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Veröffentlicht am 2015-10-22 14:53:49 in /prog/

/prog/ 7963: Bernd, würdest du das Informatikstudium an der Uni...

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alagoon:#7963

Bernd, würdest du das Informatikstudium an der Uni oder FH bevorzugen? Warum?

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madhan4uu:#7964

>>7963
Als jemand, der sowohl unaniert als auch seine Ausbildung hat und Freunde auf FHs hat: FH.

Auf vielen Unis macht man alles formal, auch, wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt; z.B. Softwareengineering. Viele Sachen sind dort nur Kreisgewichse und das gilt auch für die aktuelle Forschung...

Das gilt selbst dann, wenn der Studiengang explizit keine theoretische Informatik ist, wo Bernd es ja noch verstehen würde.

Dann gibt es noch diese Vorlesungen, wo man zumindest in vielen Fällen besser zu einem guten Buch greift und selber macht, z.B. Compilerbau oder viele Dinge mit Netzwerken.

FH ist mehr so eine Art Ausbildung von Dozenten die tatsächlich Kompetent sind, aber es steht einem auch nichts im Weg, wenn man sich über die theoretischen Hintergründe weiterbilden möchte.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Bernd die Unis viel gammeliger und die FHs viel besser ausgestattet vorkommen, sowohl, was Material als auch Personal angeht.

Nun muss man dazu sagen, dass Bernd kein Forschergeist ist und woanders das Gras immer grüner ist.

Falls es jetzt darum geht, zwischen einem FHler oder einem Unimenschen bei Bewerbungen zu entscheiden: Von beiden hat Bernd recht gute und absolut grottige Softwareentwickler gesehen.

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greenbes:#7966

Bernd studiert an einer Uni und ist im Nachhinein froh darüber. Eigentlich findet Bernd, dass sich am Studium gerade die Sachen lohnen, von denen er es vorher am wenigsten erwartet hätte. Vor dem Studium dachte Bernd z.B.: Ach, dieser Matheanteil da ist doch eh nur da, um das Studium aufzublähen und die Studenten zu quälen, das bringt man irgendwie hinter sich und braucht es dann nie wieder. Aber das Gegenteil ist der Fall - gerade die ganze Mathematik und Theorie findet Bernd nun das lohnenswerte am Studium.

Und das, obwohl Bernd eigentlich eher praktisch veranlagt ist. Aber Bernd hat vor dem Studium schon unzählige Jahre programmiert und sich die ganze Praxis selbst beigebracht. Im Vergleich dazu kann man sagen, dass alles "praxisrelevante" an der Uni eh ziemlich für den Arsch ist, und an einer FH wird es auch nicht wesentlich besser sein. Selbst wenn man es nicht schon vorher kann, kann man es sich jederzeit selbst leicht beibringen. Das gilt für Mathematik und theoretische Informatik eher nicht - selbst wenn man es vielleicht könnte, fehlt einem da in der Praxis der Biss, um sich damit zu beschäftigen, wenn man es nicht muss. Es lohnt sich aber, weil es das Denken nachhaltig verändert, und einem so tatsächlich hilft, bessere Programme zu schreiben, was Bernd vorher selber nicht geglaubt hätte. Mathematik kann eine wunderbare Inspirationsquelle sein.

zl,ng: Uni. Praxis hast du später so oder so genug und dafür muss man überhaupt nicht studieren.

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jonesdigidesign:#7969

Ich persönlich bevorzuge die Uni, aber mal ehrlich: Kommt drauf an, wo du bist und wie Uni und FH bei dir aussehen.

Je nachdem, wie frei man seine Fächer an seine Interessen anpassen kann, kann die Uni ziemlich geil oder "meh diese Partikularinformation interessiert mich nicht" sein.

Je nachdem, wie gut die Dozenten sind - spielt ja leider immer 'ne Rolle, ob man nun will oder nicht - macht die ganze Sache auch Spaß oder ganz im Gegenteil.

Expertenempfehlung: Einfach mal diverse Vorlesungen einfach so besuchen und Dozentenstil begutachten, andere Studenten fragen wie die so sind, usw.

Vom Wissen her kann ich mir natürlich auch bei behinderten Dozenten alles selbst beschaffen, aber wenn ich verpflichtend Hausaufgaben bei dem machen muss - manche Dozenten benutzen das ganz gezielt, um Arbeit ihrer Abteilung an Studenten abzugeben oder benutzen Studenten als Testvieh - ist das schon scheiße. Gerade, wenn man dann am Ende eine 4.0 dafür bekommt, obwohl man eigentlich gut ist, in der mündlichen Prüfung aber nur drei dumme Randsachen abgefragt worden sind.

War jetzt persönliches Mett, aber du verstehst. Erstmal abtasten.

lisovsky Avatar
lisovsky:#7970

Bernd hier war für den Bachelor auf Uni und FH (und geht für den Master wieder an eine Uni). Magst du Theorie, willst vielleicht in die Forschung und dir ist die Lehre eh nicht sonderlich wichtig? Hast du lieber ein fundiertes theoretisches Fundament? Uni. Lehre ist dir wichtig, du willst mit den Profs auch mal gut reden können? FH (Verwaltung war hier auch viel besser, aber das ist vielleicht Zufall).

Praxisrelevant ist beides. An der FH besteht Mathe aber leider aus rechnen. Beweisen ist bestes Mathe, und wenn du das nicht kannst, wird Bernd es schwierig in theoretischen Schwerpunkten haben, oder sogar bei Themen wie künstlicher Intelligenz seine Schwierigkeiten haben. Theorie ist auch nicht so mathematisch-formal wie es eigentlich auch in der Forschung üblich ist. Zu angewandter Informatik gibt es bei beiden gleichermaßen Forschung, und auch die Lehre finde ich sehr gleich. Technische Informatik kommt sicherlich auf die Hochschule an. Hatte an der FH z.B. physikalische Grundlagen, während wir an der Uni CMOS auf Papier entworfen haben, und Schaltungen auf Papier minimiert haben (Quine-McClusky usw :3), liegt aber vielleicht daran dass die FH eigentlich eine Technische Hochschule ist.

Schau lieber nicht auf FH/Uni per se, sondern auf die Lehrstühle, angebotenen Wahlpflichtmodule, generelles Curriculum, und vor allem Schwerpunkte und Module die Bernd interessieren.

ZL;NG: Kommt drauf an. Mit Uni hast du aber mehr Auswahl später und kommst z.B. leichter in die Forschung, wobei das heutzutage auch locker über die FH geht.

mat_stevens Avatar
mat_stevens:#7971

>>7970
>(Verwaltung war hier auch viel besser, aber das ist vielleicht Zufall)

Ich bin ziemlich sicher, dass hier ein Muster existiert.

adewaleolaore Avatar
adewaleolaore:#7972

>Schau lieber nicht auf FH/Uni per se, sondern auf die Lehrstühle, angebotenen Wahlpflichtmodule, generelles Curriculum, und vor allem Schwerpunkte und Module die Bernd interessieren.

Dies.

>Im Vergleich dazu kann man sagen, dass alles "praxisrelevante" an der Uni eh ziemlich für den Arsch ist, und an einer FH wird es auch nicht wesentlich besser sein.

Naja doch, eigentlich ist es an der FH schon wesentlich besser was die Praxiserfahrung angeht. Das würde Bernd auch als Grundsatzüberlegung anführen. Wenn du in die Forschung oder Lehre möchtest geh an die Uni, andernfalls ist die FH der richtige Ort für dich. Was auch helfen kann sind Hochschulrankings und das erfragen wie die Möglichkeiten zum Wechsel aussehen.

FH Bernd hatte nach seinem Bachelor die Möglichkeit an den Masterstudiengang in seiner Vertiefungsrichtung zu wechseln. Promotion stand Bernd auch an der FH offen, durch eine Kooperation mit anderen Universitäten. Um der eigenen Aussage also auch gleich wieder zu widersprechen kannst du auch über die FH in der Lehre oder Forschung landen oder über die Uni in der Praxis. Es kommt wirklich auf den konkreten Studiengang und noch mehr auf die Lehrstühle an. Gute motivierte Professoren in dem Bereich der dich interessiert sind das A und O.

In Bernds Situation wäre das Bachelorstudium an der FH gefolgt von dem Master an der Uni eine verlockende Option gewesen. Dank der vorher eingeschlagenen Vertiefung hätte Bernd auch keine Kurse nachmachen müssen um genommen zu werden. Die Idee dahinter ist, im Bachelor eine generelle praktische Verbindung zur Thematik aufzubauen und die Theoretische Spezialisierung auf den Master zu verschieben. Schwierig aber nicht unmöglich, zwei von Bernds ehemaligen Komilitonen haben diesen Weg genommen.

Bernd ist stattdessen nach dem Bachelor mit Vertiefung technischer Informatik an der FH in den E-Technik Master (auch FH) gewechselt, um den zweiten Blickwinkel auf sein Fachgebiet zu erlangen. Bernd hatte zwar schon 2 volle Semester im Informatik Master, hatte aber das Gefühl nichts neues mehr zu lernen. Promotion in Informatik wäre auch möglich gewesen, hat Bernd allerdings doch durch die hohe Zahl an verlangter Veröffentlichungen und die generelle pay to publish Mentalität abgeschreckt. Außerdem wollte Bernd auch nicht in die Lehre oder Forschung, da wäre das ganze in seinen Augen etwas unnötig gewesen.

Man kann viel zu dem Thema schreiben, wichtig ist am Ende, dass du dich für das interessieren kannst was du studierst und dafür die richtige Fakultät auswählst.