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Veröffentlicht am 2016-05-16 07:35:38 in /ph/

/ph/ 14017: Freier Wille zum xten

liang Avatar
liang:#14017

https://en.wikipedia.org/wiki/Neuroscience_of_free_will

Welche Philosophen glaubte nicht an freien Willen?
Ich weiß von:
-Spinoza
-Schopenhauer
-Nietzsche

liang Avatar
liang:#14018

Deterministen

krdesigndotit Avatar
krdesigndotit:#14033

Freier Wille, das sind zunächst einmal nur Worte. Was verbinden wir damit?
Spinoza beschreibt es so: wir begreifen uns in unserem Wollen solange als frei, wie wir uns unseren Motiven nicht bewußt sind.
Das erklärt, warum freier Wille eine Illusion ist. Jede Tätigkeit, der wir uns zuwenden, geschieht aus einer Motivation, und diese ist in der Regel Lustgewinn beziehungsweise Schmerzvermeidung.
Es hängt von der Perspektive ab: wenn wir absolut naiv das Leben betrachten und begehen, dann sind wir frei zu tun, was wir wollen.
Wenn uns unsere Motive klar sind, sehen wir, wie wir durch äußere Umstände bestimmt sind. Das ist der Unterschied zwischen Freier Wille und Determinismus.
Ich sehe es so: auf jeden Fall haben wir einen freien Willen.
Er ist sogar so frei, dass wir keinerlei Macht darüber haben, was er will.

Man könnte davon ausgehen, dass die relevanten Philosophen den freien Willen verneinen. Aber es muss noch etwas darüber hinaus gehen, und zwar diese Philosophen, die das gesamte Konzept, den Namen und die Folgen in Frage stellen. Für mich gibt es da nur Alan Watts - was darüber hinausgeht ist Mystik und hat in /ph/ nichts zu suchen.

thomasgeisen Avatar
thomasgeisen:#14034

>>14033
Sehe ich ähnlich. Jede Freiheit ist immer und überall eine determinierte, da jede Person, die sich als frei versteht, durch irgendetwas motiviert, angesprochen, bewegt ist. Freiheit ist der unbewusste Zipfel, der immer schon am Rande der Welt hängt. Die Frage "Freiheit oder Determination" ist deswegen eine langweilige Frage; beides schließt sich anscheinend nicht aus. Spannender wäre vielleicht die Frage "Freiheit oder Zwang", was nämlich im Gegensatz zu Determination eine echte Unfreiheit wäre. Diese Spur führte, wenn ich das richtig einschätze, ins Dickicht der Ethik, letztlich zu Fragen nach Herrschaft und Gerechtigkeit.

eloisem Avatar
eloisem:#14035

Ich finde es schon erstaunlich, dass es so viel Diskussion zu diesem Thema gibt. Totale Freiheit macht doch logisch keinen Sinn oder nicht?

Ich meine wenn man sich ein Wesen vorstellt, dass ein unbeschriebenes Blatt ist und in voller Kontrolle über sich selbst ist und unsterblich ist und somit keine Bedürfnisse hat. Was wird es tun? Wird es sich überhaupt von der Stelle bewegen?

Also dies >>14033

Was ich glaube der Fall ist dass wir, wie Charaktere in einem Rollenspiel, mit bestimmten Werten geboren werden. Diese Werte sind alle verschieden variabel und werden durch Interaktionen mit dem Umfeld variiert. Das ist jetzt wahrscheinlich leere Information aber egal was, jeden Zeitpunkt wird eine Entscheidung gefällt. Wir alle interagieren miteinander und beeinflussen uns gegenseitig. Das heißt dass selbst die Einsicht dass es keinen Freien Willen gibt Teil davon ist. Also wirklich befreien können wir uns nicht. Und ich glaube dass wie der Beobachtereffekt bei der Quantenphysik wir nie wirklich klar selbstreflektieren können. Wie in Geschichten wo jemand von seiner Zukunft erfährt und es sich rausstellt, dass durch Wissen dieser Zukunft und der Versuch sie zu verhindern diese Zukunft erst eintrat.

linux29 Avatar
linux29:#14036

>>14035
Ich glaube, dass man auch noch einen Unterschied zwischen freiem Willen und Freiheit machen kann oder sollte.
Freier Wille ist eine Eigenschaft, und allem Anschein nach eine illusionäre - Freiheit dagegen ist eine innere Einstellung, ein Zustand, der unabhängig von Umständen sein kann.
Auch ein Mensch, der angekettet in einer Zelle liegt, kann frei sein. Das ist eine Frage der Akzeptanz der Umstände.
Ein verhungernder Mann in Somalia kann frei sein, wenn er seinen Zustand nicht als fremdbestimmt begreift, sondern als eine Situation, die er vollständig akzeptiert.
Ich bin mir gerade nicht sicher, inwieweit sich diese Deutung mit der des deutschen Idealismus deckt, wo Hegel sagt "Freiheit ist erkannte Notwendigkeit", aber es geht in die Richtung:
Freiheit hat nichts mit den Umständen zu tun, sondern mit unserer Art, wie wir dazu stehen. Das heißt, dass Frei-sein niemandem verwehrt ist, weil es eine Frage der inneren Einstellung ist.

albertodebo Avatar
albertodebo:#14037

>>14036

>Freiheit hat nichts mit den Umständen zu tun, sondern mit unserer Art, wie wir dazu stehen. Das heißt, dass Frei-sein niemandem verwehrt ist, weil es eine Frage der inneren Einstellung ist.

Die Art, wie wir zu unseren Umständen stehen, ist vorbedingt durch andere Umstände. Oder anders formuliert: Unsere innere Einstellung steht uns nicht frei. Abstrakt kann jeder in Freiheit leben. Konkret kann kaum einer in Freiheit leben. Freiheit steht uns nicht frei. Wem wo, wann und wodurch Freiheit zuteil wird steht fest. Freiheit ist Geburtsrecht.

shesgared Avatar
shesgared:#14040

>>14036
Die Hegelei hätte eine metaphysische Pointe, nicht widerlegbar, doch exzentrisch: Durch alle Widerstände hindurch, die wir bloß als Zwang erfahren, die uns also 'unfrei' zu machen scheinen, realisiert sich ein Prozess fortschreitender Freiheit, nämlich die Selbstverwirklichung des absoluten Geistes. In diesem Sinne ist Freiheit natürlich Einsicht in die Notwendigkeit, aber dieser Sinn ist heute keinem empfindsamen Menschen mehr zuzumuten.

bobwassermann Avatar
bobwassermann:#14095

https://www.youtube.com/watch?v=XT6DKn6ZJso