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Veröffentlicht am 2017-02-04 10:17:14 in /ph/

/ph/ 14997: Impromptu Die alten Kunstwerke haben sich verbraucht...

anass_hassouni Avatar
anass_hassouni:#14997

Impromptu

Die alten Kunstwerke haben sich verbraucht. Das ist aus Erfahrung bekannt. Goethe liegt am FKK-Strand nackt, wir sahen das. Seine Blöße ist eine historische, d.h. eine zeitliche. Die Dichter der letzten 10.000 Jahre sind im Fortgehen zu komischen Hüten gealtert. Trotzdem können wir lernen aus ihren Gedichten. Uns wurde gesagt, im guten Gedicht gibt es keinen Werkmeister, sondern nur das gute Werk. Goethe lesend tritt vor allem eines zu Tage: Mit der Zeit, Goethe. Freilich sind auch Form und Inhalt der Dichtung uns erhalten geblieben und gut, allein uns fehlt das Verständnis, die Verständigung und das Einverständnis, welche nötig sind, um die eigentliche Wirkweise der Kunstwerke auf und in uns zu vollziehen. Ein Goethe-Gedicht ist Goethe sitzend auf einem Stuhl mit Tinte.

Kunstsinn, der Sinn in der Kunst und im Kunstwerk.
A) Was ist Kunst? Kunst ist der Glanz der Dinge. Damit ist alles Seiende wesentlich Kunst.
B) Was ist das Kunstwerk? Das Kunstwerk ist menschliche Betätigung am Rohstoff, denkend betrachtet, wesentlich menshclich.
A) Was ist der Sinn in der Kunst? Der Sinn der Kunst ist zu sein und damit zwecklos. Nur Wunder und Dasein.
B) Was ist der Sinn des Kunstwerks? Das Kunstwerk ist Kunst und hat damit zum Zweck sich selbst. Es unterscheidet sich nicht von der Kust. Jedoch: Dem Kunstwerk ist der Mensch beidseitig innerlich, schaffend und betrachtend. Wo es sich nicht mehr nur um Kunst handelt, ist ein denkender Mensch anwesend. Das Kunstwerk ist wesentlich plump und grau, weil gedacht.

Das gute Kunstwerk ist dem denkenden Menschen ein Mittel um ins Nicht-Denken einzukehren. Das Nicht-Denken ist der religiöse, ursprünglich namenlose Zustand des in der Welt seins, d.h. als Wunder im Wunder zu wesen. In der kaputtgedachten Welt entsteht durch das Kunstwerk eine Versöhnung, die dem denkenden Menschen das naive Dasein, das er zerdacht hat, andeutet.
Das Kunstwerk führt den Städter aus seiner Heimat zurück in die Natur. Hier erfährt der Reisende die Blumenschönheit der Dichtung. Das gute Kunstwerk lehrt den Städter, die naive Schönheit der Wiesen und Gräser wiederzufinden und in seine Heimat zurückzubringen. Das Meisterwerk lehrt den Städter, die Schönheit der Kalkmauern zu bekennen. Das Kunstwerk ist die Leiter für die Gefallenen, ein Liebesdienst des Menschen am Menschen.

ryanjohnson_me Avatar
ryanjohnson_me:#14998

Okay, aber würdest du deine Knochen spenden?

andina Avatar
andina:#14999

>>14998
Wenn Möglich alles Brauchbare ausschneiden. Den Rest, für die Krabbler, sarglos verscharren. Ein kleines Holzkreuz ist
entbehrlich.

salleedesign Avatar
salleedesign:#15003

>>14997
>Das gute Kunstwerk lehrt den Städter, die naive Schönheit der Wiesen und Gräser wiederzufinden und in seine Heimat zurückzubringen.

Das erinnert mich an eine Geschichte von Berthold Auerbach.

"Die Verlobten gingen miteinander über die Wiese; da raufte Reinhard [Städter] jene Pflanzen aus und zeigte Lorle [Dörflerin] den wundersam zierlichen Bau des Zittergrases und die feinen Verhältnisse der Glockenblume; "das gehört zu dem Schönsten, was man sehen kann, „ schloß er seine lange Erklärung. "Das ist eben Gras," erwiderte Lorle, und Reinhard schrie sie an: "Wie du nur so was Dummes sagen kannst, nachdem ich schon eine Viertelstund’ in dich hineinrede."

iamgarth Avatar
iamgarth:#15004

>>15003
Gute Kunst ist vor allem phallisch! Wegen der Wirkungsmacht!

seanwashington Avatar
seanwashington:#15054

>>15004
Die Pullerbusse von Dresden. Ich seh's schon kommen, Bernd, ahahaha