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Veröffentlicht am 2016-02-07 18:10:01 in /ph/

/ph/ 13668: Vom Nichts, das wir Seele nennen - verstreute Sprüche zur Ästhetik der Freude

pdugan19 Avatar
pdugan19:#13668

Als Antwort auf den Faden, der Bündigkeit und Kürze anpreist als auch auf den Faden, in welchem Bernd seine neuste Erkenntnis mit einem Satz zusammengefasst hat, versucht sich isidor nun an einer kleinen Sprüchesammlung, welche seine Beschäftigung mit Philosophie und Ästhetik zusammenfasst. Diese können gerne zerpflückt oder kritisiert werden. Bei Verständnisschwierigkeiten kann ich auch ausführliche Erklärungen nachliefern.

1. Die Erfahrung geht der Moral voraus.
(nur unmittelbare Erfahrung formt das Leben und offenbart durch Grenzüberschreitung die Möglichkeiten des Daseins, Moral hingegen ist ein Fangzaun, der keine Verbindlichkeit hat)

2. Die Macht verleiht das Recht.

3. Jenseits menschlichen Denkens ist das Sein nichts weiter als ein kindlicher Geist.

4. Der kindliche Geist verwirklicht sich durch Lachen, Spielen, Tanzen, Singen, Träumen -
oder durch die Worte der indischen Philosophie ausgedrückt:
Alles, was ist, ist Maya, also eine spielerische Illusion.

5. Es existiert nichts jenseits der Schöpfung. Gott ist eben dieser kindliche Geist, er ist das Tao, die stetige Wandlung, und sein Ausdruck ist Maya.

6. Gott ist untrennbar mit seiner Schöpfung verwoben, der Spieler und das Spiel sind eine Einheit. Gott, der Spieler aber kann nicht von dem Da-Sein getrennt vorgestellt werden, denn dies wäre das absolute Nichts.

7. Am Grunde jedes Dings schlummert das Nichts. Je weiter man sich von den Äußerlichkeiten entfernt und in das Nichts, das wir Seele nennen, eintaucht, umso klarer offenbart sich Maya.

8. So wie in der Physik statische Energie sich zu dynamischer wandelt und umgekehrt, so wandelt sich die Wahrnehmung von Schönheit in Freude und Freude wiederum um in Schönheit.

9. Freude ist erlebte Wertschätzung und damit eng mit Dankbarkeit verwandt.

10. Wer Schönheit wahrnimmt (der Hauptaspekt des Absoluten, des allgemeinen Geistes, Gottes usf.), empfindet Dank.

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anaami:#13669

11. Schönheit ist ein zweckfreies Wirken der Erscheinungen. Je mehr man aber den gemeinsamen Ursprung der Erscheinungen erkennt (das große Nichts, das allem zugrundeliegt), umso deutlicher und intensiver wird die Wahrnehmung der Schönheit.

12. Obwohl Schönheit zweckfreies Wirken ist, erweckt sie als Kraft den Geist wie keine andere Erregung. Schönheit in den Dingen zu erkennen, erhöht das Tätigkeitsvermögen des Individuum, weil sie Freude hervorruft.

13. Nichts können wir mit Sicherheit als gut oder schlecht, das heißt nützlich oder unnütz bezeichnen, außer dem, was unsere Fähigkeit zur Erkenntnis fördert oder hemmt.

14. Erkenntnis ist das höchste Gut und das Tor zur Macht.

15. Je klarer unsere Erkenntnis ist, desto mehr Schönheit, desto feinere Nuancen können wir wahrnehmen und daraus umso mehr Freude erfahren.

16. Was der Mensch auch erfährt, ob Milde, Grausamkeit, Anerkennung oder Ablehnung, alle Erregungen und Erlebnisse sind als Erfahrungen gleichwertig und erweitern die geistige Palette von Empfindung und Einfühlungsvermögen.

17. Der Mensch ist nicht dazu verdammt, zu leiden. Mangel und Überfluss haben für jedes Individuum eine andere Bedeutung, Bedeutung aber liegt nicht in den Dingen, sondern wird den Erfahrungen beigemessen. Leiden ist zum größten Teil anerzogen.

18. Der Zustand der Menschenwelt ist das Ergebnis kollektiver Wünsche. Eine Welt ohne Krieg, Konflikt oder Ignoranz würde des Kontrastes ermangeln und so wäre die Möglichkeit der persönlichen Erkenntnis nicht gegeben. In Hinblick auf die Möglichkeiten, Erkenntnis zu gewinnen, ist dieses Dasein vollkommen.

19. Das Dasein und Erdenleben ist zwar wie die Gnostiker sagen, eine Illusion, aber keine, die ihrer Meinung nach zerstört oder fortgefegt werden sollte oder könnte:
Jedem Einzelnen steht es frei, die Illusion zu durchschauen. Die Illusion ist die Form allen Daseins und das Erkennen der Illusion zerstört dieselbe nicht, aber verwandelt das Individuum innerlich vom bloßen Spielstein oder von einer Figur in einem Stück zum Spieler selbst.

20. Jeder Mensch ist wie jedes andere Ding durch das große Nichts verbunden, aus dem das Dasein entsprungen ist. Das Dasein aber ist ein Traum, der alle Möglichkeiten des Seins durchspielt. Wer zum Nichts, das wir Seele nennen dringt, hat auch gleichzeitig das Nichts, das wir Gott nennen, berührt.

21. Die Erfahrung des Nichts ist keine Erfahrung von ewiger Dunkelheit, sondern ein Erlebnis, welches Selbstbewußtsein verleiht.
Wer das Nichts erfahren hat, für den verschwindet das Leiden und die spielerische Illusion des Daseins gibt sich zu erkennen.

22. Von der Welt der Menschen und noch weniger von der Natur selbst ist reichliches Absurdes zu erwarten. Absurd aber sind nicht unlogische Dinge, sondern Dinge, die lineare Logik übersteigen.

23. Es heißt, dass die Natur einem irrationalen Prinzip folge. Dies ist ein Anthropozentrismus und diese Annahme offenbart mehr die Beschränktheit unseres wachen Bewußtseins. Vom Nichts, das wir Seele nennen, ergibt sich die Einsicht der Harmonie des Daseins.

24. Je größer der Zweifel, desto größer wird die Sicherheit unserer Erkenntnis sein.

shoaib253 Avatar
shoaib253:#13670

>>13669
> 22. Von der Welt der Menschen und noch *mehr von der Natur selbst

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#13676

Gefühl, Schmerz, Affekt

1. Schmerz und Genuß sind keine Empfindungen, sondern unbewußte Urteile.
Jeder Schmerz und jeder Genuß, jede Lust und jede Unlust sind zunächst einmal Affekte, also Erregungen
des Individuums. Doch jede Erregung ist wie jeder Farbton oder wie ein Klang frei von Bedeutung, Ziel oder Nutzen.
Bedeutung wird den Erregungen aber erst beigelegt im Zuge der kulturellen Programmierung.
Was für den einen Schmerz, kann für den anderen Genuß sein und umgekehrt.

1a Kein Mensch ist dem Leiden unterworfen. Jegliches Leiden ist erlernt.
Das heißt nicht, dass ein Individuum seine gesamte Lebensdauer über keine unangenehmen Erfahrungen
machen würde oder niemals Unlust erfahren könnte, doch das Urteil, das eine eigentlich wertfreie
Erregung zu einer angenehmen oder unangenehmen Erfahrung macht, kann bei ausreichender
Fähigkeit der Selbstbetrachtung des Individuums untersucht und revidiert werden.
Deshalb ist der Mensch dem Leiden nicht unterworfen, insofern er die Fähigkeit hat,
seine Gewohnheiten zu untersuchen und geistige Verbinden, Assoziationen, zu erkennen, die
bestimmten Erregungen, die ursprünglich neutral sind wie Töne und Färben, ihre kulturell-programmatische
Bedeutung verleihen.

kreativosweb Avatar
kreativosweb:#13677

>>13676
Ein neugeborenes schreit nach essen. Ein triebhaftes begehren meldet sich darin. Der hunger hat das ziel gestillt zu werden. Das stillen durch die mutter ist der nutzen. Dies ist universal, kulturell unabhängig und artübergreifend. Jegliches körperliches begehren ist in dieser weise ökonomisch, an ziel und nutzen orientiert. Gleichermaßen bestehen daneben körperlich/geistige und rein geistige begehren, die auch triebökonomisch gesteuert sind.
Die befriedung derselben empfinden wir als lustbringend. Der körper investiert energie in die hervorrufung der erregung, wir werden uns der erregung bewusst, befriedigen sie und werden dadurch belohnt, geistig und körperlich. Natürlicherweise steht die innenwelt in wechselseitiger beziehung zur außenwelt und das individuum steht im prozess einer formung und wird durch diese tief beeinflusst.

Was ich damit sagen möchte: erläutere doch bitte deinen standpunkt etwas genauer. Insbesondere, inwieweit lust und unlust, glück und leid, zufriedenheit und unzufriedenheit, ruhe und bewegung nicht in der von mir geschilderten triebökonomie immanent ist.

Soweit ich es beurteilen kann ist der mögliche ansatzpunkt erst unsere reflexion. Der umgang mit leid und glück und wie sie alle heißen, nicht jedoch ihr vorhandensein.

smenov Avatar
smenov:#13682

>>13677
> Der hunger hat das ziel gestillt zu werden. Das stillen durch die mutter ist der nutzen.

Es ist nur so eine Überlegung, aber ich stelle mir vor, dass selbst schon Kleinkinder der Konditionierung und der unbewußten Beurteilung und Etikettierung von Reizen unterworfen sind.
Würde man, immer wenn ein Kind schreit, weil es Hunger hat, diese Emotion mit einem Signal verbinden wie einem lauten Posaunenton, vielleicht würde das Kind durch diese unangenehme Verbindung irgendwann davon ablassen, sich zu melden, wenn es hungrig ist.
Oder wenn es gestillt wird und die Mutter dem Kind durch ihre Körpersprache und Gestik signalisiert, dass es für sie unangenehm ist, auch dies könnte dazu führen, dass der Vorgang, der gemeinhin Genuß bringt (weil Mütter, die ihre Kinder stillen, die Konotation des Genusses fördern, indem sie ihrem Kind den Kopf streicheln und es liebevoll ansehen), vom Kind unbewußt umgedeutet wird: Würde die Mutter Abscheu äußern oder das Kind gar für sein Gefühl schelten, hätte das durchaus Einfluss auf den eigenen Gefühlshorizont.
Wahrscheinlich kann man einem Menschen durch Konditionierung nicht das Hungergefühl oder das Durstgefühl abtrainieren, aber wenn die Konditionierung und Bedeutungszuweisung deutlich genug ist, würde der Mensch sich irgendwann nicht mehr trauen oder gar nicht mehr auf die Idee kommen, sich zu melden, wenn er ein Bedürfnis mit der Hilfe eines anderen Menschen zu erfüllen sucht.
Das ist durchaus etwas weit hergeholt und ich gehe schon davon aus, dass, wie du sagst, Grundbedürfnisse bestimmte allgemeine neuronale Schaltkreise ansprechen, an denen sich nicht viel ändern lässt.
Darüber hinaus gehe ich aber davon aus, dass absolut jeder Mensch einer Gehirnwäsche unterzogen wird. Bei manchen ist diese Gehirnwäsche, also die durch Erziehung erfolgte Sozialisierung und kulturelle Programmierung, sehr hilfreich und ermöglicht ein ausgeglichenes und tätiges Leben, bei anderen ist die Konditionierung schädlich und hemmt die eigene Lebenskraft.
Bei den meisten Menschen aber liegen in ihrer kulturellen Programmierung beide Fälle vor.
Auch wenn sie die Geisteskraft besitzen, ihre Erziehung einer allgemeinen Kritik zu unterziehen, bleibt an vielen Eindrücken und Gefühlen die Bedeutung von Gut / Schlecht hartnäckig haften und übt auf diese Weise unbewußt einen entscheidenden Einfluss auf Zufriedenheit und Verhalten aus.

thomasgeisen Avatar
thomasgeisen:#13683

Spinoza, auf den ich mich ziemlich oft beziehe, schreib in seinem Hauptwerk, dass Lust und Unlust Erregungen (Affekte) sind, die den Übergang des Menschen von geringerer zu größer / von größerer zu geringerer Vollkommenheit signalisieren.
Lange Zeit habe ich diese Definition für einwandfrei übernommen, mittlerweile aber zweifle ich daran.
Denn was ist denn Vollkommenheit? Die Menschen streben, ähnlich wie chemische Verbindungen, jeweils nach ihrem edelsten Zustand, suchen, durch Verbindungen oder Erfahrungen ihre "Edelgaskonfiguration" zu erreichen.
Das Begehren ist das Wesen des Menschen selbst, aber ist es denn das Begehren, das den Menschen zu seinem Glück, seiner Zufriedenheit, zu Frieden und Freiheit verhilft?

Vielleicht ist es die subjektive Erfahrung jedes Menschen, dass man sich durch die Erfahrung von Lust vollkommener fühlt, durch die der Unlust unvollkommener.
Doch ein Heroinabhängiger spürt Lust beim Einnehmen der Droge, so wie ein Kaufsüchtiger auch Lust verspürt, sein Geld aus dem Fenster zu werfen für Dinge, die er nicht braucht.

Vielleicht ist meine Kritik an diesem Punkt ja substanzlos, weil ich hier nur Spinozas Sprachgebrauch und seine Definition von Lust mit dem Alltagsgebrauch von Lust vermenge.
Tatsächlich aber würde auch das Nachgehen einer Sucht in seiner Terminologie als Lust beschrieben, obschon man nicht davon ausgehen kann, dass eine zerstörerische Sucht, der man frönt, wirklich zu höherer Vollkommenheit verhilft.
Seine Aussage bedeutet letztlich nur, dass Lust den Menschen seelisch, in seiner eigenen subjektiven Wahrnehmung "vollständiger" erscheinen lässt.
Warum aber das eine Lust erzeugt und das andere Unlust, so weit geht Spinoza nicht.

Ja, wir könnten neurowissenschaftlich argumentieren und sagen, dass Dinge, die uns Lust bereiten, eine Ausschüttung von Hormonen wie Serotonin, Dopamin, Endorphin etc. bewirkt, aber dies ist gar keine Erklärung, sondern übersetzt den Terminus Lust nur in die Terminologie der Neurowissenschaft.
Mir fiel deshalb auf, dass weder philosophisch, noch wissenschaftlich so richtig geklärt ist, woher überhaupt die Kategorien Lust und Unlust, Schmerz und Genuss stammen.
Wir können es durch frühkindliche Prägung erklären, wobei sich natürlich stark in den Vordergrund drängt, dass der Mensch einfach Grundbedürfnisse hat und dass ihn erfreut, was sein Tätigkeitsvermögen erhöht.
Doch was braucht der Mensch wirklich?
Es gibt Asketen und Einsiedler, die seit Jahrzehnten nichts gegessen haben. Einige dieser Berichte erwiesen sich als Fake, doch dass es so etwas gibt, daran zweifele ich nicht.
Denn es ist unsere Konditionierung, die Erregungen zu Bedürfnissen macht, und Bedürfnisse zu Nöten umdeutet, und Nöte in Schmerzen und Schmerzen in Leiden.
Deshalb glaube ich, dass Leiden zum überwiegenden Teil eine kulturelle Instanz ist und nicht das Schicksal des Menschen.

jonkspr Avatar
jonkspr:#13684

>>13668
Und im Hinblick auf Spinoza, den ich noch immer für einen der zukunftsträchtigsten Denker halte, möchte ich seiner Ethik, also der Lehre des rechten Verhaltens und Lebenswandels, die Ästhetik voranstellen.

Im ersten Beitrag schrieb ich:

> Die Erfahrung geht der Moral voraus.

Damit meine ich, dass die Erfahrung gelebtes Leben ist und ein Codex des Verhaltens wie dem der Moral oder ethisch-religiöser Systeme sowohl zeitlich als auch von der Priorität her danach kommen. Die Erfahrung geht der Moral voraus, genauso wie die Ästhetik der Ethik vorausgeht.
Über lange Zeit und im Sprachgebrauch gilt die Ästhetik als die Philosophie der Kunst. Für mich ist sie zur Philosophie der Erscheinungen selbst geworden, in der kein wesentlicher Unterschied mehr besteht zwischen Kunstwerk und Erlebtem. Alles ist Ausdruck des Lebens und damit das grundlegende Rohmaterial für alles Denken und Untersuchen. Wer nicht ästhetisch gelebt hat, dem fehlt auch der Unterbau für ethisches Handeln und Denken, behauptete auch schon Kierkegaard.
Manche würden vielleicht sagen, dass das, was ich mit Ästhetik beschreibe, besser mit Phänomenologie zu bezeichnen ist. Aber das klingt noch stärker nach einer fertigen Lehre, während Ästhetik in meiner Sicht aus der Ästhese, also dem sinnlichen Erfahren entspringt. Und damit sind alle Sinne angesprochen, körperliche wie seelische, alle Arten von Empfindung und Wahrnehmung.
Denn, um zu wissen, welches Verhalten dem Menschen gut täte, nützt es nichts, der Beobachtung und der sinnlichen Erfahrung so wenig Bedeutung beizumessen und dann vorschnell eine Verhaltenslehre auszuspucken, die in vielen Fällen eine Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse offenbart. Hingegen wer mit der reinen Erfahrung, dem reinen Schauen, Erleben und Fühlen beginnt und auch eine Zeit dort verweilt, der wird zu Ergebnissen kommen, die viel profunder und zutreffender sein werden als jene der Denker, die fortlaufend Kritik und Änderungsvorschläge anbringen, ohne vorher einmal frei von Urteil die reine Beschaffenheit der Erscheinungen beobachtet haben.

tereshenkov Avatar
tereshenkov:#13686

>>13685
https://m.youtube.com/watch?v=uPHi5xn_q5c

emmakardaras Avatar
emmakardaras:#13687

>>13685
Verzeihung, habe schon wieder Sprachdurchfall. Zusammenfassung von >>13683 und >>13684 :

Leiden (genauso wie Genuß) ist eine kulturelle Institution, es ist erlernt. In diesen zwei Beiträgen beziehe ich mich auf Spinoza und entwickele den Gedanken im Rückgriff auf dessen Definitionen von Lust und Unlust.

emilioiantorno Avatar
emilioiantorno:#13688

>>13687
Wenn ich dir den Arm abhacke und es dann wehtut, ist das nur kultureller Irrweg, ja?

kershmallow Avatar
kershmallow:#13689

>>13688
Da ist ja der langersehnte ad lapidem-Bernd!
Und ich danke dir für dein Erscheinen, denn gerade so kann ich auch für die Skeptiker erklären, wie ich es meine.
Als Beispiel führe ich das Phänomen der wild children an, Kinder, die entweder unter Tieren oder in starker oder völliger Isolation aufgewachsen sind. Quellen liefere ich bei Bedarf gerne nach.
Diese Kinder haben durch das Fehlen von Bezugspersonen natürlich klare Defizite im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern, sie nehmen die Dinge anders wahr und wenn sie eine Sprache haben, dann hat sie selten etwas mit den uns bekannten zu tun.
Die hier relevante Beobachtung ist: man hat miterlebt, dass diese Kinder eine viel höhere Schmerztoleranz haben, zum Beispiel konnten sie in eiskaltem Wasser baden ohne auch nur zu frieren. Dementsprechend wird auch ihre Toleranz gegenüber Hitze sein.
Wie kommt das? Wir wissen, dass Kinder durch Mimesis und Mimikry lernen, also durch Nachahmung des Verhaltens und der Eindrücke ihres Umfeldes.
Wenn ein Kind also in einem Umfeld aufwächst, das großes Aufheben um eine Verletzung macht, wird es diese Reaktionen sich gut einprägen und dadurch eine verstärkte Fokussierung auf den Schmerzreiz machen. So entwickelt sich das Schmerzempfinden und die emotionale Wertung der Reize.
Natürlich, ein abgehackter Arm kann nicht so einfach wieder dranwachsen. Zudem ist eine Verletzung dieser Art wirklich potenziell gefährlich für das Fortbestehen des Lebewesens.
Schmerz hat ja durchaus seine evolutionäre Berechtigung, aber Schmerz als Leiden zu erfahren, ist die Folge eines frühkindlichen Konditionierungsprozesses der auf Mimikry basiert.

likewings Avatar
likewings:#13690

Wahrscheinlich ist es noch immer nicht klar, darum nochmal bündig: Schmerzreize können wir aus unserem Leben nicht verbannen, das hätte auch keinen Nutzen. Wir können uns betäuben, aber wer sich mit Analgetika und ihrer pharmakologischen

gmourier Avatar
gmourier:#13691

Wirkungsweise einmal beschäftigt hat, wird sehen, dass die meisten Schmerzmittel ja nicht den Schmerz, sondern nur seine Wahrnehmung verändern. Ob Opioid-Analgetika oder Dissoziativa, sie bringen den menschlichen Geist nur dazu, dass der Schmerzreiz nicht länger als Leiden wahrgenommen wird.
Das lässt den Schluss zu, dass wir unser Wohlbefinden zum entscheidenden Teil selbst in der Hand haben. Leiden ist ein unbewusstes Urteil oder eine Etikettierung eines Erlebens, und es ist so unangenehm, weil es den Leidenden in eine hilflose Situation bringt, in eine Opferrolle, und damit zur Passivität verdammt. Gerade dies ist aber eine Frage der inneren Einstellung. Es gibt auch Mönche, die sich Gliedmaßen abtrennen können, ohne dabei überhaupt noch Schmerz zu empfinden und dies weist darauf hin, wie entscheidend unsere soziokulturelle Programmierung ist:
Ein solcher Mönch ist nämlich kein Übermensch mit zusätzlichen Fähigkeiten, nein, eher andersherum: dem Mönch ist es gelungen, sich von hemmenden Programmen und Erziehungsinhalten zu befreien.
Dass Leiden eine kulturelle Institution ist, zeigt sich auch an der sehr starken Subjektivität von Schmerzempfinden und Leiden. Es gibt Völker, die Schmerz empfinden

samscouto Avatar
samscouto:#13692

wenn ihre Haare geschnitten werden. Das ist nicht anders zu erklären, als durch eine kulturelle Konditionierung, denn Schmerzrezeptoren finden sich in Haaren bekanntlich nicht.

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#13693

4 Beiträge für die sensationelle Erkenntnis, dass das, was wir als 'leidvoll' empfinden, zu einem gewissen Grad kulturell geprägt ist. Und daraus machst du dann: Leiden (genauso wie Genuß) ist eine kulturelle Institution, es ist erlernt.

So wird das nichts. Und dann noch so etwas:

>Es gibt Asketen und Einsiedler, die seit Jahrzehnten nichts gegessen haben. Einige dieser Berichte erwiesen sich als Fake, doch dass es so etwas gibt, daran zweifele ich nicht.

strikewan Avatar
strikewan:#13694

>>13693
"Es ist nur so eine Überlegung"

Eine inhaltliche kritik wäre wünschenswert. Mir scheint, als hättest du den wichtigsten brückenpfeiler übergangen, der isidors gedankengang von "der sensationellen Erkenntnis, dass das, was wir als 'leidvoll' empfinden, zu einem gewissen Grad kulturell geprägt ist" hin zu: "Leiden (genauso wie Genuß) ist eine kulturelle Institution" stützt.
Nicht die prägung an sich ist der angelpunkt, der in seinen erläuterungen angerissen wird, sondern das (möglicherweise) gewaltige ausmaß der prägung und die daraus erwachsenden möglichkeiten.
Dazu hättest du dich äußern können, kritik üben können. Stattdessen postest du nichtssagendes in schnoddrigem tonfall. Was mir wiederum die frage aufdrängt, wieso du dich, unnötigerweise, angegriffen zu fühlen scheinst und destruktiv verhältst, anstatt konstruktiv. Es stößt mir insbesondere sauer auf, weil isidor einer der wenigen angenehmen poster hier ist. Mag man seine ausufernden textwände so oder so finden, er investiert seine zeit auch für uns lesende. Aber worte in den wind gesprochen.

Kurz: Dein post ist frei von nutzen. Versuch es einfach nochmal.

roybarberuk Avatar
roybarberuk:#13695

>>13668
was für ein quatsch

darcystonge Avatar
darcystonge:#13699

>>13695
Danke, dass du dir Zeit genommen hast, um auf meinen Faden zu antworten. Jeder, der auf einen isidor-Faden antwortet, bekommt als kleines Dankeschön einen Präsentkorb mit Wein, Gras, LSD, einer Ananas, vier Videospielen, sechs Büchern und 12 Filmen seiner Wahl.
Teile mir nur schnell deine Anschrift mit, und schon bald wirst du dein ganz persönliches Dankeschön in Händen halten, mit einer Grußkarte plus persönlicher Widmung. :3

antongenkin Avatar
antongenkin:#13700

In der Liste stehen ja auch noch andere Sachen, außer der Idee, dass Leiden erlernt ist. Dass es Quatsch ist, nehme ich zur Kenntnis. Toll ist aber auch, wenn jemand Lust hat, noch zu anderen Punkten Stellung zu beziehen und es zu zerpflücken.