in der Philosophie, in den Künsten und in der Wissenschaft zu verlieren, und wieder zu stupiden, hasserfüllten Wesen, unter der ewigen Unterdrückung von Königen und Göttern stehend, zu werden.

thehacker Avatar
thehacker:#12620

>>12619
Genau so etwas habe ich mir gewünscht, vielen Dank für diese Kritik, die ins Detail geht und den Inhalt durchklopft.
Mit den Belegen zur Betrachtung des Kindes aus anderen Kulturkreisen vervollständigst du das Bild und setzt das, was ich vorgestellt habe, in den angemessenen Rahmen. Es verhält sich wohl so, wie du schreibst, dass in den Frühkulturen ein gewisser unhinterfragter Trotz das gesamte Gruppenbewußtsein bestimmt hat, und auch, dass es bei Römern und Griechen solch ein kindliches Paradies weder als Begriff noch in der Wirklichkeit gegeben hat. Ich komme darauf, die Kindheit so in den Mittelpunkt zu stellen, weil es vielleicht gerade diese begriffliche Erfindung ist, die dem Menschen eine neue Richtung zeigt. Das soll nicht heißen, dass wir nichts lernen sollen oder rücksichtslos sind, als hätten wir niemals etwas gelernt. Ich glaube, die Tatsache, dass es diesen Begriff von diesem göttlichen Zustand der Kindheit gibt, lässt den Schluss zu, dass der Mensch immer wieder nach einem Zustand dieser Qualität strebt, aber mit den Mitteln, die angepriesen werden, ist das unmöglich. Wenn ich von einer Wiedererlangung der Kindheit spreche, so ist sie ja eine Wiederentdeckung nachdem man sich weit von ihr entfernt hat, so wie ich es in >>12577 aufgelistet habe. Dialektisch gesprochen wäre dann die erste Kindheit die These, die kulturelle Formung, das sogenannte "Erwachsenwerden" die Antithese und die Integration beider Teil die Erlangung der neuen Kindheit, die menschliche Vervollkommnung. Ich scheue mich, das Wort Kindheit zu ersetzen mit Übermenschentum oder solchen Ausdrücken, obwohl manche das angebrachter fänden, denn eine Kindheit, die schon Geschlechtsreife und volle Verantwortung kennt, ist im Sprachgebrauch keine Kindheit mehr. Es aber Übermenschentum zu nennen wäre ebenso arrogant, denn diese Ausbalancierung, die mit der Rückbesinnung auf die Wurzeln geschieht, ist ja nun eigentlich nichts, was nur wenigen Menschen offenstünde. Wenn man es nun aber Menschwerdung nennen würde, implizierte das, alle anderen, die ganz normal ihrer Arbeit nachgingen, seien nur Maschinen oder zurückgebliebene Pseudomenschen. Ich ringe da um den angemessenen Ausdruck.
Im Grunde genommen sehen wir es beide so, dass die Menschheit sich entwickelt, wobei meine Gedanken darauf hinzielen, dass das individuelle Bestreben und die Ausprägung des Verstandes, Bildung und Erziehung nur eine Phase sind. Und wenn ein Mensch in dieser Phase steckenbleibt und bis an sein Lebensende in einem Grau-in-Grau hängt, dann ist das eine Folge seiner Unwissenheit darüber, dass er die innere Kindheit mit seinen Fähigkeiten in Dialog treten lassen müsste, um den letzten Schritt zu bewältigen.

canapud Avatar
canapud:#12623

>>12620
Ich muss dir danken, den erst mit dem Parallelismus zum Übermenschen, habe ich ,so glaube ich, deine Aussage wirklich verstanden.
Du hast recht, in unserer Welt wird das Kind verherrlicht und beschützt, es gilt als ein Ideal, als etwas unantastbares und etwas perfektes, ein tabu. Und nicht nur das, auch wird oft das Kindliche naiver weise angepriesen, als Verkörperung der Unschuld und unverfälschten Liebe. Und doch wird zugleich das Kindsein belächelt und herabweisend behandelt.
Die Schule hat sich der Aufgabe gewidmet, den Menschen "erwachsen" zu machen i.e das Kind auszulöschen. Wenn sie in die Schule kommen, sind Kinder neugierig, voller Lebenslust und getrieben vom Drang zum lernen, und wenn sie dann 12-13 Jahre später als "erwachsene" wieder rauskommen, sind sie desinteressiert, gelangweilt (und langweilig) und haben sich meistens voll und ganz feige der herrschenden Struktur angepasst.
Aber ich will jetzt nicht in eine Schulkritik abrutschen.
Kinder haben diese Unbekümmertheit, eine vollkommene Freiheit ihrer Gedanken und auch ein Hauch der Desinteresse. Und ja, das sind Eigenschaften die „gut“ sind.
würden sie aufhören sich dauernd über Probleme die in erster Linie in menschlichen Köpfen entstehen (Schulden, sozialer Status...) sorgen zu machen, wofür könnten sie wohl die gesparte Energie benutzen? Der Zyniker wird jetzt sagen; "Zum zerstören und töten" und ich bin so Zynisch das zu sagen, und da kommen die letzten zwei Eigenschaften zu tragen; wenn Menschen mehr Desinteresse aufweisen würden, wäre die einzige Folge das Kriege, Hass und Zerstörung enden, da es einfach niemanden mehr interessiert. Der Wille zerstörerischen Ideologien zu folgen kommt aus (sexueller) Frustration, aber auch aus einem gesteigerten Interesse in Dinge die sie eigentlich nicht interessieren sollten. Ich will nicht sagen "Sachen die sie nichts angehen", denn den Menschen sollte alles etwas angehen, hat man aber ein gesenktes Interesse, so ist einem auch egal was Menschen machen, auch wenn man davon weiß und es einem nicht passt. Man steht in gewisser weise Darüber, nicht wie ein Übermensch, man steht aber darüber.
Die Freiheit der Gedanken ist auch wichtig.
>>12569 Schrieb schon das "erwachsene" auf Erfahrung zurückführen können, welche sie anhand systematischen Denkens zu Kunst, Philosophie und Wissenschaft verarbeiten können. Aber ich sage, die ankettung an Erfahrung ist eher schädlich für den Menschlichen Geist, da es die Gedanken beschränkt. Wie ein Asteroid, der durch das Ewige des Universums... "fliegt" bis er in die Fängen einer Sonne gerät, und nun für immer dazu verdammt ist um diese zu fliegen. Er fliegt jetzt in seiner Umlaufbahn, sicher vor den Gefahren im All, doch er wird nie die weiten des Universums sehen, da er von "seiner" Sonne festgehalten wird. So ist es auch mit Gedanken. Entweder man kann sie frei fliegen lassen und damit sprichwörtlich unvorstellbares schaffen, oder man beschränkt sich ewig auf seinen von Erfahrungen und Regeln geformten Raum.

vj_demien Avatar
vj_demien:#12624

>>12623
Unser erstes Buch oder unser erstes Videospiel beeinflussen unsere zukünftige Denkweise, und davon sollten wir uns loslösen, sodass wir neues Entdecken können, so das wir uns nicht in uns selbst verlieren.
Was ich sagen will, ich sehe ein das das Kindsein etwas erstrebenswertes ist, doch das Problem ist das Elend des Kindseins wie ich sie in meinem vorherigen Pfosten beschrieb. Als Lösung bietest du das der Mensch bei der Rückkehr zum Kindsein differenziert und kritisch denkt, und daher nur die "guten" Eigenschaften wiedererlangt. Eine ethnische Debatte darüber was im Kind "gut" ist, wäre auch interessant, aber egal.
Das Problem ist, dass das Kindsein eben das unbeschwerte und undifferenzierte brauch, um Kind-sein zu können. Wenn man also zum Kindsein zurückfinden will, muss man sich auch wieder der Freiheit hingeben. Mit Freiheit ist nicht der klassische Begriff der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit gemeint, sonder eher etwas, was man als hilflos bezeichnen kann. Man muss sich wieder seinen Gedanken, wünschen und auch trieben hingeben. Man ist wie ein Blatt, das vom Wind verweht wird. Der Poet mag es als Tanz beschreiben, doch eigentlich fliegt das Blatt nur hilflos durch die Welt, gesteuert vom Winde, nicht von seinem eigenen willen. Ein Baum, der das Blatt festhält, wäre in diesem Fall die Philosophie oder auch eine Ideologie, die eigene Persönlichkeit, die über die Jahre gewachsen ist und kräftiger wurde, die verhindern, das man in seinen Gedanken Hilflos von eben diesen weggetragen wird. Man kann mit diesem Baum nicht wirklich Kind sein, stattdessen wird man zu einer gewöhnlichen Variation eines erwachsenen, man wird; Kindisch.
Ein weiteres Problem ist das man, um die Kindheit differenziert wiedererlangen kann, sie zuerst verlieren muss. Und wenn jeder seine Kindheit verliert, wie will er sie dann wiederfinden? Wir müssen uns darauf besinnen, das Menschen Individuen sind, und obwohl sind im großen und ganzen gleich sind, variieren sie in den Details. Wie soll nun jeder zu seiner Kindheit zurückfinden? Erinnerungen verfälschen sich, Eltern können Lügen, wenn auch unbeabsichtigt in Folge von auf wünschen und Erwartungen basierenden Verfälschungen der Erinnerung.
Eine Lösung wäre natürlich, das Wesen des Kindseins auszudiskutieren. Doch wenn wir den Menschen vorschreiben was sie sein sollen, verkommt die Lehre nicht zur gewöhnlichen Ideologie? Wenn wir den Menschen vorschreiben zu was sie sich entwickeln sollen, tun wir nicht das was du scharf kritisiert hast; Menschen steuern?
Deine Idee fußt auch auf den momentanen Verhältnissen, auf dem Verlust des Kindseins. Doch was, wenn diese Verhältnisse weg sind? Was ist, wenn das Kindsein wieder pervertiert wird, wie bei den Nazis oder Spartanern, oder ganz ignoriert wird?
Um zum Kind zurückzufinden, muss man das Kindsein verlieren, doch wie sollen unsere Kinder das Kindsein verlieren wenn wir selbst wie Kinder sind? Kinder nehmen sich an erwachsenen ein Vorbild und wollen sich so entwickeln, das sie ihrem Vorbild entsprechen. Aber wenn die "verlorenen" Erwachsenen fehlen, dann kann sich ein Kind doch nicht selbst verlieren, weshalb es sich auch nicht wieder selbst finden kann. Deine Vorstellung der Rückkehr zum Kindsein kann nur dann erfüllt werden, wenn man das Kind in sich verliert, also bist du Kontraproduktiv.
Das größte Problem das ich sehe ist einfach das es Elend braucht um deine Idee auszuleben, Kinder müssen ausgenützt und unterdrückt werden, Menschen müssen sich verlieren, nur damit sich einige wenige wieder finden können. Und diese wenigen werden wiederum von der Masse der letzten Menschen unterdrückt und verspottet.
Cui bono?

kuldarkalvik Avatar
kuldarkalvik:#12625

>>12624
Ich bin beeindruckt. Was mir in deiner Kritik am wichtigsten für mich erscheint, ist die Gefahr, dass diese Sichtweise ideologisch verhärten kann und damit selbst Nährboden für eine neues Feindbild bietet. Das ist wirklich das größte Risiko und meist auch der Grund, warum ich mich mit meinen Ideen zurückhalte, die doch auf Freiheit und Eigenverantwortung hinauswollen, nimmt man sie aber wortwörtlich, werden sie zu einem neuen Gedankengefängnis. Das stellst du überzeugend heraus.

> Man ist wie ein Blatt, das vom Wind verweht wird. Der Poet mag es als Tanz beschreiben, doch eigentlich fliegt das Blatt nur hilflos durch die Welt

Tja, in dieser Skizze einer Theorie der umfassenden Kindheit habe ich wohl nur für mich impliziert, dass dieses Kind-Sein ein erleuchteter Zustand ist, in welchem man nicht mehr abhängig davon ist zu urteilen und auch nicht mehr abhängig ist, beurteilt zu werden. Die Losgelöstheit der Existenz als fliegendes Blatt wäre aus dem Zustand heraus weder hilflos noch kühn, waghalsig oder friedlich, sie wäre ein Zustand von reinem Da-Sein.
Es ist aber richtig, dass zum einen der allgemeine Anspruch, jeder sollte die Vollendung im Kind-Sein aufsuchen, aus den von dir genannten Gründen, und zum anderen, dass der Zustand sich der Definition entzieht - denn das Kind-Sein besteht gerade dadurch, dass es nicht verlangt, festgelegt zu werden oder in einer Theorie völlig erschöpfend erklärt werden zu können.

> Cui bono?

So gesehen ist und bleibt diese Option, die neue Kindheit in sich zu verwirklichen, eine Herausforderung für wenige. Ich denke sie mir als die Befreiung von innen heraus für Menschen, die sich rastlos, ratlos, ziellos sehen und denen Zustände von Verzweiflung bekannt sind. Ich verstehe diesen Weg als eine Alternative zu den Ideen eines Camus, der sagt, dass die einzige Entscheidung von Bedeutung ist, ob man sich umbringt oder nicht. Für mich ist die existenzielle Frage, ob man sich zu sich bekennt (und damit auch seine Verzweiflung annimmt, was Camus ja auch im Mythos des Sisyphos beschreibt, die Akzeptanz des Absurden) und zu seiner angestammten Mühelosigkeit des Seins zurückkehrt, oder ob man auf ewig in der Position eines widerwilligen Getriebenseins beharren möchte, bei der jede Veränderung im Leben sich anfühlt, als würde man gedrängt, genötigt, gezwungen.

carlosgavina Avatar
carlosgavina:#12626

Ich denke auch, dass Kindsein der erstrebenswerte Zustand ist. Im Erwachsenenalter bedingt dies z.B. wohl natürlich etwas zur Gesellschaft beizutragen, die Miete zu zahlen und ein Baby zu wickeln. Ich meine hier auch weniger den Tagesablauf, als eine geistige Einstellung. Mit meinen 29 Jahren kann ich mich noch sehr gut an die Kindheit erinnern, und einige Dinge, welche mich stark beschäftigt haben, hierzu ein Beispiel: mit 17 Jahren durfte man noch nicht wählen, an dem Tag, an dem man 18 geworden ist, war man auf wundersame weise wahlberechtigt. Als ob man ab diesem Tag erst ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft geworden ist, und einen Tag vorher hat sich niemand für deine Meinung interessiert. Dabei fielen einem schon als 10 Jähriger so viele offensichtliche Verbesserungsvorschläge für fast alles ein womit man zu tun hatte, zum Beispiel das Schulsystem. Mit 18 durfte man nun also wählen, hat dies auch ein paar mal gemacht, bis man merkt, das es egal ist welche Partei man wählt.
Ich vermute die Grenze wurde auf 18 gesetzt, damit das System sich schützen kann und nicht viel unvorhergesehenes passiert. Denn mit 18 ist man eigentlich kein Kind mehr, hat gemerkt dass es zwar so viel besser sein könnte, aber eben nicht ist, und wenn man etwas verändern will steht man ziemlich alleine da, denn die anderen Erwachsenen sind durch das System dazu verkommen, nichts mehr in Frage zu stellen, sondern brav seine Brötchen zu verdienen, wie es vom System her sein soll, obwohl sie die Fehler im System kennen, sie sind zu ausgelaugt um Veränderungen durchzusetzen, damit würde ich auch Erwachsensein definieren, so wie die Schildkröte Morle in der Unendlichen Geschichte. Und die, die am besten das bestehende System unterstützen, also dessen Macht erhalten werden am meisten belohnt, egal ob es auch viel besser sein könnte. Die wohl wichtigste kindliche Eigenschaft ist die Offenheit, ohne die keine wirkliche Weiterentwicklung stattfinden kann und eine gewisse Unvoreingenommenheit.

jehnglynn Avatar
jehnglynn:#12628

>>12626
>Ich vermute die Grenze wurde auf 18 gesetzt, damit das System sich schützen kann
Und das ist auch gut so. Mit 16 ist doch jeder Zweite Kommunist. Kommunismus aber zerstört Länder, siehe Weltgeschichte. Kommunismus ist das System, vor dem man Trecker und nach dem man Ochsen zum Pflügen benutzt.

>denn die anderen Erwachsenen sind durch das System dazu verkommen, nichts mehr in Frage zu stellen
Vielleicht wissen wir's aber auch einfach nur besser als du, mein jugendlicher Systemkritiker.

jodytaggart Avatar
jodytaggart:#12629

>>12628
Wieso sollte mit 16 jeder zweite ein Kommunist sein? Das ist vielleicht deine Meinung. Warst du etwa selbst mit 16 ein Kommunist? Also meine Meinung ist, das es Unterschiede und somit Anreize sich anzustrengen gibt und geben muss.
Du schließt aus der Vergangenheit auf die Zukunft, in Hinblick auf das System des Kommunismus, was in meinen Augen immer einen Fortschritt verhindert, siehe folgende zwei Einstein-Zitate: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.", 'Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen erscheint.".

Du sagst, du weist es besser, da du das System wie es ist als Fehlerfrei bzw. den bestmöglichen Zustand annimmst. Nicht sicher ob Troll.
Wieso wird technischer Fortschritt für Porifterhöhung zurückgehalten? Wieso gibt es so viele Kriege und Menschen die leiden auf der Welt? Wieso erzählen die Politiker fast nur Märchen? Wieso zocken die Banken und wenn sie verlieren zahlen die Steuerzahler die Zeche, sie können alao nur gewinnen. Wieso ist das Geld so enorm ungleich verteilt, wo doch jeder nur max. 24 Stunden am Tag arbeiten kann, wieso wird Ertrag aus produktiver Tätigkeit höher versteuert als Ertrag aus Finanzgeschäften, welche der Gesellschaft keinen reelllen Nutzen bringen?

Falls wirklich kein Troll, erkläre bitte wieso das aktuelle System in der westlichen Welt das beste ist, du scheinst es ja zu wissen.

jodytaggart Avatar
jodytaggart:#12630

>>12629
Im Prinzip fallen wohl jedem offensichtliche Verbesserungsvorschläge ein, ausser den wenigen, welche vom Status quo profitieren, also den Machthabenden.

danro Avatar
danro:#12631

>>12628
Du denkst scheinbar wie die Masse, also wenn jeder für das Geimwohl arbeitet geht es allen schlechter, dies ist ein durch das System propagierter Trugschluss. Es geht den allermeisten viel schlechter, wenn Menschen ein extremes Eigennutzdenken und Egoismus an den Tag legen.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#12632

>>12628
Braves Schaf hat die Meinung der Eliten übernommen:
zeigen die Ergebnisse einer zwischen Ende 2011 und Ende 2012 vorgenommenen Untersuchung über die Inhaber der 1.000 wichtigsten Elitepositionen in Deutschland.[2] Besonders deutlich wird das bei der Frage, ob die sozialen Unterschiede in Deutschland gerechtfertigt sind oder nicht. Während sowohl in soliden sozialwissenschaftlichen Umfragen (wie etwa dem Sozio-oekonomischen Panel) als auch in den regelmäßig veröffentlichten Medienumfragen stets ungefähr drei Viertel der Bevölkerung antworten, dass die Unterschiede nicht gerechtfertigt seien, sieht das Bild bei den Eliten anders aus. Nur 43 Prozent der Eliteangehörigen teilen in dieser Frage die Einschätzung der breiten Bevölkerung.
Qualle: http://www.bpb.de/apuz/181764/deutsche-eliten-die-wahre-parallelgesellschaft?p=all

safrankov Avatar
safrankov:#12635

>>12629
>>12630
>>12631
>>12632
Wow, so leicht ist /ph/-Bernd aufgeregt. Tatsächlich gehöre ich zur Elite, aber das Individuum sollte auf einem Imageboard ja eigentlich keine Rolle spielen. Umso lustiger, dass es hier am meisten ad hominem geht, Schaf etc.

Das Lustige an euren offensichtlichen Verbesserungsvorschlägen ist doch nur, dass ihr noch keine benannt habt. Was wollt ihr machen? Managergehälter deckeln? Dann gehen wir ins Nachbarland, fickt euch. Mehr Umverteilung? Nachbarland. Weniger um Wirtschaft kehren? Genießt eure zerfallende Infrastruktur. Ihr seid nun mal von der Wirtschaft abhängig und jeder Nachbarstaat wartet nur darauf, dass wir dort unsere Steuern entrichten. Zu glauben, das sei politisch regelbar, ist Unsinn. Das hier sind Machtfragen, und die entscheiden nun mal die Mächtigen. Wenn ihr nicht konform geht, geht ihr unter. So einfach ist das.

Finde auch lustig, dass es so viel Neid gibt. Ist schon klar, wir Finanzleute haben uns unsere Kacke nicht erarbeitet. Wir sind sowieso alle nur reiche Erben und dass wir wichtige Positionen in Konzernen innehaben und nicht ihr ist sowieso Zufall und keine Frage der Kompetenz.

Nicht alles am System gefällt mir, aber es entspricht nun mal der menschlichen Natur. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr nur Maulhelden seid; oder wer von euch arbeitet wirklich an einer besseren Welt in seinem Sinne? Irgendwer hier, der nicht nur im Internet rumflennt, sondern auf die Straße geht und anpackt? Demos meine ich nicht, Demos sind nur Wohlfühlveranstaltungen. Ich weiß noch die letzte Demo bei uns, wir haben einfach den Tag frei gemacht. Top kek.

grafxiq Avatar
grafxiq:#12636

Außerdem:
https://www.schekker.de/content/pro-contra-wahlrecht-ab-16

>So lehnen 52 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre ab – nur 25 Prozent befürworten sie.

Würdet ihr 16-Jährigen Entscheidungsgewalt geben, würden sie sie wieder abgeben. Nur verblendete Erwachsene, die nicht mehr wissen, wir stürmisch die Jugend ist, wollen ihr unbedingt Macht zusprechen. Selbst die Jugendlichen sehen ein, dass sie noch nicht reif sind.

joshkennedy Avatar
joshkennedy:#12637

>>12568
gespeichert als txt
Realisierung NR.1: Ich will philosophischer kinderficker werden.

ryanmclaughlin Avatar
ryanmclaughlin:#12638

>>12637
Wat?!

davidsasda Avatar
davidsasda:#12639

>>12632
>>12635
Ja, die wirtschaftliche Elite hat ihren Wohlstand immer durch die eigene Kompetenz erarbeitet. Die Unterschicht dagegen ist immer das Opfer von äußeren Umständen. Das sind schmeichelnde Denkmuster.

>Man unterscheidet zwei grundlegende Arten der Kausalattribuierung:
>Eine internale Kausalattribuierung liegt vor, wenn eine Person die Ursache eines Ereignisses bei sich sieht.
>Eine externale Kausalattribuierung liegt vor, wenn eine Person die Ursache eines Ereignisses bei anderen Personen, Umwelteinflüssen oder Faktoren sieht.
>In der Regel neigt der Mensch dazu, bei Erfolg eine internale Kausalattribuierung anzuwenden, d. h. er sieht sich selbst als Ursache für den Erfolg. Ein Schüler sagt so z. B., dass er eine gute Arbeit geschrieben hat, weil er gelernt habe oder intelligent sei. Bei Misserfolg wird bevorzugt die externale Kausalattribuierung herangezogen, d. h. er schreibt einer anderen Person oder einem Umwelteinfluss die Schuld an seinem Misserfolg zu.

hoangloi Avatar
hoangloi:#12641

>>12639
Schöne Westentaschenpsychologie, um weiter zu rechtfertigen, dass du mir den Erfolg nicht gönnst. Ich weiß, wofür ich gearbeitet und was ich erreicht habe, danke auch. Da noch rumzuwienern und zu erwähnen, dass es noch äußere Gründe gibt, ist ziemlich Hauptmann Offensichtlich. Jeder hat äußere Gründe, aber jeder kann sich selbst kontrollieren. Ich hab's auch ohne Verbindungen aus der Unterschicht rausgeschafft. Es ist sehr leicht in Deutschland, es nutzt nur keiner; Assikinder assen wieder rum.

Diese ganzen NEET-Überlegungen sind sowieso Jammern auf höchstem Niveau, abgetrennt von der Welt. In letzter Instanz geht's immer um Produktion und Waren. NEETs sind auch nur Zecken, die Sklaverei vorwerfen, eigentlich aber alle anderen versklaven wollen: Bring mir mein Essen, bring mir meine Unterhaltung, usw. - die Menschheit könnte ohne unsere Märkte gar nicht überleben. Und nur, weil wir alles an Chinesen outsourcen, heißt das nicht, dass nicht irgendwo richtige Drecksarbeit gemacht werden muss. NEETs spucken den Leuten, die sich in chinesischen Firmen zu Tode arbeiten, ins Gesicht. Widerlich; die NEETs müssten einen ganz eigenen Klassenkampf abbekommen. Die Arroganz der Durchgefütterten kennt aber keine Grenzen. Wie Kinder, die nicht verstehen, wie die Milch in die Tüte kommt; und der Strom ist natürlich in der Steckdose.

georgedyjr Avatar
georgedyjr:#12642

>>12641
OT, sowohl du als auch der auf den du antwortest.

syntetyc Avatar
syntetyc:#12643

>>12641
Dreckiger Dienstleister. Verklärt seine Systemhörigkeit zu Pflichtbewußtsein und hält seinen Hurendienst an der Wirtschaft für verteidigenswert. Braucht kein Mensch.

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andyisonline:#12646

>>12643
Systemhörigkeit, pfft - du bist dann wohl neethörig oder was? Es gibt Überzeugungen und deine ist noch die am wenigsten valide. Oh, aber Kantenbernd braucht das System nicht, huh? Dann verlass doch einfach unsere Gesellschaft und verreck im Wald. Oder ist es zu gemütlich sich auf die Arbeit anderer zu stützen und Gesundheits-, Nahrungs- und Unterhaltungsversorgung für lau abzukassieren? Scheiß auf das System, aber die Bauern sollen bitte weiter die Felder für dich bestellen, ja? Dir geht es definitiv zu gut, so eine Dekadenz kann man anders nicht erklären.

>>12642
Oh, stimmt. Entschuldige bitte. Wenn noch jemand mit mir diskutieren will, kann er/sie ja einen Faden aufmachen. Wenngleich ich denke, dass eh alles gesagt ist. Zecken werden saugen und sich dabei gut fühlen, weil sie so einmalige Schneeflocken sind. Ich übergebe dann wieder an die Kindheitsdebatte.

abdots Avatar
abdots:#12648

>>12646
Klar bin ich dekadent, aber isidor ist nur ein Symptom der Zeit. Was mich stört ist das Schwarzweißdenken von ehrlich arbeitenden guten, nützlichen Bürgern und den dreckigen nutzlosen Zecken. Es darf jeder nach seiner Facon glücklich sein, und besser ist es doch, den Taugenichts müßig sein zu lassen, schließlich ist erzwungene Arbeit in der Regel keine gute Arbeit. Jene, die mit echter Lust in den vorgefertigten Bahnen produktiv sind, sollen tun, wie ihnen beliebt, aber bitte Abstand nehmen von dieser 50er-Jahre-Moral.

likewings Avatar
likewings:#12649

Das hat jetzt nicht mehr so viel mit dem Faden zu tun, oder? Oder zeigt das den Konflikt zwischen Erwachsenenmentalität und Kind-Sein? Ich hoffe, der Faden wird nicht als Aufruf zur Verlotterung der Sitten verstanden.

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#12653

Das letzte fadenbezogene Thema war die Infragestellung, ob Kinder/Jugendliche überhaupt die Fähigkeiten zu dem haben, als was du sie gerne sehen würdest.

Es wurde dies infrage gestellt, da der Mensch als hierarchisches Tier schon biologisch keine sozial gleichwertigen Kinder hat und gerade beim Menschen das Reifen sehr lange Zeit in Anspruch nimmt.

Auch lehnten viele Jugendliche eine stärkere/gleichwertigere Machtposition nach Studien sogar ab.

snowwrite Avatar
snowwrite:#12654

Bis vor ein paar 100Jahre wurde man als kleiner Erwachsener behandelt, sobald man zusammenhängende Sätze sprechen und ein paar Kilo Gewicht tragen konnte.

Das Konzept Kindheit ist relativ neu.

keyuri85 Avatar
keyuri85:#12655

>>12654
>kleiner Erwachsener
Das Konzept Kindheit, wie wir sie kennen, ist tatsächlich neu, aber Kinder wurden damals keineswegs wie "kleine Erwachsene" behandelt, zumindest nicht in vielerlei Hinsicht. Arbeitskraft, Alkohol, schmutzige Geschichten? Klar. Aber sie waren halt herumschubsbare Knaben und Mädels, keineswegs auch nur potenziell Erwachsene, was Hierarchie und Selbstbestimmung angeht.

Insofern ist diese Behauptung immer sehr verklärt.

guischmitt Avatar
guischmitt:#12656

>>12653
> Mensch als hierarchisches Tier

Das klingt mir nach dieser Sache:

https://en.wikipedia.org/wiki/Appeal_to_nature

Der Mensch ist ein Tier, aber ein Tier, das besonders stark Wertsysteme schafft und verändert. Der Mensch sagt, er sei ein hierarchisches Tier, aber indem er sich das bewußt macht, kann er etwas daran ändern. Der Mensch leidet weniger an seiner Tiernatur, als daran, dass er noch nicht Mensch genug ist, indem er philosophisch vorgeht und die Wertsysteme und Hierachien umwirft.

> Auch lehnten viele Jugendliche eine stärkere/gleichwertigere Machtposition nach Studien sogar ab.

Du beziehst dich jetzt darauf, dass Jugendliche nicht wählen wollen? Das ist doch kein hinreichender Beweis für die Unlust zur Selbstbestimmung. Genauso gut kann man daraus folgern, dass Jugendliche instinktiv sehen, dass über Wahlen keine wirkliche Veränderung, keine echte Mitsprache erreicht wird. Deshalb werden sie apathisch, weil die Gesellschaft sie nicht ernst nimmt - deswegen nehmen sie die Gesellschaft auch nicht ernst.
Einer von beiden muss Vertrauen in den anderen setzen, und das sollte die ältere Generation sein, weil sie traditionell Entscheidungsgewalt besitzt. Wo sollen Jugendliche denn selbstbestimmtes Leben und Denken lernen, wenn man ihr Leben implizit für hoffnungslos links liegen lässt? Wenn sie nicht von frühauf aus ihrer Reserve gelockt werden, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass ihre Entscheidungen im Erwachsenenalter auch nur Ausdruck ihrer anhaltenden geistigen Abhängigkeit ist.

Die Position, die ich vorstelle, die umfassende Kindheit, will die Gegensätze zusammenbringen, Kindheit auf das ganze Leben ausweiten und Verantwortung und Autorität so früh wie möglich erwecken. Mir ist bewußt, dass weder Politik, noch Religion, noch die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt nach diesen selbstständigen Menschen, diesen gefestigten und doch flexiblen Menschen fragt, denn sie sind die Stützen und die Schöpfer der kommenden Generation. Sie mögen sich in die Haare kriegen mit den Ewig-Gestrigen, aber es ist menschlich gesehen die einzige wirkliche Option, endlich den Schleier des Betrugs zu zerreißen und Menschen der verschiedensten Nationen nicht fahrlässig dem Leben zu überlassen, ohne an ihr Herz appelliert zu haben, um ihnen ihre eigene Stärke vorzuführen.

aleclarsoniv Avatar
aleclarsoniv:#12658

>>12654
> Das Konzept Kindheit ist relativ neu.

So wie das Konzept der Menschenrechte.

jacobbennett Avatar
jacobbennett:#12660

>>12656
Im Wesentlichen stehe ich auch gar nicht wider deiner Position. Aber "so früh wie möglich" - dieser fließende Zeitraum - wird von verschiedenen Personen an verschiedene Zeitpunkte gesetzt. Ich stimmt mit dir darin überein, dass es so früh wie möglich sein sollte, doch wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, das herauszufinden steht aus.

Ich denke auch nicht, dass das allein durch Überlegung feststellbar ist. Hierzu bräuchte es Studien, deren Konzeption und Durchführung wohl mehr als Komplex wäre; gerade auch, weil wir uns in einem System befinden, das vorwerfbarerweise vielleicht sogar Unmündigkeit produziert.

Der "Appeal to Nature" ist kritisierbar, aber ich bezweifle, dass man die menschliche Natur außer Acht lassen kann, wenn es um die menschliche Kultur geht. Und ganz ohne Veranlagung sind auch wir nicht, ohne, dass ich diese Veranlagungen nun wirklich sicher abgrenzen kann. Dafür bin ich zu wenig Beobachter und zu sehr Teil.

remiallegre Avatar
remiallegre:#12662

--fortsetzung--

Das Umstürzen von Hierarchien ist übrigens ein sehr beliebtes Thema, aber ich halte den Ansatz für fehlgeleitet. Hierarchie ist ausgesprochen nützlich und entspricht einer vertikalen Arbeitsteilung - und Teilung von Arbeit ist immer eine sehr produktive Sache.

Das soll nicht heißen, dass Hierarchie überall, wo sie besteht, so gut ist. Zweifelsohne gibt es Hierarchie, die besser gestaltet werden kann. Aber eben eine Umgestaltung und weniger das Stürzen aller Hierarchie ist ein gangbarer Weg.

Ich kann mir ehrlich gesagt eine Menschheit ohne Hierarchie gar nicht vorstellen. Von daher scheint mir Hierarchie nicht nur der menschlichen Natur zu entsprechen, sondern auf unserem Niveau von Wohlstand sogar unabdingbar.

Wie eine hierarchiefreie Welt bestehen sollte, müsste man mir erstmal erklären.

irsouza Avatar
irsouza:#12664

>>12662
Das steckt viel Richtiges drin. Allerdings:

> Hierarchie ist ausgesprochen nützlich und entspricht einer vertikalen Arbeitsteilung

Hierarchie ist eine Rangfolge und auch eine Art von Machtgefälle. Keiner sagt, dass alle das selbe tun sollen, die Leber kann ja auch nicht tun, was das Gehirn tut. Aber die Leber herrscht nicht über das Gehirn und das Gehirn nicht über die Leber. Genauso sollte es auch in der Gesellschaft sein, dass die Dinge stark vernetzt, aber selbstbewußt sein sollten.
Dass die Gesellschaft "Organe" ausbildet, unterstellt nicht, dass diese hierarchisch gegliedert sind. Die Dinge wirken zusammen und sind aufeinander als Einheit abgestimmt, aber es gibt keinen Herrscher unter ihnen. In einer idealen Gesellschaft sollte jedem Ausübenden einer gefragten und nützlichen Tätigkeit das selbe Ansehen zukommen, finde ich. Aber dann müsste man wieder einmal wissen, was nützlich (oder auch notwendig) ist. Es wird auch immer Betrüger geben, die künstlich Bedürfnisse erzeugen oder den Menschen weismachen, man bräuchte sie, und so schlagen sie die Menschen in den Bann, so wie es seit Jahrhunderten geschah und geschieht mit organisierter Religion.
Organisierte Religion postuliert eine Hierarchie. Sie hat Macht, weil die Leute glauben, sie wären selbst nicht dazu in der Lage, ihr Leben in die Hand zu nehmen oder aus sich heraus Hoffnung zu schöpfen und die Verbundenheit mit der Schöpfung zu sehen.
Ähnlich ist es mit der Regierung. Der Mensch lässt sich bequatschen, er sei unfähig, sich selbst zu organisieren, darum gibt er seine Stimme ab und lässt andere für ihn entscheiden. Notwendigerweise wird er dabei über den Tisch gezogen.
Also, Spezialisierung und Organisierung ist unumgänglich, aber eine Heirarchie muss es dabei nicht geben. Ich spitze es zu:
Eine Gesellschaft wird hierarchisiert, wenn ihre Mitglieder den Glauben an ihre eigene Macht verlieren.
Oder andersherum: Wozu bräuchte es eine Hierachie, wenn der Mensch sich selbst erkennen würde? Es wüsste, was er kann, was er zu tun hat und was er ist. Autorität ist Selbsterkenntnis, alle Autorität kommt mit der Selbsterkenntnis.
Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass die ersten Herrscher nicht aus körperlicher Stärke, sondern aus überlegener Selbsterkenntnis zu ihrer Macht gelangt sind. Da kollektives Erwachen aber nicht von jetzt auf heute geschieht, wird Hierarchie noch einige Zeit ein notwendiges Übel bleiben. Sie dürfte aber verpuffen, wenn der Großteil der Bevölkerung durch Erkenntnis wieder Verbindung zu ihrer angestammten Macht gelangt.

craighenneberry Avatar
craighenneberry:#12665

So wie ich isidors Text verstehe, geht es ihm nicht um Einebnung aller Lebensalter, sondern um die Ermöglichung einer Einlösung der Kindheit - auch in den späteren Lebensphasen. Ich kann der Rede und ihrer Ambition nur beipflichten.
Die Anpassungszwänge sollten möglichst gemindert werden und die Einzelnen sollten in der Lage sein, ihre kindlichen Ambitionen und Wünsche auch in fortschrittenem Alter 'aufzuheben'. Will meinen: Die Möglichkeitsbedingungen dafür, dass ein Mensch sich seine Wünsche erfüllt, seine Erwartungen erprobt und informierte Urteile fällen kann, sollten möglichst gegeben sein. Das sind sie nicht immer. Es gibt einen wirtschaftlichen Anpassungszwang, der den Menschen teilweise die Luft zum Atmen raubt. Andererseits: Was man sieht, ist auch nicht immer eine Verunmöglichung von Individualität, Kindheit, oder wie immer man es auch nennen mag.
Insofern muss man sicherlich sagen, dass es sich bei isidors Essay eher um eine utopische Übertreibung als um eine dialektische Erörterung handelt. Ist das schlechter Stil? Ist das ein 'KO-Kriterium'? Nein, als prinzipielle Ermahnung und Erinnerung, als 'Topos', ist der Text meiner Meinung gerechtfertigt.
Eine andere Frage ist die nach der konkreten Umsetzung, und da will ich >>12662 zustimmen, dass es eine Frage des Augenmaßes ist un dass es Bestandteile unserer Kultur gibt, die bewahrenswert sind. Und auch darin: "Zweifelsohne gibt es Hierarchie, die besser gestaltet werden kann."
Das Pathos der Jugend kann die Nerven auch manchmal auf die Probe stellen, wenn man sieht, wie sehr Jugendliche bereits in einer "Matrix" gefangen sind (>>>>12601). Es gibt ein falsches und ein richtiges Pathos der Jugend. Eines, das das Unheil vergrößert, indem es Heilung sein will, und eines, dem zuzuhören lohnt.

salleedesign Avatar
salleedesign:#12666

>>12664
Ich finde deine Metaphern ja eigentlich ganz hübsch, aber ich sehe nicht, wie man sie (in dieser Harmonie) auf unsere Gesellschaft applizieren könnte.

Oder viel mehr: Unsere Gesellschaft ist bereits der beschriebene Körper. Das Gehirn hat jedoch offenbar eine übergeordnete Sonderrolle. Natürlich überlebt es nicht ohne die "Arbeiter", aber diese tun ohne passende Impulse auch nichts Dolles.

>Wozu bräuchte es eine Hierachie, wenn der Mensch sich selbst erkennen würde?

Jetzt mal ganz plump: Aus Selbsterkenntnis folgt nicht, dass jemand eine Aldi-Filiale baut, die passenden Güter bestellt werden und alles sauber im Regal steht.

Ganz zu schweigen von der Arbeitsverteilung usw. Das alles braucht Organisation, und Organisation ohne Hierarchie - wie? Schlägst du eine Demokratisierung aller Betriebsprozesse vor? Ich denke, das würde allerlei Dinge in die Scheiße reiten. Für viele Dinge ist Spezialwissen erforderlich. Also dann Repräsentation? Dann ist Hierarchie nur noch ein Beliebtheitswettbewerb. Ergo bleibt nur Kompetenz übrig, und das haben wir. Im Optimalfall.

All diese Denkgebäude, die ich hier finde, sind in sich stimmig, gehen jedoch davon aus, dass magischerweise alle Menschen vollends selbstlos sind, wissen, wie sie ihre Arbeitskraft optimal investieren können und LKWs ungelenkt mit Waren beladen und transportiert werden können.

>Der Mensch lässt sich bequatschen, er sei unfähig, sich selbst zu organisieren

Ich bin im Übrigen auch ziemlich glücklich darüber, dass Repräsentation einigermaßen etabliert ist und funktioniert.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article134799279/Warum-jetzt-viele-Deutsche-die-Todesstrafe-fordern.html

Nur so ein Beispiel für relativ zufällige Schwankungen. Wenn die Anspannung im Land weiter wächst, wird's weiter wachsen.

Ganz zu schweigen davon, dass wir in der angespannten Lage mit Griechenland wahrscheinlich einen Krieg angefangen hätten, wenn der Wutbürger entscheiden hätte können.

Jetzt könntest du natürlich einwenden, dass das kein Problem mehr sei, wenn ja nur alle die volle Selbsterkenntnis hätten. Dann wandelt man hier aber auf dem Feld, das die eigene Meinung zum absolut Richtigen erklärt - und damit haben wir nicht nur eine Hierarchie, sondern diktatorische Allmachtsphantasien, versteckt unter dem Deckmantel philosophischer Notwendigkeit, die schlichtweg nicht existiert.

Habe übrigens einen Fetisch für Mädels mit Hörnern.

ninjad3m0 Avatar
ninjad3m0:#12667

>>12666

> Welt-Artikel über Forderung der Todesstrafe

Okay, jetzt schäme ich mich ein wenig dafür, wie unrealistisch meine Forderungen sind. Ich denke, weil ich nichts davon bemerke, wie Lynchjustiz befürwortet wird und Asylanten Frauen vergewaltigen und lebendig begraben, würde es das nicht geben oder es wäre zu vernachlässigen. Dabei halte ich meine oder deine intellektuellen Fähigkeiten für eigentlich ziemlich zugänglich, aber das ist wohl der größte Fehler. Philosophische Gedanken werden gescheut von der Bevölkerung, verlacht, und Selbsterkenntnis ist so etwas das letzte, was Otto Normal überhaupt in Erwägung ziehen würde. Vorher vergammelt er oder sie mit 9000 Pissflaschen oder 9001 Katzen in seiner Wohnung und gibt alles verloren.
Ich bilde mir tatsächlich ein, dass es nur ein kleiner Schritt wäre, um die Dinge anders auszurichten, aber das ist ein Irrtum und ein Beitrag wie deiner hat mich wieder auf den Boden gebracht. Jetzt könnte ich mich verstecken und schützen und sagen, ja, Philosophie muss ja auch nicht gleich zu Taten anspornen, besonders nicht eine so unausgegorene Theorie. Nur für mich ist dann einmal wieder die natürliche Folge, in Ablehnung gegenüber das große Weltgeschehen zu verfallen und alle Anstrengungen verloren zu geben.

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#12668

>>12666
Auch: netter Fetisch, hebt sich ab von den typischen Sachen.

tomgreever Avatar
tomgreever:#12670

>>12666
Nette Satanistentripletten

>Oder viel mehr: Unsere Gesellschaft ist bereits der beschriebene Körper. Das Gehirn hat jedoch offenbar eine übergeordnete Sonderrolle.

Jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft besitzt aber ein Gehirn, ja eigentlich ein ziemlich gleiches Gehirn.

>Ganz zu schweigen von der Arbeitsverteilung usw. Das alles braucht Organisation, und Organisation ohne Hierarchie - wie? Schlägst du eine Demokratisierung aller Betriebsprozesse vor? Ich denke, das würde allerlei Dinge in die Scheiße reiten. Für viele Dinge ist Spezialwissen erforderlich.

Spezialwissen wurde von den entsprechenden "Spezialarbeitern" auch mal in einer Ausbildung gelernt, genauso wie eigentlich jeder andere Arbeiter auch eine Ausbildung erhalten hat. Wieso sollte die eine Arbeit mehr wert sein als eine andere, wenn doch alle benötigt werden um das Produkt zu erschaffen, wenn eines wegfallen würde, gäbe es schon kein Produkt mehr.
Des Weiteren ist es erwiesen, dass bestimmte Firmen im Silicon-Valley, die ohne Hierarchie arbeiten effizienter arbeiten, als normale hierarchiche Strukturen:

Valve is a completely flat company, with no hierarchy, and everyone has to find their own project or start their own project and recruit other employees to the cause. You have no boss, no one can tell you what to do. Some companies have occasional hackathons or hack weeks; Valve is run like a perpetual hackathon. Google had 20% time; Valve Software lets every employee have 100% time.

As I shall be arguing below, Valve is trying to become a vestige of post-capitalist organisation within… capitalism. Is this a bridge too far? Perhaps. But the enterprise has already produced important insights that transcend the limits of the video game market.

http://www.eugenewei.com/blog/2013/1/9/the-most-interesting-company-in-tech-valve

Kurz gesagt du verteidigst einfach den Status quo, wie alle ewig-gestrigen Systemlinge.


>>Der Mensch lässt sich bequatschen, er sei unfähig, sich selbst zu organisieren

>Ich bin im Übrigen auch ziemlich glücklich darüber, dass Repräsentation einigermaßen etabliert >ist und funktioniert.

Ja sie funktioniert ja so wunderbar, siehe unseren Finanzminister, bei dem einfach ein Geldkoffer verschwunden ist oder Hoeneß, der sich noch beschwert, dass er für seine Steuerhinterziehung eine kleine Strafe bekommt. Und Merkel ist ja so voller Tatendrang, die wird uns bestimmt alle retten.
Schön, dass du damit glücklich bist, die meisten Menschen sind es nicht ->
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/studie-60-prozent-der-deutschen-zweifeln-an-demokratie/11412198.html

Dein Welt-Artikel besagt, dass die Zustimmung für die Todesstrafe wieder auf dem Stand von 2000 und 1992 ist, nämlich 25% . Toll es geht einmal minimal hoch in dem Diagramm. 1979 War es z.B. 44%

Zum Thema Wutbürger und Krieg: Mittlerweile werden schon "besorgte Bürger" als rassisten dargestellt, nur weil sie das Wort Wirtschaftsflüchtlinge benutzen. Die Medien biegen wie immer alles so hin wie es für sie am besten ist, und jeder der Systemkritisch ist wird mit der Nazikeule geschlagen, Geschäft wie üblich. Dass hier eine Mehrheit für Krieg ist hast du dir wohl sonstwoher gezogen.

>Jetzt könntest du natürlich einwenden, dass das kein Problem mehr sei, wenn ja nur alle die volle Selbsterkenntnis hätten. Dann wandelt man hier aber auf dem Feld, das die eigene Meinung zum absolut Richtigen erklärt - und damit haben wir nicht nur eine Hierarchie, sondern diktatorische Allmachtsphantasien, versteckt unter dem Deckmantel philosophischer Notwendigkeit, die schlichtweg nicht existiert.

Dazu sage ich nur wieder Status quo. Die aktuelle Politik und Medien etc. also die Propagandamaschinen erklären auch nur Ihre eigene Meinung als die richtige, jeder der eine andere Meinung vertritt ist ja ein Nazi-Wutbürger. Die Gehirnwäsche ist so stark, das mittlerweile die Toleranten vollkommen intollerant gegenüber anderen Meinungen sind. Jeder muss tolerant sein gegenüber Flüchtlingen, jede andere Meinung wird nicht toleriert. So gut kann das System die Meinung manipulieren und die meisten merken es nicht, wenn sie Tagesschau gucken oder Bild lesen.

Dein Fetisch für Teufels-Mädels kann man sehr gut nachvollziehen, viel Spaß dabei noch.

smenov Avatar
smenov:#12671

>>12667
Mit sich im Keller verstecken wird sich nichts ändern. Wie hieß es so schön: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es ist nur deine Schuld wenn sie so bleibt."

Dass die meisten Menschen keine Lust haben, sich für eine selbstbestimmte Welt einzusetzen, ist weil die Kinder "zum Spielball und zur Marionette von Eltern, Lehrern, Medien, Politikern." -werden.
Sie sind quasi so erzogen nichts in frage zu stellen, die Mächtigen mögen keine Feinde.
Es gibt überall solche Systemlinge die einem sagen das geht eh nicht wie du es dir denkst, so wie es ist ist doch alles gut. Das sind wie bei Matrix Agenten - Dr. Smith's, das kann jeder sein. Die Machtmaschine hat die meisten so assimiliert, dass sie Machterhaltend für das System agieren. Wenn man aber genau hinschaut und nicht nur Bild/Welt/Spiegel/sonstige Systempropaganda liest, sieht man schnell wie viele Dinge im Argen liegen. Der Schlüssel ist wohl wie ein Kind zu schauen. Immer kritisch sein, alles hinterfragen und sich nicht bequatschen lassen.

>Dadurch wird Begeisterungsfähigkeit, Schöpfergeist und Genialität begünstigt.

>Kindlichkeit bedeutet mentale Flexibilität und Offenheit, die Fähigkeit zur Vergebung, Schöpferkraft und Spielfreude

dass sind die Dinge, die die Menschheit voranbringen.

mugukamil Avatar
mugukamil:#12672

>>12670
Valve ist ein interessantes Beispiel. Wird immer hervorgehoben, dass flache Hierarchie so gut funktioniert - sieht man ja auch super an Half Life 3. Valve hat einfach nur den Luxus, dass ihnen Geld von allen Seiten entgegengeworfen wurde, weil Steam halt das Default-DRM für alle Entwickler geworden ist, die keine eigene Plattform hochziehen wollen.

Davon abgesehen, dass Valve nun fast schon ein Anti-Beispiel ist, sind flache Hierarchien aber was Feines. Ich persönlich mag flache Hierarchien für Projekte, gerade in der Softwareentwicklung kann man das super handhaben, weil alle Beteiligten auch gut die technischen Hilfsmittel zu nutzen vermögen.

Ist aber auch was anderes als multinationale Konzerne, die zehntausende Tonnen von Gütern lenken. Ich weiß, es ist immer verführerisch auf den abstrakten Ebenen zu denken. Wir sind alle Geistgestalten, alles ist Software, usw. - das meiste ist aber halt doch nur dreckige Arbeit sehr physischer Natur, wenngleich sie aufgrund des Medieneinflusses für viele (ich vermute auch dich, aber wer weiß) immer unsichtbarer wird.

Und für diese Prozesse eine hierarchiefreie Lösung zu finden - na viel Spaß. Schon eine flache Hierarchie ist aufgrund der Komplexität schwierig.

Ich weiß aber auch gar nicht, warum Hierarchie verteufelt wird. Divide and Conquer ist doch nur clever. Jedes Problem sollte eine angemessene Lösung erfahren, und alle Hierarchien stürzen zu wollen, weil man mag sich halt nichts sagen lassen, ist sehr über den Kamm.

Das mit der Mehrheit für den Krieg war natürlich Übertreibung, dass man das auch noch sagen muss. Aber es hätte halt den Grexit gegeben und schon gar kein Geld, was zu einem schnellen Kollaps und großen Versorgungsproblemen für viele Menschen geführt hätte.

Die Statistik sollte auch nur zeigen, dass eine Mehrheitsentscheidung nicht das sein muss, was man für gemeinhin als wünschenswert erachtet, und auch in grundlegenden Fragen diese stets vibriert. Würdest du die Todesstrafe befürworten, wenn 80% der Bevölkerung dafür wären? Denn es könnte irgendwann wieder passieren. Gerade, wenn du kurz nach dem medialen Breittreten eines Kinderschänders fragst, wirst du einige Prozentpunkte mehr haben.

Deinen vorletzten Absatz kann ich so unterschreiben, verstehe jetzt aber nicht, warum du ihn auf meinen antwortest. Wahrscheinlich habe ich zu viele harte Worte geschmissen?

markgamzy Avatar
markgamzy:#12674

--- dlc ---

Angefügt sei, dass Status Quo als Abmahnung albern ist. Nur, weil sich ein Zustand etabliert hat, sagt dies nichts über seine Güte aus. Eher noch könnte man spekulieren, dass er sich durchgesetzt hat, weil er von hoher Qualität ist. Aber das ist kein notwendiger Kriterium.

likewings Avatar
likewings:#12678

>>12672
Also bist du auch für flache Hierarchien, " ...sind flache Hierarchien aber was Feines. "

Natürlich gibt es eine Arbeitsteilung, was auch gut und richtig ist, dies hat aber nichts damit zu tun, ob eine Arbeit mehr wert ist als eine andere, wie gesagt es braucht alle Arbeitsschritte um das Endprodukt herzustellen, wenn eines fehlt, scheitert es. Für eine längere Ausbildung sollte man aber auch mehr verdienen, da der Aufwand hier höher war bis man arbeiten kann. Für ein höheres Arbeitsrisiko bzw. Verantwortung auch.
Eine Hierarchie im Sinne einer Arbeitsteilung ist in Ordnung, eine Machthierarchie bei dem sich einige wenige Anmaßen über dem Rest zu stehen, ist falsch und hinderlich für die Weiterentwicklugn der Menschheit insgesamt. Denn was für die Masse gut ist, ist für die Menschheit gut. Was für 0,01% gut ist und für die Masse schlecht (siehe z.B. Bankenrettung) ist eine Behinderung der Fortentwicklung. Evolutionsbremse könnte man auch sagen. Genauso wenn das Geld für Militärausgaben stattdessen in z.B. Medizinforschung gehen würde, wäre der Nutzen für alle ungleich höher.

Du sagst, Teile und Herrsche ist clever - du bist vielleicht auch einfach ein Egoist, der sich für was besseres hält.

Grexit wäre gut gewesen, es gab schon öfters Staatspleiten und das hat die Staaten nicht zerstört, der aktuelle Zustand in Griechenland ist dagegen unhaltbar.

Die Umfragewerte für die Todesstrafe schwanken - ja und, was schwankt denn nicht? Du sagst, ein mediales Breittreten eines Kinderschänders verändert die Prozentpunkte - ja wer ist dann Schuld, der der es den Leuten immer ins Gehirn presst über irgendwelche Nachrichten oder der, der sich daraufhin besorgt fühlt?


Meinen vorletzten Absatz habe ich in Bezug auf den Grüntext geschrieben ?!?


Zum Thema Status Quo musst gut sein weil er da ist: schau mal in die Geschichte, die Menschen dachten eine Zeit lang, die Sonne dreht sich um die Erde. Nach deiner Logik muss dieser Gedanke richtig sein, da er sich etabliert hat. Das gleiche kannst du für das 3. Reich sagen. Eigentlich für alle gemachten Fehler. Es passiert so oft, dass der Status Quo für veraltet erklärt wird, weil eine bessere Lösung gefunden wurde, ohne dies wären wir noch Höhlenmenschen.

Lies weiter Spiegel und Welt und schau blß nicht über den Tellerrand, mein ewiggestriger Freund.

carlyson Avatar
carlyson:#12679

>>12678
>Nach deiner Logik muss dieser Gedanke richtig sein, da er sich etabliert hat.
Ach, langsam wird's fad. Ich habe sogar ziemlich explizit gesagt, dass der Status Quo noch kein Gütezeichen ist.

Auch allgemein steckst du mich ziemlich hart in eine Schublade, dass ich schon gar nicht mehr Lust habe überall aufzuzeigen, wo du an mir vorbeiredest. Du scheinst dir ein ziemlich simples Feindbild gemacht zu haben und das auf mich zu projizieren.

Auch kommst du ohne Arroganzien wohl nicht aus, "mein ewiggestriger Freund", lol.

alexradsby Avatar
alexradsby:#12682

>>12679
>Nach deiner Logik muss dieser Gedanke richtig sein, da er sich etabliert hat.
>Ach, langsam wird's fad. Ich habe sogar ziemlich explizit gesagt, dass der Status Quo noch kein Gütezeichen ist.

Ok ich habe leicht übetrieben, du hast gesagt "Eher noch könnte man spekulieren, dass er sich durchgesetzt hat, weil er von hoher Qualität ist"
und "Nur, weil sich ein Zustand etabliert hat, sagt dies nichts über seine Güte aus" also zwei Sätze die sich gegenseitig relativieren. Natürlich hat sich ein Zustand etabliert, weil er zu dem Zeitpunkt in der Vergangenheit wohl "gut aussah". In der Zukunft muss dies nicht mehr so sein. Also muss es so sein, dass der Status Quo gar nichts über die Güte des Statusses aussagt, hier sind wir einer Meinung.

Der Kommentar "mein ewiggestriger Freund" war auf den vorigen Kommentar "Vielleicht wissen wir's aber auch einfach nur besser als du, mein jugendlicher Systemkritiker." bezogen. Ok das ist ein paar Tage her und kann daher als vergessen angesehen werden, ich nehme dies im Sinne der Diskussion zurück. Auch waren manche Sätze nicht ganz Taktvoll, das räume ich ein.

Können wir nun weiter Diskutieren? Du sagst ich stecke in einer Schublade, das gleiche könnte man über dich sagen, vertrittst du doch auch vehement eine Position, also es passt auf uns beide in gewisser hinsicht. Bitte Zeig mir auf, wo ich an dir vorbeirede.

Ich habe kein "simples Feindbild", ich vertrete eine Position, so wie Du. Und meine Meinung ist womöglich falsch, so wie deine womöglich auch - bitte überzeuge mich mit belegbaren Fakten bzw. logischen Gedankengängen hiervon.

devankoshal Avatar
devankoshal:#12686

Mit "an mir vorbeireden" meine ich keine inhaltlichen Kritikpunkte an deinen Aussagen, sondern dass du mir gegenüber mit Dingen argumentierst, denen ich gar nicht widerspreche.

Beispielsweise äußerst du dich sehr medienkritisch und nimmst hin und wieder implizit an, ich hielte Welt und Spiegel oder Tagesschau für verlässliche Quellen.

Das im Einzelnen auszuführen habe ich gerade nicht die Muße - ich denke auch, dass dies ausufern würde, also versuche ich mal das Thema zu verengen. (Wenn du weitere hast, die du weiter ausführen willst, bring sie ruhig wieder an den Tisch.)

Was meiner Ansicht nach ein zentraler Streitpunkt ist:

>Also bist du auch für flache Hierarchien

Ich bin nicht für flache Hierarchien, sondern für die jeweils passende Methode. Flache Hierarchien können die passende Methode sein (und machen außerdem Spaß). Aber ich denke nicht, dass flache Hierarchien der beste Weg sind, um alles.jpeg zu verwalten.

Gerade Regierungsangelegenheiten erfordern gefühlt hohe Hierarchien. Wenn diese das Prinzip der Subsidiarität würdigen würden, betrachtete ich diese bereits als optimal.

Verdeutlicht dies meine Position?