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Veröffentlicht am 2016-04-14 07:39:10 in /prog/

/prog/ 8632: Fähigkeitsnachweise von Nöten!?

grantrobinson Avatar
grantrobinson:#8632

Lieber Bernd,

Da mich mein nicht-Informatiker-Studium nicht genug auslastet, lerne ich gerade, aus Spaß an der Freude, allerlei Programmiererei. Bis jetzt habe ich verschiedene Sachen zu HTML, CSS, PHP, aber auch Java und C gemacht, wobei letzteres wirklich nur oberflächlich. Worauf ich eigentlich hinaus will ist aber etwas anderes:

Wenn ich jetzt irgendwann wirklich ziemlich gut einen Bereich durch privates Lernen gemeistert hätte, könnte ich mich dann auf irgendeine Stelle damit bewerben oder ist eine Form von Anerkennung der Fähigkeiten notwendig?

Hintergrund: Vor einigen Jahren hatte ich einen Freund, der Informatik studierte und das dann aber abbrach und als Web-irgendwas sich einen Job suchte und wohl noch heute davon lebt (so viel ich hörte). Einen Abschluss (außer Abitur) hatte er aber nicht. Naja, ich wäre jedenfalls dankbar, falls mir da jemand was genaueres zu sagen könnte. :3

Anbei: Kadsis

oanacr Avatar
oanacr:#8633

>>8632
Bernd, das hängt von zu vielen Faktoren ab, ob das klappt.

cat_audi Avatar
cat_audi:#8634

Könnte ich mich denn irgendwo zertifizieren lassen? Wenn ich beispielsweise super toll Spanisch kann, ohne je Spanisch in der Schule oder in einem Kurs gemacht zu haben, kann ich mir das ja auch beispielsweise im Sprachzentrum der Uni zertifizieren lassen. Ich mache dann da einen sehr umfangreichen Test und dann werde ich A1/A2/B1/B2/C1/C2 etc. eingestuft.

Ich meine, sehr viele Informatiker sind doch, so weit ich weiß, Autodidakten. Oder haben hier alle erst eine Fachinformatikerausbildung gemacht und dann ggf. noch Informatik studiert ... !?

kurafire Avatar
kurafire:#8635

Wenn du noch Student bist, könntest du nach Werkstudentenstellen suchen, bei denen der Arbeitgeber damit oke ist, wenn du kein reiner Informatiker bist und noch lernst. Alternativ Praktikum. Nach Bernds Beobachtung wird die IT-Branche immer offener für Quereinsteiger, da man versteht, dass es eher auf tatsächliche Fähigkeiten als auf Abschlüsse auf Papier ankommt. Es ist ohne einen solchen Abschluss nur halt schwieriger, irgendwo den Einstieg zu finden, weswegen es sicherlich nicht verkehrt ist, "ganz unten" als Werkstudent oder Praktikant anzufangen. Zertifikate gibt es und die können sicherlich auch helfen, da kenne ich mich allerdings nicht so gut aus.

BrianPurkiss Avatar
BrianPurkiss:#8636

Zertifikate sind größtenteils quatsch. Wichtiger ist eigentlich die Erfahrung bzw in welchen Projekten du bisher gearbeitet hast.
Das sollte natürlich schon etwas offizielles sein, allein daheim "Hello World" programmieren zählt nicht.

Kurse/Übungen/Praktika an der Uni sind sicherlich schonmal ein Anfang. Besser wäre irgendein privates Projekt das man vorzeigen kann, contributor für ein open source Projekt macht sich da z.B. super.
Ansonsten kannst du dich wie erwähnt als Werkstudent bewerben, da wird natürlich auch nicht soviel Erfahrung erwartet.

zacsnider Avatar
zacsnider:#8637

Danke für die Antworten so weit.

Wie ich schon erwähnt habe, studiere ich etwas völlig fachfremdes (MA Geschichte). Wie ich dabei noch eine Werksstudentenstelle ableisten soll und vor allem, ob mich als Geisteswissenschaftler da jemand nimmt, ist natürlich eine gute Frage. :3

Auch wenn es Geld kostet und irgendwie ziemlich behindert ist, habe ich schon überlegt, ob ein VHS oder wohl eher Fernhochschulenkurs/-studium eine gute Idee wäre. Was sagt ihr denn dazu?

Wie ich an eine Stelle kommen soll, ohne den geringsten Fähigkeitsnachweis ist mir schleierhaft. Ich hatte ja erwähnt, dass ein früherer Freund von mir auch irgendwie an eine Stelle gekommen ist. Er meinte, dass er sich beworben hätte, dann hätte man ihn einfach an einen rechner gesetzt, ihm eine Aufgabe gestellt und er hätte sie dann recht flott gelöst und die Stelle dann bekommen. Aber das scheint ja nun nicht Gang und Gäbe zu sein. :3

bluesix Avatar
bluesix:#8648

>>8637
>Wie ich an eine Stelle kommen soll, ohne den geringsten Fähigkeitsnachweis ist mir schleierhaft

Dein Fähigkeitsnachweis ist ein Elfenjunge zu den Projekten die du bisher umgesetzt hast. Also Verweise auf deine (Beiträge zu) Repositories auf Github, Bitbucket, selbstgehostetes usw., Webseiten, die du gebastelt hast etc.
Auf diese Weise kann sich dein zukünftiger Arbeitgeber einen Eindruck von der Kwalität deiner Arbeit allgemein und deines Kots im besonderen verschaffen.

rangafangs Avatar
rangafangs:#8696

>>8637
>Wie ich schon erwähnt habe, studiere ich etwas völlig fachfremdes (MA Geschichte).
Wozu. Bist du so gut (vernetzt), dass sich künftige Arbeitgeber um dich reißen werden?

Du erweckst nicht gerade den Eindruck.

to_soham Avatar
to_soham:#8713

>>8696
Nee, ich studiere halt was geisteswissenschaftliches. Da die Arbeitschancen da jetzt nicht so prall sind und ich gleichzeitig recht interessiert am Themenkomplex Informatik bin, dachte ich mir, dass mglw. sich daraus was machen ließe. Daher frage ich ja hier danach, in wie fern irgendwelche Abschlüsse von Nöten sind, oder ob man bei einem halbwegs gut laufenden Vorstellungstermin irgendwann einfach mal eine Programmieraufgabe bekommt und sich ein potentieller Arbeitgeber einfach anschaut, was man da macht. Was weiß ich denn? Ich bin Bernd und frage halt doof. :3

m_kalibry Avatar
m_kalibry:#8714

>>8713
>Daher frage ich ja hier danach, in wie fern irgendwelche Abschlüsse von Nöten sind
Eigentlich schon. Bei allen größeren Firmen wirst du ohne einen Abschluss oder vorherige herausragende Berufserfahrung schon in der ersten Runde weggeworfen. Aber mit genügend Vitamin-B ist alles möglich.

>oder ob man bei einem halbwegs gut laufenden Vorstellungstermin irgendwann einfach mal eine Programmieraufgabe bekommt
Komm erst mal bis ins Vorstellungsgespräch

Werksstudentenstelle könnten aber vielleicht was werden und ist deine beste Chance in den Bereich rein zukommen. Sowas wie "Zertifikate" o.ä. für das beherrschen einer Sprache gibt es nicht.

Säge weil ich eigentlich lernen sollte und der Faden eher auf /fb/ gehört

joynalrab Avatar
joynalrab:#8715

Wenn du jetzt schon im Master bist, dann hast du neben des Studiums ja kaum noch zwei Jahre Zeit. Wenn du bis zum Abschluss halbwegs solide Grundkenntnisse in einer Programmiersprache und ein paar Frameworks gelernt hast, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass du zumindest erstmal ein Praktikum im IT-Bereich machen kannst.

Vielleicht ist es ja auch sinnvoll, Inhalte zu generieren. Leg dir ein GitHub-Konto an und lad deinen Quellcode hoch. Kann ja sein, dass du irgendwelche Code Katas machst oder erste Schritte in Framework X oder Programmiersprache Y wagst. Oder einfach nur Quellcodebeispiel aus irgendwelchen Konferenzvorträgen von DuRöhre zum Laufen gebracht hast. Über GitHub Pages kannst du auch statische Webseiten hochladen; wiederum gut geeignet um Inhalte in Form eines Blogs anschnur zu stellen. Da könnte man dann zum Beispiel zusammenfassen, was man beim Programmieren gelernt hat.

10.000 Stunden (etwa fünf Jahre Vollzeit) solltest du schon investieren, um halbwegs gut zu werden. Dann fällt es auch leichter sich zu orientieren. Natürlich kannst du einen Teil der Stunden auch gleich in einem Unternehmen sitzen. So ein Fachinformatiker wird in seiner dreijährigen Ausbildung wohl kaum 5.000 Stunden programmiert haben. Bei Informatikstudenten im Bachelor schätzt Bernd die investierte Programmierzeit auf 500 bis 2.000 Stunden ein, je nachdem wo die Uni da den Fokus legt (man korrigiere mich, wenn ich total falsch liege). Bernd hat mittlerweile über 30.000 Stunden Programmiererfahrung, lernt aber immer noch viel Neues dazu; und natürlich kann man auch 30 Jahre programmiert haben, aber weniger können als ein Student frisch von der Uni. Also, immer am Ball bleiben.

jonesdigidesign Avatar
jonesdigidesign:#8718

>>8715
>Bei Informatikstudenten im Bachelor schätzt Bernd die investierte Programmierzeit auf 500 bis 2.000 Stunden ein, je nachdem wo die Uni da den Fokus legt (man korrigiere mich, wenn ich total falsch liege).
Nö, wesentlich geringer. Unis geben i.d.R. 0 Ficks, das ist alles dein persönliches Problem. Viele Klausuren wie z.B. Algorithmen und Datenstrukturen kommen mit Pseudokot aus (weil da eher das mathematische im Vordergrund steht).
Klar musst du in ein paar Modulen irgendwelche SQL-statements hinklatschen oder ab und zu mal ein kleines Programm machen, aber mehr auch nicht. Würde sagen am Ende vom 1. Semester (wo es tatsächlich mal ein Programmieren in C Modul gab/gibt) kann man am Ende halt die Basics, hat sicher aber immer noch nicht mit GUIs, sockets, und anderen schönen Sachen beschäftigt. Ich mache zwar meinen B.Sc. "nur" an einer FH, aber da schauts auch nicht recht viel anders aus. Das Meiste ist halt reine Theorie.

trueblood_33 Avatar
trueblood_33:#8720

>>8718
>>8718
> hat sicher
*hat sich
selbstsäge

michaelkoper Avatar
michaelkoper:#8723

Das tolle am Programmieren ist das es jeder mit PC und Internet lernen kann, ein formaler Abschluss ist nicht notwendig und sagt auch überhaupt nix über deine Fähigkeiten aus (du kannst deinen Master in Informatik machen ohne je etwas zu kodiert haben).
Ein Studium ist sowieso größtenteils Theoretisch, im besten fall werden ein paar Zeilen Java hackiert, das wars.
Das Beste was man machen kann ist einfach loszulegen und sich Programme zu schreiben die einem bei irgendwas helfen. Bernd hat mit der Programmiererei angefangen weil er automatisiert Videos von YouTube laden wollte, es sowas aber damals nicht nicht gab so wie er es benötigte. Die motivation war als nicht Programmieren zu lernen sondern ein Problem zu lösen. Er da merkte Bernd das es eigentlich ziemlich viel Spaß macht. Jetzt verdiene Bernd damit ziemlich gutes Geld.
Aus Erfahrung kann ich dir somit sagen das die Bewerber mit den meisten/tollsten Zertifikaten eher nieten sind. Ein guter Bewerber hat einen aktives GitHub Konto wo Bernd sich sofort einen überblick über die Code Qualität verschaffen kann.
Das selbe würde ich dir auch raten: Stell alles was du machst auf GitHub und versuche zu anderen Projekten zu kontribuieren. Idealerweise hast du vlt. auch einen Blog in dem du etwas über deine Projekte schreibst.

Verlinke das alles in deiner Bewerbung und wenn du nicht ein totaler Versager bist solltest du auch einen Job bekommen.

mylesb Avatar
mylesb:#8736

>>8723
>ein formaler Abschluss ist nicht notwendig

Willkommen in Deutschland. Du wirst dich wundern, wie viel Wert hier (und in Skandinavien) doch auf formale Abschlüsse (institutionalisiertes Kulturkapital) gelegt wird. Manche IT-Unternehmen bilden da aber die Ausnahme, wiederrum setzen andere die Abschlüsse einfach voraus. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zum anglo- und amerikanischen Raum (UK, USA).

Das hast schon recht, dass man Programmieren tatsächlich aus Eigeninitiative lernen kann; die Stellenausschreibungen, die Bernd sich angeguckt hat, sprechen von was anderem. Hier werden (Fach-)Hochschulabschlüsse (meistens Informatik, Mathematik, Physik, Elektrotechnik) oder eine Ausbildung (zum Beispiel Fachinformatiker) vorausgesetzt. Die jungen IT-Unternehmen kennen ihre Pappenheimer auch gut, und behandeln Uniabschlüsse und Ausbildung gleichwertig.

>Aus Erfahrung kann ich dir somit sagen das die Bewerber mit den meisten/tollsten Zertifikaten eher nieten sind.

Das stimmt.

>Ein guter Bewerber hat einen aktives GitHub Konto wo Bernd sich sofort einen überblick über die Code Qualität verschaffen kann.

Nicht jeder Personaler weiß, was ein GitHub ist. Die wenigsten Unternehmen kontributieren auf soziale Offene-Quelle-Platformen (das berühmte "behind the corporate firewall", wo sich der Quellcode hinter versteckt). Nicht jeder Programmierer hat die Zeit und die Möglichkeit auf GitHub Quellcode hinzuladieren. Bernd ist "Projektmanager" eines GitHub-Projektes mit über 1000 Stars (davon gibt es aber auch relativ viele). Jeden Monat bekommt er zwei Anfragen von irgendwelche Headhuntern, die man allesamt in die Tonne werfen kann.

>Das selbe würde ich dir auch raten: Stell alles was du machst auf GitHub und versuche zu anderen Projekten zu kontribuieren. Idealerweise hast du vlt. auch einen Blog in dem du etwas über deine Projekte schreibst.

Obwohl ich hier vielleicht den anderen Eindruck erweckt habe, ich stimme dem voll und ganz zu. OP sollte auf GitHub Quellcode und Blogpfosten hochstelle. Der Lern- und Netzwerkeffekt den man dadurch erzielt, ist einfach zu hoch, als dass man ihn ignorieren zu können.

mattsapii Avatar
mattsapii:#8739

Bewerbe dich doch einfach auf einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker. Da erhöhen autodidaktische Vorkenntnisse deine Chancen auf eine Stelle erheblich, und du verdienst ja auch dort schon ab dem ersten Lehrjahr etwas Geld.

exevil Avatar
exevil:#8741

Ich würde eigentlich sagen, dass es dich für die richtigen Arbeitgeber ziemlich interessant machen sollte, wenn du neben einem geisteswissenschaftlichen Abschluss noch programmieren kannst. Das sind dann nämlich Qualifikationen, die in dieser Kombination kaum jemand hat.

Wenn es an deiner Uni eine Informatik gibt, kannst du dort mal die Programmier-Einführungsvorlesung machen und die dann in dein Zeugnis eintragen lassen. Musst du dich halt mal genau erkundigen, wie das an deiner Uni läuft, aber grundsätzlich sollte es möglich sein das als Fachfremder zu hören, die Prüfung mitzuschreiben und das dann im Zeugnis stehen zu haben. Jenachdem, wie viel Zeit du noch im Studium verbringst, kannst du danach noch weitere Sachen machen oder auch nicht. Da ist es natürlich auch sinnvoll mal die Info-Fachschaft zu fragen, welche Vorlesungen sinnvoll sind, denn du willst ja erstmal das Wald-und-Wiesen-Programmiererzeug und nicht irgendwelchen Spezialkram.

Eine Programmiervorlesung hätte auch den Vorteil, dass du viele Konzepte lernst die wichtig sind, die man sich zum Spaß aber eher nicht beibringt, weil man den Sinn dahinter nicht sieht und viele Programmiertutorials eher praktisch ausgerichtet sind. Auch sind meiner Erfahrung nach autodidakte Programmierer zwar sehr gut darin, irgendwelche Sachen zu verwirklichen, aber sie tun das oft mit hässlichem Code und Lösungen, die eigentlich mehr Ärger machen als sie Nutzen bringen (schlecht lesbarer Code, uneffizient, schlecht erweiterbar, ...). Zwar gibt es immer mal wieder Leute, die instinktiv alles richtig machen, aber die meisten tun das doch eher nicht. Und du hast dann in einer Sprache recht viel gelernt, anstatt nur in viele Sprachen reinzugucken. Denn es bringt dir ja nicht viel, wenn du in jeder Sprache weißt, wie ne Schleife aussieht, wenn du dafür weder mit Objekten noch Pointern noch sonstigen wichtigen Features der jeweiligen Sprache umgehen kannst.

Du kannst auch z.B. deinen Geschichte-Master in die Länge ziehen, und in der Zeit halt Informatik hören. Das kann Kindergeld-technisch oder Ähnliches besser sein, als danach noch ein Studium draufzusetzen. Hätte auf jeden Fall den Vorteil gegen über einem Fernstudium, das du nur hörst, was du wissen willst und dir die eher gurkigen Einführungsveranstaltungen von unwichtigem Zeug sparen kannst. Das du es durch ein Studium schaffst, hast du ja schon in Geschichte bewiesen, da brauchst du dann nicht "Technische Informatik I+II".