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Veröffentlicht am 2016-03-09 20:43:2 in /ph/

/ph/ 13763: Sinn der Philosophie

illyzoren Avatar
illyzoren:#13763

Mal ne allgemeine Frage über Philosophie:
Nach reichlicher Auseinandersetzung mit dem Thema ist mir aufgefallen, dass es für jede Antwort auf eine philosophische Frage eine ebenso plausibles Gegenargument gibt. Im Grunde hab ich deshalb letztendlich auch die Philosophie aufgegeben. Geh ich da zu rational ran? Ist Philosophie etwa doch nur Auslegungssache? (so wie Kunst, welche im Auge des Betrachters liegt)

artcalvin Avatar
artcalvin:#13764

>>13763

>880x326

shesgared Avatar
shesgared:#13765

Ich glaube, du gehst da tatsächlich zu rational ran, Bernd.
Die Philosophie ist doch nur eine Sache von Menschen für Menschen (drinbevor für sich selbst), um eine Ausrede zu finden, die ihnen vielleicht doch noch eine marginale Existenzberechtigung gibt. Also würde ich mir weniger Gedanken um Argumente und Gegenargumente, als um den generellen Sinn der Philosophie machen.

Also genieße sie, wenn sie dich glücklich macht, Berndi :3

yigitpinarbasi Avatar
yigitpinarbasi:#13767

>>13763
Die Fragen sind es, um die es in der Philosophie geht.
Eine Frage kann sich Jahrtausende halten und in jeder Epoche ganz andere Antworten hervorbringen.
Wie kann das sein? Auch das ist Gegenstand der Philosophie.
Für mich ist Philosophie die Art, nach den wichtigen und relevanten Fragen für sich und seine Zeit zu suchen. Die Antwort ist wichtig, aber wie auch in der Mathematik ist der Lösungsweg wichtiger und spannender - so auch in der Philosophie: zu zeigen, warum man gerade nach dieser oder jener Sache fragt und herleiten, warum es von Wichtigkeit, wenn auch nur für das eigene Leben ist, das ergreift viel mehr, als ein Typ, der dir eine Weisheit andrehen will, die dich gar nicht interessiert, weil du nicht dieselben Fragen stellst.
Philosophie kann dir deshalb im Zuge des Fragens und des Fragens nach den wirklich relevanten Themen auch zeigen, wie wichtig das Thema Wertschätzung ist:
Wenn du nicht Aufmerksamkeit aufwendest auf die Einzelheiten des Lebens und Fragen stellst, wenn du dich also nicht verwickelst in das Geschehen des Lebens, dann läufst du Gefahr, immer nur an der belanglosen Oberfläche, an der Verpackung der Dinge dich aufzuhalten. Wenn du niemals Werte in Frage stellst, und fragst, was (dir) wirklich wichtig ist, dann zieht das Leben an dir vorbei und es lässt dich unberührt, weil du nie versucht hast, in sein Inneres einzutauchen.
Es ist wie mit der Musik. Wissen kann den Blick verstellen, aber Kenntnis und Tiefe der Aufmerksamkeit kann auch den Genuss und das Erleben intensivieren.
Es sind die Fragen, Bernd, die eine Rolle spielen. Die Antworten sind nichts ohne die Fragen.

karsh Avatar
karsh:#13774

>>13763
>Nach reichlicher Auseinandersetzung mit dem Thema ist mir aufgefallen, dass es für jede Antwort auf eine philosophische Frage eine ebenso plausibles Gegenargument gibt.
Wenn ich deinen ersten Satz richtig verstehe, bist du nach reichlichen Überlegungen zu dem Schluss gekommen, dass es keine objektive Wahrheit gibt, da es für jedes Argument immer ein Gegenargument gibt. Das ist eine typisch skeptische Aussage, wie sie bereits in der Antike bekannt war. Hier ein Beispiel:
"Der Tropus aus dem Widerstreit besagt, daß wir über den vorgelegten Gegenstand einen unentscheidbaren Zwiespalt sowohl im Leben als auch unter Philosophen vorfinden, dessentwegen wir unfähig sind, etwas zu wählen oder abzulehnen, und daher in die Zurückhaltung münden."
(Grundriß der pyrrhonischen Skepsis, Sextus Empiricus, suhrkamp, S. 130)

Das ist in aller erste Linie ein erkenntnistheoretisches Problem und widerspricht meines Erachtens auch dem Standpunkt eines Großteils der lebenden Menschen. Deine Aussage ist somit streitbar. Alternativ, was ich eher glaube, vertrittst du den Standpunkt, dass es so etwas wie Erkenntnis gibt, die rein über das subjektive Empfinden hinausgeht, ob objektiv oder intersubjektiv, und du hast lediglich ein sehr spezielles Verständnis vom Begriff Philosophie. In diesem Falle solltest du dein Verständnis von Philosophie näher erläutern oder dich weiter hierzu äußern, falls meine beiden Aussagen über dich falsch sind.

>Geh ich da zu rational ran?
Nein, sofern deine Abwendung von der Philosophie einem emotionalen Zustand wie Frust oder Unlust entspringt.

>Ist Philosophie etwa doch nur Auslegungssache? (so wie Kunst, welche im Auge des Betrachters liegt)
Das Wort "Auslegungssache" ist mir nicht bekannt, da es laut Duden kein anerkanntes Kompositum darstellt, insofern solltest du deine Frage vielleicht umformulieren.

Davon ungeachtet kann ich nur Isidor zustimmen:
>Wenn du niemals Werte in Frage stellst, und fragst, was (dir) wirklich wichtig ist, dann zieht das Leben an dir vorbei und es lässt dich unberührt, weil du nie versucht hast, in sein Inneres einzutauchen.

Gruß

Singer-Bernd

posterjob Avatar
posterjob:#13783

>>13774
>Das Wort "Auslegungssache" ist mir nicht bekannt, da es laut Duden kein anerkanntes Kompositum darstellt, insofern solltest du deine Frage vielleicht umformulieren.
Übertreib es nicht