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Veröffentlicht am 2014-10-15 12:43:56 in /r/

/r/ 1540: Ist das noch christlich?

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Bernd:#1540

Natürlich könnte man sagen, auch Kardinäle sind nur Menschen und Sünder. Aber könnte man nicht auch von Gottes Beamten etwas mehr Benehmen verlangen, so wie man es auch von staatlichen Beamten tut?

Zigaretten- und Benzinhehlerei - wie passt das zur christlichen Lehre?

500 Päckchen Zigaretten stehen einem Kardinal im Vatikan monatlich zu, außerdem 400 Liter Benzin. Steuerfrei einkaufen können sie sowieso, feine Weine zum Beispiel. Doch nun droht Ungemach vom Governatorat.

Ach, was waren das für schöne Zeiten für einen Kardinal! Im Vatikan und rundherum! Man traf sich mit Freunden in den Bars und Restaurants und teilte, was man hatte. Geld hatten die Kirchendiener zwar nicht viel, aber zum Beispiel Eintrittskarten für das Kirchenreich, wo die Freunde steuerfrei tanken und einkaufen konnten. Auch die Vatikanbank mit ihren verschwiegenen Konten stand weltlichen Kunden offen, wenn sie mit einer Empfehlung aufwarteten.

Dann kam Jorge Mario Bergoglio, und mit der Lebensqualität der Eminenzen ging es bergab.
Etwa hundert Dienstwagen standen im Fuhrpark des Kirchenstaats, als Bergoglio am 13. März vorigen Jahres zum Papst gekürt wurde und sich bezeichnenderweise Franziskus nannte, nach dem heiligen Franz von Assisi, dem Weltverbesserer und Armutsprediger. Bald konnte man keine Mercedes-Limousine mehr besteigen, ohne gleich negativ aufzufallen.

Und erst die neue Kleiderordnung! Herrliche Seidengewänder pflegten die Eminenzen zu tragen, Outfits für 10.000 Euro und mehr. Dann kam er mit seinen Arbeitsschuhen und dem Franziskus-Einheitsdress, und keiner wagte mehr, in Gold und Purpur zu glänzen.

"Dem Papst gefällt kein Goldschmuck"

Ganz offen ließ der Papst über seinen langjährigen engen Mitarbeiter, den heutigen Rektor der Katholischen Universität in Argentinien, Victor Manuel Fernàndez, verbreiten, wie er sich die Kirchenmänner nicht vorstellt: "Dem Papst gefallen keine Priester, die teure Ferien und Essen in Spitzenrestaurants lieben", sagte der in Interviews, "die Gold- und Silberschmuck zur Schau stellen und Umgang mit mächtigen Personen pflegen." Wen, wenn nicht die etwa 200 Kardinäle, kann er damit meinen?

Nun steht auch noch das letzte kleine Privileg für die Stützen der römisch-katholischen Kirche infrage: Die Kontingente für alles das, was Kardinäle zum Leben brauchen, sich aber mit einem Gehalt von etwa 3000 Euro monatlich nicht so leicht leisten können.

Deshalb sind schon ihre Wohnungen im Vatikan spottbillig, auch wenn sie riesig und herrlich sein mögen. Und deshalb gibt es im vatikaneigenen Supermarkt, wo ohnehin fast alles steuerfrei verkauft wird, für die einstigen Purpurträger noch einen zusätzlichen Rabatt von 15 Prozent auf Lebensmittel. Und 20 Prozent auf Kleidung.

Alle diese Vergünstigungen hat das vatikanische Governatorat in einem Brief an den neuen Wirtschaftspräfekten, den eisenharten australischen Kardinal George Pell, aufgelistet. Das Schreiben stammt vom 26. März dieses Jahres. Dass es jetzt an die Öffentlichkeit kommt, bedeutet laut kirchenstaatlicher Dramaturgie: Pell, vom Papst zum drastischen Sparen angehalten, wird die Privilegien in Kürze abräumen.

Zigaretten für 80 Cent pro Packung

Vor allem der günstige Zigaretteneinkauf der Kardinäle wirft Fragen auf. 500 Päckchen im Monat dürfe jeder erwerben, umsatz- und tabaksteuerfrei allesamt, und die ersten 200 Päckchen noch einmal um 20 Prozent verbilligt. Die kosten somit kaum mehr als 80 Cent, die restlichen etwa einen Euro. Nicht alle, aber manche Kardinäle - so heißt es, natürlich anonym und ohne Namen zu nennen - schöpfen das Kontingent voll aus.

Doch kann man soviel rauchen? 10.000 Zigaretten im Monat, über 300 am Tag? Das schafft kein Kardinal, da hilft auch göttlicher Beistand nicht. Er verschenke die an Arme und Bedürftige, sagen manche. Er verhökere sie, sagen andere.

Auch um den Verbleib der Benzin-Gutscheine für die Kardinäle gibt es Gemunkel.

http://www.spiegel.de/panorama/vatikan-kardinaele-erhalten-zigaretten-und-benzin-verguenstigt-a-996509.html

thehacker Avatar
thehacker:#1541

Bitte keinen Nachrichtenpastenkult hier einführen.

kosmar Avatar
kosmar:#1542

>>1541
Es geht nicht so sehr darum, was die Medien zu dieser Praxis sagen. Die Frage ist: Was hätte Jesus dazu gesagt?

carlyson Avatar
carlyson:#1545

>>1542
Nichts, denn Jesus kannte noch keine Zigaretten

BillSKenney Avatar
BillSKenney:#1554

>>1545
Zigaretten und Benzin sind hier natürlich nur allegorisch gemeint. Es geht darum, was Jesus wohl gesagt hätte, zu den Hehlergeschäften die die Kardinäle mit den Spenden der Gläubigen betreiben.

antongenkin Avatar
antongenkin:#1560

Finde auch, das SPON-Pastetentum auf den wenigsten Brettern was verloren hat.

Was die allgemeine Stoßrichtung des Fadens angeht, bin ich als Franziskus-Lüfter ultramontan auf seiner Seite, allerdings finde ich es billig und zu einfach, die bisherige Praxis mal wieder ins Fach "Hurr die Kirche ist so böse, Wasser predigen und Wein trinken, satanisch_lachende_kardinäle.png" zu schieben.

Die Außenwirkung von Bischöfen und Kardinälen wird heute (zumindest in den westlichen eher säkularen Industrienationen) einfach weitgehend anders erzeugt als noch vor einigen Jahrzehnten. Früher mag es durchaus ein probates Mittel gewesen zu sein, als Bischof eine gewisse Autorität (eben durch einen bestimmten Lebensstandard) aufzubauen um den Schäflein mitzuteilen, wie der Hase zu laufen hat. Um von weltlichen Macht- und Entscheidungsträgern ernst genommen zu werden, muss das Spiel leider Gottes auch ein bisschen mitgespielt werden, als armer Bettelmönch hätte man da sicher weniger Akzeptanz erfahren, um die Interessen der Kirche zu vertreten.

Heute haben wir aber einfach andere Voraussetzungen, Bischöfe und Kardinäle werden nicht mehr per se als Autoritätspersonen wahrgenommen sondern sollen eher nach dem Prinzip "Führen durch Vorbild" überzeugen, da dank INTERNET jeder Furz den Weihbischof X in Sprechschau Y auf Regionalsender Z lässt morgen schon ein Scheißesturm werden kann.


zl;ng: Reform ist gut, aber der vorherige Zustand hatte auch seinen Sinn im zeitlichen Kontext. #feigevermittelndeansicht

seanwashington Avatar
seanwashington:#1561

>>1560
*dass/das, ich weiß. Habe schon etwas am Messwein genippt.

Ich bekenne, ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken.
durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld …

carloscrvntsg Avatar
carloscrvntsg:#1562

OP ist also neidisch. Okay.

millinet Avatar
millinet:#1566

Ich finde diesen "Skandal" um den Bischof mit seiner Villa relevant.

Die Hartkernkatholiken in BErnds Bekanntenkreis sagten dazu so etwas wie "Is ja klar, die Medien hetzen mal wieder gegen die Kirche" - was auch völlig richtig ist. Trotzdem finde ich es nicht korrekt, all das Geld rauszuscheißen. Für hübsche Kirchen, meinetwegen, gib so viel Geld aus wie du möchtest, und auch repräsentatives Bischofsgewand, aber sein eigenes Badezimmer?

Wie sieht Katholikenbe/r/nd das?

grrr_nl Avatar
grrr_nl:#1574

Macht und Geld korrumpieren jeden.
Daher bin ich ja für eine dezentralen, privaten christlichen Glauben, wenn er denn unbedingt sein muss.
Ich bin eigentlich eher ein spiritueller Mensch und halte über Jahrtausende von reichen, alten Säcken aufrechterhaltene Glaubenskonstrukte für obsolet.

bassamology Avatar
bassamology:#1581

Jesus hätte die Peitsche genommen und die reichen Kardinäle aus den Kirchen gejagt, das liegt doch auf der Hand. Die katholische Kirche hat doch kaum noch etwas mit den Lehren des Jesus von Nazareth zu tun, sondern ist hauptsächlich ein Kirchenkult.

fatihturan Avatar
fatihturan:#1584

>>1581
> Die katholische Kirche hat doch kaum noch etwas mit den Lehren des Jesus von Nazareth zu tun
Das solltest du wohl mal kritischer hinterfragen, als einfach irgendetwas nachzuplappern. Meiner Meinung nach ist es gerade in der katholischen Kirche christlich. Wenn nicht sogar nur dort.[/spoile]

>>1574
Das ist auch nicht, was Jesus wollte.

seanwashington Avatar
seanwashington:#1588

>>1562
>OP ist also neidisch. Okay.

Gott bewahre! Warum sollte man auf Hehler und Lügner neidisch sein?

Die Kardinäle verhalten sich wie Sozialschmarotzer, wenn sie zusätzlich zu ihrem für die christliche Lehre eh schon üppiges Gehalt noch Vergünstigungen in Anspruch nehmen, die sie gar nicht brauchen, um sie dann weiterzuverkaufen - und auf Nachfrage behaupten, sie würden es verschenken. Das 8. Gebot gilt auch im Vatikan.

Sowas gehört ohne Diskussion abgeschafft und die Sache ist erledigt. Kein Mensch und auch kein Kardinal braucht hektoliterweise Benzin und palettenweise Zigaretten.

Mich schaudert ob deines Christentums, wenn du solches Verhalten des Klerus als beneidenswert empfindest. Beneidest du auch die Priester, die die Messdiener missbrauchen?