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Veröffentlicht am 2016-11-14 17:34:1 in /ph/

/ph/ 14863: Verwirrt.

n1ght_coder Avatar
n1ght_coder:#14863

Es ist ja eigentlich ganz einfach. Man versucht Spaß zu haben und Leid zu vermeiden. Dank der Selbstbeherrschung kann man Leid ertragen um später mehr Spaß zu haben.

Nun stellt sich mir aber die Frage wie stark unsere Fähigkeiten zur Selbstbeherrschung sind und wie weit wir sie entwickeln können.

Sollte man versuchen Spaß zu haben oder an seiner Willenskraft arbeiten? Lieber hart arbeiten um viel zu verdienen oder hart daran arbeiten mit wenig zufrieden zu sein?

Wenn man einen Wunsch frei hätte wieso würde man für die Erfüllung eines Wunsches wünschen und nicht dafür, dass man einfach glücklich ist?

Sein Wohlbefinden nicht von äußeren Umständen abhängig machen klingt attraktiv weil es einem Kontrolle gibt. Aber wie sehr ist das möglich?

alessandroribe Avatar
alessandroribe:#14864

>>14863
>Aber wie sehr ist das möglich?
Im Tempel begrüßte uns der Vorsteher freundlich und lud uns in seine Räumlichkeiten ein, um Tee zu trinken. Mir war ein kleines rotangestrichenes Holzhäuschen, welches sich am ehesten mit einem Klohaus vergleichen ließe, aufgefallen, das auf dem Mittelhof an ungewöhnlicher Stelle stand. Der Moment schien mir gut geeignet dazu, das Wasser wärmte noch, den Vorsteher darüber zu befragen.
Ein Mönch hatte sich in den Lotussitz hingesetzt, mit den Händen das Mudra geformt, und sei dann, nach 21 Tagen, gestorben. Um seinen sitzenden Leichnam wurde das Haus gebaut. An der uns abgewandten Seite ist eine Scheibe eingelassen.

Wie, ein Mensch? betet zu Etwas bis er erlischt.

Bernd Avatar
Bernd:#14866

>Es ist ja eigentlich ganz einfach. Man versucht Spaß zu haben und Leid zu vermeiden.
Utilitaristenschwein! Raus aus /ph/! Prinzipienethik all den Weg!

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#14867

>>14863
> Sollte man versuchen Spaß zu haben oder an seiner Willenskraft arbeiten?
Das steht nicht im Widerspruch.
Die Selbst"beherrschung" verliert ihren Zwangscharakter bei der Einsicht, dass eine endlose Luststeigerung nicht möglich ist. Beschränkung ist vielmehr die vernünftige Erkenntnis, dass ein Übermaß die Lust nicht befördert, sondern sie wieder abschwächt. Ferner auch, dass die Erfahrung von Leid absolut notwendig für die Differenzierung von Freude ist.
Wenn man das tatsächlich verinnerlicht, braucht es keine Beherrschung der Lüste, da man ja sowieso weiß, dass eine Beschränkung, z.B. im Konsum, keine tatsächliche Einschränkung, sondern die maximale Ausreizung des möglichen Lustgewinns ist.

garand Avatar
garand:#14870

>>14866
>Prinzipienethik all den Weg!

Ach, Naivbernd! Einfach nochmal bei den Deontologen reinlesen und bemerken, dass sie ohne Abwägungsbereitschaft alle scheitern.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#14872

> wie sehr ist das möglich?
Zunächst zum Wortlaut: Etwas ist möglich oder nicht, eine binäre Eigenschaft.

Vermutlich meinst du wie weit man gehen sollte um glücklich zu sein. Wie du bereits sagtest kann man versuchen mehr Glück durch mehr glückbringende Handlungen zu erreichen oder aber mit weniger glückbringenden Handlungen auszukommen, also seinen Willen nach mehr Glück zu beherrschen oder abzuschwächen.

Der menschliche Fortschritt ist dem ersten Ansatz zu verdanken. Würde jeder Mensch den zweiten Ansatz verfolgen, wären wir vermutlich alle glücklich, doch das Leid durch Krankheiten, Katastrophen oder einfach Schmerzen lässt sich damit nicht eindämmen, da Forschung und Entwicklung nur durch einen Mangel möglich ist.

Auf der Welt gibt es viele Menschen und die allermeisten folgen dem Wunsch Mängel zu beseitigen. Glück wird dabei durch eben diese Beseitigung erzeugt und vergeht sehr schnell, da einem neue Mängel auffallen. Hätte man einmal alle Mängel beseitigt (was vermutlich nie passieren wird) wäre man nie wieder glücklich oder unglücklich, ein Zustand der sich dem Verstand entzieht.

Mit der richtigen Geisteshaltung wirst du auf jeden Fall mit deinem Glück auskommen. Eben diese Geisteshaltung wird dich aber auch dein Leben kosten. (vgl.>>14864)

Wie es danach auschaut und warum es überhaupt diese Mängel gibt überlasse ich den Theologen zu deuten.

ayalacw Avatar
ayalacw:#14873

>Lieber hart arbeiten um viel zu verdienen oder hart daran arbeiten mit wenig zufrieden zu sein?
Beides machen. Wenn du Nächstenlüüp bist, dann kannst du das Geld spenden oder in Gutes investieren.

>Wenn man einen Wunsch frei hätte wieso würde man für die Erfüllung eines Wunsches wünschen und nicht dafür, dass man einfach glücklich ist?
Wenn ich mir wünsche, glücklich zu sein, dann wünsche ich mir die Erfüllung eines Wunsches.

>Sein Wohlbefinden nicht von äußeren Umständen abhängig machen klingt attraktiv weil es einem Kontrolle gibt. Aber wie sehr ist das möglich?
So weit wie du kommen wirst, d.h. weit, mittel oder kurz. "Kontrolle" im Sinne: nicht affektiert zu werden von Kappheit, aber frieren.

snowwrite Avatar
snowwrite:#14962

>>14863
Kann dieses Buch als ersten Anhaltspunkt für das Verständnis von Disziplin empfehlen.