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Veröffentlicht am 2017-05-11 10:43:24 in /ph/

/ph/ 15121: Was darf Humor?

joynalrab Avatar
joynalrab:#15121

Gibt es Themen über die man sich ironisch nicht lustig machen darf? Wo ist die Grenze zwischen Vertretbar und nicht mehr oke?

shesgared Avatar
shesgared:#15122

Wenn du die Frage nicht stellst, dann darf Humor alles. Das ist der Ruhezustand des Lachens: frei-schwingend im leeren Raum.

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#15123

Die Grenze des Humors ist dann erreicht, wenn's nicht mehr lustig ist. Das ist ja das fiese dran – es gibt keine fixen Regeln, entweder ein Witz funktioniert oder eben nicht.

HenryHoffman Avatar
HenryHoffman:#15127

Was ist schlimmer als ein Apfel mit einem Wurm drin? Der Holocaust.

Hat auf meiner Abi-Feier noch gut funktioniert, danach aber nicht mehr.

mauriolg Avatar
mauriolg:#15129

>>15127
Wenn es um den Holocaust geht, hört aller Spaß auf. Das ist auch gesetzlich geregelt. Wer sich daran nicht hält, kann ins Kittchen abgeführt werden.

polarity Avatar
polarity:#15131

Definition "Kunst": Die Fähigkeit des Menschen, sich eines anderen Menschen Gehör zu verschaffen und ihm gegenüber etwas auszusprechen.

artcalvin Avatar
artcalvin:#15133

>>15131
Das bekomm' ich nicht gemalt.

soyeljuaco Avatar
soyeljuaco:#15134

Kürzlich las ich (bei Kleist, wenn ich mich recht entsinne), dass die Frage der Bestimmung des Daseins, also der Zweck, des Lebens, nach Epikur, im Genuß der Glückseligkeit, nach Leibniz, in der Erreichung der Vollkommenheit, und nach Kant, in der Erfüllung der trocknen Pflicht, von diesen Dreien, Epikur, Leibniz und Kant, durchaus verschieden, beantwortet wurde. Ohne die Genauigkeiten ihrer Theorien zu kennen:
Der wahre Zweck scheint mir sowohl der Genuß der Glückseligkeit als auch die Erreichung der Vollkommenheit sowie die Erfüllung der trocknen Pflicht zu sein.

jpotts18 Avatar
jpotts18:#15137

Jaja, Scheiße bauen und als Entschuldigung sagen das es Kunst/Satire/ItsaPrankBro um es zu rechtfertigen.

sreejithexp Avatar
sreejithexp:#15141

>>15129
kommt auf die intention an

i_ganin Avatar
i_ganin:#15180

>>15121
Ich glaube, dass Humor instrumentell dazu da ist, mit schweren Themen umzugehen. Humor erlaubt es uns, über diese zu sprechen und sie effizient zu verarbeiten.

Aber ich finde soziale Kreise sollten eingreifen, wenn sich jemand in Anwesenheit eines Bernds darüber lustig macht, wie Bernds Mutter gestern gestorben ist.

umurgdk Avatar
umurgdk:#15182

Tatsächlich ist das Gegenstand einer traditionsreichen philosophischen Auseinandersetzung. Wann es ok ist zu lachen und wann nicht, bestimmt das Eutrapelie-Ideal einer Lachkultur. (Da kann man das ausführlicher weiterlesen:
http://gul.echter.de/component/docman/doc_download/1233-27-1954-5-346-353-rahner-0.html )
Ich finde, es gibt keine Themen, über die zu scherzen Tabu ist. Es kommt allerdings viel auf die Auslegung des Scherzes an. Widerwärtige Gesinnungen gehören natürlich geächtet, aber das hat nichts damit zu tun, dass man über bestimmte Themen nicht scherzen darf. Sowas können nur Humoranalphabeten fordern.

danro Avatar
danro:#15183

>>15182
>Widerwärtige Gesinnungen gehören natürlich geächtet,
Na Super und was genau das ist, legt wie üblich Anetta Kahane fest? Oder dürfen sich die Gesinnungspäbste da im Turnus abwechseln? Hatten die alten Griechen nicht mal Versuche in diese Richtung unternommen?

keyuri85 Avatar
keyuri85:#15185

Ein Satz ist ein Gedanke.
Was also der Output ist, wird einzig durch die Intention geformt und zwar so, dass auf die Intention zurückzuschließen ist.

Wenn ich also sage "Haha schuchtel" sagte ich nicht "Lustig, Homosexueller" sondern "Ich lache Dich aus, weinerliche (Kontextvariabel) Person" ferner ist keine Intention zu erkennen, dass ich Homosexuelle diffarmieren wollte.


Eine Grenze gibt es also nicht. Sie wird sich aber von Menschen eingebildet, die versuchen möchten Sprachzensur zu begehen wobei die nicht mal die Intention des Sprechakts nachweislich manipulieren könnte.

t. wisser

arnel_lenteria Avatar
arnel_lenteria:#15187

Das Problem ist wer reguliert was man machen darf. I.d.R. ist das die Sittenpolizei der Momentan anherrschenden Standardmoralität. Dadurch ist Humor auch eine Form der Kritik gegen die herrschende Elite.
Die Idee dass man sich über Vergewohltätigung nicht lustig machen kann ist z.B. kein Naturgesetz sondern rein deshalb entstanden weil Feminismus an Popularität gewonnen hat. Unter anderen Umständen könnte es sich auf der selben Ebene wie andere Verbrechen befinden.
Letzendlich sind solche Themen wie Vergewaltigung oder Pädophile oder Nazis!! oft nur vorgeschobene Gründe damit Kontrolle leichter zu verdauen ist und leichter auf andere Bereiche auszubauen ist.
Also: dürfen sollte man alles. Wenn man gewisse Dinge nicht mehr sagen darf ist das ein Indiz für einen totalitären Staat(wenn auch noch kein Beweis).

roybarberuk Avatar
roybarberuk:#15188

Wenn Leute zusammen leben, gibt es Regeln und Grenzen. In der Regel sollte man sich an die Regeln einer Gesellschaft halten, finde ich; so, wie man, als Gast im Hause des Gastgebers, die Regeln des Hauses, aus Höflichkeit, respektieren sollte. Das erhält den Hausfrieden.

Sicherlich hat Höflichkeit ihre eigene Grenze, die sich, aus den Werten, die ihr übergeordnet sind, zusammensetzt.

Wie auch immer diese Werte geartet sind, die über der Höflichkeit stehen, meiner Meinung nach sollten alle Werte, von ihrer Stoßrichtung her, zum besseren Zusammenleben aller Lebewesen beitragen. Das ist sozusagen der ideale Grundsatz der Werte. Daherkommend sind alle Maßnahmen zu beurteilen, jegliche Werte auf ihren Ursprung hin zurückzuführen.

Das Einschränken der Humorsphäre provoziert die Frage "Warum das Lachbare einschränken?"; spezieller: Was ist das Ziel, das durch die Einschränkung der Lustigkeit erreicht werden soll, und wem soll das Erreichen des Ziels dienlich sein?; außerdem: Wer erträgt die Einschränkung?

"Humor darf alles" ist eine Einstellung, die Empathielosigkeit erfordert.
Die gesetzliche Regulierung der Lachbarkeit hingegen ist unsinniger als Planwirtschaft, da das Soziale komplexer ist als ein Ackerfeld.

Was bleibt ist die Freiheit, über alles Lachen zu können, aber die Selbstbeschränkung, in Verbindung mit der Einfühlung ins Gegenüber, die die Maßlosigkeit begrenzt.

Für mich stellt sich, vor der Belächlung, eine einfache, aber schwerwiegende, Frage: Wieso Humor in dieser konkreten Situation? Ist Humor in dieser Situation glückstiftend, dann ist er zu bejahen. Ist Humor in dieser Situation schmerzstiftend, dann ist er zu verneinen. Die Beantwortung der Frage richtet sich nach den bisherigen Erfahrungswerten; je größer die Informationsdichte, desto freimütiger darf das Derbe vorgebracht werden; je geringer die Informationsdichte, desto vorsichtiger ist, aus Rücksicht aufs Gefühl des Gegenübers, der Witz zu pflegen.

Leben um Freude zu geben yo.

mat_stevens Avatar
mat_stevens:#15218

>>15127
Hahahahaha ... tief Einatmen ... HAHAHAHAHAHA ...

Was ist lustiger als ein totes Baby?
[Spoiler]Ein totes Baby im Clownskostüm[spoiler]

shalt0ni Avatar
shalt0ni:#15233

>>15187
In Teutschland ist es nicht zwingend notwendig dass der Staat totalitär ist, vielmehr ist es die Gesellschaft, die totalitäre Charaktere oder Dynamiken hervorbringt. Wer diese zu lenken versteht, hat große Macht.