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Veröffentlicht am 2015-08-17 23:07:36 in /ph/

/ph/ 12747: Erkenntnis und Glaube

olgary Avatar
olgary:#12747

Was ist so schlimm an Gnosis, Bernd? So wie ich das sehe, gibt es in jedem Erdteil einmal das System für die Massen und das System für die Denker.
Das System für die Massen ist die jeweilige "herrschende" Religion. Religion ist ein Regelsystem, dem man sich unterzuordnen hat, im Gegenzug dafür wird man durch die Gemeinschaft gestützt und kann annehmen, dass man das versprochene Heil erhält.
Das System für die Denker ist die jeweilige Philosophie. Philosophie untersucht Bräuche, Regeln und Ideen.
In jedem Erdteil gibt es nun Angebote für die Massen, den Islam der Sunna, die katholische Kirche und so weiter. Dies ist für alle Menschen, die sich zufrieden geben mit einer fertigen Antwort - Religion muss geglaubt werden.
Aber in jeder Kultur gibt es auch den Weg des Einzelnen. Und dabei geht es darum, die Dinge nicht einfach zu übernehmen, sondern tatsächlich für sich nachzuvollziehen. Dieser Weg findet sich in den Lehren der Sufis, der Daoisten und eben auch der Gnostiker.
Als Heranwachsender fällt es leicht, zu sagen, ja Religionen sind für die Schafe, und in gewisser Weise ist das auch der Fall. Die Religion, die in der Öffentlichkeit wirksam sind, erzeugen keinen guten Eindruck, weil sie um jeden Preis politischen Einfluss oder zumindest Gehorsam und Folgsamkeit verlangen.
Ist man aber auch nur einmal im Leben dazu gekommen, eine Frage zu stellen, Zweifel zu erheben, worum es in diesem Leben geht, wird man sich mit Philosophie beschäftigen. Und mit etwas Glück erfährt man, dass für die wirklich Suchenden die Tür offen steht, die Tür zur Erkenntnis.
Die Erkenntnis von was? Die Erkenntnis, dass Selbsterkenntnis identisch ist mit Gotterkenntnis. "Erkenne dich selbst" ist ein alter Spruch mit gnostischen Wurzeln. Dao, Zen, Gnosis, Sufismus, sie alle haben ihre eigenen Geschichten, doch ihr Ziel ist dasselbe: das Selbst, ja, die Selbsterkenntnis. Wer als Suchender sich mit der Philosophie beschäftigt, sollte kritisches Denken lernen, Skepsis trainieren und Glaubenssätze sowie Selbstverständliches überprüfen. Darum können vorgefertigte Antworten einem wahrhaft Suchenden niemals genügen. Doch was wäre der Mensch, wenn er sich nicht zutrauen würde, aus dem Strudel des Zweifelns zu treten, wenn er droht, von ihm verschluckt zu werden? Aus der Verdammung zum ewigen Zweifeln kann man den Schritt wagen, die (Selbst-)Erkenntnis für möglich zu halten. Doch ist der Weg der Erkenntnis der richtige für mich, oder will ich lieber eine vorgefertigte Heilsversprechung? Will ich vielleicht doch lieber ewig zweifeln ohne Aussicht auf eine Veränderung? Stelle dir diese Fragen und frage dich: warum stellst du überhaupt eine Frage, wenn dein Ziel nicht die Erkenntnis ist? Die Erkenntnis deiner selbst?

vocino Avatar
vocino:#12748

>>12747
Und dies ist keine Werbung für irgendeinen blutrünstigen, betrügerischen Kult, es ist eine Einladung, sich selbst zu erforschen. Vor Jahrhunderten gab es die verschiedensten Lehren und Philosophien in Europa, doch die katholische Kirche setzte alles daran, jeden persönlichen Ausdruck von Selbstentfaltung und Erkenntnis im Keim zu ersticken. Gnosis wurde zum Synonym für Ketzerei - doch nüchtern betrachtet, ist es nur der Ausdruck des natürlichen Interesses, eigene Antworten zu finden.
Der Mensch heute mag annehmen, eine Bedrohung wie jener der Kirche im Mittelalter existiere heute nicht mehr. Das ist falsch. Es gibt genüg Instanzen, die sich dafür einsetzen, dass es möglichst wenige Menschen schaffen, ihr Spiel zu durchschauen. Wahre Erkenntnis ist immer gefährlich. Hier wird keine mundgerechte Erleuchtung angeboten, sondern ein Abenteuer, das du ganz allein zu bestreiten hast. Es ist die Frage, ob du aus Platons Höhle heraustreten willst, die Frage nach roter oder blauer Pille, die Frage, ob du eine Marionette bleiben willst oder die Fäden zerschneidest und den Puppenspielern mal gehörig ins Gesicht spuckst.

craigelimeliah Avatar
craigelimeliah:#12756

Gnosen sind die widersprüchlichen Annahmen von absolutem Wissen. Wer eine Gnose ablehnt, kann die anderen mit dem gleichen Argument ablehnen. Agnosen gestehen sich das immerhin ein, wenngleich sie sonst vieles ähnlich machen, aber immerhin zu versuchen ihre impliziten Prämissen zu finden, um den größten Quatsch auszusortieren. Du versuchst immer zu behaupten, dass Gnosen nur Selbsterkenntnis wären, aber das sind sie nicht; Gnosen postulieren absolutes Geheimwissen über Außer-Ich-Fakten. Insofern ist eine Gnose auch keine Ketzerei, etwa die katholische Kirche ist selbst of gnostic und verhetzt nur bestimmte Gnosen.

Wenn du über Gnosen redest, meinst du eigentlich Pffkrtzschdong-schbpuff. Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt. Tritt unsere Absprache nicht so mit Füßen.

Der Wurstmensch ist empört und erbricht kleine Frikadellchen.

cheezonbread Avatar
cheezonbread:#12759

>>12747
Hübsches Bild übrigens, der "Alle sind stumpf außer wir Erleuchteten"-Mythos ist klasse. Leider ist er auch wahr. Nur Bernd kennt die Wahrheit. Selbstsäge.

Chakintosh Avatar
Chakintosh:#12760

>>12756
*kicher* Ist gut, ich hör schon auf.