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Veröffentlicht am 2016-10-20 20:01:26 in /prog/

/prog/ 9328: Bernd, so angenommen ich schreibe Kot in python und wer...

scottgallant Avatar
scottgallant:#9328

Bernd, so angenommen ich schreibe Kot in python und werde eine unter MIT Lizenz stehende Bibliothek verwenden. Ich mache Kommerz, verkaufe den Scheiß und werde reich. Das darf ich ja.

Was ist, wenn ich eine GPL Bibliothek verwenden werde? Ich kann ja den Scheiß auch verkaufen, die python Kot ist ja interpretiert, so sind ja die offenen Quellen gewährleistet, oder? Werde ich auch reich, oder kommt Stalljunge und vergreift sich an meiner Kohle?

ajaxy_ru Avatar
ajaxy_ru:#9332

>Ich kann ja den Scheiß auch verkaufen, die python Kot ist ja interpretiert, so sind ja die offenen Quellen gewährleistet

Ja, es muss irgendwie zumutbar sein, an diese Quellcode heranzukommen. Auch musst du wahrscheinlich spätestens erst auf Anfrage den Quellcode aushändigen, oder so.

Softwarelizenzen, da blickt da keinen durch. Bernd hat sich mal stundenlang mit einer Lizenz beschäftigt und konnte danach immer noch nicht die eingangs formulierten Fragen vernünftig beantworten. Es ist schlimm und schwierig.

andychipster Avatar
andychipster:#9333

>>9332
Das muss doch nur für den Typen, dem ich es verkaufe, um reich zu werden, zugänglich sein? Wenn er es später als Service, sprich, der Scheiß läuft nur bei ihn, das ist doch keine Sache des Stalljungen und seiner Apostel?

melvindidit Avatar
melvindidit:#9336

>>9333
>Das muss doch nur für den Typen, dem ich es verkaufe, um reich zu werden, zugänglich sein?

Jedem auf Anfrage, sonst kommt die GPL-Polizei. Deine Software ist dadurch übrigens in den meisten Fällen automatisch unter der GPL-Lizenz, weil diese ja viral ist. Jedenfalls so wie Bernd das verstanden hat; man kann auch täuschen. Bernd ist kein Jurist.

agromov Avatar
agromov:#9338

>>9328
Du musst doch aber nur die Soßen der GPL Geschichten aushändigen (vielleicht noch den Teild er dagegen linkt)

csswizardry Avatar
csswizardry:#9339

>>9333
Alles save, der CopyLeft-Krebs greift erst, wenn ihr es verteilt.

nicoleglynn Avatar
nicoleglynn:#9340

Lass einfach die Finger von der GPL. Es ist einfach nicht die Mühe wert, diese Scheißlizenz zu verstehen.

1markiz Avatar
1markiz:#9341

Verkaufen in der Firma ohne Scham GPL und anderen Lizenzkram weiter. In der Industrie ist es Standard, keiner kehrt. Open Source Lizenzen sind nur von irgendwelchen Hipstern gemacht, 2 ganz verschiedene Kreise. Sieh dir mal die Lizenzen an die in so einem Auto stecken oder so. Glaubst du VW würde den Kot rausgeben? lerl.

safrankov Avatar
safrankov:#9342

>>9341
Du musst die eigene Weichware nicht offenlegen, wenn du eine GPL-Bibliothek verwendest. Du musst nur den GPL-Kot bzw. eigene Modifizierungen davon ausliefern.
In meinem Daimler-Handbuch ist eine ganze Liste von OpenSource-Weichware, die dort verwendet wird, und eine Web-Adresse wo man sich den Kot besorgen kann.

Vergleiche: http://www.theregister.co.uk/2016/03/30/bmw_complies_with_gpl/
Da hat jemand irgendwelche BMW-Leute angeschrieben und den Quellkot angefordert. Die waren erstmal überfordert und haben nichts rausgerückt. Das ging dann durch die Medien, hat dadurch die richtigen Leute bei BMW erreicht und sie haben ihm den Kot geschickt.
>The vehicle software itself is not provided only the source code of used OSS.

meisso_jarno Avatar
meisso_jarno:#9343

>Du musst die eigene Weichware nicht offenlegen, wenn du eine GPL-Bibliothek verwendest.
Falsch. (Wie dumm kann man eigentlich sein? Das ist eine der Kernaussagen der GPL.)

Jungs, wenn ihr so dermaßen keine Ahnung von der GPL habt, dann lasst einfach die Finger davon. Und >>9341 wünsche ich RA Schlomo Schekelstein an den Hals.

shoaib253 Avatar
shoaib253:#9344

>>9343
Leider hast du als Hipster kein Geld um die ganze Industrie zu verklagen. Wenn man kein GPL benutzen würde wären wir heutzutage noch bei 2006 vom Entwicklungsstand der Software.

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#9345

>>9343
Noch ein Spaßfakt: Wenn man merkt dass es doof wäre seinen Kot zu verkaufen, wird er für den entsprechenden Kunden so reduziert und kaputt gemacht das es einfach nur noch läuft, aber eigentlich nicht für weiteres zu gebrauchen ist. Soll er den Kot doch irgendwo hochladen, bringt niemandem was außer zerstörtes Vertrauen.

trickyolddog Avatar
trickyolddog:#9346

>>9344
Protipp: In dem Beispiel von >>9342 verhält sich BMW GPL-konform. Du hast die Lizenz einfach nicht verstanden.

souperphly Avatar
souperphly:#9347

Es scheint mir als würde so mancher nicht den Unterschied zwischen GPL und LGPL kennen.

ayalacw Avatar
ayalacw:#9349

>>9343
Hier der Blog von dem Typen, der damals den Quellkot angefordert und bekommen hat:
https://shkspr.mobi/blog/2016/03/bmw-are-complying-with-the-gpl/
>BMW *are* complying with the GPL

madhan4uu Avatar
madhan4uu:#9350

>>9349
Und was willst du mir (>>9343) damit sagen? Dass BMW (höchstwahrscheinlich, nachprüfen kann man es ja nicht) sich GPL-konform verhält, hab ich ja bereits in >>9346 geschrieben.

i3tef Avatar
i3tef:#9351

>>9350
Du sagtest:
>>Du musst die eigene Weichware nicht offenlegen, wenn du eine GPL-Bibliothek verwendest.
>Falsch. (Wie dumm kann man eigentlich sein? Das ist eine der Kernaussagen der GPL.)
Genau das macht BMW hier aber. Der verwendete GPL-Code wird offengelegt. Der eigene (selbst geschriebene) Code aber nicht.

vikashpathak18 Avatar
vikashpathak18:#9352

>>9351
Und wer sagt, dass BMWs eigener Code gegen eine GPL-Bibliothek gelinkt ist? Wie gesagt, nachprüfen kann man es natürlich nicht, aber Bernd glaubt ihnen jetzt einfach mal.

Hier ist die GPL in einer Nussschale: Programm X steht unter GPL. Ich erstelle nun ein sogenanntes "derivative work" dieses Programmes. Ein "derivative work" entsteht z.B. durch:
- Modifikation von X
- Übernahme von X oder eines Teils davon in mein eigenes Programm
- Linken meines eigenen Programmes gegen X (egal ob statisch oder dynamisch)
- import X in Python
- include("X") in klassifizierte Information
Die GPL von X erzwingt nun, dass das gesamte "derivative work" wieder unter GPL gestellt wird. Dies ist die vielzitierte "virale" Eigenschaft der GPL.

Höchstwahrscheinlich hat BMW in ihrem Entertainment-System eine normale GNU/Linux-Distribution laufen und führt darauf ihre eigenen Executables aus. Diese Executables müssen nicht unter GPL stehen, solange sie a) nicht gegen eine GPL-Bibliothek gelinkt sind und b) mit Linux nur über Systemaufrufe kommunizieren. Letzteres steht explizit ganz oben in der COPYING von Linux.

Weiter ist die Software von BMW sicher gegen irgend eine libc gelinkt. Wenn BMW alles korrekt gemacht hat, dann haben sie eine libc gewählt, die NICHT unter der GPL steht. Das ist z.B. bei der glibc der Fall: Diese ist lizenziert unter der GPL + einer Linking Exception, die die virale Eigenschaft der GPL für den Sonderfall des Linkens vorübergehend außer Kraft setzt.

Hier entsteht übrigens ein interessantes Problem: Streng genommen stehen die Header-Dateien von Linux auch unter GPL. Eine glibc kommt nicht drumherum, genau diese Header zu inkludieren. Warum hier beim Inkludieren aber kein "derivative work" entsteht (nur so ist es für die glibc möglich, die Linking Exception für ihren eigenen Code zu verwenden), ist Bernd selbst nicht ganz klar. Ich empfehle, dazu ein wenig zu gurgeln, das ist eine hochinteressante Thematik.

Es gibt noch eine weitere Sache, die nicht so ganz klar ist: BMW hat sicherlich eigene Kernel-Module am Laufen, diese aber nicht unter die GPL gestellt. Auch hier empfiehlt Bernd gurgeln, ist ebenfalls eine interessante Angelegenheit und praktisch omnipräsent: Fritz-Boxen, Android-Schlaufone, uvm. benutzen alle eigene Kernel-Module, ohne diese unter die GPL zu stellen.

Bernd hofft, er konnte ein bisschen zum Verständnis der GPL beitragen, damit du in Zukunft nicht mehr so einen Schwachsinn wie
>Glaubst du VW würde den Kot rausgeben? lerl.
von dir geben musst (falls das du warst).

tmstrada Avatar
tmstrada:#9353

>>9343
>Falsch. (Wie dumm kann man eigentlich sein? Das ist eine der Kernaussagen der GPL.)

Sekundiere dies. Bernd würde sich dann auch fragen, was der Sinn von permissiven Lizenzen, die aber kein Copyleft (wie die GPL) haben, ist. Darunter fallen zum Beispiel die Lizenzen von Apache, Mozilla (MPL), Suns CDDL...

In der Wikipedia heißt es schon:

>The Apache License is permissive in that it does not require a derivative work of the software, or modifications to the original, to be distributed using the same license (unlike copyleft licenses – see comparison).

Da muss ja schon ein Sprung von Apache zur GPL sein, sonst wäre die GPL sind so berüchtigt.

bluesix Avatar
bluesix:#9355

>>9352
Ich weiß nicht was du willst. Ich bin der gleichen Meinung. Aber ich habe >>9343 so verstanden, als hättest du verlangt, dass BMW sämtlichen eigenen Code rausrücken müsste (genauso wie der Bernd von >>9341).

iamsteffen Avatar
iamsteffen:#9356

>>9355
>Ich weiß nicht was du willst.
Ich will, dass die Leute, die
>Du musst doch aber nur die Soßen der GPL Geschichten aushändigen (vielleicht noch den Teild er dagegen linkt)
>Sieh dir mal die Lizenzen an die in so einem Auto stecken oder so. Glaubst du VW würde den Kot rausgeben? lerl.
>Du musst die eigene Weichware nicht offenlegen, wenn du eine GPL-Bibliothek verwendest.
>Genau das macht BMW hier aber. Der verwendete GPL-Code wird offengelegt. Der eigene (selbst geschriebene) Code aber nicht.
geschrieben haben, in ihrem eigenen Interesse die Finger von der GPL lassen.

Und jetzt komm mir nicht daher und behaupte im Nachhinein, dass es beim letzten Zitat nicht ums Linken ging. Das geht eindeutig aus dem Zusammenhang hervor.

exevil Avatar
exevil:#9359

>>9356
/Faden

mikaeljorhult Avatar
mikaeljorhult:#9366

>>9356
wo wird es bei python was gelinkt?

guischmitt Avatar
guischmitt:#9367

>>9366
In dem Moment, in dem man es ausführt. Das genügt völlig.
Wenn man native bibliotheken benutzt, kommt es darauf an, ob es normale Bindings oder FFI-geladene Bibliotheken sind.

albertaugustin Avatar
albertaugustin:#9368

>>9367
Der Moment der Ausführung ist für das Verteilen nicht mehr ausschlaggebend. Solange du GPL-Software nicht verteilst, kannst du ihre Lizenz ignorieren wie du willst.