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Veröffentlicht am 2016-03-28 20:51:07 in /ph/

/ph/ 13828: Wie sehr wird man von einem niedrigen IQ in der Philoso...

langate Avatar
langate:#13828

Wie sehr wird man von einem niedrigen IQ in der Philosophie eingeschränkt? Kann man mit genug Aufgeschlossenheit und Geduld jedes Konzept verstehen?

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joemdesign:#13829

niedriger IQ sollte dir helfen die meisten philosophischen Konzepte zu verstehen, da nur die wenigsten wirklich Sinn ergeben

seanwashington Avatar
seanwashington:#13832

Kadse verarschen geht ga nich

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kreativosweb:#13841

>>13828

Ich ignoriere mal diesen >>13829 und diesen >>13832 Unfug und versuche etwas beizutragen.

Abgesehen einmal davon, dass das IQ-Konzept absolut nicht erhaben und irgendwie wissenschaftlich gefestigt im Raum stehen gelassen werden kann, ahne ich ja, dass es dir um die Frage danach geht, ob durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Intelligenz irgendwie nachteilig für philosophisches Arbeiten sein könnte.

Ich kann dazu aus eigener Praxis berichten, dass das Sich-Mühe-geben, Ausdauer bei Problemlösungen beweisen und das Erfahrung-sammeln zusammen mit einem geschickten Ressourcenmanagement (Arbeitsmaterialmanagement, Zeitmanagement, "wissenschaftliche Logistik"/Propädeutik usw.) ganz wesentliche Punkte für qualitativ hochwertiges Arbeiten darstellen. Eine gewisse Affinität zu komplexen Gedankengängen, Geduld und auch ein Spaß am Rätselraten sind ebenfalls mehr oder weniger Notwendigkeiten für philosophische Tätigkeiten.

Was nun reine zerebrale Leistungsfähigkeit angeht, bin ich mir nicht sicher. Unterschiedliche Menschen sind unterschiedlich verdrahtet, sicher, aber ich habe in meiner Zeit nur eher in Ausnahmefällen wirklich das Gefühl gehabt, diese oder jene Person sei irgendwie deutlich intelligenter als eine andere.

Nimm einen Schachspieler mit ELO >2500. Ist der jetzt automatisch ein potentiell guter/genialer Mathematiker, nur weil der im begrenzten Raum des Schachspiels meisterhaft mit Strukturen arbeitet? Man bedenke, dass die wenigsten dort eine formale (mathematische) Ausbildung haben und gar nicht wissenschaftliche Strenge gewöhnt sind oder die umsetzen könnten. Ich merke das immer daran, dass dort gestandene Großmeister völligen Unfug von sich geben, wenn sie über potentiell formale, mathematische Eigenschaften des Schachspiels etwas sagen (wollen) oder man sie im Interview dazu drängt. Sobald die über ihr eigenes Handeln im Schachspiel sprachlich reflektieren müssen, wird es in der Regel wild und ein Informatiker/Mathematiker/Logiker horcht erst irgendwie neugierig und gespannt auf und will sich dann schnell die Ohren zuhalten. Gleichwohl sind sie deswegen ja nicht irgendwie unintelligent: es fehlt einfach komplett an Handwerkszeug und - wesentlich wichtiger noch - der Routine, in formalen Strukturen mit formalen Mitteln zu denken und zu arbeiten.

nateschulte Avatar
nateschulte:#13842

>>13841

Dieses Phänomen wiederum ist sehr ähnlich dem, was man beobachten kann, wenn man Informatikern dabei zuhört, wie sie Philosophie machen. Die haben null Gefühl dafür, wo ein wissenschaftlicher Übergang zwischen reiner Mathematik (Rekursionstheorie, ein bisschen Algebra und Logik) und Begründung genau der formalen Systeme besteht, mit denen sie letztlich arbeiten. Die arbeiten IN den Systemen und kennen sich dort natürlich aus, wissen sich aber gar nicht helfen, sobald sie "irgendwie" wissenschaftlich arbeiten sollen, aber ausserhalb ihrer Kalküle. (Hier glorifiziere ich natürlich und tue gerade so, als ob "Informatiker" = "praktischer Informatiker" wäre, der also im wesentlichen programmiert und letztlich nur im Profil rein praktischer Anwendung im Sinne eines Ingenieurs arbeitet; es gibt natürlich theoretische Informatiker, die ganz klar mathematische Logiker sind.) Mathematiker sind in dieser Hinsicht ähnlich schlimm, aber irgendwie weniger authistisch, weil die absolut meisten ihre Grundbegriffe einfach bis in höhere Semester gar nicht hinterfragen und (!) es auch nicht wollen, weil sie so eine (pädagogisch nicht ganz falsche) Intuition haben, dass es ihnen eher schadet.

Die Quintessenz ist für mich die: Wissenschaftliche Sozialisation, d.h. das Lernen des Handwerks, der wissenschaftlichen Sprache und Umgangsformen (praktisch und auch im übertragenen Sinne), der mathematischen Strukturen usw. spielen eine weitaus größere Rollen für den Erfolg der Arbeit, als Genius. Durch überragendes Talent läßt sich natürlich sehr Vieles leichter an, das möchte ich nicht in Frage stellen. Philosophie ist immer Reflektieren über etwas. Je mehr du aus dem Sachgebiet dieses "etwas" verstehst, desto tiefer kannst du hinein, desto komplizierter wird es, desto mehr musst du verstanden haben usw.