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Veröffentlicht am 2017-12-12 21:53:44 in /r/

/r/ 5210: Die wesentlichen Merkmale der Schizophrenie

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kuldarkalvik:#5210

1. Ängste vor Realitätsimplosion, Verschlungenwerden, Depersonalisation, wirklicher Autonomie. Sexualität und Aufbegehren gegen die Eltern, Lehrer, Pastoren werden als Teufelsmächte ausgegrenzt und Lust und Wut als feindliche Regungen gefürchtet.

2. Das Selbst ist dissoziiert vom Körper und/oder anderen als „falsch“ empfundenen Verhaltenssystemen. Lust und Wut sind Fleisch, welches zu überwinden ist. Das Ich will diese Regungen nicht haben, sie sind der Satan, der in mich gefahren ist. Ich bin das nicht.

3. Der isolierende Rückzug vom Gefürchteten (Welt und andere Menschen) verarmt die Identität und führt zu Sehnsucht, Neid und Haß auf die Außenwelt. Ich kämpfe hier mit aller Kraft gegen meine Lust und Wut an, während die anderen hemmungslos herummachen und sich auch noch brüsten mit ihren sexuellen Erlebnissen.

4. Schuld wird paradox erfahren. Einerseits schäme ich mich, andererseits könnte ich ihn umbringen vor Wut.

5. Es kann zu Identitätsdiffusionen mit Musik, dem All und Gott (was immer „er“ sei) kommen (Laing, Das geteilte Selbst aaO 112). Wenn wir zusammen singen im Gottesdienst, verschmelzen wir mit den Engeln im Himmel und es ist eine wundervolle Gemeinschaft entstanden.

6. Das Selbst sucht Sicherheit in kontrollierender Reflexion. Warum kann ich nicht die Finger von meiner Möse/meinem Schwanz lassen? Ich habe nur drei Tage ohne ausgehalten. Was denkt Gott jetzt über mich? Morgen versuche ich den ganzen Tag nicht dran zu denken.

7. Die ganze Welt ist ein Gefängnis und verfolgt das Selbst (Laing aaO 98). Die anderen lachen mich aus, wenn ich erzähle, wie toll es in der Kirche wieder gewesen ist. Sie halten mich für hinterwäldlerisch und wollen mit mir immer weniger zu tun haben. Sie laden mich nicht mehr ein und tuscheln miteinander über mich. Natürlich tuscheln sie über mich, über wen denn sonst! Es ist ihnen peinlich, mit mir zusammen gesehen zu werden. Sie hassen mich, weil ich Christ geworden bin. Sie brechen den Kontakt zu mir ab, weil ich Christ bin. Das ist eben so, als Christ wollen die weltlichen Menschen nichts mehr von einem wissen. Sie verachten und verspotten mich, aber ich bin nicht allein, Jesus ist es genauso gegangen und er ist bei mir und hilft mir gegen die andern. Je mehr die mich blöd finden, desto klarer habe ich meinen Missionsauftrag erfüllt.

8. Aktionen können über das Selbst nichts aussagen. Gott sieht mir ins Herz und weiß, wie es um mich steht. Er weiß, daß ich zu schwach bin gegen dieses widerliche Wix-Tier in diesem widerlichen Körper. Und er vergibt es mir jedes Mal aufs neue, wenn ich nur wahre Reue zeige. Herr, du weißt, wie hilflos ich bin, wie sehr ich dir dienen möchte mit Enthaltsamkeit und wie wenig ich es schaffe, bitte steht mir bei gegen dieses abscheuliche Tier mit seiner Geilheit und Wut.

Der Katatone nimmt keine Außenwelt wahr, der Hebephrene selektiert nur direkte Kommunikation, der Paranoide nimmt verborgene Bedeutungen hinter allem an. Das Selbst ist schwach.

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artcalvin:#5228

Die Inkorporation Christi als melancholische Identifikation
Je ferner die Eindrücke von Jesus liegen, desto abstrakter wird das, was sich die Apostel und die Urgemeinden von Jesus vorstellen. Paulus kann deshalb nicht mehr vom Jesus aus Nazareth reden, sondern nur noch von seinen geistlichen – sprich: schizophren-psychotischen - Erfahrungen Christi. Christus ist in ihm: Ich lebe; doch nicht nun ich, sondern Christus lebt in mir.(Gal 2,20) Christus hat also jetzt bei Paulus die Stelle des vormaligen Selbstes Sauli angenommen. In Paulus lebt ein anderer Mensch, den er nicht einmal je leiblich gesehen hat. Allerdings vermag Paulus noch zu realisieren, daß er Paulus, der Apostel ist. Klar geht aus seinen Äußerungen jedoch nicht das intrapsychische Verhältnis des Christus-Seins und Paulus-Seins zugleich hervor. Er kann umgekehrt auch sagen, er sei in Christus, wie er sagt, er sei im Glauben. Für Paulus scheint gar kein so großer Unterschied darin zu bestehen, wer in wem inneist. Schizophrene verlieren oft die Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen außen und innen; daher mag auch bei Paulus diese Vertauschung bedingt sein.