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Veröffentlicht am 2016-12-13 17:55:31 in /ph/

/ph/ 14908: Ethik im Nationalsozialismus

mbilalsiddique1 Avatar
mbilalsiddique1:#14908

Du, Bernd, ich weiß nicht recht, welches Brett für mich richtig ist.

Bernd schreibt derzeit eine Hausarbeit. Es geht dabei im groben um Forschungsethik in Medizin und Psychologie. Bernd hat eigentlich alles fertig, nur das Kapitel "Nationalsozialismus" ist unvollständig. Kann /ph/-Bernd mich dahingehend unterstützen? Es gibt da anscheinend recht wenige Quellen. Gab es zu Zeiten des Nationalsozialismus überhaupt konkrete ethische Ansätze? Die Quellen, die Bernd bisher fand (u.a. Bialas, Bruns u.a.) sind da ziemlich unkonkret. Ansonsten kann Bernd aktuell lediglich diese Quelle hier anbieten: http://www.academia.edu/24984503/Politik_versus_Moral._Alfred_Baeumlers_Versuch_einer_philosophischen_Interpretation_des_Nationalsozialismus
Bäumlers Ansicht wird hier so dargestellt, dass Moral und Ethik im Nationalsozialismus keinen Platz haben. Aber das ist eben nur ein Philosoph der NS-Zeit, da waren ja noch andere. Und es gab da doch sicher auch den einen oder anderen philosophischen Disput, oder? Bernd kann sich jedenfalls schwer auf die Aussage eines einzelnen Philosophen beziehen.

Bild relatiert, Kriek als einer der führenden Nazi-Philosophen hat - so wie Bernd das auf die schnelle sieht - auch nichts über Moral und Ethik geschrieben.

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#14909

Versuch doch mal, in Richtung Antisemitismus zu gehen und dort nach den argumentativen Grundlagen zu suchen. Die Quellenlage bzw. Zahl ausgearbeiteter theoretischer Modelle dürfte da vergleichsweise gut sein, und die Argumentationsstrukturen aus diesem Bereich kann man wohl als Blaupause für die allgemeine Sichtweise der Nazis auf ungeliebte Minderheiten sehen.

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#14910

Hallo Bernd, 3 Gedanken.

1. Arnold Gehlen
War als Philosoph im Nationalsozialismus "erfolgreich" und hat der damaligen
Ideologie teilweise mit seinen Ideen zugespielt, evlt. findest du bei ihm etwas.

2. Volksgemeindschaft
Bernd würde jetzt (nach persönlicher Einschätzung) schon sagen dass es im Nationalsozialismus so etwas wie eine
Ethik und Leitlinie gab. Und zwar "was der Volksgemeindschaft schadet ist schlecht",
"was der Volksgemeindschaft nützt ist gut" + "der Zweck heiligt die Mittel".
Das ist auch eine Moral und Ethik auch wenn es eine ist, die heute von den meisten nicht mehr als gut oder toll befunden wird.
Ich wette wenn du so argumentierst findest du einige Quellen, vlt. sogar in den Reden vom Führer oder Göbbels selbst.
Und ich wette es gibt auch viele andere Dokumente die indirekt diese Auffassung der Menschen widerspiegeln, es muss ja nicht immer
ein direktes Werk von einem Philosophen sein normal, außer dein Dozent ist sehr engstirnig.

Evtl. kann man da auch eine parallel zum angelsächsichen Utilitarismus ziehen und sagen, das war der Utilitarismus in seiner radikalsten
und endgültigsten Form.

3. Nietzsche
Man sagt ja manchmal Nietsche war der ideologische Vater der Ideologie des Nationalsozialismus.
Ich weiß nicht ob das im Allgemeinen stimmt, auf jeden Fall fand man bei Nietsche schon die Idee des
Sozialdarwinismus, vlt. ist das für dich hilfreich. Wobei Sozialdarwinismus als Konzept ist vermutlich noch älter.

edobene Avatar
edobene:#14912

Hier wird dir geholfen werden.
Rudolf Sponsel, Psychologe in Erlangen. Eine sehr informative Seite.

http://www.sgipt.org/politpsy/wehrpsy0.htm

http://www.sgipt.org/gipt/diffpsy/vttyp/typ_vt0.htm


>>14909
Guter Tip, Judenmimimi, basierend auf Parolen, ist immer eine Erfolgsstrategie beim Abi!

marcusgorillius Avatar
marcusgorillius:#14913

>>14912
Flik, G. (1988). Zur Geschichte der Wehrmachtspsychologie 1934-1943. Auf bau der Bundeswehrpsychologie 1951-1966. Untersuchungen des Psychologischen Dienstes der Bundeswehr. 23. Jahrgang. Sonderreihe: Zur Geschichte der Wehrpsychologie. Bd. 1. Hrsg.: Bundesministerium der Verteidigung - P II 4.
Geuter, U. (1988). Die Professionalisierung der deutschen Psychologie im Nationalsozialismus. Frankfurt: Suhrkamp.
(((Graumann))), C. (1985, Hg.). Psychologie im Nationalsozialismus. Berlin: Springer.
Hofstätter, P. R.; Renthe-Fink von, L.; Gerathewohl, S. & Firtscher, W. (1985). Deutsche Wehrmachtspsychologie. München: Verlag für Wehrwissenschaften.

Inspektion des Personalprüfwesens des Heeres (1941, Hg.). Menschenformen. Volkstümliche Typen. Teil III. Band 1 Die Lehre von der praktischen Menschenkenntnis (Praktische Charakterologie). Berlin: Bernard & Graefe.

Simoneit, Max (1936). Wehr-Ethik. Ein Abriß ihrer Probleme und Grundsätze. Berlin: Bernard & Graefe.

andina Avatar
andina:#14914

>>14910
>3. Nietzsche
Bitte, bitte nicht. Man kann ja viel über Nietzsche sagen, aber dass er ein Vordenker des Faschismus oder Nationalsozialismus war gehört beim besten Willen nicht dazu.
Die Idee des radikal individualistischen, selbstbestimmten Übermenschen und der Kollektivismus dieser beiden Ideologien vertragen sich nicht mal im ersten Ansatz.

Shriiiiimp Avatar
Shriiiiimp:#14915

>>14914
Aber Hegel! Hegel und Platon, die obersten Staatsicherheitsdenker! Die haben angefangen mit dem Totalanspruch des Staates!

i_ganin Avatar
i_ganin:#14916

>>14914
Aber wenn man die selektive Rezeption in Rechnung stellt, passt es schon. Insofern sollte der auf keinen Fall fehlen.

Und Spengler. (Selbes Argument.)

wtrsld Avatar
wtrsld:#14917

>>14916
>>14914
Nö, viel zu allgemein.
Thema---> Forschungsethik in Medizin und Psychologie.

Und ohne Blick zu den damaligen Mitbewerbern im Westen, zb. den Homos kastrierenden Briten, wird das eh nur ein einseitiges Judenepos.

keremk Avatar
keremk:#14922

Für einen imperialen Staat ist nichts widersprüchlich das nützlich ist. So einfach ist das.

(sollte eigentlich für jeden so sein der nicht an Geister glaubt, Grüße, Stirner)

keyuri85 Avatar
keyuri85:#14923

>>14922
Stirner wäre sich für pure Zweckrationalität zu fein gewesen.