Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2015-12-09 12:09:11 in /ph/

/ph/ 13411: Bin ich naiv?

strikewan Avatar
strikewan:#13411

Hallo /ph/-Bernd. Sag mir, bin ich naiv, wenn ich mich frage, ob der Wohlstand der Nationen wirklich nicht anders aufrecht zu erhalten ist, als durch den Handel mit Waffen?
Ich versuche, die Sichtweise der Staaten nachzuvollziehen. Ist es wirklich das Beste für eine Nation, so zu handeln? Ganz abgesehen von den moralischen Fragen, die ja in der Wirtschaft ohnehin nicht wirklich passen, sind doch die Schäden beim Waffenhandel immer größer als Gewinn und Nutzen, oder habe ich da etwas übersehen?
Würde es der Wirtschaft und der Allgemeinheit nicht viel mehr helfen, das Geld in die Sektoren Bildung, Gesundheit und Soziales zu stecken? Oder lässt sich damit kein Geld machen?
Deutschland hat 7 Millionen Analphabeten, ähnlich gut sieht es mit der politischen Bildung und dem allgemeinen Bewußtsein aus. Würde nicht jeder davon profitieren, wenn erstmals in der Geschichte der Mensch wirklich als die größte Ressource angesehen wird, die es gibt?

Also, bitte verstehe mich nicht falsch. Natürlich sind die Schrecken des Krieges groß, aber wer weiß, vielleicht ist es ja notwendig, und ich als naiver Möchtegern-Philosoph kann die Notwendigkeit noch nicht nachvollziehen. Meine Frage zielt eher darauf ab, ob die Menschen sich nicht viel mehr Probleme machen, als nötig wäre.

illyzoren Avatar
illyzoren:#13412

Na ja, die Frage ist halt, was man will. Bildung, Gesundheit und Soziales kosten Geld und lohnen sich auf lange Zeit. Waffen verkaufen bringt schnelles Geld - mit dem man z.B. Bildung, Gesundheit und Soziales finanziert. Wenn Deutschland nicht der drittgrößte Waffenexporteur wäre, ginge es uns auch sonst wahrscheinlich schlechter, da dabei hohe Steuereinnahmen abspringen. Und ein hoher Bildungsgrad sorgt wieder für viele im Maschinenbau und dergleichen, sodass man wieder besser Waffen produzieren kann.

Es hat natürlich keine Notwendigkeit, derart viele Waffen zu exportieren, aber ein guter Teil unseres Staates beruht darauf und man müsste auf einiges verzichten - Exporte und Arbeitsplätze. Und dieser Teil hat eine Lobby, die ihn verteidigen wird, da auch persönliche Bereicherung eine Rolle spielt.

Es geht hier wohl weniger um Moral und mehr um Machterwerb und -erhalt.

Aus ethischer Sicht ist aber auch wieder die Frage danach gegeben, welchen Maßstab man anlegt. Ist es immer schlecht, Waffen zu verkaufen? Was, wenn sich jemand damit verteidigt? Waffen sind schon in der Welt, sollte man die Defensive dann nicht unterstützen? (Passiert in der Realwelt halt nicht wirklich, aber na ja.)

Tut mir Leid, falls geschwurbelt, bin nur kurz am PC.

jjshaw14 Avatar
jjshaw14:#13413

>>13412
Danke für die Antwort. Da steckt sicher Wahres drin, obwohl ich glaube, dass bei den Einnahmen unseres Staates noch immer ziemlich vergleichbar wenig in die Kassen für Bildung, Gesundheit und Soziales gerät. Die Schulen verrotten, Unterrichtsmethoden sind von vorgestern, Schulstunden fallen oft aus und bei einer verkürzten Schulzeit fällt das noch mehr ins Gewicht.
Waffenhandel ist ein bisschen wie Drogenhandel, natürlich schafft es Arbeitsplätze, aber die sekundären Kosten tragen wir ja doch mit. Hier bezahlen Leute ihren Hauskredit mit ihrer Stelle im Waffensektor ab, andernorts werden Häuser und Familien damit zerstört. Die Menschen, die dort nicht mehr leben können, kommen notgedrungen zu uns.
Und es ist ja nicht so, dass Deutschland nicht auch schon die Schäden gewinnbringend berücksichtigen würde. Deutschland ist der weltführende Anbieter für Prothesen.
Ja, wahrscheinlich kann man mit Krieg am besten verdienen. Dann sollte man aber auch nichts gegen Flüchtlinge haben, sondern daraus wieder ein Geschäft aufziehen.

jodytaggart Avatar
jodytaggart:#13415

>>13413
>die sekundären Kosten tragen wir ja doch mit
Wenn wir eine - ich sage mal härtere - Regierung hätten, wäre das nicht so. Ich meine, Grenzen kann man sichern. Siehe Ungarn. Und Ungarn ist nicht das großartigste Land dieses Planeten, alle anderen könnten das auch, wenn sie nur wollten. Insofern besteht da eine gewisse Freiwilligkeit, zumal das ja auch vertragsmäßig nicht Deutschlands Problem war.

>Dann sollte man aber auch nichts gegen Flüchtlinge haben, sondern daraus wieder ein Geschäft aufziehen.
Das wird wohl schwieriger sein, als viele annehmen. Klar, es gibt auch solche, die arbeiten wollen, es gibt irgendwo wirklich ein paar Kinder und Frauen darunter und so, aber in der Masse sind's doch Mittzwanziger, die eigentlich die Sharia wollen und es cool finden, dass man hier ja gar nicht arbeiten muss, denn zu Hause wäre man ohne Arbeit halt verhungert. Ich bezweifle, dass davon irgendwer großartig profitiert - ok, es wird etwas mehr produziert werden, aber Flüchtlinge bezahlen ihre Waren auch nicht unbedingt. 'n Supermarkt hier in Neumünster wollte schon dichtmachen, weil sie wegen des Diebstahls jeden Tag schon Minus fahren. Aber das auch erst, seit ein Flüchtlingsheim um die Ecke ist. Womit ich nicht sagen will "Alle Flüchtlinge sind Diebe." oder sowas Bizarres, aber der prozentuale Anteil an Problemvolk darunter ist stark erhöht. Zu Ungunsten derjenigen, denen ich die Hilfe sogar gönne.

Soweit ich weiß (vage!), ist ISIS auch eher mit russischen Waffen bezahnt. Aber genug deutsche Waffen liegen in der Welt auch herum, also ist es nur eine Frage der Zeit, bis die an sowas beteiligt sind.

Na ja, Fazit? Nationalegoismus und Waffenlobby kann man halt machen, sollte man aber schon konsequent mit sein, wenn man wirklich einen Vorteil davon haben will.

Ich argumentiere hier aber irgendwie auch eher aus Wirtschaftsarsch-Perspektive. Ich selbst bin eigentlich der Meinung, dass man nur vertrauenswürdige Verbündete beliefern und sich aus quasi fremden Konflikten heraushalten sollte - bisher hat ja jede Intervention alles noch schlimmer gemacht. Andererseits sind wir den Scheißestrom vielleicht schon so weit runtergeschwommen, dass man's womöglich nicht mehr umkehren kann - zu viele stabilisierende Diktatoren tot, zu viele westfinanzierte Terrorgruppen auf der Straße. Und viel zu viele halbärschige Eingriffe; ich meine, wenn schon kolonialisieren, dann richtig. Nur so Polizeikräfte ausbilden und die Finger kreuzen, dass die Leute wenn sie ne Demokratie kriegen nicht gleich wieder Moslembrüder wählen, ist halt etwas naiv.

Bin jetzt etwas vom Thema ab. Na ja. Ich würde dir jedenfalls nicht Naivität unterstellen. Du versuchst halt herauszufinden, was eigentlich das gute und richtige wäre. Dass die Welt danach nicht arbeitet, siehst du aber ja auch; wenn du das übersehen würdest, wärst du naiv, aber du siehst ja schon, was passiert, und denkst nur darüber nach, was besser wäre.

Oder zumindest ist das mein Eindruck.

iamglimy Avatar
iamglimy:#13466

>>13412
Israel kann man nennen, die haben von den protorussischen Kommies der Ukraine Waffen verkauft bekommen beim Gründungskrieg