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Veröffentlicht am 2017-12-12 23:08:07 in /r/

/r/ 5244: Zelebrierte Demut: schlechhinnige Abhängigkeit vom Strafgott

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Die eingespielte Gewißheit eines Omnipotenzvaters erspart dessen Söhnen alles wirkliche Tun und macht sie impotent, unfähig zur Zeugung gesellschaftlicher Veränderungen im Sinne fortschreitender Gerechtigkeit. Die christlich konstitutive Impotenzerfahrung wird sogar noch glorifiziert und im paulinischen Schwachheitsrühmen (2 Kor 11,30) zur eigentlichen Stärke umfunktioniert. Der Christ als Kastrat Gottes kann niemals Autonomie lernen. Er nährt und hütet seine Ich-Schwäche mit aller Sorgfalt. Selbstlosigkeit als Tugend sagt es ehrlichst: Ein Christ hat kein Selbst, wenn er ein Christ ist. Werkzeug Gottes, Instrument, Objekt - nicht zuletzt Liebesobjekt des Liebegottes - darin offenbart sich die Leere der Höhle, in der bei gesunden Menschen das Selbst ruht. Die Angst vor wirklicher Autonomie im Christentum erreicht heute den Stand, daß der, der Gott als Freund bezeichnet, nach seiner Legitimation zum Theologiestudium befragt wird. Der Beter, dem Gott sein Tun vorschreibt, - oft werden sogar Anweisungen gegen den eigenen „Willen“ als Beweis von Echtheit des offenbarten Gottesworts gewertet (Überich) -, kann durchaus als zwangsgesteuert bezeichnet werden. Diesmal ist der Motor nicht der verdrängte Trieb, sondern das herrische Überich, dessen Urbild vom Vater abgeschaut wird. Unter den Hintergrund mittelalterlicher Vergewaltigungspraktiken ist es eindeutig, wenn Luther Christus als Bräutigam bezeichnet und den Glaubenden als Braut. Ziehen wir die Vermutung hinzu, daß auch im Mittelalter Mädchen in der liebesorientierten Technik erzogen wurden und damit auf totale soziale Dependenz dressiert, so sagt Luther damit: der Christ ist von Gott abhängig. Wenn heute jemand von Alkohol abhängig ist oder vom körperfreundlichen Haschisch, kommt er in die Nervenklinik.

Dort wird er im komischsten Fall heute von Jesusleuten erwischt und seine Sucht wird auf Jesus umgeleitet. Die Jesuspeoplebewegung hilft der Schwachheit einer zu Ichschwäche erzogenen Nachkriegsgeneration vollends auf deren Schwächegipfel. Heute sind sie schon wieder mitten in der Kerngemeiude integriert, die mit der Jeans aus den USA importierten Superfrommen - wie in den USA ja alles super sein muß. Sie rufen im Verein mit den alten Christbrüdern den Bekenntnisnotstand aus und fordern mit einem der Studentenbewegnng abgeguckten Haß auf allen weltlichen und teuflisch-antichristlichen Tand in der Kirche: „Kein anderes Evangelium!“

In der Kirchenspalterei und dogmatischen Repressivität der Evangelikalen gipfelt heute die christliche Paranoia wieder auf. Die Teufelsmächte seien schlimmer geworden als je zuvor, sagen sie. (Kurt Koch, Leben auf Abruf. Skizze der Endzeit nach Matthäus 24, Berghausen (Evangelisationsverlag) 1969) Der Teufel versuche zu spalten. Da fragt man sich: wer ist denn am spalten? Und. wer nennt das Ganze dann auch noch Geisterscheidung? Und wer maßt sich das Richteramt von Mt 7,6 an?