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Veröffentlicht am 2018-03-01 11:53:08 in /ph/

/ph/ 15544: Ich halte es für realistisch von heute an aus der ...

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kennyadr:#15544

Ich halte es für realistisch von heute an aus der Sicht der Post-Apokalypse zu philosophieren und zu planen. Der baldige Untergang der Zivilisation, wie wir sie kennen, in den nächsten 200 Jahren, steht schließlich fraglos und unabwendbar bevor.

Das Verhältnis des Menschen zur Welt und zum Menschen muss neu überdacht werden. Die Vernichtung des Lebensraums geht einher mit der Vernichtung des "Denkraums". Die Apokalypse verändert nicht nur die Landschaften, sondern auch den Seins-Bezug des Menschen zum Sein.

Mit dem Ende der Welt, wie wir sie kennen, geht der Verlust der Ideen einher, die aus ihr erwachsen sind. Die Spitzen unserer Gedankengebäude verlieren ihre Fundamente und stürzen zusammen. Die überspitzten Feinheiten der modernen Gesellschaft werden niedergeworfen in den Staub der martialischen Stammesordnungen.

Desto weiter sich die Philosophie vom einfachen Gespräch zwischen Menschen entfernt, desto kürzer wird ihr Einfluss auf die kommende Zeit sein. Die Geste der Philosophie muss die Vermittlung des Komplizierten in einfacher Gewandung sein, die Lehrrede des Meisters an den jungen Padawan. Die Philosophie der Griechen konnte die Zukunft gerade durch ihre Einfalt (die der Griechen, die der Zukunft) befruchten.

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layerssss:#15545

Welchen Einfluss soll den die Philosophie auf die "kommende Zeit" haben?

illyzoren Avatar
illyzoren:#15546

>>15545
Na: sie soll erhellen. Bloß denken die Leute aus heilen Häusern heraus, nicht aus Erdlöchern. Selbst die Griechen, im Absturz ihrer Zivilisation, hatten nur ihren Absturz zum Thema, nicht ihren Wiederaufbau.

marshallchen_ Avatar
marshallchen_:#15558

>>15544
die Welt ( also : die Welt weißer Männer und Frauen ) ist ein sachzwangzentriertes Kontinuum.Knappe Mittel wohin man blickt ; das was wir als Überflussgesellschaft wahrnehmen existiert erst seit ca.70 Jahren - vorher gab es Hunger , nicht beherrschbare Dürren und Pandemien . Das Konzept weißes Europa funktioniert hier in Europa einigermaßen ; die anglo-amerikanische , aufgeblähte ( vulgäre )Kopie funktioniert solange Massenmobilität bezahlbar ist , solange man von einer Scholle zur nächsten Weide ziehen kann . Flächen und Materialverbrauch , Energie und Wassereinsatz reichen einige Jahre um halbwegs stabile Gesellschaften in der Anglosphère abbilden zu können . Wachstum , Konsum und Konsumkrise : irgendwann ist der Markt gesättigt ; entweder werden einmal erschaffene Güter in Kriegen verbraucht oder Marketingexperten müssen neue Märkte entdecken und kultivieren . Prepper werden Preppergemeinschaften bilden ; gated communities ( in der Regel ethnisch homogen ) verheißen Schutz gegen parasitär lebende Personen . Die Polis ( und erweitert ) die Republik werden um den Eigentumsvorbehalt herum konstruiert - dieser Rechtsschutz ist die Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft ; erst sehr viel später können mathematisch organisatorisch anspruchsvolle Konzepte wie Versicherungen folgen - Umverteilung der Mittel nur im Ausnahmefall ( siehe Carl Schmitt , wer definiert unter welchen Voraussetzungen den Ausnahmefall ; Machtfrage ) . Im Zweifelsfall bietet die Familie / der Clan Schutz ( sofern man eine Familie hat ) - wer also die Familie angreift will schutzlose Individuen -also Verlierer der Evolution .

ich glaube nicht , daß eine Mad-Max-ähnliche post-apokalyptische "Gesellschaft" lange funktioniert ( obwohl der Sprit knapp ist fahren alle V8 - na weeste Kino ) . mal angenommen ( bleiben wir beim Bsp. Australien / Mad Max ) die Ausgangslage wäre genau so wie beschrieben : wer wäre dann für eine Polis relevant ? eben

1) Handwerker , Schlosser , Techniker , Wasseraufbereitung wäre ein Thema - er das nicht beherrscht stirbt innerhalb weniger Tage
2) Aufbau + Sicherung einer Polis : eine Re- industrialisierung wäre erforderlich - einfacher level , keine Hochtechnologie

3) von der einfachen Werkstatt bis zur Saturnrakete ....hmm mit dem verfügbaren Wissen und 400 fähigen Leuten : würde sagen : ca. 120 Jahre wenn das System nicht von äußeren Kräften gestört wird