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Veröffentlicht am 2016-09-28 21:57:47 in /ph/

/ph/ 14624: Der Perverse ist wieder da!

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#14624

Mal wieder rotzt das alte Schreckgespenst, das philosophische Haustier isidor in eure kuschelige Moder-Ecke namens /ph/.

Ich habe nichts zu sagen. Ich könnte über zahllose Gegenstände im bekannten Stil schwafeln - stattdessen biete ich mich an, Fragen zu beantworten, euch auf den Schlips zu treten oder Diskussionen jedweder Art mit euch zu führen.

Isidor ist im Haus. Nutzt es aus, sonst verpufft er wie eure Chancen auf ein glückseliges Leben, solange ihr euch mit Philosophie befasst.

crhysdave Avatar
crhysdave:#14625

Woran mangelt es dir?

turkutuuli Avatar
turkutuuli:#14626

>kündigt sich als Perverser an
>diverse romantisierung
>ich bin wichtig AMA
>pseudointelligenter abschluss

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darcystonge Avatar
darcystonge:#14627

>>14626
Ach komm, lass ihm doch den Spaß. Scheint ja ein ganz okeer Typ zu sein.

>>14624
Wenn du hier schon den Grandseigneur gibst, Isi, dann erzähl doch mal ein paar Schwänke aus deinem aufregenden Existezialistendasein.

jamesmbickerton Avatar
jamesmbickerton:#14628

>>14624
Lerns Koppmaul stopfen un schmeeß de Bücher wech, grad datt Ästhetenzeuch un vonne Dichtern den ihr Pappen (un datt allet nur, weel du et dir bsonders machst). Kiek ma, du machst et ja nitt bloß so als so en Hobbykist, nech, sondern so und so: I bin en kleenet Bäumelien, kiek wie ich wachsn tu. Datt sachst dir selber un so haste jelesen und jelebt. Nu, datt is ja ooch ne scheene Sach eegentlich, aber kiek ma, watt nu eegentlich draus werdn tut und wordn is und werdn wird, mit de Phillosophie un so. Na datt tut ja nitt ma inne Sterne drinne stehn oven, watt draus wird, nech. Da isses doch janz schwatt übern Mudder Sohn dem sein Kopp dir und datt wees ooch keener vonne andern Köppen sonst. Duster is datt mit de Phillosophen.
Datt Lebn jeht ja grad grade utt, datt isses doch, datt jeht von alleene grade utt datt Lebn, ins Schwatte rin. Un de Schmökerei is so'n Nebending dabee, datt jeht nebenher dem Lebn. Da kannst lesen bloß, wie irjendwann ma eener ooch en Dussel jeweesn is, irjendwo ma. Nu haste aber Lenz oof Lenz jeschmökert un bist so doof als wie de vorher och geweesn bist, nu haste vonne andern den ihr Doofheit, ja, die haste nu ooch selber. Jetz weeste datt aber, datt de Schmökerei dir inne Blüsn irrlichtert, wo de verlorn jehst.
Kiek ma, datt Lebn du, datt is ja eegentlich janz still, nech, janz still is datt eegentlich. Kiek, da tut eegentlich keener watt saggen. De Leud sin vor de Allmächtigen ooch nu wie de Fische. De Fische schwimm in Jott dem seine Wasser. De Fische aber, de weeß von Wasser nix. Kiek, so'n Fisch, de tut eenfach schwimm. Vonne Lebn weeßer nix un vonne Tod, da weeßer ooch nix dröver. Un eener de nix weeß, de weeß ooch nix Falsches. Vor sich hatter nix denn Jott, da schwimmter rin, un hinten is Jott och.
Dahero is och de heilge Bibel vonne Mose un de Abraham un de Josef un de Jeremia un wie se alle heeßen tun un dann de Nova Biblica von de Jessus Christus und de Aposteln, datt is Jott allet wie von de Fische denen ihr Redn, datt heeßt, wie se grad nitt Redn tun, de Fische, datt is also Jott so gut als wie een Nix. Jetz isse nu ma da, aber eegentlich is datt vonne Ansatz her is datt ne janz falsche Kiste. Allet is Jott un Jott is allet. Da rührt sich nix un allet rührt sich trotz dem.
Kiek ma, watt is denn von de Fische eegentlich den de Ursprung? Wo schwimm de her un schwimm de hin? Un watt is so een Fisch eegentlich? Datt weeß nämlich keen Mensch weeß datt nitt. Ich weeß datt ooch nitt. Een Fisch is een Fisch. Datt is de Grenzmauer vonne Menschn denen ihr Denken in Bezuch oof allet. Datt andre da sin Fiesematenten. Watt wir sin könn wa nitt wissn. De Mensch is nitt zum wissn Mensch, sondern zum kieken. Nu, de Wissnschaftn, datt is datt große Kieken, de Wissnschaftler sin Kieker un nitt Wisser. Un vonne Nitt-Wissnschaft, datt is de Bereechsarbeet von de Relijionen ooch. De Wissnschaft kiekt uff de Dinge un de Relijion kiekt durch de Dinge durch. Datt is ne jesunde Teilung. Beten un arbeeten. Nu, bee uns ging datt Saggen: Wenn de Pastoor länger quäkert denn 15 Minuten, dann is de Predigt ne Miese. Ich halts Maul gleech ooch selber dann.
Wenn de Leude lesn würdn als wäret allet Einerlei, dann wäret Lesn nitt so von so großn Übelhaftigkeit, aber de Leud is datt Lesen in irjeneines jemandes Buch drinne wie de Zauberbogenbrücke flux zu de Palast von de göttliche Wahrheit höchst selbst. Da möchst Lachen tun, wennet nitt zum Weinen wär, datt de Leud andre Leud hassn als datt se de Liebe zu denen ihr Nächsten pflegn wolln un sich ooch oft selber hassn dabee.
Der Wech is janz grad eegentlich un eenfach zu schaun un jehn, bloß da steht jeder sich selber steht sich jeder auf dem Wech im Wech, mit de Bücher un Denken un de Ego un Phillosophie un so. Da möchsts brülln: Gude Leude, kiek, wo is nitt Jott un seen Wech? Werft ab datt allet watt datt eene von datt andre trenn tut. Nix brauchst zu wissn, du Döskopp. Frisch grad utt jelatscht un datt de heilge Michael dem sein Schild dir hebt übers Haupt dir und spricht sein Nam: 'Wer is wie Jott' un du bleebst janz still, weel datt Schweegen allet is un allet is Jott. Un dann latschst du los.

lanceguyatt Avatar
lanceguyatt:#14629

>>14628
ZL;NG: "Just do it!"

Schöner Text übrigens, leider muss ich beim Inneren Lesen permanent an Willi II denken, der hat so ähnlich geredet.

arnel_lenteria Avatar
arnel_lenteria:#14630

Passiert noch was idF? Nein? Also mal was praktisches.

Wir wissen ja vom Isi, dass er auf den Wellen des Lebens zu tanzen pflegt, gewissermaßen, ein Lebensjongleur. Frage also: Wie ist so ein Lebensstil (der mich übrigens irgendwie anspricht) erreichbar? Als Freischaffender? Selbstständiger?
Die Einstellung, das Tanzen, klar, die hab ich. Aber wie ist das realistisch umsetzbar?

kiwiupover Avatar
kiwiupover:#14631

>>14630
>Wie ist so ein Lebensstil erreichbar?
>Wie ist das realistisch umsetzbar?
>Die Einstellung, das Tanzen, klar, die hab ich.

Tänzertum ist Imperativ. Denk an die Tanzenden; planten sie Schritt für Schritt den Gang zum Saal oder stürzten sie, mit blinden Augen, unversehens angefacht und voll Gefühl, dem Musikklang, lachend, entgegen?
Dem Tanz folgt das Leben, anders nicht. Und auf das Leben folgt die Planung. Daher nenne ich dich einen Träumer, weil du Tanzen willst aber kein Tänzer bist.

justinrhee Avatar
justinrhee:#14632

>>14631
Kann man denn ein Tänzer werden? Beginnen nicht alle Lebensausfürungen mit einer Entscheidung? Und ist es nicht die Entscheidung des Tänzers, nach seinem Takt zu tanzen, seinem ureigenen? Schnörkelvoll, sich drehend und biegend mag er durch den Saal schweben, scheinbar über dem lauten, donnernden Takt. Und doch ist es der Takt in ihm, nach dem er tanzt.
Wer diesen Takt hat, kann tanzen. Oder es zumindest erlernen.

Und ist nicht sogar der Tänzer der größte Träumer, weil er über den lauten, überdröhnenden Takt, den alle und niemand hören, hinausträumt?

necodymiconer Avatar
necodymiconer:#14633

>>14632
In Die Brüder Karamasow von Dostojewski gibt es, soweit mir erinnerlich ist, recht früh im ersten Teil eine Klosterszene, in der eine junge Frau, gekommen war sie aus anderem Anlass, mit dem berühmten und geheiligten Starez Sossima ins Gespräch kam über ihren Wunsch, endlich Barmherzigkeit ganz und vollends zu leben. In ihren Träumen sieht sie sich zwar schon als Pflegerin der Armen und Kranken, sieht sich gebeugt und gepeinigt den Kreuzweg sterben für ihre Mitmenschen, ihren Besitz verwerfen und all ihre Habe verlassen, aber erwacht und innerlich ist ihr bewusst, dass diese Barmherzigkeit nicht unbedingt ist, sondern dass diese Barmherzigkeit im Austausch nur geschieht, im Handel nur für Dankbarkeit und Zinsen, im Rampenlicht der Armseligen. Sossima hört sie schweigend an und spricht darauf: Diese Barmherzigkeit des Träumers ist mild, weil sie nicht enttäuscht, weil sie den Abend mancher langen Tage versüßt. Und Dankbarkeit ist mild, weil wir es lieben, geliebt zu werden, gesehen zu werden und unser Abbild geehrt zu wissen, ist süß. Barmherzigkeit aber, wahre Barmherzigkeit, ist tätige Liebe allein, selbstloses Handeln, Selbstvergessenheit in Liebe. Lieben ist bitter, doch nie sind wir näher als in tätiger Liebe Gott, nein, tätige Liebe ist selbst das göttliche Licht, dass die Heiligen, deren Zahl groß ist, durchscheint und aus dem Martyrium hinauf hebt. Alle Entbehrungen, alle Schmerzen, alle Ängste und Kümmernisse gehen unter in diesem Licht Gottes. Durch wirkliche Liebe wird der Liebende heilig und erträgt.

Nun, ist die junge Frau zur Heiligen geworden oder Träumerin geblieben?
Die Geschichte hier hängt lose an deiner Situation, die sich schwer von fern beurteilen lässt, weshalb man beinahe nur in harten Worten selbst Fakten setzen kann um vorwärts zu kommen, aber soviel des Gewaltmarsches dann doch: Den Takt geben die Musiker, die Musen, Gott und die Welt. Das wo und wann des Tanzes liegt scheinbar bei uns, doch jedes 'ureigene' ist bloß Kulisse, ist Arbeitshypothese einer zu großen Aufgabe, ist unser kaum angetretenes Erbe, ist ein Zurückweisen ins Endlose. Das Vergangene strahlt bis hinein in das Zukünftige und die Gegenwart ist der Moment des Übergangs. Was du wirst hast du nicht in der Hand, oder wie Schoppenhauer sagt: Du kannst tun, was du willst, aber nicht wollen, was du willst. Ich bin nicht kleiner Worte, also schreibe ich das mythische Urwort einfach frei heraus: Es ist Schicksal.
Deine Frage war konkret und ich antworte nebulös. Du hast große Lust, ein Jongleur zu werden. Hast du aber in dir das, was trägt, was hinüber und hinaus trägt, was die Leiden und Schmerzen und Qualen und Sorgen und Zweifel dich überdauern lässt, dich aufs Ganze gehen lässt?
Ich schreibe das aus dem Grund, du sagtest, du möchtest 'das realistisch umsetzen'. Was du bist, das kannst du nicht umsetzen, sondern bloß sein. Zu planen etwas zu sein, das grenzt an Lüge. Jongleur, Tänzer, Träumer, lösch das alles aus deinem Kopf, schneid alles Wollen, das ererbte, aus dir heraus und lebe eine Zeit als Neugeborenes, als Betrachter deiner Selbst. Dann schau, wer du seist, im tiefsten Innern: Was bin ich?

csteib Avatar
csteib:#14634

>>14633
Wir sehen hier den Dichter als den Mann, der das Banale, den grauen Fakt, mit tausend schönen Formen und Sätzen zu einem bunten Blumenfluss umformen kann.
Seiner Wahrheit tut das keinen Abbruch.

Ich werde über deine Worte und meine Illusionen (und was sonst sind unsere Pläne, als Illusionen) nachdenken.

mugukamil Avatar
mugukamil:#14635

>>14634
Datt machste wohl saachen, do, datt is ja ne richtje Traumfabrik in dem seen Overstuuve. Nu datt midde Nihilisme vonne eegnen Will, datt is mir, nu, datt is mir wies vonne heiljen römschen Kirsche den midde Märtyrer is, bloß vonne jejenteilchen Seit her beschaut, janz nittverständlich is mir datt. Sagebuck do, da kümm i nitt bee. Da bissn liewen langen Taach jelatscht von Aa na Bee, un nu, da kümmt uff a ma rutt, datt war en janz andre de jelatscht is als de selber bis, datt wa vonne Welt dem ihr Seel, de kütt daherjelatscht, us de eene inne andre Zeet un datt durch mir Schlunz. Kerr!

Na Omma, na, i jeh ma eben umme Pudding jukkeln. Bis spädda.
'Ach, nu datt is bi de fuulen Dögeneeten de Geest van de Tied. Oh, leever Heer Jessus.'

Nu, Spaß beeseet.
Ooch Mensch, watt bis de? Wie en Käfeetier
In Bernsteen eenjeschlossn, hocks de rings in Eesen,
Eesen umpanzert dir in schließendem Jewirr.
Im Oge rast de Seel, oarm un irr.
Heemweh reemt süße Weesen
So schree do, Mensch en Eesen!

davidtoltesy Avatar
davidtoltesy:#14636

Wenn gute Gefühle das Nützlichste auf der Welt sind, wieso kann man sie dann nicht essen, trinken, bleit gesund durch sie oder kann den Winter mit ihren Hilfe überleben?

m4rio Avatar
m4rio:#14637

Tanzen, die Leichtigkeit des Daseins, ist die Sonnenseite des Daseins. Die andere Seite ist der Geist der Schwere, wie Nietzsche es nannte. Und nur weil diese Schwere mir so bekannt ist, will ich umso mehr tanzen.
Aber da liegt der Hase im Pfeffer: wenn ich es will, um der Schwere zu entgehen, dann fehlt ihm die Spontaneität, die es braucht, um aufrichtig zu sein.
Deshalb gibt es da nichts, für das man mich Tänzer nennen könnte. Traumtänzer bisher. Aber auch bei meinen Fragen stochere ich immer wieder im Nebel.
Wenn ich hier schreibe, dann ist das mehr so ein Training, oder soll es jetzt sein. Sozusagen Ansätze zum Tanzen.

Ich hab einfach von nichts mehr einen Plan. Das ist eine Voraussetzung für Leichtigkeit, aber wenn man sich daran stört, wird die Schwere umso quälender.
Wie schon einmal erwähnt, bewusst habe ich es mir nie ausgesucht, so zu sein. Taugenichts oder Narr zu sein ist wirklich die einzige gangbare Aussicht.
Und solange jemand Qualitäten irgendwelcher Art hat, so kann er nach ihnen sein Leben ausrichten.
Nur wir kennen ja den Bernd-Zustand: kein Ehrgeiz und dafür einen Geist, der alle Werte zerredet, bis er beim Nihilismus angelangt ist.
Nihilismus ist eben gleichzeitig Bedingung für die Schwere (Ermüdung über fehlenden Sinn und Bestimmung) wie er auch das Sprungbrett darüberhinaus werden kann zum Tanzen, zur Welt als Musik, als Spiel.
Nur wer kann das planen? Wir können Spielregeln lernen und Choreographien einüben, aber das Spiel um das es geht, ist eben das Planlose, das Spiel des Kindes.
Und wenn man ewig Nihilist sein mag, die Spontaneität ruft dich immer wieder auf, jetzt, genau jetzt Kind zu sein.

markolschesky Avatar
markolschesky:#14638

Realistisch das Tanzen im Leben umzusetzen, heißt, Konfrontationen nicht zu scheuen, sie aber auch nur zu suchen, wo du weißt, dass du oder das Gegenüber Feuer fängt - provozieren, aus Spaß, andere Ideen zu erleben, die eben nur sich zeigen, wenn man mal frech wird.
Viele unserer Restriktionen sind eingebildet, auch wenn natürlich Geldmangel ganz praktische Nachteile hat als jemand, der leben und nicht nur funktionieren will. Unser größter Gegenspieler ist, oder zumindest meiner ist die Bequemlichkeit - manchmal nichts zu sagen, sich nicht aufzulehnen, weil ein Ort, an dem man sein kann ohne dass es dir auf den Kopf regnet, einem völlig vogelfreien Leben doch etwas vorzuziehen ist. Viele träumen von einer schönen Hütte im Wald und dazu sage ich nicht nein, würde wenn es nicht mehr anders geht, so etwas ausprobieren.
Aber die menschliche Gesellschaft hat zumindest solange man nicht ganz ohne Aussicht

kylefrost Avatar
kylefrost:#14639

auf etwas finanzielle Mittel ist, bedeutende Vorteile.
Aber das Tanzen ereignet sich dennoch eben nicht zwangsweise vor Publikum, das Gegenteil ist der Fall: du kannst dich deiner eigenen Musik des Lebens wo du auch bist, hingeben - wenn du nur siehst, dass die Zwänge und Regeln eben keine Mauern sind, sondern gedachte Linien wie die Längen und Breitengrade des Globus.
Nichtsdestotrotz ist ein spielerisches Leben ohne Witz, ohne Pfeffer, wenn man nicht auch schon zur Genüge von den Regeln und Gesetzen (und vielleicht auch von den Folgen bei Missachtung der Gesetze) einen Eindruck erhalten hat.
Denn: unsere ursprüngliche Kindheit war mehr oder weniger reine Glückseligkeit - aber eine Glückseligkeit ohne Kontrast, ohne Begriff, ohne etwas ihr entgegenstehendes.
Und Freude ist kaum der Zustand der Wohlergehens, sondern eher der Übergang von einem dunkleren schwereren Seelenklang zu einem helleren leichteren.
Darum ist der ganze Ballast, den wir durch Schule, Arbeit, Gesellschaft aufgehalst bekommen haben, trotz allem noch zu was wert: eben um ihn zur rechten Zeit ihn abzuwerfen!
Das heißt, wenn der Mensch nicht sein Gedächtnis verliert, wird er niemals alle Regeln einfach so auf alle Zeit vergessen können, aber mit zunehmender Erfahrung wird klar, dass all diese Regeln nichts weiter als eine Empfehlung sind, aber kein Leitfaden für ein gutes Leben.
So wie du auch starr nach dem Kochbuch kochend, dich vielleicht umbringst, weil darin im Rezept steht, dass eine Zutat dazu gehört, auf die du allergisch reagierst.

Das Tanzen als Lebenseinstellung wird dir umso klarer, je öfter du durch deinen Tag gehst ohne Absicht oder Vorhaben: schleiche wie eine Katze, lauf auf einer Mauer wie Schulkinder, betrachte die Formen der Blätter und wie ihre Konturen auch nichts weiter sind als Tanzen, genauso wie die Bewegung des Windes oder der Verkehr der Stadt oder die Geräusche in einer Fußgängerzone.
Je mehr du darauf achtest, desto mehr erinnerst du dich, dass du das alles selbst bist. Dass du selbst keinem Ziel folgst, sondern nur schöne Kreise ziehst vom Nichts hinein, hinaus, hinüber ins Nirgendwo. Das ist alles nichts neues, Alan Watts hat das schön in work as play erklärt und in seinen anderen Lesungen und Werken. Ich nenne es gerne die Ästhetik der Freude.

kosmar Avatar
kosmar:#14640

>>14625
Bist du Madame Ermelyn? Wenn es mir an etwas mangelt, dann an der Liebe meiner einzigen Geliebten: Opium.

jehnglynn Avatar
jehnglynn:#14641

Blätter angucken?! Junge gehts noch ... Jetzt mach ma was richtiges, krieg n Dschobb und mach n Kint!!!

curiousonaut Avatar
curiousonaut:#14642

>>14639
Zweierlei:
Das -ich bin geneigt hinzuzufügen- 'poetische' Schauen, dieses vielen Gläubigen und manchen Künstlern vertraute innige Betrachten der Welt und der Dinge in deren bloß gedachten Vereinzelung, -eine Vereinzelung, die in und um uns alle wächst als steile Kälte, um dann wiederum zu tauen im warmen beständigen Blick eines offenen Aufnehmens und Ablegens-, das heißt, 'poetisches' Schauen, wenn Poesie des Schauens das Verlassen des Selbst und Aufgehen in der Suche, das Vermischen von Subjekt und Objekt durch die Betrachtung der Sache bedeutet, das Eingehen in Gott also oder besser: der Abfall all jener kalten gedanklichen Trennungen, das Erkennen ihrer Irrealität, dieses poetische Schauen nun, in dem jeder sich ungewollt-egoistisch vollziehende Gedanke den Geschmack des Hochmuts und der Prahlsucht trägt, dieses poetische Schauen ist sehr schön.
Aber ich stelle dir die Frage, wenn du weißt, du bist Gott und ich bin Gott und alles ist Gott, dass nichts nicht Gott ist, und Gott das Absolute ist, und es im Absoluten nur das Absolute gibt und keine Gegensätzlichkeiten, das Absolute ewige Stille, heilige ist, denn Bewegung existiert nur in den Dingen allein, doch alle Dinge sind endlich Gott und still, wieso ist dein Leben dann so, wie es gestern und heute und vielleicht morgen noch sein wird? Wie kannst du sagen, alles ist Gott, dann aber kurz darauf an deinem Denken leiden? Wieso ist das Alltägliche und Kleine so eine gottverdammte Gewaltätigkeit gegen dich, die dich verletzt?

Du weißt.

yesmeck Avatar
yesmeck:#14643

>>14639
Zweierlei:
Das -ich bin geneigt hinzuzufügen- 'poetische' Schauen, dieses vielen Gläubigen und manchen Künstlern vertraute innige Betrachten der Welt und der Dinge in deren bloß gedachten Vereinzelung, -eine Vereinzelung, die in und um uns alle wächst als steile Kälte, um dann wiederum zu tauen im warmen beständigen Blick eines offenen Aufnehmens und Ablegens-, das heißt, 'poetisches' Schauen, wenn Poesie des Schauens das Verlassen des Selbst und Aufgehen in der Suche, das Vermischen von Subjekt und Objekt durch die Betrachtung der Sache bedeutet, das Eingehen in Gott also oder besser: der Abfall all jener kalten gedanklichen Trennungen, das Erkennen ihrer Irrealität, dieses poetische Schauen nun, in dem jeder sich ungewollt-egoistisch vollziehende Gedanke den Geschmack des Hochmuts und der Prahlsucht trägt, dieses poetische Schauen ist sehr schön.
Aber ich stelle dir die Frage, wenn du weißt, du bist Gott und ich bin Gott und alles ist Gott, dass nichts nicht Gott ist, und Gott das Absolute ist, und es im Absoluten nur das Absolute gibt und keine Gegensätzlichkeiten, das Absolute ewige Stille, heilige ist, denn Bewegung existiert nur in den Dingen allein, doch alle Dinge sind endlich Gott und still, wieso ist dein Leben dann so, wie es gestern und heute und vielleicht morgen noch sein wird? Wie kannst du sagen, alles ist Gott, dann aber kurz darauf an deinem Denken leiden? Wieso ist das Alltägliche und Kleine so eine gottverdammte Gewaltätigkeit gegen dich, die dich verletzt?

Du weißt.

grantrobinson Avatar
grantrobinson:#14644

>>14642
>>14643
Upps

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#14645

>>14642
>>14643
>>14644
Ich lass das jetzt mal so stehen.

>>14637
>>14638
>>14639
Ah ja, ich sehe deinen Punkt. Aber mich quält da eine Frage, eine, die nicht leicht zu beantworten ist. Denn auch wenn ich gerne durch die Welt tanze und im Efeu- und Wildrosen-überwachsenen Geistesgarten lustwandele, so habe ich nun erfahren müssen, dass die Spontanität, die Wechselhaftigkeit meines Ichs, keinesfalls ein bloßer Charakterzug ist. Sondern leider auch eine echte Krankheit, mit Namen, Fachwörtern und sich beratenden Ärzten. Da das hier nicht /we/ ist, will ich kein Mitleid (auch da darin Verachtung liegt).
Aber die Frage bleibt: Wie kann ich ein Leben, mein Leben, nach den beredeten Lektionen und Tanzschritten, verfolgen, wenn ich doch gleichzeitig folgendes weiss: Nämlich dass ich nicht nach einer Wahrheit lebe, sondern nur meinem Ich eine philosophische Daseinsberechtigung gegeben habe.
Macht mich das nicht zum Lügner? Oder macht es mich zum Getriebenen, der nicht um des Tanzens Willen tanzt, sondern weil er pathologisch nicht stillstehen kann? Ein Dilemma, in das uns die Dekonstruktion der psychologischen Hintergründe aller Philosophie gestürzt hat.
Vielen Dank, Nietzsche.

HenryHoffman Avatar
HenryHoffman:#14646

>>14628
Neuss!
Erschütterndes Munzeln überkam Bernd!

ffbel Avatar
ffbel:#14652

>>14645
Gute Feststellungen. Tja, dieses Gefühl der Ablehnung im Alltag ist ein Grundmotiv in meinem Leben. Was komisch ist, denn letztlich hat jeder Alltag etwas, auf das ich im Nachhinein neidisch zurückblicke. Die letzten Jahre waren sehr wechselhaft und ich konnte mich immer wieder dabei ertappen, wie ich mein Leben verwünscht habe. Dabei war keine Zeit nur grau, es gab immer wieder Momente der Euphorie und des Anerkennens der Schönheit, in die man eingebettet ist.
Ja, vielleicht ist das Tanzen nur ein zwanghaftes Zappeln - aber "nicht anders können" ist per se nichts schlimmes. Auch die Schönheit von Tanz und Spiel sind eine Notdurft, wenn auch nicht auf der selben Ebene wie Nahrungsaufnahme. Wir leiden nicht an unseren Bedürfnissen, sondern an unseren gedanklichen Phantomen, die sie uns verbieten wollen.

joshhemsley Avatar
joshhemsley:#14653

>>14652
Also soll uns die "Unwahrheit" unserer Existenz nicht bekümmern? Aber warum? Vieleicht, weil "Wahres" Leben eine illusorische Erfindung der Antike ist? Wer lebt schon wahr? Wer kann schon ein wahres Leben, auf einer philosophischen Grundlage beruhendes Leben, vorweisen? Niemand kann das.
Also warum schmerzt der Gedanke, meine Flatterhaftigkeit, mein Herumgefluddel nicht untermauern zu können, so sehr? Braucht der Mensch etwa die Bestätigung, das "Richtige" zu tun, um sich gut zu fühlen? Brauchen wir eine Grundlage nicht nur für unser Handeln, sondern auch unser Fühlen? So wie meinetwegen der tiefgläubige Christ gerechten Zorn über den Sünder empfinden darf, weil sein "Regelwerk" es gutheisst?

Was haben der Tod der Vorstellung einer intrinsischen Moral und der Aufstieg der Dekonstruktion bloß mit uns angestellt? Was ist der Ausweg aus diesem Dilemma, frage ich mich.

michigangraham Avatar
michigangraham:#14654

>>14653
ZL;NG:"Werd wieder Herr in deinem eigenen Hau!s"

Kinder, Kinder, hört mal, ich verstehe das mit dieser Wahrheit und Unwahrheit vom Leben partout nicht. Nun, sicher, das mag auch daran liegen, dass ich mich beschäftigt habe primär mit der Literatur und nicht mit der Philosophie. Aber, und Goethe möge mir diese Wendung bitte verzeihen, ich kann nicht anders, aber also: Leben und Wahrheit, obgleich gar viel gelogen wird sowohl als auch, das ist bekannt, Leben und Wahrheit gehören doch unzertrennbar zusammen. Leben ist Wahrheit. Das Leben geht jeder Philosophie voraus. Philosophie ist bloß ein Stückchen vom Leben der Philosophen, der Philosophenwelt.
>Wer kann schon ein wahres Leben, auf einer philosophischen Grundlage beruhendes Leben, vorweisen? Niemand kann das.
Der Mensch lebt nicht auf einer philosophischen Grundlage, die philosophische Grundlage lebt auf dem Menschen. Ein wahres Leben kann jeder vorweisen, der gelebt hat oder besser: solange er lebt, zeigt jeder Mensch sein wahres Leben. Nun gibt es sicherlich Leute, die der Meinung sind und waren, sich eine 'moralische Wahrheit' ausdenken zu müssen oder eine 'philosophische Wahrheit' von sonstwoher aus anzunehmen. Wenn sie den Grundsätzen dann gefolgt sind, nennt man dies ein moralisches und philosophisches Leben, was soviel heißt wie: hier ist ein Mensch, der hat sich was in den Kopf gesetzt und dann noch das Glück gehabt, dass sein Leben nichts schwerwiegendes dagegen unternommen hat.
Dasein ist immer Wahrheit. Alles was ist, ist auch wahr. Die Philosophie folgt.
>Also warum schmerzt der Gedanke, meine Flatterhaftigkeit, mein Herumgefluddel nicht untermauern zu können, so sehr?
Das liegt nicht an der mangelnden Untermauerung, das Leiden, sondern daran, dass deinem Intellekt nicht in den Kram passt, was du bist. Am liebsten ein anderer sein, zumindest aber das Bestehende schönreden. Anderes ist es nicht, deine Träumerei. Dein Problem ist keines der Philosophie, sondern eines der Psychologie, was nicht selten ist wohlgemerkt. Im Übrigen schafft jeder sich diesen intellektuellen Mangel selbst, indem er dem Intellekt nicht entgegentritt. Entgegentreten können liegt in der Hand des Schicksals.
Möglichkeit ist allgemein, Ausführung besonders.
Jeder Mensch hat seine eigene Welt. >Braucht der Mensch etwa die Bestätigung, das "Richtige" zu tun, um sich gut zu fühlen?
Das trifft für viele Menschen zu, es ist in ihrer Welt Wahrheit. Andere Menschen haben andere Leben, andere, eigene Welten und Wahrheiten. Du fügst all diese Dinge: Wahrheit und Unwahrheit des Lebens, philosopschiche Grundlage, Regelwerk, Moral usw. in deine Welt ein. Diese Dinge existieren allein in deinem persönlichen Denken. Sie sind keine Konzepte, die außerhalb deines Kopfes existieren. Sicher, andere haben in ihren Köpfen auch Konzepte, eigene, ähnlich klingende doch ewig andere.

carlosgavina Avatar
carlosgavina:#14655

Nun, du bist unzufrieden, zumindest soviel lässt sich mit Sicherheit sagen. Der Unzufriedene sucht nach Wegen aus seiner Unzufriedenheit, Fluchtverhalten. Wege gibt es unzählige, man vertue sich da nicht, alles eignet sich der einzelne Mensch neu an, alles wird in der Welt des Individuums Eigentum. Was du zu deinem Weg machst, das ist dir allein gegeben, dein Schicksal, unausweichliches. Ich schreibe wirr, dies aber klar und mein einziger Rat, den ich dir zu Herzen gebe: Lerne mit Leichtmut auch das Schwerste ertragen.
Das heißt: Liebe das Leben. Wie schafft man das? Wer 100% an Gott glaubt, für den existiert dieser Gott und ist wahr. Wer 100% an das Gute im Menschen glaubt, für den ist das Gute im Menschen wahr. Der Mensch nimmt sich hier jenes, dort dieses und formt seine Welt durch diese Auswahl.
'Dies ist mir wichtig' ist deine Auswahl. 'Das ist ein Baum, dies ist seine Bedeutung, sein Wert'. Derart ist deine ganze Welt gefügt. Und nun aus den Fugen, scheint mir, lese ich von deinem Missglück. Alles Denken ist Fügung. Alles Denken und Gedachte ist in deiner Hand. Alles Denken ist ultimativ ein Traum, ein Hirngespinst bis der Tod kommt und wieder die verschiedenen Rinnsale zusammeführt. Leb aus der Sicht der Toten.
Für die Toten gibt es keine Wahrheit und Unwahrheit, nichts Gutes oder Schlechtes. Alles ist, was es ist. Stumm.
Dein Denken muss dir erst fremd werden, danach hältst du es in Händen. Schau, jeder Mensch ist eigentlich Herr seines Denkens, aber Jedermann lebt als Knecht, weil er stets seinem Denken hierhin, dorthin folgt und völlig in seiner Macht steht. Einfach sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen und einfach denken. Jetzt denke ich so und so, aber es hält mich nicht in seinem Griff. Es bindet mich nicht, denn Denken ist wie alles: es vergeht, ist im ständigen Wandel. Das ist der Leichtmut. Das ist das Ablegen des Brütertums, des ständigen Zerdenkens der Dinge. Denk wo du willst, aber nicht, wo du nicht willst. Emanzipiere dich. Das erreicht man durch Praxis allein, nicht durch noch mehr Denken (dies auch an dich gerichtet, isidor). Wenn du in deinem Bett liegst und dein Blick über die Dinge schweift: Denke nichts, nimm nur wahr, sei ganz Betrachter, Einkäufer, der an den Ladentheken vorbeigeht und riecht und schaut, nicht berührt. Alles das, was nun da ist, ist Wahrheit. Wenn ein Gedanke kommt, dann nimm ihn auch als solchen wahr: Es ist ein Gedanke, ein aufgestiegenes Wölkchen vor dem klaren Vollmond. Das Problem ist, wenn wir Denken nicht lassen können, Gedachtes nicht fortlassen wollen. Es ist körperliche Lust, es ist Droge, Stoff, der das Denken so süß macht. Aber alles in Maßen. Denken, wenn es nötig ist und gut tut.
Der Hintergrund allen Denkens ist das Schweigen.
Das zu vergessen, heißt verkennen, was man ist.

mj_berthelsen Avatar
mj_berthelsen:#14656

>>14653
Was hat man mit uns angestellt? Wir sind wie Mastschweine, die ungefragt aus ihrem Stall befreit wurden, aber nun jenseits der Relativität aller Moral und Wertvorstellungen nichts sehen als die Angst zu versagen.
Denn Freiheit scheint ja mit sich die Idee von Eigenverantwortung zu bringen, durch die wir uns selber Druck machen: "ich bin frei und kann mit genug Einsatz alles tun und werden was es gibt!"
Da möchte ich einlenken. Freiheit gibt es, aber nur insofern wir von unseren individuellen Eigenschaften wissen, können wir sie genießen, statt von der Illusion unendlicher Wahlmöglichkeiten gelähmt zu werden. Denn es gibt ganz individuelle Eigenschaften, die der Überforderung und Irritation entgegenwirken, wenn man sie kennt.
Mir hat dabei sehr gut das Human Design geholfen. Als ich rausfand, dass mein Menschentyp Projektor heißt und ich systematisch Schwächen und Stärken reflektieren konnte

likewings Avatar
likewings:#14657

hat sich diese Grundstimmung von Bedrängnis und dem Gefühl, mit allem was man tut, daneben zu liegen, langsam gewandelt, sodass ich jetzt sehe, dass es rein nach den Erfahrungen und dem Wissen um das eigene Leben keinen Anlass zu andauernder Verstimmung gibt. Nur der Körper hat seine eigenen Regeln, möchte man meinen. Das heißt, dass zur Bejahung des Daseins und der Freiheit eine gezielte Ernährung zur Hebung der Stimmung ratsam ist. Es ist ja so, dass wir durch Monoaminooxidase Serotonin abbauen. Je mehr wir Nahrung zu uns nehmen, die die monoaminooxidase-Produktion ankurbeln, desto eher sind Stimmungstiefs zu erwarten. Das ist natürlich nur ein Ansatz und ich bin kein Veganer und auch anderen Drogen nicht abgeneigt, aber die Regulation der eigenen Stimmung ermöglicht auch weitere positive Gedanken, bejahende Ansichten und hilft, das Gute in den einzelnen Erlebnissen anzuerkennen. Drogen sind natürlich eine einfache und gefährliche Methode, um diesem Zustand beizukommen, besonders wenn man die Stoffe nicht so bedacht einsetzt wie es erforderlich ist. Aber wer gar keine Aussicht hat, einmal wieder die Farbe des Daseins zu erleben, dem kann ein chemischer Anstoß gut tun. Längerfristig gut wäre aber, durch eine Umstellung der Ernährung den Stoffwechsel zu optimieren, sodass positive bejahende Stimmung / gute Serotonin-Spiegel eine genussvolle Gedankenwelt und Weltsicht begünstigt.

aiiaiiaii Avatar
aiiaiiaii:#14658

>>14654
In Summe soll ich also nur meinem Gehirn "Halts Maul, so bin ich und so will ich sein!" sagen? Nein, wie simpel. Das ich da nicht vorher dran gedacht habe!

>>14655
Ah, das Nicht-Denken. Erinnert ein wenig an die Maxime irgendeines Taoisten, dass das Denken wie Wasser sein soll. Weich, aber zugleich hart, fließend, alles aufnehmend. Ja, darin liegt Wahrheit, im Denken als Wehen. Und wenn das Denken mal wie ein Luftzug und mal wie ein Sturm ist, so schwebt es doch immer über dem Gestank der Städte und Menschen. Wie wahr.

>>14656
Also können wir durch das Erkennen unserer selbst uns eine Ecke schaffen, eine Tugend, die wir benennen und herzen können? Und darin liegt der Widerstand gegen den Schwarzen Schlick, den Nihilismus? Weil es letzlich nur eine Sache ist, die wir gewählt haben? Liegt darin etwa Sinnschaffung? Im Erstellen der eigenen Tugend?

robinlayfield Avatar
robinlayfield:#14659

>>14657
Sieh mal einer an. Dass Serotonin Stimmingstiefs hervorrufen, ist mir bekannt, aber das mit der Monoaminooxidase wusste ich noch nicht.

Kannst du hier Beispiele für gezielte Ernährung nennen?

aluisio_azevedo Avatar
aluisio_azevedo:#14662

>>14640

garand Avatar
garand:#14663

Ich habe nie jemanden gesehen, der ernsthaft Nihilist war. Nihilisten sind in der Regel ironische Typen, die nichts wirklich ernst nehmen können. Auch nicht ihre eigene Philosophie. Wie auch? Über die Gründe für dieses Denken können sie ja keine Rechenschaft geben, weil ihnen ohnehin alle Gründe gleichwertlos sind, was wiederum ein paradoxer Gedanke ist, denn um etwas für wertlos zu halten, benötigen sie ja die Idee eines Wertvollen. Allein der Gedanke scheint es nicht wert, verfolgt zu werden, so schlecht ist es ja nicht, melancholischer Nihilist zu sein. Solange der Temperamentehaushalt einigermaßen im Schuss bleibt, durch bestimmte Monoaminooxidase-Strategien kann man das lange aushalten, so dass man wenigstens gerade noch so an der Depression vorbeischlittert, dann ist alles nicht so schlimm. Man nimmt sich nicht viel heraus außer das Recht, seine Mitwelt mit seinen philosophischen Problemen immer wieder mal vollheulen zu können. Und dafür, dass man dieses Recht sich heraus nimmt, verzichtet man dann darauf, ernsthaft zu denken. Das ist das Geschäft.

alek_djuric Avatar
alek_djuric:#14664

>>14663
Du scheinst Nihilismus nicht verstanden zu haben.
Ohnedies wird man weder isidor, RUBernd noch den oder die anderen hier Nihilisten nennen können.
Irgendwas mit Subjektivismus und Relativismus vielleicht, wobei diese Begriffe im definitorischen Wortsinn verstanden werden wollen. Ob sie in ihrem philosophisch Sinn so zutreffend sind vermag ich nicht zu sagen.
Deinen Pfosten dürfte man leicht, ich unter Zuhilfenahme einer entsprechenden feinsortierten Tabelle, in verschiedenste rhetorische fallacies zerlegen können, wie das meiste hier im Übrigen. Wieso die Mühe machen für ein wertfreies Produkt, du? (Fühlt euch alle angesprochen)
Kurze Berichtigung:
>weil ihnen ohnehin alle Gründe gleichwertlos sind, was wiederum ein paradoxer Gedanke ist, denn um etwas für wertlos zu halten, benötigen sie ja die Idee eines Wertvollen
Die Position des Nihilisten ist nicht, wie du dich ausdrückst, alles sei 'wertlos' im Gegensatz zu 'wertvoll', was, wie du richtig bemerkt hast, nur das negative Ende des Gut-Schlecht-Spektrums wäre, sondern die Ausgangslage eines Weder-Noch. Gut-Schlecht, Wertvoll-Wertlos wird als Maßstab moralischen Wertens gar nicht erst angelegt. Deine Vorstellung von Nihilismus ist paradox, ja.

artheft_ua Avatar
artheft_ua:#14667

>>14664
Das 'Nicht-Anlegen' eines Maßstabes ist auch das andere Ende eines positiven Spektrums. Zudem ergibt sich die Auflösung einer Unterscheidung dadurch, dass sie ohnehin stets im Sinne eine der Alternativen entschieden ist. Sage ich: Alles ist wertlos, sage ich auch: Die Unterscheidung wertlos/wertvoll ergibt keinen Sinn. Das eine schließt das andere ein. Daher sehe ich deinen Punkt nicht.
Dass isidor oder Schwerzmettl-Bernds Nihilisten sind, habe ich übrigens gar nicht behauptet, daher habe ich meinen Pfosten auch nicht direkt verlinkt. Allerdings: Der eine Bernd ist anscheinend etwas Nihilismus-affin, jedenfalls spricht er von einer Immunschwäche gegen den "schwarzen Schlick, den Nihililsmus". Und da habe ich eben spontan gerumpelt.
Außerdem ist ankündigen und dann nicht liefern total lame.

mandalareopens Avatar
mandalareopens:#14668

>>14667
>Sage ich: Alles ist wertlos, sage ich auch: Die Unterscheidung wertlos/wertvoll ergibt keinen Sinn. Das eine schließt das andere ein.
Die Unterscheidung, die ich getroffen habe, ist Nein-Sagen von Nichts-Sagen zu trennen. Um an deine Formulierung anzuknüpfen: 'Alles ist wertlos', das sagt der Nihilist gerade nicht. Stattdessen setzt der Nihilist sich auf die hohe Warte der Unabhängigkeit von wertlos/wertvoll. Sinnlosigkeit zu attestieren ist ein anderer Ausgangspunkt denn Werlosigkeit. Haarspalterei kann ich das nicht nennen, eher eine der vielen gewichtigen richtigen juristischen Spitzfindigkeiten. Nicht auf eine Frage zu antworten ist etwas anderes, als sie zu verneinen. Der nihilistische Moralblick ist einer des 'Wie-es-euch-gefällt', ein 'In-die-Ziellosigkeit-gezielt-sein'.

areus Avatar
areus:#14669

>>14668
>Stattdessen setzt der Nihilist sich auf die hohe Warte der Unabhängigkeit von wertlos/wertvoll.

Und gerade so jemanden habe ich noch nie im Ernst getroffen. Auch weil das ernsthafte Argumentieren für diese Position ja bereits einschließen würde, dass es das wert wäre. So ergibt sich bloß die Möglichkeit, eine paradoxe Position zu verteidigen, was dem ironischen Unterhaltertypen ja liegt. Die verlängerte Adoleszenzkrise macht die Position natürlich zusätzlich 'interessant', das heißt aber nicht plausibel.

jehnglynn Avatar
jehnglynn:#14670

>>14667
>Allerdings: Der eine Bernd ist anscheinend etwas Nihilismus-affin, jedenfalls spricht er von einer Immunschwäche gegen den "schwarzen Schlick, den Nihililsmus".
Also, da muss ich doch scharf protestieren. Affin höchstens im Sinne einer Furcht vor der Sinnleere. Im modernen Menschen sehen wir sie bspw. in der Flucht in die Arbeit oder im ziellosen, flachen Hedonismus (nichts gegen dich, Isi). Im Gegenteil, ich suche eher nach einem Weg, diesem Schwarzen Schlick, den gedanklichen Morast der Leere, zu durchschneiden. Weil ich Angst davor habe.
Ja, es mag sein, dass nichts etwas bedeutet, dass es keinen intrinsischen Sinn gibt. Dass heisst aber noch lange nicht, dass es sich nicht lohnt irgendetwas zu tun (man merke die Anspielung auf J. Tellers "Nichts - was im Leben wichtig ist") oder dass es sich nicht lohnt, einen Sinn zu schaffen.
Nihilismus ist für mich Resignation. Und darauf stehe ich nicht besonders.

strikewan Avatar
strikewan:#14671

>>14669
>Auch weil das ernsthafte Argumentieren für diese Position ja bereits einschließen würde, dass es das wert wäre.
Ich widerspreche. Das Argumentieren des Nihilisten für eine Sache begründet weder die Wertigkeit noch die Wertlosigkeit des Argumentierens oder der argumentierten Sache für den Nihilisten. Die Positionen und Thesen, die er vertritt, haben keinen unbedingten Wahrheitsanspruch, sondern lassen sich besser beschreiben als momentane Reflexionen bezüglich des Themas, die der Nihilist für die Dauer der Unterhaltung in die Sinnlosigkeit hineinspricht, und sei es im Gespräch mit sich selbst. Du ziehst mit deinen Ausführungen den Nihilisten wieder und wieder zurück in die Dichotomie, die er bereits verlassen hat. Du sagst, weil der Nihilist sich zu einer Sache wertend äußert, muss er zwangsläufig eine wertende Meinung besitzen. Das stimmt, jedoch: Die wertende Meinung des Nihilisten spricht sich aus vor dem Hintergrund der Sinnlosigkeit und ist selbst sinnlos. Jedwede moralisch wertende Meinungsäußerung ist dem Nihilisten gleichwertig, womit moralische Wertung ad absurdum geführt und überwunden wird (ist das jetzt gut, ist das schlecht?). Der Nihilist vertritt seine Posisition im Wissen, dass sie niemals Allgemeingültigkeit beanspruchen kann und ihren Geltungsanspruch allein daraus zieht, dass sie von ihm vertreten wird. Die Negation jeglicher moralischen Objektivität. Praktisch ist der Nihilist ein absoluter Subjektivist in diesen Fragen. Ein Mensch mit Meinungen, doch hinter den Meinungen steht ausgleichend und versöhnend die Sinnlosigkeit.

iamglimy Avatar
iamglimy:#14672

>>14670
>Nihilismus ist für mich Resignation
Nihilismus und eine lethargische Lebenshaltung haben miteinander nichts zu tun. Du schreibst, treffend, von der Sinnleere. Das ist Dogmenfreiheit, sprich: Bewegungsfreiheit und Atemraum. Der eigene Sinn wird in die Welt der Sinnlosigkeit für eine Weile, mit der intrinsischen Leichtigkeit der Sinnfreiheit, hineingelegt. Nihilismus würde ich insofern eine Lebenshaltung der persönlichen Sinnstiftung nennen, ein dauernder Neuanfang und Zustand des spielerischen Hinterfragens. Spielerisch, weil hinter allem ein großes, gleichwertigmachendes Nichts steht. Das Leiden des Menschen ist sowohl etwas als auch nichts, sinnvoll als auch sinnfrei. Das Leben ist ein schwebender Zustand zwischen Sein und Nicht-Sein, transitorisch. Nihilismus ist ebenfalls transitorisch.

oskamaya Avatar
oskamaya:#14673

>>14671
>Die Positionen und Thesen, die er vertritt, haben keinen unbedingten Wahrheitsanspruch, sondern lassen sich besser beschreiben als momentane Reflexionen bezüglich des Themas, die der Nihilist für die Dauer der Unterhaltung in die Sinnlosigkeit hineinspricht, und sei es im Gespräch mit sich selbst.

Das sind alles sehr präzise Beschreibungen der Paradoxie des Nihilismus. Ein -ismus beansprucht Gültigkeit nicht bloß situativ, er beansprucht sie prinzipiell. Ein prinzipieller Geltungsanspruch verlässt sich auf die Gültigkeit jener Prämissen, die der Nihilismus - in jeder Situation, in der er befragt wird, aufs Neue - prinzipiell leugnet: z. B. der Anspruch auf Zurechenbarkeit, Identität, ein Sich-Durchhalten von Überzeugungen, das über einzelne Situationen hinausgeht. Wäre der Nihilist bloß "für die Dauer der Unterhaltung" von der Sinnlosigkeit der Unterscheidung von wertlos/wertvoll überzeugt, das heißt "sachbezogen", dann wäre er eben kein Nihilist, sondern ein Mensch mit einer themenbezogenen Meinung; der Meinung nämlich, dass das Sprachspiel, in dem bestimmte Meinungen überhaupt eine Alternative darstellen, von Grund auf unsinnig ist. Er ist aber mehr und weniger als das, da er die Sinnlosigkeit als 'objektives Prinzip' behauptet. So manövriert er sich durch die Aufstellung eines Wahrheitsanspruchs, wo keiner sein sollte, sondern bloß "absoluter Subjektivismus", in einen Selbstwiderspruch hinein, den er gleichzeitig eingesteht. Das ist der Grund dafür, dass der Nihilist sich bloß ironisch äußern kann, sogar im Selbstgespräch, da jede Äußerung mit notwendigen Idealisierungen operiert, die der Nihilist ablehnt - zum Beispiel der Idealisierung einer prinzipiell erreichbaren Intersubjektivität. Angemerkt: Ironiker wie Kierkegaard behaupten ein ironisches "Als ob", das nicht mehr mit dem "Nihilismus" identisch ist, sondern sich auf eine ethische Perspektive einlässt. Diese Form von Ironie meine ich nicht.

erikdkennedy Avatar
erikdkennedy:#14674

>>14673
Alle Meinungen sind sinnlos, ja, das ist die Meinung des Nihilisten, denn eine Meinung hat er trotzdem. Der Wahrheitsanspruch der objektiven Sinnlosigkeit ist selbst sinnlos und wird dennoch als Wahrheit postuliert. Der Nihilismus ist paradox und doch real. Die Crux ist zu vermitteln zwischen der dir entsprechenden Position und der des Nihilisten. Der Nihilist betrachtet deine Meinung als wahr, so wie er seine eigene Meinung als wahr betrachtet, bzw. als das, was sie sind: zwei verschiedene Meinungen in der Sinnlosigkeit, zwei existierende persönliche Begebenheiten. Die Sprachlichkeit, die Vermittelbarkeit der Sinnlosigkeit des Lebens, des Nihilismus in einen Sinnzusammenhang, eine Argumentation, ist schlichtweg unmöglich und entzieht sich jeden Versuches. Der Versuch einer gültigen Begründung ist ein Verrat am Nihilismus und ein grobes Missverständnis. Deine argumentative Widerlegung trifft den Nihilismus und den Nihilisten jedoch ebensowenig, wie eine argumentative Bejahung ihn trifft. So wie der Nihilist sich nicht begründen kann, ohne sich selbst zu widersprechen, so kann deine Argumentation den Nihilisten nicht berühren, weil sie auf einer anderen Sinnebene, ja, einer Sinnebe überhaupt stattfindet. Die Problematik ist eine der Artikulation der Sinnlosigkeit.

aio___ Avatar
aio___:#14675

>>14674
Der Nihilist schweigt und das Gegenüber redet daran vorbei. Da aber Nihilisten normale Leute sind, die gerne Reden, so besteht über diese Punkte ein immerwährendes aneinander vorbeisprechen, wo der Nihilist sich artikulieren will. Der Nihilismus deutet auf die Schale, in der die Milch schwappt.

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shoaib253:#14677

>>14674
>>14675
Zustimmung. Jedoch: Wenn der Nihilismus der Argumentation inkommensurabel ist, sollte er billigerweise kein Thema der Philosophie sein, sondern meinethalben eines der Kunst.

jonesdigidesign Avatar
jonesdigidesign:#14678

>>14659
Nunja, es ist so: die Monoaminooxidase / Mao baut in unserem Körper ne Menge Giftstoffe ab. Und solange sie aktiv ist, merkt man gar nicht, wieviele Nahrhungsmittel, ja sogar Schokolade, Käse, Ananas, Birnen oder Bananen, vom Körper nicht vertragen werden können.
Deshalb, bevor man seine Serotonin Spiegel durch Mao-hemmende Nahrungsmittel heben will, sollte man sich die Liste der Nahrungsmittel ansehen, die dann erstmal tabu sind. Denn auch von Schokolade kannst du elendig krepieren, auch wenn du kein Hund bist - das wäre mir or kurzem beinahe passiert. Ist schon lustig, Rum und Opiate verträgt mein Körper in Mengen, aber Schokolade wär beinahe mein Tod gewesen.
Also wichtig ist zu wissen, dass der Körper leider nichts mit dem Serotonin aus Früchten wie Kiwis anstellen kann, weil die Bluthirnschranke das verhindert. Darum nehme man Nahrung zu sich, die die Vorstufe zu Serotonin, Tryptophan enthält. Da sind besonders Nüsse wie Walnüsse ideal.
Tryptophan gibt es aber auch als Nahrungsernzungsmittel.
Sodann, wenn man eine Weile Nahrung vermieden hat, deren Stoffe von Mao abgebaut werden, kann man sich einen Tee machen aus Kräutern, die maohemmende Wirkung haben. Zum Beispiel aus steppenraute, banisteriopsis caapi, Yohimbe oder auch Johanniskraut. Aber vorsichtig sein und erst einmal ganz gering testen.
Auch sehr vorsichtig sein, noch 2 - 4 Tage nach Einnahme von Maohemmern. Normales essen wie zB fisch, Huhn, aber auch Alkohol und Antidepressiva können sehr unangenehme bis hin zu gefährlichen Wirkungen haben.

Ich kann auch noch ausführlicher drüber schreiben bei Bedarf.

Übrigens, bist du es, Rudolf? Wenn ja, hoffe ich dass du mir verzeihst, dass ich mich ewig nicht gemeldet habe. Auch deine freundliche Unterstützung have ich nicht vergessen und es zeichnet sich ab, dass ich im Dezember endlich mich etwas erkenntlich zeigen können werde.

Bernd Avatar
Bernd:#14679

>>14677
Womöglich, doch wie in einem andern Pfosten geschrieben wurde: Das Leben ist Wahrheit und die Philosophie das denkende Nachvollziehen der Wahrheit bzw. des Lebens. Die Frage der Sinnlosigkeit im Leben ist elementarer, vielleicht sogar der elemtarste Bestandteil des Denkens, die erste Kreuzung des Weges der Philosophie, Sinn und Sinnlosigkeit. Bloß ist diese Frage von solcher Grundsätzlichkeit, dass sie, selbst wenn die Sinnlosigkeit bejaht wird, die meisten Breieche der Philosophie nicht verändert, die Themen quasi sinngleich bleiben, das Denken weitergeht, dafür aber der Denkende eine fundamentale Veränderung erfährt, sich sein weltanschauliche Bezugssystem verändert. Der Nihilist geht beide Kreuzwege zugleich.
Ich persönlich würde Nihilismus am ehesten dem Bereich der Religionen zuordnen. Die Frage des Nihilismus ist eine der Lebensanschuung in seiner Gesamtheit.

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#14680

>>14678
>Ich kann auch noch ausführlicher drüber schreiben bei Bedarf.
Ja bitte. Wir können dazu auch auf /e/ oder /d/ gehen, wenn du magst.

Und nein, Rudolf bin ich nicht. An meinem Alias kann man ja schon erkennen, in welcher Region ich wohne und was meine Profession ist. Es sei denn, Rudolf ist ein Komillitone von mir. In diesem Fall wäre das verständlich.

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#14681

>>14662
Wirklich erstaunlich, Madame Ermelyn. Habe ich mich nicht über alle Grenzen hinweg daneben benommen? Es grenzt an Masochismus, weiterhin den Kontakt mit mir zu suchen.
Na was passiert denn so in deiner Welt? Schöne Grüße auch an Pirschelbär.

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sawalazar:#14682

>>14681
Der Pirschelbär ist in einem betreuten Ding mit Wohneinheit. Den sehe ich sehr selten. Aber es gefällt ihm dort wegen der kaputten Mädchen, die ihre Probleme wegficken wollen. (Es ist nicht so, dass er großzügige Angebote annehmen würde.)
Bei mir...ich bin im Freistaat, hab Segel gesetzt, aber bald bin ich für eine Weile im Heimathafen, wo ich zuletzt mit dir sprach. Wie ist dein Kurs?

velagapati Avatar
velagapati:#14683

>>14682
Betreutes Wohnen, warum denn das? Hat er jetzt wirklich seine Lolicousinen vernascht, so wie du es ihm mal aus Ner Laune heraus anhängen wolltest? Ich bin in Berlin in meiner kleinen eigenen Butze, aber spätestens im April geht's weiter. Dann ziehe ich entweder nach Fhain, Kreuzberg, oder in eine Höhle. Bist du in Bayern bei Freunden oder reist du auf gut Glück allein?

/ph/, darf ich vorstellen, Madame Ermelyn. Aus unerfindlichen Gründen ist sie einer der wenigen Menschen, der mich persönlich kennenzulernen die Schmach ertragen dürfte und trotz allem, nach nun sicher zehn Jahren, immer noch nicht genug hat. Wobei natürlich nicht verschwiegen werden darf, dass sie mich mit viel Literatur und Musik bekannt gemacht hat, die mir auch heute noch lieb ist

puzik Avatar
puzik:#14688

Liebe Freunde, trotz all meiner Schwurbeleien muss ich nochmal betonen, dass isidor ein Junkie ist.
Es geht um Opiate. Richtige Junkies würden mich belächeln, und dennoch, wirkliche Gelassenheit kann ich nur durch Opium erfahren. Meine Rationalisierung dieser als Laster bezeichneten Gewohnheit ist, dass es eine Abhängigkeit ist, die ich gegen eine Menge anderer Anhängigkeiten eintausche.
Durch Opium schwindet mir die Suche nach körperlicher Nähe, nach Erfolg, nach Erlebnissen, nach Anerkennung. Natürlich erlebe ich gelegentlich auch soetwas, aber es ist eben der Rückhalt des Opium, der mich davor bewahrt, in dieser Hinsicht immer mehr zu suchen.

Ich habe also eine Abhängigkeit gegen einige andere eingetauscht. Ich spreche euch als Freunde an: wie seht ihr das? Ist das rücksichtslos? Denn körperlich schädlich sind Opiate bei richtigem Umgang eher wenig verglichen mit hartem Alkohol. Freue mich über eure Meinungen.

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n1ght_coder:#14691

>>14688
>von Opiaten abhängig sein
Oh Mann, ich verstehe ja deine Lust am Genießen des Lebens, aber man kann es auch übertreiben. Was ist mit der Freiheit, die du so gerne beschwörst? Geht sie dir dadurch nicht verloren?

shesgared Avatar
shesgared:#14692

>>14683
Mein Freund, was ich von Opiaten und fesselnden Süchten halte, dürfte dir zu genüge bekannt sein. Red es dir nicht schön.
Der Pirschelbär macht es richtig und versucht auf eigenen Beinen zu stehen ohne die Last einer Droge im Kopf hängen zu haben. Eben dieses wünsche ich auch dem Schwarzschmied.
Ich kam nach Bayern als freier Mensch und werde im meine Rückfahrt vertröstet. Die Menschen hier sind zu freundlich um mich gehen zu lassen. Wenn es eine Möglichkeit gibt mit dir in näheren Kontakt zu treten, lass es mich wissen.

devankoshal Avatar
devankoshal:#14693

>>14688
Du meinst, ob du rücksichtslos gegenüber anderen Menschen bist, die deiner Talente verlustig gehen, da du dir den Sozialtrieb abtötest?
Ich vermute, dass man das schon sagen kann; allerdings muss man sowas immer ceteris paribus betrachten. Dadurch wird man ja nicht gleich zu einem ganz unbrauchbaren oder schlechten Menschen und man kann es auf anderem Wege wieder wett machen. Ein Wenig-Fleisch-Esser oder Vegetarier ist zum Beispiel in dieser einen Sache (Ernährungshabitus) auch irgendwie 'moralischer' als ein Viel-Fleisch-Esser, aber man muss es eben ins Verhältnis zu seinem sonstigen Verhalten setzen, um zu einer angemessenen Beurteilung zu kommen.
Ich sehe es eher problematisch, wenn du "wirkliche Gelassenheit" nur durch Opium erfährst, denn dann ist die Droge nur eine Verdrängungsgehilfin und ein biographischer Abschnitt, der auf Verdrängung aufbaut, ist doch Augenwischerei. Da wollte ich nicht mit dir tauschen. Also eigentlich das hier: >>14691

xravil Avatar
xravil:#14694

>>14688
mein mann, kristoffl lopatin!
heimlich, samtgrün unter dem hauch, hermelin heute das balsam verliehen.
burgund? nie mehr.
jitgadal vejitkadasch sch`mei rabah.
räuberkostüm ja noch immer!?
im gürtel steif der reiter dohlendolch.
hose breit und blau.
goldschärpe an dürre lieb geschnürt.
hut und haar prinzipiell unerschrockenheit.
pailletten erhaben gehämmert am kragen das hemd.
faden ein mantel, bepelzt von neuen knaben.
nie mehr grünes grün. vorzüglich jetzt schneegrün.
augen blasse wangenbrüder.
innigste vorgabe.
pistole lacht dekorativ die hand.
aquarellbild bleierner zeit.
stock und rausch und rollt.
aufstieg räucherbecken.
erkennen über all dem weißen.
standbild mit dem kleinen heißen gesicht.

stephcoue Avatar
stephcoue:#14695

>>14691
Ja das ist die große Frage. Ich bin ein moderater Konsument, und doch muss ich sagen, dass meine persönlichen Erfahrungen dahin gehen, dass ich im ganz natürlichen Zustand derart empfindlich und neurotisch bin, dass eine Anpassung an diese Gesellschaft extrem belastend ist. Es ist nicht so, dass ich durch den Konsum zu einem völlig anderen Menschen werde, aber ich kann mich besser in die Gesellschaft einfügen.
Es geht bei dem Konsum dieser Substanz nicht vornehmlich um Hedonismus, sondern darum, in meinem Zustand kompatibler zu sein. Man mag es kaum glauben, aber ohne diese chemische Krücke bin ich noch eine Ecke asozialer.

Und diese Offenbarung dürfte wohl auch reichen, um möglichen Neid-Tendenzen vorzubeugen.
Dabei ist, was mein recht konstantes und niedriges Konsummuster angeht, zu sagen, dass ich ursprünglich durch Migräne und chronische Schmerzen dazu getrieben worden bin. Was gesellschaftlich das Problematische ist, ist meine Bewertung der Substanzkategorie, dass es zum jetzigen Zeitpunkt, zum jetzigen Zustand, es die angemessene Medikation ist.
Auch schön, dass du shore stein Papier erwähnst. Ich will mir auch das Buch holen, hat es schon jemand?

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sindresorhus:#14696

>>14692
Bei aller Liebe, Ermelchen, du hast zehnmal mehr gekifft als ich Shore gelötet habe. Und wenn du deine ganze Familie und mehrmals deinen ganzen Besitz verloren hättest, weiß ich nicht, wie sich das auf deine Bewertung dieser Situation auswirken würde. Um uns richtig zu verstehen: ich wünsche es niemandem. Allerdings bin ich auch wieder in einer Umbruchsituation und habe zwischendurch Monate lang geradezu asketisch gelebt. Aber der Exzess gehört zu meinem Leben genauso wie die Askese, dies sind Plus- und. Minuspol einer Existenz. Das kann und sollte nicht als Vorbild gelten, es ist schlicht Zeugnis meiner Erfahrung.

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davidtoltesy:#14697

Worum es geht: weder bin ich zu beneiden, noch ist es das Philosoph-Sein an sich. Aber wer auf den Trichter kommt, merkt, dass Neid grundsätzlich eine Sackgasse ist.
Ich stelle hier etwas aus meinem Erleben und Denken vor, möglichst aufrichtig und ungeschwärzt.
Schiller war ein Junkie, Goethe, Burroughs, Bowie etc.
Die Frage ist: warum hat es diese großen Geister dahin gezogen? Was denkt ihr? Ich sage, dass sie eine vage Ahnung der Vollkommenheit und Erfüllung haben

jodytaggart Avatar
jodytaggart:#14698

Aber gerade diese vage Ahnung der Vollkomenheit ist es, die den größten Begriff der romantischen Ästhetik nährt:
Die Sehnsucht.
Und was die chemischen Hilfsmittel betrifft, ist das Opium und seine Verwandten eine Hand, die dir gereicht wird, wenn du meinst, im Treibsand der Sehnsucht zu versinken.
Aber es ist weder ein Todesurteil noch das Abstellgleis deines Lebens. Wenn deine Bestimmung dich ruft, dann verliert die Sucht ihre Schärfe. Das habe ich schon erlebt, dass im Licht einer Aufgabe die Betäubung und die Suche danach weit in den Hintergrund rückt. Ja, es ist verheerend. Aber ich bereue nichts. Als ich allen Halt verlor, hat mich dieses Elixir des Teufels dazu gebracht, weiterzumachen. Besser ist es, wenn der Anreiz zu leben gesellschaftlich anerkennt ist - aber das ist eben die Schattenseite des Nihilismus: nichts gilt - höchstens die Betäubung, das Nicht-fühlen, das Nichtsein.

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chrisvanderkooi:#14699

Ich kann nur für mich sprechen und ich sage: diese Erfahrung war leidreich und genussvoll, Himmel und Hölle, aber sie war genau das, was ich gesucht habe.

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mrzero158:#14700

>>14696
Plus- und Minuspol einer Existenz, Menschenscheue, Aoszialität ...
Wann warst du das letzte Mal beim Psychodoc?

adammarsbar Avatar
adammarsbar:#14701

Also, jetzt mal das Philosphieren und den Spaß daran beiseite, ich schließe mich hier >>14700 an. Ich bin selber selbstzerstörerischem Verhaltem zugeneigt, aber ein kluger Mensch wie du muss doch zugeben, dass Opiate vielleicht nicht gerade das gesündeste Zeug sind, was man so nehmen kann. Das mit dem Genießen und der Sehnsucht ist ja gut und schön, aber doch nicht zu diesem Preis.
Und dazu kommen noch die weiteren offensichtlichen Probleme, mein Lieber. Ja, dein Lebensstil imponiert mir. Deine Unwilligkeit zur Selbstverbesserung, zum Aufbruch der alten Fesseln, nicht. Wenn der Mensch immer wieder aufbrechen will, muss er dann nicht auch die Decke der Betäubung abwerfen, so wie du sie dir gemütlich über die Schultern und den Geist gelegt hast?


Außerdem, wenn du schon was erleben willst, dann nimm DMT. Das zieht wenigstens.

sokaniwaal Avatar
sokaniwaal:#14702

Die Psychedelika-Phase einschließlich DMT und Dimensionsreisen hatte ich größtenteils vor Opiatkonsum.
Die Sache ist einfach, dass ich wie ich sagte, trotz der Abhängigkeit niemals physische Schäden davon getragen habe. Und wer sich mit der Materie auskennt oder selbst Konsument ist, weiß dass Opiate weit weniger neuro (und nephro-)toxisch sind als schwächere Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol, Novaminsulfon oder Ibuprofen.
Falls du noch nichts über meine DMT, ayahuasca oder iboga Erfahrungen gelesen hast, kannst du gern gezielt nachfragen und ich werde dir Auskunft geben.

Lieber Freund, ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber was sind deine Erfahrungen mit Opiaten? In der Regel sind die besorgtesten Kommentare zu tabubelasteten Themen wie diesen oft von Personen formuliert, die durch Hörensagen gebildet worden sind. Ich habe schon erwähnt, dass Gefahren bestehen und niemand es versuchen sollte, wenn nicht gerade sein Vater und seine Mutter gestorben ist etc - und auch dann nur unter extrem vorbehalten.
Aber bedenke: Alkohol ist es, Alkohol ist die Droge, welche die meisten Tode zu verantworten hat. Und Opiate sind gefährlich, aber je gefährlicher die Substanz, desto gewissenhafter sollte der Konsum ausfallen. Ich zum Beispiel habe noch nie eine Spritze benutzt, weil ich weiß welche Dosis und welche Stärke ich von was benötige. Sobald die Kenntnis um den verwendeten Stoff vorliegt (und man von der reinheit der Substanz versichert ist), kann man gezielt vorgehen.
Davon abgesehen ist natürlich die Gelassenheit, die auf Drogen beruht, eine Farce. Aber was er

erikdkennedy Avatar
erikdkennedy:#14703

Aber was erwartet ihr? Tiere fressen, die Erde verbrennen mit euren Automobilen, unachtsam sein, nur auf den Gelderwerb und das Erringen einer Mulle aus sein und glücklich sein?
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

samscouto Avatar
samscouto:#14704

>>14702
>>14703
Mein Lieber, und wenn Opiate gesundheitlich die Qualität eines milden Einatmens hätten, so springt trotzdem ins Auge: deine Lebensbeschreibung ist die eines Wechsels von starken Hochs und Tiefs. Das kenne ich von mir, das ist bereits eine Geistesstörung, die sich psychologisch als solche diagnostizieren ließe, Richtung Manisch-Depressiv, Bi-Polarität, und häufig zu Drogenkonsum verschiedenster Art führt, so mir geschehen.
Dazu kommen Sozialphobie und Probleme des Selbstwerts, des Selbstbildes +++. Das Verlassen werden von deiner Freundin war ein harter Schlag. So ist das oft und bei vielen, aber es ist symptomatisch. Symptomatisch ist das alles, symptomatisch für etwas Bekanntes: die Lebensfolgen des introvertietren Intellektuellen samt gescheiterter Künstlerambition, lebend in unserer Zeit. Aus der Gesellschaft gefallen, in der Schule ein länglicher Außenseiter, das heißt: inneres Außenseitertum in der Gemeinschaft, frühe Kompensation durch Nahrung für den Geist, später ziellos in ziellose Zeit hineingewachsen, um die Geistkompensation ein Künstlerweltbild geformt, doch bleibende Bezweiflung seiner Richtigkeit, Zweifel an der eigenen Bestimmung. Genieallüren und Größenwahn gefolgt vom tiefen Sturz in die eigene Nichtswürdigkeit mit anschließendem Wiederaufgang durch quasi-religiöse Erbauungsphilosophie und Lyrik und Musik. Schließliche Erkenntnis, nicht der Künstlermensch sein zu können, als den man sich in Träumen ausgemalt hat. Völlige Desorientierung. Jugend. Wenn du mir jetzt noch sagst, dein Vater ist, als du 2 1/2 Jahre alt warst, abgehauen oder gestorben, dann würds mich nicht wundern. Mutter gestresst im Spagat zwischen Beruf und Kind, Frust des Verlassen werdens, Trauer ins Kind eingespeisst. Kurz: Was dir geschieht ist pathologischer Natur. Die meisten Menschen sind krank, du bist auch krank. Kranke sollten aber keine Drogen nehmen. Kranke wissen nicht, was sie tun.

millinet Avatar
millinet:#14705

>>14702
Falls du die Opiate irgendwann nicht mehr wollen willst, kannst du 'ne klinische Hypnose dazu bekommen. Ist nebenher bei jedem Psychiatrie- oder Klinik-Aufenthalt machbar. (In den Psychiatrien wissen die von klinischer Hypnose durchs Militär, in Kliniken nicht unbedingt, glaube ich.)

orkuncaylar Avatar
orkuncaylar:#14706

>>14704
Diese klinischen Kategorisierungen waren mir immer suspekt. Ich habe schon entsprechende Diagnosen über affektive Störungen erhalten, aber die Akzeptanz dieser Einordnung habe ich selten. Mal halte ich es für eine Störung, mal ist einfach der Lebensrhythmus.
Die Frage die ich mir stelle ist: cui bono? Was hilft mir eine Diagnose, wenn alle Behandlungen und Präparate nichts bringen? Deshalb halte ich es für falsch ausschließlich von einer Störung zu sprechen, wenn das Leiden sich ja zu einem bedeutenden Teil durch die Andersartigkeit und die Verweigerung dem Zeitgeist gegenüber zuzuschreiben ist.
Zu Hypnose muss ich allerdings sagen, dass ich das noch ausprobieren möchte. Ich war bisher bei vier verschiedenen, aber es wollte nicht klappen, weil mir die Methoden, die sie anwenden, entweder selbst bekannt sind oder die Therapeuten keinen Draht zu mir haben. Grundsätzlich aber ein guter Vorschlag.
Nunja, es ist dieses ewige Auf und Ab. Macht Spaß und kostet Nerven, aber durch diese Stimmungswechsel wird man auch immer wieder dazu angetrieben, die Dinge durch ein ganz anderes Licht zu betrachten. In elenden Phasen kann man die Sicht der Notleidenden erleben, in Hochphasen werden alle die sich freuen meine Geschwister. Und dabei von einer Störung zu sprechen, klingt etwas nach Verkennung - deshalb bin ich weniger daran interessiert, mich zu ändern (auch wenn man gerne mal vor sich weglaufen wollte), sondern eher daran interessiert, diesen Zustand und Rhythmus anzunehmen. Und um anzunehmen, muss man auch gelegentlich verstoßen.

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woodydotmx:#14707

>>14704
Tja, gibt es so eine Art Stockholm-Syndrom gegenüber seiner eigenen Störung? Es könnte ja sein, dass ich am Pathologischen klammere, weil es das einzige ist, das ich zu kennen meine. Aber da wir alle unsere Eigenheiten haben, verliert der Begriff Pathologisch seine Bedeutung. Ich habe doch kein Interesse, mittendrin aus diesem Leben hinein in ein scheinbar leichteres umzusatteln. Wenn sich durch mich nur etwas abspult, das nicht in meiner Hand liegt, dann sollte ich es eher laufen lassen. Aber es spult sich eben nicht einfach so ab, wir empfangen Einsichten in unser Lebensgefüge, und auch ein zurückgezogenes Leben hat seine Fülle, weil unser Geist sich so leicht nicht einsperren lässt. Vielleicht haben die Menschen auf der Erde die Aufgabe, so wie das Internet und die Akashachronik, ein makroskopisches Informationsnetz zu bilden. Dort gibt es keine Störungen, es gibt unterschiedliche Eigenschaften - jeder Mensch bildet eine Zelle in diesem Netz und ist Sender oder Empfänger oder beides zugleich. Gesamt betrachtet sind wir auch nur ein kollektives Netz-Wesen mit seinen ganz eigenen Chatakteristika.
Wie können wir also von Störung reden, wenn wir doch über die Bestimmung des Lebens und des Nutzens der menschlichen Lebenszeit nur mutmaßen können? Was dort als Störung auffällt, dass ist in anderen Gruppen heimisch wie der Fisch im Wasser - und gar produktiv.

Seelische Krankheit, Psychiatrien als Machtmittel, um gesellschaftliche Umwälzungen zu vereiteln, schrieb darüber nicht Foucault?
Ich muss euch nochmal direkt fragen, kennt jemand die Theorie des Human Design? Gerade das ist ein erstaunlicher Impuls, um Begriffe wie Krankheit, Schwäche und Charakter aus einem anderen, konstruktiven Blickwinkel zu betrachten. Falls ihr Interesse habt, bereite ich in Kürze einen kleinen Text dazu vor.

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clementc:#14708

>>14706
>>14707
Deine Einstellung ist wirklich schlimm und tadelnswert nun nicht. Da kommt ein junger Mann und will leben. Das ist als Geschehen doch ein alltägliches. Die Eigenarten der persönlichen Holzwege zu eigenartigen Tugenden der Persönlichkeit umzuformulieren ist beliebt und bekannt. Ich habe nichts dagegen. Nur eines: Wo ist dein Fortschritt? Wo ist dein Mittel gegen die Stagnation? Muss man Fortschritt verzeichnen? Ich glaube das nun nicht. Nicht als festen Vorsatz jedenfalls. Allerdings gibt es diese jugendliche Tendenz im Allgemeinen oft. Und wo es sie gibt, da gibt es den drängenden Aufbruch auch. Aufbruch heißt Fortschritt und Stagnation heißt Stehen. Du stehst. Um dich ist Aufbruch. Wieso und warum, woher soll ich das wissen. Aber du stehst. Vielleicht ist es ein gemütliches Stehen. Dies hier finde ich dazu sehr interessant und bezeichnend: Ich habe doch kein Interesse, schreibst du, jetzt plötzlich in ein leichteres Leben umzusatteln. Verständlich, wenn man dein restliches liest. Das Leben in allen Facetten ertragen! Pathetisch pathetisch, aber wahr. Jedoch: Lieber, du bist schon längst ins leichtere Leben umgesattelt. Was anderes ist dein Opiatkonsum? Ertragen müssen heißt Erwachsen werden. Ertrage die Einsamkeit, ertrage die Liebe, ertrage den Hass, ertrage das Glück. Ertrage das Leben. Du erträgst die Opiate. Ein gemütliches Stehen. Beweg dich endlich wirklich.

https://www.youtube.com/watch?v=vgXsvo7iMCw
https://www.youtube.com/watch?v=XqtZm70-fME
https://www.youtube.com/watch?v=VtBSuD4Qc8w

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#14709

Was bedeutet Fortschritt? Was bedeutet erwachsen werden und welchen Nutzen hat es?

fatihturan Avatar
fatihturan:#14710

Wie geht der Spruch nochmal: mit einem Philosophen zu diskutieren ist wie sich mit einem Schwein im Schlamm zu wälzen. Nach einer Weile wird klar, dass es dem Schwein gefällt.

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oaktreemedia:#14711

>>14709
>>14710
Deine Fragen sind berechtigt und eine einfache Antwort fällt mir schwer. Das vermehrt die Berechtigung. Versuch einer Erklärung:
Menschliches Leben. Die fortdauernde Konfrontation von Situation und Persönlichkeit. Auf dieser Arbeitsdefinition baue ich.
Jede Situation ließe sich zweckhaft beschreiben als der Moment einer Problematik. Die jeweilige Situation erteilt der jeweiligen Persönlichkeit einen bestimmten Auftrag. Etwas will erobert werden oder verstanden oder geliebt oder gehalten oder gesehen oder.
Oder oder oder. Ich lasse die Dichter für mich sprechen:
Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob
sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
Ich breite diese aufs poetische Sehen bezogene Stelle auf den gesamten Umgang des Menschen mit der Welt aus.
Der Auftrag ist das individuelle Wechselspiel von Mensch und Welt. Der Auftrag ist ein kreativer Akt des Menschen.
Seinen Auftrag zu finden ist selbst bereits Auftrag. Der Auftrag ist die kreative Nutzbarmachung der Welt.
An diesem Punkte breche ich ab. Ich gehe die Sache anders an.

Dein Lebensmodell liegt im Sterben. Der geplante Teil deines Lebens, der geführte Teil. Der liegt im Sterben.
Er wird geistlich gestützt, opiumbemuttert, aber letztlich ist es die Begleitung eines Sterbenden.
Ich habe das Vorgefühl einer Revolution. Ich glaube in dir gärt große Veränderung.
Dein jetziger Zustand wirkt auf mich wie ein verzweifelt dekadentes Kakanien, wie eine alte marode Monarchie. Du bist deiner Realität nicht mehr gewachsen. Der Verfall sei symbolisch am Opiatkonsum verdeutlicht.
Probleme kommen, Drogen genommen. Totale Kapitutlation, totaler Krieg gegen die Kreativität.
Es staut sich auf, es sammelt sich. Lieber, das wird dir über den Kopf noch viel weiter hinauswachsen als bisher.

Kurz und knapp zuletzt: Du hast Probleme. Probleme hat jeder aber manche mehr als andere. Du hast mehr als andere.
Dein Leben ist eine Flucht. Das ist mein Eindruck. Eine Flucht, die du mit Drogen und Denken relativierst und behelfsweise verdrängst.
Das geht nicht ewig gut, Lieber, das kommt alles hoch. Bald bist du reif. Lass den nächsten Herbst die letzte Röte in dich treiben.
Es steht dir bevor. Der große Kritikerverriss, das Weltgericht. Vom Denken ins Leben überführt zu werden. Das kommt noch.
Davon träumst du nachts. Sieh mal zu. Ich glaub bald gehst du los. Bald ist es soweit.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#14715

Ich warte einfach mal nicht auf eine Rückmeldung und erzähle kurz etwas über das Human Design. Ich stelle diese Theorie vor, weil sie gegen das Begriffspaar Krank-gesund oder rebellisch-etabliert den einen Begriff des Charakters oder des Designs stellt.
Vordergründig erscheint das Human design wie noch eine Theorie des Selbst im Stile des myer-briggs-Tests, des Eneagramms oder gar der klassischen Astrologie.
Tatsächlich verbindet die Theorie verschiedene traditionelle Strömungen wie die 64 Hexagramme des I Ching und die Idee des Adam Kadmon aus der Kabbalah, dabei ist sie trotz der eigenen Terminologie durchweg auf das Erlangen praktischer Kenntnisse über den Charakter des jeweiligen Menschen angelegt.
Das Human design kennt vier grundsätzliche Typen von Menschen: generator, manifestor, projektor und reflektor

woodydotmx Avatar
woodydotmx:#14716

Jeder dieser Typen besitzt unterschiedliche Schwächen und Stärken. Zudem hat jeder Mensch eine ganz eigene Konfiguration von Eigenschaften, genannt Definitionen, die unterschiedlichste Auswirkungen haben können. Zum Beispiel gibt es Menschen, die Gedanken und Empfindungen ihrer Umgebung wahrnehmen, obwohl diese nicht von ihnen stammen, sondern nur von ihnen empfangen werden: solche Menschen haben ein offenes emotionales Zentrum und haben deshalb das, was man hohe Empathiefähigkeit nennt. Andere wiederum haben ein definiertes Sakralzentrum, was bedeutet, dass sie ideal für klassische Formen von Erwerbsarbeit sind, aber auch dass sie die Energie haben, Kinder aufzuziehen und für sie zu sorgen, während jene ohne definiertes Sakralzentrum keine Ausdauer für klassische Arbeit haben und deshalb durch andere Eigenschaften und Lebenssituationen Anerkennung erfahren.
Ich habe mich auch oft für einen Fehler gehalten, aber diese Theorie, die bedeutend exakter als vergleichbare Theorien des Selbst sind, hat mir Anregungen und Grundlagen verschafft, von denen aus es nicht mehr zielführend scheint, von Persönlichkeitsstörung zu sprechen, wenn es keine Störung gibt, sondern tatsächlich nur mangelnde Kenntnis und Einsicht in die ganz individuellen Eigenschaften und Qualitäten. Nicht jeder Mensch muss ständig in Bewegung sein, nicht jeder muss dem selben Ziel nachjagen - doch diese Einsicht bedarf natürlich der eigenen Beobachtung und informationsbasierter Unterstützung: das Motto ist auch hier nichts weiter als "erkenne dich selbst", aber in einer Exaktheit, die ohne Frage eine beachtenswerte Alternative oder Ergänzung zu zeitgenössischen Praktiken der Psychotherapie -und Analyse liefert.

albertodebo Avatar
albertodebo:#14717

>>14715
>>14716
Es ist eine schöntönende Theorie. Insofern, als dass sie die intellektuell-mystisch verzahnte Begründung für ein einfach-so-sein zu liefern scheint. Sie hilft, das Innenleben gewissermaßen verstehend zu strukturieren. Dann versöhnt sie. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht. Allemal beruhigend sicher. Doch ich werde vom Gefühl nicht frei, dass sie dir schadet. Wie meine ich das?
Ich werde weiterhin das Wort Problem benützen, du kannst diesen Begriff gedanklich mit einzigartige Eigenschaft ersetzen, mit Schwäche. Korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege.
Hier ein Verlauf:
Ich stelle an mir ein Unwohlsein in der Gemeinschaft von fremden Menschen fest.
Dieses Unwohlsein macht mich leidend.
Dieses Unwohlsein ist ein Problem.
Dieses Unwohlsein begleitet mich seit frühen Tagen.
Dieses Unwohlsein ist Teil meines Selbst.
Dieses Unwohlsein gehört zu den natürlichen Schwächen meines Human-Design-Typen.
Dieses Unwohlsein besiegt mich.
Dieses Unwohlsein kuriere ich mit Drogen.
Eines allein möchte ich hier hervorheben. Ich verstehe deine Benutzung des Human Design als Verständnisversuch der eigenen Vollkommenheit.
Im Großen und im Kleinen. Im Guten und im Schlechten. In Stärken und in Schwächen. Vollkommen zu sein in allen Teilen.
Und ich nenne deinen! Versuch ein sterbendes Modell. Wieso? Der oben beschriebene Verlauf zeigt etwas Exemplarisches. Er zeigt, wie dein Leben sich um deine Gedanken schlichtweg nicht schert. Wie deine Vollkommenheit eine rein intellektuelle und damit impotente Vollkommenheit ist, die nichts mit wirklicher, allmächtiger Vollkommenheit zu tun hat und dir in deinen Problemen nicht helfen kann. Mir mutet dein benützen des Human Design an, wie die Abwehr noch weiterer, intellektueller Leiden. Am Leben scheitert die Theorie, nur ex post kann sie sagen: all dieses Leid ist natürliche Schwäche. Ein Mantra, ein falsch verstandenes. Aber die seichten Schmerzen der intellektuellen Anschauung vermag es umzustimmen, manchmal. Durchhalteparole im Scheitern. Und scheitern nenne ich, was Drogen braucht. Dein Lebensmodell scheitert am Leben. Wenn ich etwas falsches sage, korrigiere mich bitte. Du wirst dich ändern. Und ändern und ändern. Dann finden, was du suchst. Die Suche aufgeben.

https://www.youtube.com/watch?v=2QzDWIOUnM0

haydn_woods Avatar
haydn_woods:#14718

Lieber, ginge es dir gut, so würde ich den Mund nicht öffnen.

ryandownie Avatar
ryandownie:#14719

>>14717
Und mir imponiert deine Beharrlichkeit, zudem schönen Dank für die Bilderpfostierungen und die Elfenjungen, da mir selbiges zur Zeit nicht im dem Masse möglich ist wie sonst. Es gibt in dem was du beschreibst, keine Sache die ich widerlegen oder kritisieren könnte. Für dich ist dieses Anwenden einer neuen Theorie eine intellektuelle Ausflucht und das ist wohl nicht zu widerlegen. Dazu muss gesagt sein: es ist wohl eben mein bewusster Geist, der mit dem Körperlichen und unterbewussten Kräften sich beißt - für mich bisher die aussichtsvollste Herangehensweise an meinen Zustand, weil beim Meditieren, Tagträumen, in musikinduzierter Trance, kurzum, in Zuständen, bei denen mein bewusstes Denken sich von der Idee eines seperaten Ich entfernt und damit auch innere Spannungen verfliegen.
Wenn ich wirklich fehlerhaft wäre, eine beschädigte Maschine, ein selbst für den Genuss unbrauchbarer Organismus, nun was wäre dann übrig zu tun? Ein beschädigter Geist könnte sich nicht selbst heilen, weil all seine Strategien dazu selbst von der Beschädigung und dem Mangel verseucht wären, den es zu beheben sucht. Würde dieser Geist nun aber fremde Hilfe annehmen, um sich reparieren zu lassen, wie kann er aus seiner mangelhaften Sicht die Hilfe erkennen, die ihn seinem vollen Potenzial zuführt? Einzige Möglichkeit wäre dann wie mir scheint, das Aufgeben des eigenen Wollens und die Überantwortung in fremde Hände - doch auch das ist zum Scheitern verurteilt, denn:
Wie gross die Autorität eines anderen Menschen sein mag, damit diese Autorität für uns, für die individuelle Wahrheit Gültigkeit haben kann, müssen wir uns auf unsere eigene Autorität verlassen.
Wie ist das möglich, wenn dieser eigenen Autorität nicht zu trauen ist?
Du hast eine Zusammenfassung verschiedener Aussprüche von mir angestellt und deine Beobachtung mitgeteilt. Was kannst du im Licht dieser eben genannten Beanstandungen für ein Verhalten empfehlen? Ganz allgemein, nicht nur für mich, denn wie im Faden schon erwähnt, dieser vorgestellte Zustand ist verbreitet, und hat neben individuellen Charakteristika etwas sehr Typenhaftes.

joynalrab Avatar
joynalrab:#14720

>>14717
Nunja, was du über Lebensmodell geschrieben hast und dass ich meine Suche aufgeben würde, wenn endlich der Stein der Weisen gefunden wäre: ich glaube, ich habe kein Lebensmodell. Gerade diese inneren Erdbeben bewahren mich davor, zu lange an irgendeinem Gedankenschloss Freude zu haben - und das ist gut.
Ich würde sogar sagen, dass das Philosophieren nicht mit den Antworten aufhört: die Antworten sind gehacktes Brennholz, das wieder zu neuen Fragen verfeuert wird. Weil das Fragen mich unterhält und - ob mit Freude oder Leid - bewegt. Sicher hat es pathologische Züge, zumindest wenn man davon ausgehen sollte, dass ein gesundes (was heißt: tätigkeitsorientiertes, etabliertes Leben) Leben selten fragt und selten Antworten bezweifelt, solange ihre Information dem reibungslosen Fortgang der Tätigkeiten dient.
Was den Drogenkonsum betrifft, ist die Sache möglicherweise etwas anders, als du es beschreibst. Effektiv verhilft mir die Einnahme eines Opioids zu einer emotionalen Abschirmung - das ist es, was man Betäubung nennen würde - aber auch zu einer Abkoppelung von ungewünschten gedanklichen Einflüssen. Natürlich ist es eine Krücke, geistige Stützräder, aber ich bin nicht mehr am Anfang des Selbstexperimentierens mit psychoaktiven Stoffen. Es ist eine Gewohnheit, die mir die Möglichkeit verschafft, dann die Ruhe zu bewahren, wenn sie mir durch die inneren Rufe nach Tätigkeit und Revolution verdorben würde. Es koppelt mich von der Schärfe mancher Gedanken ab, die ich in Gesellschaft wie durch Osmose in mich aufnehme, Gewitterwolken von Negativität, die in Gesellschaft merklich meinen Körper durchziehen, weil mir offenbar teilweise zu viele Eindrücke als es angenehm wäre, durch den Körper ziehen. Man kann sich diese Empfindlichkeit vorstellen, als würde man mit offenen Brustkorb herumlaufen: angenehme Gefühle und Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse werden ohne Filter aufgenommen, genauso wie unangenehme und belastende. Die Verwendung von Opioiden ist eine Hilfestellung, die mir, solange mir die Fähigkeit zur konsequenten Psychohygiene fehlt, dazu dient, ruhiger und gelassener zu beobachten.
Dabei ist zu sagen, dass trotz vieler Experimente keine Substanzklasse einerseits für mich dieses Gefühl von Ruhe und Gefasstheit in der Kombination mit Wachsamkeit (in der von mir verwendeten Dosis) verschafft, während ich mich in der Regel von anderen Alltagsdrogen wie Kaffee oder Gras fernhalte. Es hängt vielleicht ganz von der individuellen Physiologie ab und was das Wohlbefinden ermöglicht, wobei jeder chronische Konsum seine Fallstricke hat.

joshhemsley Avatar
joshhemsley:#14721

>>14719
>Wenn ich wirklich fehlerhaft wäre, eine beschädigte Maschine. Ein beschädigter Geist könnte sich nicht selbst heilen.
Ich glaube Beschädigung bedeutet beschädigter Geist.
Beschädigter Geist ist jener Geist, der die Idee der Beschädigung in die Welt setzt und sie für wahr hält.
Beschädigter Geist heißt die Möglichkeit der Beschädigung.
Im beschädigten Geist fließt alle Beschädigung.
Allem Leid geht der beschädigte Geist voraus.
Beschädigtes Verstehen rollt im beschädigten Geist.
Die Wahrnehmung der Welt wird im Schaden geschwärzt.
Beschädigung ist Kreislauf. Theorien des Schadens. Irrungen.
Dein, ich möchte soweit gehen und sagen: Lebensproblem, dein Lebensproblem also ist die Auflösung des beschädigten Geists hin zum Geist, der keine Beschädigung kennt. Die Legitimation aller Zustände. Das größte Problem in der Geschichte der Menschheit. Als das empfinde ich es.
Zwischen dir und Gott steht dein Geist. Da, wo kein Zwischenstehen ist, da träumt dein krank gemachter Geist sich selbst. Und dein Geist ist krank, weil er an seine Krankheit glaubt. Alles was du sprichst geht intellektuell in Richtung: Leg ab den Glauben an Krankheit, denn dieser Glaube macht dich krank. Tatsächlich aber glaubst du an deine Krankheit. Das ist der große Riss. Du sagst: Ich bin gesund! und gibst damit zu, krank zu sein. Wahrlich, du bist gesund, aber du weißt es nicht, und mehr noch, du fühlst es nicht. Dein Lippenbekenntnis reicht nicht tief hinein. Realität ist so: Deine Probleme sind überhaupt keine Probleme und es gibt nichts, worüber wir sprechen müssten. Intellektuell verstehst du das manchmal, aber das hilft deinem Leben nicht.

Ich denke du verstehst den mystischen Bullshit hier, verstehst was er meint. Wie aber umsetzen. Manch einer lernt mit Sozialphobie umzugehen. Es gibt viele Wege dahin. Manche sind gut, manche sind weniger gut. Aber sie haben etwas gemein: sie bauen das Monolithische der Situation, die Gedanken und Gefühle, die sie umfliegen, ab. Der mit Eis angefüllte Körper wird nach und nach erwärmt. Das innere Problem wird als Unproblem entlarvt. Das ist der Weg. Das Gemacht-sein aller Probleme zu erkennen und aus der Realisation ihres Gemacht-seins überzugehen in ihr Nicht-sein. In der japanischen Sitzmeditation wird Erleuchtung u.a. erreicht durchs Sitzen. Zu Sitzen und nichts zu machen. Kein Ziel, kein Weg, kein Grund, keine Erleuchtung, kein Wunsch. Einfach sitzen. Zazen. Das Nicht-sein der Probleme ist im Moment des stillen Sitzens bereits realisiert. Wenn Probleme gemacht werden und der Geist, wenn er still ist, nichts macht, dann ist dieses Nicht-machen das Nicht-sein aller Probleme. Sterben, kein Problem. Solange du über Leiden nachdenkst, solange machst du Leiden. All das existiert durch den Geist allein.
Das ist, wenn man es auszuformulieren versucht, Kern des Zazen: Dont make anything. Put it all down.
Es gibt viele unterschiedliche Worte und Wege, unzählige Begrifflichkeiten und Systeme, wichtig ist eins: Du machst dein Leid. Du stoppst dein Leid. Leiden stoppen heißt das: Oh, da war ja gar nichts. Ich kann dir deinen Lebensweg nicht vorsagen. Ich kann nur versuchen, dir Hoffnung zu machen und zu sagen: Gib dir Zeit und PUT IT ALL DOWN

Es ist keine Frage des Verstehens. Es ist keine Frage der Theorie. Es ist keine Frage des Denkens. Es ist keine Frage. Was ist es?

https://www.youtube.com/watch?v=vmQGRAUhldM
https://www.youtube.com/watch?v=UvljisopwBs

tereshenkov Avatar
tereshenkov:#14722

>>14720
Unter Lebensmodell verstehe ich alles, was ich von dir aufschnappen konnte. Ästhetik der Freude, Human Design, Wechselhaftigkeit, kein eigenes Heim zu haben, Einheit des Daseins bis hin zu deinem Auftreten hier usw. Dieses Gebräu deiner inneren Welt, das, wie du sagst, ein andauernder Gärungsprozess ist, meine ich mit 'Lebensmodell'. Welches aber doch in festen Bahnen verläuft, so scheint es mir. Dein Leben hat ein Strukturprinzip, ist ein geordnetes Chaos also. Du hast einen Kochtopf. Der wird vergehen.

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jonesdigidesign:#14723

Jop, eigentlich habe ich nichts zu sagen, wie im Eingangspfosten erwähnt. Die Fragen die ich aufgeschnappt habe, waren Erkundigungen nach diesem Lebensstil, den manch ein Bernd hier für ungewöhnlich hält.
Das Leben geschieht jenseits aller Begriffe und es fällt mir in den Schoß, wenn ich die Sache laufen lasse.
Wenn ich mich mit Philosophie beschäftige und von einem Stil oder einer Lehre sprechen sollte, die durch mich geschieht, dann ist das wirklich die Ästhetik der Freude. Das ist nichts Abstraktes, es geht um das unmittelbare Erleben. Und meine philosophischen Fragen sind nicht vornehmlich das Was oder das Warum oder das Woher, sondern das Wie. Das Erleben ist Erkundung und Schöpfung eines Kunstwerks und die Frage nach dem Wie, den musikalischen, spielerischen, poetischen oder ganz namenlosen Bewchaffenheiten des einen Moments.
Darum steht die Ästhetik und die reine Erfahrung für mich an erster Stelle. Ohne ästhetische Empirie, ohne die Erscheinungen gibt es keinen Gegenstand für eine Deutung oder Untersuchung, keinen gemeinsamen Bezug.
Für mich zeigt mir Alan Watts diesen modus vivendi am lebhaftesten und eindrücklichsten: er ist kein Heiliger, er hat das Schlingelhafte nie abgelegt, weil das seine Musik des Daseins ist. So eben will auch ich klären, wenn man mich nach meinem Verhalten fragt, aber es wäre ein Schuss in den Ofen zu glauben, dass ich stets nur leiden würde. Das Leiden ist ein Maskenspiel mit sich selbst und man vergisst gelegentlich, dass dies der Fall ist - gerade dieses Eintauchen in die Welt des Als-Ob macht aber einen großen Reiz aus.
Nichts hat Bedeutung, aber wir spielen Spiele in so vieler Art, wo wir offenbar doch Bedeutungen und Werte anerkennen. Widersprüchlichkeit ist das Salz in der Suppe.

sindresorhus Avatar
sindresorhus:#14724

Übrigens, falls der Eingangspfosten nicht deutlich war, ich biete mich für Diskussionen zu jedem Gegenstand an. Dabei geht es mir nicht um Rechthaberei, sondern Austausch und gegenseitige Anregung.
Wenn Bernd zum Beispiel über diesen oder jenen Philosophen, diese oder jene Strömung, bestimmte gesellschaftliche Themen reden will, ich bin für euch da.
Und besonders schön sind Themen der Ästhetik, Kunst, Musik, Dichtung.

Ich kann ja vorlegen: gibt es Werke, die euch zur Zeit besonders beeindrucken oder fesseln?
Weil ich nach wie als Vorleser und Geschichtenerzähler tätig bin, lese ich zur Zeit viele Kinderbücher und Jugendromane. Die Schatzinsel hat mich dabei wieder besonders fasziniert, deshalb hab ich neben einer lauschigen gekürzten Lesung im Wohnzimmer eines Bekannten die Geschichte gelesen, aufgelockert mit musikalischen Zwischenspielen, dazu habe ich den Anime dazu noch einmal gesehen und die auf dem Buch basierende Musik von Running wild gehört.

stayuber Avatar
stayuber:#14725

>>14724
Wie ist deine Position zur Flüchtlingskrise in Deutschland?

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aluisio_azevedo:#14726

Und welche Partei ist das kleinste Übel?

leonfedotov Avatar
leonfedotov:#14727

>>14725
Wenn man den Aluhüten glauben will, dann ist der Syrienkrieg nicht nur ein neuer Krieg um Öl, sondern soll zahllose Einwanderer nach Europa schicken, um besonders Deutschland zu schwächen.
Offen gesagt schwächt sich Deutschland aber hauptsächlich durch seine Kurzsichtigkeit. Deutschland ist ein klassisches Einwandererland und wir hätten schon vor mehreren Jahren Vorbereitungen treffen sollen, um dem Ansturm der Kriegsflüchtlinge gerecht zu werden - so wird heute den unzähligen Ehrenamtlichen gedankt, aber insgeheim verlässt sich die Regierung zu sehr auf die Initiative der Einzelnen.
Was Merkel betrifft, so bin ich zwar immer noch verwundert, dass sie Kanzlerin geworden ist, aber tatsächlich verkörpert sie zumindest dem Anschein nach eine vorbildliche demokratische Herrscherin, weil sie die öffentliche Meinung und selbst das Gequake der schlimmsten Querulanten wahrnimmt und ihren politischen Kurs danach ausrichtet.
Charismatisch und rhetorisch hat sie nichts zu bieten, aber ihre politische Strategie ist das, was unserer Zeit zu Gesicht steht. Das ist schon allein historisch begründet:
Das Volk hätte vielleicht gern einen weisen charismatischen König, aber seit Hitler ist Charisma für deutsche Politiker eine Eigenschaft, die einem schnell das Prädikat eines Verführers einbringt.
Nun, Deutschland hat größtenteils mit großem Erfolg die unterschiedlichsten Kulturen und Religionen integriert, ohne dass das bedeutet, dass die eigenen Gruppen irgendeiner Idee deutscher Leitkultur folgen müssten. Unsere Zeit ist eine des hauptsächlich erfolgreichen Nebeneinanders und der teilweisen Vermischung, und gegen die skandalösen aufgebauschten Straftaten stehen zahllose verschwiegene Erfolgsgeschichten von Einwanderern, die von der vergleichsweise liberalen deutschen Politik profitieren konnten und im Zuge dessen auch eine wertvolle neue Note in unserer Kultur darstellen.
Das brennende Thema ist: passt der Islam zu Deutschland?
Nun, er hat über Jahrzehnte zu uns gepasst - was problematisch im eigentlichen Sinne ist, sind Einwanderer aus den Ländern, deren Kultur durch den US-Imperialismus zurück ins Mittelalter katapultiert wurden.
In Persien sind vor ein paar Jahren die Weiber in Bikinis herumgelaufen! Warum wohl laufen die jetzt wieder in ihren Chaddoas und Burkas herum? Weil die USA konsequent radikale, einfach kontrollierbare Despoten gesponsort hat, die einfach zu beeinflussen sind.
Und was Terror angeht: in kaum einem Thema kann man das Wort Terror in den Mund nehmen, ohne bedenken zu müssen, dass der Terror der Neuzeit zum wesentlichen Teil durch das US-Imperium konzertiert worden ist.
Denkt an Libyen und Gaddafi. Dieser Typ hat einen für Afrika vorbildlich sozialen Staat geführt, mit einer Politik zinsloser Darlehen, was den USA nicht gefiel. So - dies meine starke Vermutung - wurden Anschläge verübt, die ihm in die Tasche geschoben wurden, um eines von unzähligen Feindbildern zu kreiern.

Also: die Flüchtlingskrise ist eine Gelegenheit, um zu zeigen, was wir menschlich draufhaben, wenn wir uns von den Gebetsmühlen der Terrormedien abkoppeln. Denn die Leute die ich in Flüchtlingslagern getroffen habe, sind nicht nur zum größten Teil gebildet und unschuldig, sondern man hat ihnen schlichtweg zum Himmel schreiendes Unr

cat_audi Avatar
cat_audi:#14728

Man hat diesen Menschen zum Himmel schreiendes Unrecht angetan - wir sollten fast den Amis dankbar sein, dass wir soviel menschliches Potential geschenkt bekommen haben. Wenn es nicht nur immer noch Leute gäbe, die einen Fernseher haben und ihre eigene Unzufriedenheit auf Leute projizieren, die nichts damit zu tun haben. Ich finde, wir haben eine unvergleichliche Gelegenheit, zu zeigen, was in uns steckt. Ich hab einige überschüssiger Klamotten bei Sammelstellen abgegeben und als man mich danach gefragt habe, habe ich auch ein paar syrischen Kindern die Englisch verstanden, ein paar Geschichten vorgelesen. Obwohl ich Kindern öfters vorlese, das war noch was ganz besonderes. Allerdings gibt es auch Leute, die diese Situation besonders ausnutzen. Wer weiß, wie dieser Tage der Menschenhandel boomt, aber sicher ihr es auch Typen, die verwaiste Kinder aus Syrien nicht bloß aus Menschenliebe zu sich aufnehmen. Aber ich bin trotz all diesen liberal klingenden Positionen kein Moralapostel, sondern kann auch die abwegigsten Gelüste verstehen und wer weiß was daraus wird.
Ohnehin steht uns eine Debatte bevor, was Themen wie Kinderehe betrifft und andere Fälle, in welchem islamische Bräuche unserem Rechtssystem entgegenstehen.

Welche Partei könnte man heutzutage noch wählen? Wisst ihr, ich meine mich erinnern zu können, dass ich mal die AfD gewählt habe, als sie sich noch nicht so zum Affen gemacht hat. Was die Parteienlandschaft betrifft, muss ich zugeben, dass für mich fast alles wie ein und das selbe aussieht. Ich glaube, abgesehen davon, die Linke zu wählen, bleibt uns nur die Möglichkeit, eine neue Partei der Mitte zu gründen

eloisem Avatar
eloisem:#14729

Was meine Lust nach Opium anbelangt, sei noch diese Bemerkung nachgeschickt: carpe diem.
Kennt ihr Goethes epikureische Verse die lauten:

"sag es niemand nur den Weisen
Weil die Menge stets ver
das Lebendige will ich preisen
Das nach Flammentod sich sehnet

karlkanall Avatar
karlkanall:#14730

Weil die Menge stets *verhöhnet

Das Opium ist mein Laster und mein Glück. Es erinnert mich an Liebe die ich nie erfahren habe und es bringt mich den Dimensionen des Traums näher.
Jeder hat ein Recht auf Lust Genuss und Selbstsucht und w

ayalacw Avatar
ayalacw:#14731

Und wie diese Lust sich äußert, ist eine ganz individuelle Frage. Du kannst mit deinem GF in deinem Bett dich vergnügen, Kristall Meth rauchen, dir von einem Harem von Lolis deinen Schwanz lutschen lassen oder ganz nach deinem Belieben deinen Genuss verwirklichen.
Du bist hier, um die Nacktheit der Schönheit zu erfahren, um den Wahnsinn der Normalität zu schmecken, um das Feuer des Abenteuers zu erleben.
Dafür stehe ich mit meinem Namen.
Ich bin Klaus Zvonimir isidor Hipp.

eduardostuart Avatar
eduardostuart:#14732

>>14731
Ich werd eine Novellentetralogie über dich schreiben.
Kristoffl Lopatin der Penen-Machiavell, Königskork im Nuttendorf und Die geile Reise.
Inkognito dann eine Saint-Exupery Verballhornung. Ein verträumt-poetisches Buch über deine Jugend: Der kleine Schwanz.

hoangloi Avatar
hoangloi:#14733

Das wird natürlich umgehend autorisiert, guter Mann! Eine Quasi-Biographie mit Schelmenroman-Attitüde, an nichts anderem arbeite ich seit Jahren! Lass mich wissen wenn dein Werk Früchte trägt, andernfalls schicke ich dir mein PDF mit erotischen Kurzgeschichten über vorpubertierende kleine Mädchen!

puzik Avatar
puzik:#14734

>>14733
Fick ja. Geschichten und Mädchen. Leer die Taschen.

dutchnadia Avatar
dutchnadia:#14735

https://www.youtube.com/watch?v=oJTRpRRRGJA

>/ph/

VinThomas Avatar
VinThomas:#14736

Na da musst du schon genauer werden. Ich habe über Jahre Erzählungen angehäuft, teils bloß phantastische, teils skandalöse und geschmacklose. Was willst du hören? Übrigens bin ich grundsätzlich am ehesten dazu aufgelegt, was ganz neues zu schreiben, wenn du mich schon drauf ansprichst - nenne einfach drei kräftige Stichworte und du kriegst innerhalb kurzer Zeit eine ganz individuelle Geschichte.

karlkanall Avatar
karlkanall:#14737

>>14736
Wenn eine Auswahl getroffen werden muss dann so:
Eine, deren Inhalt dir gefällt.
Eine, deren Form dir gefällt.
Eine, die dir nicht gefällt.

Stichworte:
Marabu, Malerei, weibliche Onanie
DDR, Amazon-Paketpacker, schwarzgebrannter Alkohol

suribbles Avatar
suribbles:#14738

>>14737
Okay, verzeihe mir die Verwendung dieses Smileys, aber diese hübsche Zufälligkeit der Begriffe imponiert mir spontan. :D Also gib mir ein bisschen Zeit und du sowie /ph/ bekommen in Kürze wenigstens eine frische Geschichte vorgesetzt.

Das heißt nicht, dass wir nicht unser Palaver fortführen können. Ich würde gern über Filme reden. Kennt Bernd Aki Kaurismäki?

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#14739

Übrigens möchte ich auch all den anderen Beitragenden in diesem Faden danken. Wenn ich noch eingebildeter wäre als ich es ohnehin schon bin, würde ich vermuten, dass ich es bin, der euch die Zunge so löst. Mit etwas mehr Bescheidenheit könnte ich davon ausgehen, dass dieses Lose Format dem Brett /ph/ einfach zuträglich ist und bei einem solchen dahergelaufenen Schwachmaten wie mir andere Denker keine Scheu haben, mal etwas von sich zu zeigen.

Wie dem auch sei, ich bin seit Jahren bei Kadse von der Partie und freue mich wirklich außerordentlich über eure Beteiligung in diesen Fäden. Ihr seid kühl und ich hoffe ihr wisst das.

ggavrilo Avatar
ggavrilo:#14740

>>14739
Er sieht aus wie Alligatoah

markgamzy Avatar
markgamzy:#14741

>>14740
Das hat man mir tatsächlich schonmal gesagt und ich weiß dass das irgendsoeine Art Rapper für Vorschulkinder sein muss, dem Namen nach zu urteilen.
Ich würde eher sagen, dieser Vorschulhaspler sieht aus wie isidor

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kimcool:#14742

Hab grad nachgesehen wie Alligatoah aussieht, der ist aber ein süßes Ding, da möchte man ja gern seine homoerotischen Tendenzen ausleben, aber wenn ich so aussehen sollte wie er, dann ist es ja, als würde man mit seinem Spiegelbild rumknutschen.
Nein, ehrlich gesagt erinnert er mich mehr an Hide, meinen Mentor, von dem ich viel gelernt habe als ich 15 und er 19 war (unter anderem hat er mich damals gezwungen Schellings Freiheitsschrift zu lesen).

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solid_color:#14743

>>14737
>Amazon-Paketpacker

Sehr gutes Stichwort!

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vicivadeline:#14744

...Abszess Eins
Als sich einst zu einer ernsten Rede niemand einfinden wollte,
begann er wie ein Vogel zu zwitschern;
als sich daraufhin eine Masse Volkes um ihn zusammendrängte,
schalt er sie.

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safrankov:#14745

...Abszess Zwei
Den Verrückten meint man daran zu erkennen,
mit welchem Finger er deutet
und mit welchem nicht.

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surajitkayal:#14750

Abz, Sieben..
Es hat mehr für sich, ein Hund zu sein als ein Sohn.

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stuartlcrawford:#14758

Isidor, jetzt schon recht kahl, dazumal aber mit einem für die Zeit eigenwilligen braunen Haarschopf samt Bart, unterschied sich von vielen seiner Altersgenossen dadurch, dass er die Nacht nicht allein verbringen konnte, ein bisschen Geld besaß und mitunter Visionen hatte. Des weiteren handelte er mal mit Gemälden, schrieb Horoskope, spielte mehr schlecht als recht Gitarre, kannte viele Gedichte der deutschen Literatur auswendig und verfasste auch selbst peinliche und liebevolle kleine Texte. Politische Überzeugungen, ganz gleich welcher Richtung, betrachte er als mehr oder minder gemilderte Formen der Gemütskrankheit von wechselhafter Notwendigkeit. Und für sich selbst hatte er in der Welt den Platz des Dilettanten im italienischen Sinne des Wortes reserviert. Das alles, von seiner Umgebung als Widersprüche aufgefasst, wurde in Berlin, je mehr die dreißiger Jahre sich entfalteten, immer schmerzlicher fühlbar. „"Easy lebt in zwei Welten“, sagten seine sehr unterschiedlich veranlagten Freunde, die selbst nur in einer Welt lebten. Hätte er je eine Ambition gehabt, er wäre bereit gewesen, sich als Versager zu betrachten. Aber er hatte keine und sah das Leben wie einen Klub, der sich ein bisschen merkwürdig ausnahm, dem man nur zufällig beigetreten war und aus dessen Mitgliedsliste man sich ohne Angabe von Gründen streichen lassen konnte. Er hatte schon beschlossen, aus dem Klub auszutreten, falls die Zusammenkunft zu langweilig werden sollte.

Wie langweilig aber ist Langeweile?

syntetyc Avatar
syntetyc:#14759

Letztlich basiert deine ganze Philosophie darauf, dass du leidlich gut aussiehst.

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Bernd:#14760

Das Schöne ist der Kritik nicht zugänglich.
Moral ist Kritik am Hässlichen.
Schönheit ist amoralisch.

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kinday:#14761

>>14760
Wenn das Hässliche, wohlan, das Unmoralische ist, ist es aber irgendwie, immer mal wieder, unplausibel, dass das Schöne, traun fürwahr, das Amoralische ist.

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HenryHoffman:#14762

>>14761
Das ist doch der Witz.

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aiiaiiaii:#14763

>>14762
Witz im Sinne von Irrsinn oder Witz im Sinne von Scharfsinn?

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woodydotmx:#14764

>>14763
Im Sinne einer Denkwürdigkeit, die sich als Hirnrissig entpuppt, dann wiederum aber auch in ihrer Hirnrissigkeit dem Leben nahe steht.

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alta1r:#14765

>>14758
Unterschreibe ich. Nur lebt er in keine seiner Welten. Er lässt sich leben. Er ist immer Robin, nie Batman. (wahrscheinlich selbst in seinen Tagträumen...)

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bassamology:#14766

>>14758
Das ist aber hübsch. :3 schade dass der Charakter Isidor untauglich ist, um zu einer Figur in einer Geschichte zu werden. Es wäre ja schön, wenn er eine Art menschlicher Donald Duck wäre, aber auch dazu fehlt die Ambition.

murrayswift Avatar
murrayswift:#14767

>>14759
Du kannst mich ja zum Essen ausführen. Ich spendiere eine Flasche Pommes Frittes.

lisovsky Avatar
lisovsky:#14770

https://www.youtube.com/watch?v=Cdp6iBgDUpM
https://www.youtube.com/watch?v=2s4y2r5fKqw
https://www.youtube.com/watch?v=HYsHgl9GyH0
https://www.youtube.com/watch?v=SAGAZHkdRMs

https://www.youtube.com/watch?v=96kHEAqxxqM

dutchnadia Avatar
dutchnadia:#14771

Ich habe etwas zu sagen, aber kein Glas Wasser. Ich bin in der Stadt meiner Kindheit - im Gefängnis. Es ist kein richtiges Gefängnis, sondern ein einstöckiges Wohnhaus. Meine Zelle ist klein und hat ein Fenster, davor ist ein Gitter, dahinter ist der leere Hof. Um den Hof geht eine rote Mauer. Hinter der Mauer ist es grün. In der Zelle steht ein großes Bett, das den Raum ausfüllt. Der Raum ist unförmig. Die letzte freie Stelle besetzt ein blauer Stuhl. Ich bin kein Verbrecher. Ich bin nur zufällig hierher gebracht worden. 



Etwas kommt langsam in meine Zelle. Die Tür ist schwer. Der Türriegel hakt ein. Es ist Nacht. Ich sehe nichts, denn das Licht ist aus. Ich habe keine Angst, denn ich habe nichts getan. Ich sitze auf dem Bett und warte. Dann steigt etwas zu mir ins Bett hinein. Es raschelt. Es riecht lange nach Lavendelfeld. Dann bewegt sich das Bett wieder. Ich höre den Stuhl knacken. Eine Stimme spricht. Sie ist dunkel und voll. Sie sagt: "Ich habe eine Kerze und ein Feuerzeug hingelegt.“ Ich taste im Dunkeln und wundere mich. Ich denke an die Deckenleuchte. Ich fühle kaltes Teelichtblech. Das Feuerzeug liegt daneben. Ich zünde die Kerze an. Das Licht ist schwach.

Ich erkenne in der Ecke die Umrisse einer Person. Jetzt beugt sie sich vor. Sie lächelt verschmitzt. Sie hat einen kleinen Bart. Die Haare sind bräunlich. Sie trägt einen roten Schal. Mir ist warm. Es ist ein Mann. Ich bin beruhigt. Ich finde den Mann schön. Ich sage: "Ich habe Durst.“ Er schaut mich schief an. Dann fährt er mit den Fingern zart über seine Jackentaschen. Er fasst etwas und reicht es mir. Es ist eine Schachtel Zigaretten. Ich nehme die Schachtel, obwohl ich etwas zu trinken wollte. Ich lege sie beiseite. Ich sage leise: "Ich wollte aber etwas trinken.“ Er reißt plötzlich seinen Arm steif zur Decke hinauf. Ich schaue ihn erschrocken an. Er nickt mir bejahend entgegen und lächelt. Ich verstehe nicht. Ich glaube er hält oben etwas in seiner Hand. Ich fasse das Teelicht mit meinen Fingerspitzen und führe es hinauf.

Sein Arm saust wieder mechanisch herab. Sein Arm ist jetzt gerade ausgestreckt vor mir. Die Hand ist zur Faust geballt, mit der er wackelt. Ich blase das Teelicht aus. Ich taste nach der Faust und versuche, sie mit meinen Fingern zu öffnen. Der Mann fängt an zu kichern. Er schüttelt sich vor Lachen. Ich presse meine Finger fester und fester in seine Faust. Ich spüre sein Schütteln. Er schnalzt mehrmals mit seiner Zunge. "Jetzt hab ich ihn“, denke ich. Dann entreißt er mir spielerisch seine Hand. Es ist still.

Er sagt: "Gib mir eine Zigarette“. Ich gebe sie ihm ins Dunkel hinein. Er sagt: "Und das Feuerzeug“. Auch das gebe ich heraus. Er zündet sich eine Zigarette an. Mit dem Feuerzeug spendet er uns Licht. Er glänzt jetzt im Gesicht. Seine Augen blicken etwa müde herab. Ich folge dem Blick. Er schaut auf seine freie Hand. Ich hatte mich also nicht geirrt. Auf seiner Handfläche liegt etwas.

Das Licht ist sehr schwach. Ich beuge mich zum Schauen weit übers Bett bis auf seinen Schoß. Der Mann atmet zwischen seinen Haaren Rauch in meine Augen.

Auf seiner Handfläche liegt eine Rose. Ich nehme sie hastig. Ich schreie. Ein Dorn war mir in den Daumen gefahren. Ich führe den Daumen zum Mund. Ich schmecke Blut. Der Mann fängt wieder an zu kichern. Ich fühle, wie mein Mund sich mit Blut füllt. Der Mann gackert abgehakt. Mein Mund ist voller Blut. Ich will nicht schlucken. Der man kugelt sich. Das Blut läuft über. Es spritzt zwischen den Lippen hervor. Es bedeckt meine Kleidung. Der Daumen pulsiert auf meiner Zunge. Ich presse sie an die offene Wunde. Ein harter Strahl spritzt mir in die Kehle. Ich beginne zu gurgeln. Jetzt springt der Mann von seinem Stuhl und über mich herüber. Der Wind löscht das Feuerzeug. Eine Sekunde ist es Dunkel. Dann erfüllt unendliche Helle das Zimmer. Ich schließe schwach die Augen. Das Licht brennt purpurn durch meine Lider. Ich spüre meine Atemnot. Das Bett ist feucht von Blut. Ich öffne meine Augen wieder ein wenig. Ich sehe den Mann. Er steht über mir auf dem Bett. Ich verblute. Er hält einen Block Papier. Er hält einen Stift. Er bewegt den Stift auf dem Papier. Er zeichnet mich. Er beugt sich herab. Er sagt: "Ich poste dich nachher auf KC."

kiwiupover Avatar
kiwiupover:#14774

>>14771
Ja, jetzt sind wir auf poetry slam-Level angelangt. Besonders gut, weil, sollte ich was schreiben, das dauern könnte.

mactopus Avatar
mactopus:#14776

>>14774
Dein Gesicht regt mich nun mal an. Im ganzen ein zwielichtiger Charakter. Kein Verbrechen, zu dem du nicht im Stande wärst.

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polarity:#14778

>>14776
Ja, Lügen und betrügen, Verrat und Vergehen gegen die Sitten - nur Raub nicht, weil ich meine einzige Waffe, ein ziemlich langes Bowiemesser an einen turingvollständigen Stricherjungen verkauft hab. Und ich Leute doch nicht mit einem abgebrochen Tischbein überfallen?

shalt0ni Avatar
shalt0ni:#14779

>>14778
Improvisation: Eine aufgerollte BZ. Der Satz (Ich kann mir kein Verbrechen vorstellen, das nicht auch ich hätte begehen können) soll von Goethe stammen oder Dostojewski oder Shakespeare. Gibt schlechtere Gesellschaft. Na, ob sie dauerhaft Bock auf dich hätten, dem tennissockenträger de Sade jr., bleibt fraglich.

hibrahimsafak Avatar
hibrahimsafak:#14780

>>14779
Moment mal, ich bin vielleicht Nazi, Kommunist, steh auf Lolis, würde gern Leute ermorden, rauche mit dem Teufel Opium, trage Tennissocken, aber ich bin kein Kommunist!

guischmitt Avatar
guischmitt:#14781

https://youtu.be/I14WpqEj_aM?t=726
https://www.youtube.com/watch?v=hIiStlWxU3k

romanbulah Avatar
romanbulah:#14782

Habt ihr nicht selbst ein paar Philosophie-relevante Geschichten in petto? Ich wisst ja dass ich unfähig bin außer vielleicht einen motivierenden Faden zu eröffnen.

nateschulte Avatar
nateschulte:#14783

>>14782
Pfostierungen auf ph sind höchstens self conscious shitposting. Und sein wir mal ehrlich: Die meisten Leute auf Bilderbrettern wie KC sind autistisches Unteralter. Woher sollen denen die philsophischen Geschichten kommen? Unsereiner ist da nicht viel besser dran. Nebenbei ist die Zeit der Sinnkrisen, 'alles kann, nichts muss'. Philosophie wird umdünstet von einer dicken fetten grünen Wolke Kotmolke und jedes Zeug fühlt sich abgeschmackt und verbraucht an. Altes wiederaufleben zu lassen stinkt ab. Aber die Hauptsache, wieso niemand kühle Gschichtn postet, sind die starren gesellschaftlichen Verhältnisse, KAPITALISMUS JUNGS1 Wir bräuchten mal so einen Hitler, bloß in gut. 'Ja, das neue Iphone kriegste jetzt nicht, dafür pumpen wir Space Marine Metaphysik in dein Brain, sonny.' Heb die Flagge, Ragnar. Aye aye.
Kommunikation über Philosphie ist tough, besonders unter Spasten. Mach halt was, isidor. Meine Weistheit ist un-communicable und von J.

https://www.youtube.com/watch?v=lO04mjdel3U

vovkasolovev Avatar
vovkasolovev:#14784

>>14783
Heyhey, da möchte ich doch entschieden wiedersprechen. Ich stimme zu, die Erfahrung macht den Philosophen, aber an Kant sehen wir, dass Erkenntnisse auch durch innere Erlebnisse gebildet werden.
Ohne mich jetzt in die Brust werfen zu wollen, ich denke viel beim Wandern nach. Und dabei kann ich viele Dinge mit mir selbst klären. Und obwohl ich die Metaphysik dabei gerne ignoriere, kann doch der persönliche Erkenntnis-Gewinn durch das stille Nachdenken als philosophisches Erlebnis gewertet werden.
Es müssen halt nur die richtigen Gedanken sein.

Aber anders gefragt: Was ist denn für dich ein philosophisches Erlebnis?

chrisvanderkooi Avatar
chrisvanderkooi:#14785

>>14784
>Ich stimme zu, die Erfahrung macht den Philosophen
>Erkenntnisse können auch durch innere Erlebnisse gebildet werden
Erfahrung ist die Gesamtheit der inneren Erlebnisse.

Der Durschnittsmensch und Philosoph arbeitet sich durch tausend dumme Erlebnisse zu einer mehr oder weniger artigen Erfahrung durch.
Das heißt: Der Durchschnittsmensch wird, wenn überhaupt, Fortuna sei uns hold, mit dem Alter langsam klüger. Ausnahmen bilden die extremen inneren Erlebnisse, die selten sind, und in seltenen Fällen aus dem Durchschnittsmenschen qua Schicksalsschlag einen Weisen machen. Die Gräben von Verdun sind große Schule des Lebens. Man bemerke, dass Weisheit mit Intelligenz und Philosophie mit Intelligenz wenig zu tun hat, obschon die Mathematik anderes behauptet und diskriminiert. Logik ist eine goldene Uhr. Kurz gesagt: Philosophie ist eine Frage der Zeit, zumindest verhält es sich in den meisten Fällen so. Genies sind eine andere Gattung, aber über die brauchen wir hier sicher nicht zu sprechen.

Wenn sich ein Haufen junger Leute versammelt, dann gleichen sie Bienen. Nach kleineren einzelnen Ausflügen sirren sie zurück zum Nest. Das Nest heißt Dummheit. Bloß sind wir im Internetzeitalter schlau genug, um zu wissen, wie blöd wir sind. Pfosten werden zwangsweise ironisch, außer man will sich zum Affen machen vor anderen und sich selbst. Was uns bleibt, sind Gedanken, die wir bereits oder bald verwerfen werden, halbernst zu pfostieren und dann ein bisschen darüber zu plaudern. Im Grunde aber sind 95% der Pfostierungen nur Zeitvertreib ohne Impact. Besonders ist das nicht. Ich kenne den Universitätsbetrieb nicht, aber mir will es scheinen, als sei Philosophie im allgemeinen gerade Plauderei. Ideology! Ideology! Ja un nu?

>

leonfedotov Avatar
leonfedotov:#14786

https://www.youtube.com/watch?v=c5qBwM3H0fA
https://www.youtube.com/watch?v=Q1ppqYHBElM
https://www.youtube.com/watch?v=irMjZ1A57BQ
https://www.youtube.com/watch?v=qL2R-lf3h4g
https://www.youtube.com/watch?v=0TzmWZhw0aE

eduardostuart Avatar
eduardostuart:#14788

Im Übrigen würde es einen allgemeinen Gewinn darstellen, /ph/ als Örtlichkeit anonymer Zwiesprache zu nutzen. Irgendwann waren Internetforen die Kaffeehäuser des Computerzeitalters. Das Niveau meistens flach, die Ehrlichkeit für das Gespräch aber umso eher vorhanden. So besprach man banal, was bewegt und bewegte sich so. Und das war gut. Man war miteinander naiv und immer war das echte, persönliche und oft auch naive Leben gegenwärtig. Es wäre doch eine schöne Sache, zusammen Gespräche führen zu können, die nichts von der hier herrschenden aufgesetzten und leider gelebten intellektuellen Hochnäsigkeit und Schwülstigkeit an sich haben, sondern die Charakterzüge des griechischen Dialogs, also die Charakterzüge des studentischen Stammtischs ANNO 1867 trügen.
Nötig wäre wohl, eine Atmosphäre des wirklichen Gesprächs herzustellen. Von den abstrakten Lettern zurückzukehren zum Gefühl des menschlichen Kontakts. Grundsätzlich schreiben wir uns hier doch Briefe. Wie sehr lernen Menschen sich durch Briefe aber kennen und lieben. Das ist auch hier möglich, in engeren Grenzen. Offenherzigkeit ist Anonymität. Zurückzuhalten braucht sich niemand. Freilich ist das alles hier auf kleiner Hoffnung nur gebaut. Aber hoffen wird man dürfen; auch in unserer Zeit.

Wen bewegt denn nicht das Alltägliche, Naive? Wer hat nicht etwas, das er nirgendwo sonst aussprechen kann? Wer hat nicht dumme Fragen und dumme Gedanken und damit wichtige Fragen und wichtige Gedanken? Nichts ist so naiv, dass dem, der es ausspricht, ein Gespräch darüber verwehrt werden sollte. Also weg mit der ätzenden Schulmeisterei. Jedes Thema, das bewegt, ist philosophisch.

alagoon Avatar
alagoon:#14789

>>14788
Mag schon sein. Aber du vergisst, dass es verschiedene Themengruppen gibt. Und /ph/ ist nun mal speziell für Diskussionen über Philosophie da, bzw. dank Leuten wie Isidor und anderen Tripschuchteks (wie mir), auch für quasi-/we/, wenn auch auf hohen und halbwegs gebildetem Niveau.
Ansonsten hast du halt nur ein großes Diskussionsbrett, dass von Pr0n-Bernd, Trumpf-Bernd und Weini-Bernd regiert wird.

oaktreemedia Avatar
oaktreemedia:#14790

>>14789
>/ph/ ist nun mal speziell für Diskussionen über Philosophie da
Der Fauhlheit halber pastiere ich die erstaufgerufene Onlinedefinition von 'Philosophie'. Don't hate on me caue I'm black.

Phi·lo·so·phi̱e̱
Substantiv [die]
filozoˈfiː/
1.
Lehre von den grundlegenden Bestimmungen und Strukturen des Lebens, der Welt und des Wissens.
"Die Philosophie der Naturwissenschaften fragt z. B. nach dem prinzipiellen Unterschied zwischen belebter und unbelebter Materie."
2.
ein bestimmtes, in sich geschlossenes System von Antworten auf die Frage nach Grundstrukturen.
"ein Anhänger der Philosophie Kants/Hegels sein"

Auf dieses Brett übertragen, und zweckdienlich durchweicht, ist jedes Thema brettkonform, welches sich mit dem Versuch, das Leben zu verstehen bzw., nach jeweiliger Befähigung, das Leben eingehend zu untersuchen, beschäftigt. Was anders als das sind aber die bierseligen Clubgespräche, zwischen Freidenkern und Künstlern, die sich, bemittet vom radikalen Anarchisten Ralf Jaeger, zutrugen, in Krisitiania, 1880 aufwärts, den biedermeierlichen Jahren? Was anders sind die Fantastereien um den Geistschänder und Mädchenschnüffler Isidor Quark? Wer dieses Brett besucht, der tut es aus Interesse an Philosophie, d.h., er tut es aus Interesse an gelehrigen Gesprächen über das Leben: Die quasi-religiöse Tennisästhetik des Roger Federer in Zeiten des power-baseline plays.

Aber anders gefragt: Was ist denn für dich ein philosophisches Thema?

Wenn hier die Fäden von Hegels 'Geschichte der Theorie' und von Hegels 'Theorie der Geschichte' und von Hegels 'Scheich To Teh, der Geier' steil gingen und andernfadens braunhaarige Querulanten über Adornobücher abschlunzten, dann, ich ziehe meinen Hut, wäre ich mit meinen Themen am falschen Orte. Aber hier ist nichts. Woran das liegt? Weil alle hier ausnahmslos Trottel sind. Wieso? Weil keiner 100 Jahre Einsamkeit studiert hat. Philosophie akademischer Art ist auf KC unmöglich bis utopisch. Was uns bleibt ist ein Austausch unter Dummen; gesetzt, wir sind Dumme mit Aspirationen, frei nach dem Sinnspruch:
Was schimmert noch im Schutt
Die Perlen aus Perlmutt
Wir leben auch, trotz Dummheit. Und wir können reden über alles, was wir erleben.

Wieso floßt dieses Brett schwatt herum auf dem Mississippi? Weils keene Gesprächsthemen hat, weil se nich zujelassn wern.
#Open borders der Herzen
#Wir sind das Volk
#Neue Wege gehen

cat_audi Avatar
cat_audi:#14791

https://www.youtube.com/watch?v=D5XuMWRHGU8
https://www.youtube.com/watch?v=AuelAz0_Y9I
https://www.youtube.com/watch?v=PP0CWSA9mMs
https://www.youtube.com/watch?v=aZc7b_tT_BY

https://www.youtube.com/watch?v=GcWBUEpcVI8

iamkarna Avatar
iamkarna:#14792

>auch für quasi-/we/, wenn auch auf hohen und halbwegs gebildetem Niveau.

>>14789
Ach Bernd, Schwurbelwolken sind nicht automatisch ein Niveau auf dem einer im Leben stehen könnte.

peterlandt Avatar
peterlandt:#14793

>>14792
Das wirft die Frage auf, ab wann einer im Leben steht.

jrxmember Avatar
jrxmember:#14794

Letztlich täte es uns allen gut, uns über unsere Rollen nich zu täuschen. Der herumwandelnde Trauerkloß ist nicht Bestandteil der Tragödie, sondern der Komödie.

emmakardaras Avatar
emmakardaras:#14795

BOOBS!

carlyson Avatar
carlyson:#14796

>>14795
Warum bist du psychisch gestört?

zacsnider Avatar
zacsnider:#14797

>>14796
Viele Implikationen, Ronja ...

kazukichi_0914 Avatar
kazukichi_0914:#14798

Irgendwie kühl, wieviele Beiträge in diesem Faden sind, obwohl es gar kein festes Thema gibt - oder gerade deshalb?
Was RUBernd erwähnt hat, dass das Internet und Bilderbretter (im besten Fall) eine Art Kaffeehauskultur darstellen, gefällt mir. Dem entspricht die Initiative, die ihr hier bietet - während ich in meinen Anfangstagen auf /ph/, bin ja seit der Entstehung des Brettes dabei, sehr oft nur typisch berndianische Ablehnung erfahren habe.
Das hat mich nie gestört, weil ich zu der Zeit einfach Lust und Motivation hatte, über haufenweise Themen zu referieren.
Und jetzt bin ich wirklich eher in Kaffeehaus-Stimmung: Gespräche mit Witz, Anekdoten, freie Beiträge ohne stilistische oder inhaltliche Vorgaben.

Mittlerweile habe ich mehr die Lust, Moderator oder Interviewer zu spielen. Deswegen jetzt ein kleiner Themenvorschlag (ihr könnt trotzdem weiter über andere Themen palavern):
Welche Philosophen hasst ihr oder lehnt ihr ab?
Für mich ist es Kant. Seine Verdienste sind verglichen mit dem Umfang seines Werkes nach meinem Dafürhalten sehr dünn.
Ich halte es mit der Meinung des Philosophen Constantin Brunner, der den Großteil von Kants Werk als eine bloß verbrämte Version völkischen Aberglaubens bezeichnete.
Ihr könnt da natürlich Widerspruch einlegen, das ist bloß Vorgabe und Impuls für ein allgemeines Gesprächsthema.

sindresorhus Avatar
sindresorhus:#14799

>>14798
Sloterdijk nervt nur.

davidsasda Avatar
davidsasda:#14800

>>14798
Kant habe ich nur sans conviction angelesen, trotzdem er bis heute einen großen Effekt auf mich gehabt hat. Bis zum Tode wird mir wohl der Wiederhall jenes propern Tambourgähners in meiner Brust paradieren. Ein ertragbares Leid. Schmerzlicher ist mir dagegen Schillers steigender Abstieg im Gange seiner Kantrezeption. Das Philosophieren war Schillers destruction de la créativité. Goethe hat zurecht darauf hingewiesen.
Das Echo, das Kant in der Philosophensphäre gefunden hat, ist allerdinsg beachtlich, höre ich sagen. Die Wirkung übersteigt das Werk. Obschon jegliche Trennung von Werk und Wirkung natürlich artificiel ist.

Bernd Avatar
Bernd:#14801

>>14798
>Constantin Brunner (geboren am 27. August 1862 in Altona; gestorben am 27. August 1937 in Den Haag) war das Pseudonym des deutsch-jüdischen ...

In den Orkus es geht. Und keine Angst, ich trolle nur.

hoangloi Avatar
hoangloi:#14802

>>14801
Brunner war so sehr Jude wie es Einstein war oder wie George W. Bush Christ war. Denke nicht, dass die das so ernst mit dem Glauben nehmen, sie sind halt in die jeweilige Kultur und Religion geboren, niemand hat sie gefragt. Nur sagend.

kriegs Avatar
kriegs:#14803

>>14802
Ich find unsere Judendetektive zum piepen. Allerdings: Mit den Juden verhält es sich anders als etwa mit den Christen. Geschichtlich betrachtet haben die Juden in den Gesellschaften ab dem Frühmittelalter (und wohl vorher schon) immer eine gesonderte Rollen eingenommen. Der Jude stand je her außerhalb der Ständeordnungen und später auch außerhalb der bürgerlichen Gesellschaftsschichten. Quer durch Europa verteilt, nahm das jüdische Volk in jedem Land, in dem es lebte, eine Sonderrolle ein. Der Jude war gehobene Mittelschicht. Der Jude war Hassobjekt. Diese seltsame Verquickung von Hass und Privileg war, und ist vielleicht noch, Kernmotiv des jüdischen Verhältnis zu anderen. Man beachte, dass die ersten modernen Progrome gegen Juden von Prä-Sozialisten verübt wurden, von Unterschicht und Pöbel, angestachelt durch Priester und Volksredner. Juden waren Verhältnismäßig reiche Leute, gerade weil sie Sonderlinge waren und unter eigenen Regeln lebten.
Der Todfeind der jüdischen Kleingesellschaft war die Assimilation in ihre Trägergesellschaft. Nicht ohne Grund haben die Juden sich gegen die Reformversuche der Preußen gewährt, gleichberechtigte Bürger zu werden. Das Bürgertum bedeutete für den Juden einen gesellschaftlichen Abstieg. Die jüdische Gesellschaft musste eine Parallelgesellschaft bleiben, wollten die Juden ihren finanziellen Mittel bewahern. Das Judentum ist geprägt von hermetischer Abriegelung. Die wichtigen Verknüpfungen fanden zwischen den jüdischen Familien statt. Politik ist irrelevant, außer fürs Geschäft. So war es möglich, dass eine Bankfamilie sowohl Frankreich als auch England im Krieg mit Geldmitteln versorgen konnte. Die Vorurteile der Nazis stammen aus diesen Zeiten und waren, natürlich nur partiell und simplifiziert, korrekt, insofern man sie auf jene Zeiten um 1800 bezieht. Die Rolle der Juden war stehts eine zwiespältige.

Wenn Constantin Brunner ein Jude war, dann kann das von immenser Bedeutung sein. Oder auch nicht. Menschen sind Menschen.

evandrix Avatar
evandrix:#14804

https://www.youtube.com/watch?v=U5fmnG5ayp8
https://www.youtube.com/watch?v=_n4OEKcMxow
https://www.youtube.com/watch?v=4MaJFZcAoi0
https://www.youtube.com/watch?v=z_qROYxQpi8

joshuapekera Avatar
joshuapekera:#14805

https://www.youtube.com/watch?v=8pJPPmpV_QQ
https://www.youtube.com/watch?v=oEnrUkDdCxw
https://www.youtube.com/watch?v=5xNrORN5R9Q
https://www.youtube.com/watch?v=m_T8UpIifFA
https://www.youtube.com/watch?v=EF7xq-vFWTY

samihah Avatar
samihah:#14806

>>14803
die Freimaurer sind Hilfsjuden und entsprechend zu behandeln

rohan30993 Avatar
rohan30993:#14807

>>14803
> Der Jude war Hassobjekt.
Ja, allerdings.
Hast du auch mal gefragt warum? Du groser Pilosofe?
Und jetzt komm nicht mit Geldverleih, Ghetto und Wucher, da hat es noch ganz andere Gründe, aber das zu betrachten, da weigert ihr euch standhaft und tötet stattdessen lieber den Überbringer der schlechten Nachricht.

subburam Avatar
subburam:#14809

>>14803
>Der Jude war gehobene Mittelschicht.
Falsch, und: "Der Jude", hat das nicht ein Gschmäckle?.
>ff. 80% Fehlinformation, und ein wenig vom üblichen Kitsch.

Für einen /ph Bernd legst du großes Unwissen an den Tag.
Ist das "die Ressource Ignoranz?."

fritzronel Avatar
fritzronel:#14810

Jetzt hör mal auf Judenschwanz. Wir sind alle Juden, Nazis, Kinderficker, Hurensöhne, Arschpiraten.
Lasst diese uninspirierte Polemik fallen oder fickt euch weg aus meinem Faden. Was habt ihr an "Der Perverse ist wieder da" nicht verstanden? Hier soll sich jeder ohne Vorbehalte unterhalten können - ich gebe die Vorlage dazu, weil ich ein bisexueller kommunistischer pädophiler schwuler

millinet Avatar
millinet:#14811

Hurenjude bin. Lasst es sein, bleibt sachlich oder pfostiert Aufnahmen wie ihr auf meine Fotos ejakuliert. Aber bitte nicht in diesem Ton rumseiern, sonst zeige ich euch an.

Neuer Anstoß: wer kennt sich mit Terence McKenna aus?

devankoshal Avatar
devankoshal:#14813

Hatte gestern wohl einen tourette-Anfall. Aber zu McKenna würde mich mal interessieren, was ihr zu seinen größten Theorien der novelty-Theorie und der stoned Ape Theorie denkt - vielleicht muss ich da aber besser in /d/ nachfragen? Nur geht es mir gerade nicht darum, Lüftertum, sondern philosophische Kritik dazu erfahren.

thehacker Avatar
thehacker:#14814

Och die Autosäge knattert schon, na dann will ich nicht länger rumstinken. Könnt natürlich gern noch einen Faden aufmachen und was zum letzten Thema oder etwas anderem schreiben, ansonsten halt ich mal wieder den Rand (fällt mir so schwer, obwohl ich nichts zu sagen habe).

starburst1977 Avatar
starburst1977:#14825

ich bin der reichste mann der welt!

meine silbernen yachten
schwimmen auf allen meeren.

goldne villen glitzern durch meine wälder in japan,
in himmelhohen alpenseeen spiegeln sich meine schlösser,
auf tausend inseln hängen meine purpurnen gärten.

ich beachte sie kaum.

an ihren aus bronze gewundenen schlangengittern
geh ich vorbei,

über meine diamantgruben
lass ich die lämmer grasen.

die sonne scheint,
ein vogel singt,
ich bücke mich
und pflücke eine kleine wiesenblume.

und plötzlich weiß ich: ich bin der ärmste bettler!

ein nichts ist meine ganze herrlichkeit
vor diesem tautropfen,
der in der sonne funkelt.