Krautkanal.com

Veröffentlicht am 2016-01-26 15:58:30 in /ph/

/ph/ 13630: Gibt es eine Philosophie oder Religion, welche

trickyolddog Avatar
trickyolddog:#13630

das Leben und auch sonst alles als sinnlos beschreibt? Aber wo man trotzdem Spaß haben und ein interessantes Leben führen kann?

melvindidit Avatar
melvindidit:#13631

https://en.wikipedia.org/wiki/Discordianism
insbesondere "See also"-Rubrik

https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster

Ach, und wenn wir schon dabei sind
https://de.wikipedia.org/wiki/Zen

Das alles könnte so ungefähr sein, was du suchst, oder bildet wohl zumindest eine Schnittmenge dazu.

Aber schlag Leute, die öffentlich sagen, dass sie Zen gut finden. Das sind alles Schwuchteln.

tomgreever Avatar
tomgreever:#13632

Nachtrag: Existenzialismus und Nihilismus sind eigentlich auch "irgendwie so".

slaterjohn Avatar
slaterjohn:#13633

l

das ist ein bierkrug

trickyolddog Avatar
trickyolddog:#13634

>>13631
Wie kommst du auf Zen?

ryanmclaughlin Avatar
ryanmclaughlin:#13635

>>13634
Es gibt sehr unterschiedliche Haltungen, Meinungen und Strömungen im Zen. Einige davon haben mit Buddhismus schon gar nichts mehr zu tun, erinnern mehr an Lebensbewältigungsstrategien in einer absurden Welt oder suchen einen klaren Blick, der nahezu alles dekonstruiert.

Da Zen eigentlich auch keine Autorität kennt, sind das alles auch recht legitime (und keinesfalls neue) Entwicklungen.

Die Praxis heutzutage sieht aber leider anders aus, da kreuchen und fleuchen überall Zen-Meister herum, die sich damit brüsten, bei wem sie gelernt haben. Schon älteste Zen-Quellen machen sich über solche Leute lustig, aber das hält offenbar niemanden ab.

So kam ich jedenfalls darauf.

vikashpathak18 Avatar
vikashpathak18:#13637

lol.....willst du deinen Suff in einem besseren Licht sehen??

armcivor Avatar
armcivor:#13638

>>13637
Musste schmunzeln.

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#13791

>>13630

Nur so als Nachtrag von einem, der's studiert hat: Manche philosophischen Ansätze beziehen explizit den Menschen, menschliches Miteinander, Tiere, usw. mit ein und versuchen allg. Lebensweltliches zu erklären bzw. eine Anleitung zum Verständnis im Sinne einer Sichtweise des Menschen oder auf den Menschen zu liefern. So wird OP in etwa auf "Philosophien" geschaut haben, vermute ich.

Nur kann man im akademischen Fach "Philosophie" gerade trennen zwischen (eben) solchen "Systemen" und anderen, die überhaupt gar keine Aussagen über die Lebenswelt, den Sinn des Lebens, Menschen usw. machen.
Als Theorien sind sie dann also quasi blind gegenüber solchen Phänomenen und Gegenständen, weil sie gar keine "wissenschaftlichen" (geklärten/definierten) Begriffe in ihrer Theoriensprache verwenden.

Man kann bspw. hinter der Standardsprache der Mathematik (=Prädikatenlogik 1. Stufe mit Identität) ein quasi allg. akzeptiertes Verfahren ihrer Interpretation, d.h. der Supplementierung mit einer Semantik, erkennen. Das geht auf Gottlob Frege (u.a.) zurück und man kann das durchaus als eine (übrigens nicht ganz umfangsarme) Philosophie der Logik (und teilweise auch der Mathematik) sehen, die auch erkenntnistheoretische Fragestellungen berüht.

Man muss jetzt wieder ein bisschen aufpassen, was man sagt, aber: Streng genommen akzeptieren solche (und sehr viele andere) Theorien nur solche Aussagesätze als sinnvolle Sätze, in denen alle Namen (oder anderen sprachlichen Bestandteile, die direkt referieren) auch eine echte Verbindung mit dem Diskursuniversum (=Gegenstandsbereich, über den man spricht) eingehen. D.h. platt gesagt: Wenn du über etwas sprichst, das sich nicht im gedachten Eimer befindet, der bildlich als Gegenstandsbereich zu verstehen ist, darf man deinen Satz auch als unsinnig bezeichnen. Nur sind nun aber alle Sätze aus der Perspektive bspw. der Einsteinschen Relativitätstheorie unsinnig, die etwas über Gefühle aussagen oder die Zeit vor dem Urknall. Fast alle "echten" wissenschaftlichen Theorien (Mathematik, Phsyik, Chemie, manchmal auch Biologie) operieren nach diesem Prinzip festgelegten Gegenstandsbereiche und anerkennen also bestimmte Aussagen dann mit Notwendigkeit als unsinng.

kazukichi_0914 Avatar
kazukichi_0914:#13792

>>13630

Korrektur:

>Als Theorien sind sie dann also quasi blind gegenüber solchen >Phänomenen und Gegenständen, weil sie gar keine >"wissenschaftlichen" (geklärten/definierten) Begriffe in ihrer >Theoriensprache verwenden.

<-> Als Theorien sind sie dann also quasi blind gegenüber solchen Phänomenen und Gegenständen, weil sie gar keine "wissenschaftlichen" (geklärten/definierten) Begriffe FÜR SOLCHE GEGENSTÄNDE in ihrer Theoriensprache verwenden.

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#13793

>>13791
>Fast alle "echten" wissenschaftlichen Theorien (Mathematik, Phsyik, Chemie, manchmal auch Biologie) operieren nach diesem Prinzip festgelegten Gegenstandsbereiche und anerkennen also bestimmte Aussagen dann mit Notwendigkeit als unsinng.

Gibt es dafür einen Fachbegriff?

andychipster Avatar
andychipster:#13794

>>13793
https://de.wikipedia.org/wiki/Logischer_Empirismus

falvarad Avatar
falvarad:#13795

>>13794

Das ist nur insofern richtig, wenn man sich auf die Label "sinnvoll", "sinnlos", "unsinnig" versteift.

Wie ich gesagt habe, ergibt sich diese Sichtweise sehr weitgehend - aber nicht völlig - (erkenntnis)theorieneutral bereits aus rein logisch-semantischen Gegebenheiten. Auch diese sind natürlich nicht voraussetzungsfrei/neutral, weil sie einfach etwas postulieren.

Man kann aber nicht soweit gehen, zu sagen, dass immer dann, wenn man sich mit einem Aussagesatz auf etwas (Gegenstände) bezieht und dieser Gegenstand ist nicht Teil der Domain (Gegenstandsbereich der Semantik der verwendeten Sprache), und wir den Satz infolgedessen "unsinnig", vielleicht "undefiniert" oder auch "unvollständig" nennen würden, wir logischen Empirismus voraussetzten.

Das eine sind logisch-semantische Voraussetzungen, die aus dem logischen Atomismus (Russell/Wittgenstein/Ramsey) stammen, dann weiterentwickelt wurden und ihren Niederschlag im erkenntnistheoretischen Programm (quasi als dessen Unterbau) des Wiener Kreises fanden. Das andere ist der Goldstandard jeder Mathematik von Frege (erste prädikatenlogische formalisierte Sprache) bis heute:

Die Sprache der Mathematik ist wie gesagt die Sprache der Prädikatenlogik erster Stufe mit Identität (kurz PL1=). Als solche ist sie deswegen so wichtig, weil jede mathematische Theorie in ihr ausgedrückt werden kann. (Es gibt Formalisierungen, die die 2. Stufe der Prädikatenlogik erfordern, aber diese ist eine echte Erweiterung ersterer, weshalb ich mir die Freiheit nehme, das einmal unter den Tisch fallen zu lassen.) Als solche hat sie eine Standardsemantik, die philosophisch wesentlich auf die Arbeiten solchen Leute wie Gödel, Tarski, Wittgenstein, Russell, Frege usw. zurückgeht. Ihr müsst euch das so denken: Es ergibt sich in einem sehr klaren und mathematischen Sinne, dass wenn wir oben betrachteten Satz (über einen fiktiven Gegenstand etwa) mit unser PL1=-Semantik deuten, dann merken wir, dass wir mit ihn nicht logisch argumentieren können (also Beweise führen können), weil er einfach keinen Wahrheitswert mehr hat. Wie sollten wir den Satz auch etwa mit "wahr" oder "falsch" bewerten, wenn wir nach Maßgabe unserer Semantik gar keine Anweisung dafür ablesen können, wie wir in so einem Fall überhaupt verfahren könnten. Und das ist essentiell erst einmal gar kein erkenntnistheoretisches und mithin auch kein logisch-empiristisches Phänomen.

>>13793

Du könntest sagen: "Nach Standard-Semantik der Prädikatenlogik sind ALLE Theorien (aus Physik/Chemie...) mit festgelegten Gegenstandsbereichen hinsichtlich ihrer Sprache auf Elemente aus diesem Gegenstandsbereich in einem strengen Sinne beschränkt. Sätze über andere Gegenstände sind dann undefiniert und können mit dieser Theorie nicht behandelt werden: Sie stehen ausserhalb der Theorie."