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Veröffentlicht am 2016-03-27 13:55:53 in /r/

/r/ 4463: Hallo Bernds, was könnt ihr mir über den Shin...

tereshenkov Avatar
tereshenkov:#4463

Hallo Bernds, was könnt ihr mir über den Shintoismus berichten?
Was haltet ihr davon?
Habt ihr da Erfahrungen gemacht?
Wie sieht das Leben eines Priesters dabei aus?
Was muss man da können etc.?

falvarad Avatar
falvarad:#4464

Südkoreanischer Botschafter in Italien mitsamt Ehefrau Heute in Rom (Ostersonntag) öffentlich zum Christentum konvertiert.
Shinto scheint ein Auslaufmodell zu sein.

markgamzy Avatar
markgamzy:#4465

>>4464
Weil Südkorea auch für seinen Shintoismus bekannt ist....

Gibt es noch Bernds, die sowas wie wissen darüber haben?

chris_frees Avatar
chris_frees:#4467

>>4465
Wird meines Wissens nach als Religion halt kaum mehr so richtig ernst genommen und ist auf dem besten Wege wie westliche Polytheismen zu enden. Kann aber auch nicht aus erster Hand darüber berichten, darum Selbstsäge.

oscarowusu Avatar
oscarowusu:#4468

Suche nach Hagakure, bedanke dich später!

alagoon Avatar
alagoon:#4471

>>4468
Hab den Film gesehen, war kühl.

devankoshal Avatar
devankoshal:#4472

>>4463
>Was haltet ihr davon?
Ich finde kleine Tempelmödchen ziemlich geil.

olgary Avatar
olgary:#4480

Shintô ist vor allem in zwei Formen noch lebendig: Als klassischer Traditionsshintô auf dem Land und als Staatsshintô der auch gerade unter Abe wieder massiv forciert wird.

Beim Landshintô sind die Traditionen so verschieden wie das Land und die Menschen selbst, er äußert sich aber am häufigsten in jährlichen Festen wo dem oder den örtlichen Kami auf eine gewisse Weise gehuldigt wird. Die meisten matsuri die Bernd (falls /a/- oder /jp/-Bernd) so kennt haben einen solchen Hintergrund. Ich persönlich vergleiche das immer ganz gerne mit Kirchweih/Kerwe/Kirmes-Festen, viele von denen haben einen mehr oder weniger klar erkennbaren christlichen Hintergrund, tatsächlich jucken tut das dann eher eine Minderheit - oder man steht dann halt ganz pflichtbewusst in der Kirche, weil dasisjatradition, obwohl man sonst eher nicht hingeht. Entsprechend schleppen die Japaner dann halt einen mobilen Schrein durch die Pampa und wieder zurück, besaufen sich vorher, währenddessen und nachher und machen matsuri.

Ähnlich ist auch der Schreinbesuch an Neujahr, man geht halt hin weil macht man so, so wie hier viele Papierchristen immerhin noch Heiligabend/Weihnachten in die Kirche gehen.

Der Staatsshintô wiederum ist relativ wichtig um den Kaiser zu legitimieren, zumindest aus traditionalistischer Perspektive. Außerdem kann man so super bei Konservativen punkten wenn man sich als PM mal wieder am Yasukuni-Schrein blicken lässt und Chinesen und Koreaner mett macht. Hier kann man vielleicht ein paar Parallelen zur Civil Religion in den USA ziehen, man ist ja eine Nation under God und der Präsident muss immer brav God bless America sagen, damit das auch weiter so bleibt.

Ansonsten ist es relativ sinnfrei sich als gaijin dem Shintô aus einer "wie kann man da mitmachen"-Perspektive zu nähern, man ist halt kein Japaner und vieles läuft im Shintô halt über diese Ahnengötter-Schiene, viel mehr ist da auch gar nicht hinter. Irgendeine tiefe Doktrin, Dogmen etc. wird man im Shintô sowieso nicht finden, wenn man sich nicht gerade eine Neue Religiöse Bewegung wie die Ômoto Kyô oder Tenrikyô aussucht, generell läuft es nur auf magisches Denken Marke "Kami verehren damit der Gutes tut/beschwichtigt ist" hinaus.

Ich möchte nicht sagen, dass sich keine Beschäftigung damit lohnt, aber so eine Tiefe wie in den drei abrahamitischen Religionen oder dem Buddhismus wird sich dort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht finden.

Empfehlungen zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=G3-uApXS7qg
https://www.youtube.com/watch?v=CVLRG6KAPgI
https://www.youtube.com/watch?v=BLanOF50yCI
https://www.youtube.com/watch?v=CqKentxOn8I

keyuri85 Avatar
keyuri85:#4483

>>4480
Danke mein Bernd, nach langer Zeit kam doch noch jemand, der was sinnvolles zum Thema selber beigetragen hat.

buddhasource Avatar
buddhasource:#4487

>>4483
Gern geschehen, ist halt der Fluch eines langsamen Brettes, dass man auch selber nicht so oft vorbeischaut und dreimal überlegt ob man jetzt vom Autismus getrieben einen längeren Pfosten hinklatscht wo sonst nur Einzeiler stehen.

Wenn man ein bisschen Shinto "in action" sehen will, reicht eine Suche auf der Röhre nach 祭り / matsuri, da findet man dann ziemlich schnell Bewegtbilder von den Umzügen mit den eingeschreinten Kami.

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#4539

>>4463
Dieser Bernd war nun mehrmals in Japan und mit der Zeit Shinto immer mehr zu schätzen gelernt.

Das erste was auffällt, wenn man am ein oder anderen Schrein vorbei geht ist, dass diese Orte viel besser oder sagen wir lieber selbstverständlicher in den Alltag integriert sind als Kirchen, Moscheen oder Synagogen.

Während oben genannte immer ein Ort des großen(väterlichen) Respekts und einer gewissen Unterwürfigkeit sind, sind Shintoschreine Orte an denen das Leben zelebriert wird und wo ein gegenseitiger Respekt zwischen Mensch und Kami herrscht.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass auf dem Gelände Leute spazieren gehen, Kinder zwischen den Gebäuden laufen und spielen, während Andere gerade beten/Respekt erweisen.

Das kann man am besten in Städten beobachten. So saßen zum Beispiel in Tokyo mehrere Jungs auf den Stufen des Schreins und haben mit ihren Playstation Portables gezockt als wäre es selbstverständlich. Und niemanden hat es gestört.

Bernd mag Kirchen und andere sakrale Bauten. Sowohl von der Architektur als auch von der Ruhe die sie ausströmen(gerade heutzutage wo ja immer weniger hinein gehen) aber dennoch ist da immer dieses kleine nagende Restgefühl, dass diese gebaut wurden um den Menschen zu zeigen wie klein er und wie goß Gott ist.
Ein Gefühl welches Bernd in Shintoschreinen nie hatte.
Alles ist in angemessener Größe und ziemlich zweckmäßig gebaut. Dazu ist es auch alles recht bescheiden, weil zum Großteil aus Holz.

Ein weiterer Punkt ist, dass Shintoschreine immer kleine grüne Inseln sind, die einem vor allem in den Städten einen Rückzugsort vom hektischen Alltag bringen. Man kann sich einfach hinsetzen oder etwas spazieren gehen ohne einen Gedanken an Religion oder Spiritualität verschwenden zu müssen.
Aber man kann wenn man es will.
Alles ist sehr zwanglos.

Der animistische, traditionelle Aspekt des Shinto sagt Bernd deswegen auch besonders zu.
Es herrscht eine wunderbare Naturverbundenheit und Harmonie. All die Schreine die über das Land verteilt sind haben ihre kleinen und großen Eigenheiten.
Es gibt keine heilige Schrift, kein Dogma, keiner der dir vorschreibt wie du dein Leben zu leben hast.
Wie >>4480 schon sagte: Shinto ist bei weitem nicht so tief wie die großen Religionen der Welt.
Aber wenn du einen gewissen Spiritualismus leben willst, die Natur magst und schätzt, eine gewisse Vorstellung davon hast, dass es mehr gibt als nur unsere wissenschaftliche greifbare Welt, dann ist es definitiv Wert sich damit zu beschäftigen.
Un zwar nicht indem man kniet und ein Buch nach dem anderen über das Thema ließt, sondern sich die Zeit nimmt und es erlebt.