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Veröffentlicht am 2015-06-24 01:00:29 in /vip/

/vip/ 23485: Ich wollte mich letztlich etwas ernster mit den altgrie...

leelkennedy Avatar
leelkennedy:#23485

Ich wollte mich letztlich etwas ernster mit den altgriechischer Schriften auseinandersetzen und in diesem Rahmen habe ich mich entschlossen, die Hauptwerke in Buchform statt nur digital zu erwerben.

Nun kenne ich mich aber beim besten Willen nicht mit den hiesigen Übersetzungen aus: welche deutschen Fassungen Homers, Platons, Aristoteles, der Vorsokratiker, Aristophanes, Thukydides, der Tragiker etc pp kann Bernd empfehlen? Ist deutsch überhaupt besser als Englisch oder Französich für altgriechische Übersetzungen aus?

thierrymeier_ Avatar
thierrymeier_:#23486

*soll natürlich statt "aus" "geeignet" heißen

chanpory Avatar
chanpory:#23488

Bei der Ilias und der Odyssee würde ich die Übersetzung von Johann Heinrich Voß bevorzugen.

trickyolddog Avatar
trickyolddog:#23489

>>23488
Wie ich gelesen habe, sollen seine Übertragungen ja ziemlich inakkurat sein, wobei ich tatsächlich schon seine Ilias gelesen habe, bei der Odyssee wollte ich es aber mit einem anderen Übersetzer versuchen. Sein Stil ist schon auch recht schwerfällig.

davidsasda Avatar
davidsasda:#23498

>>23485
Lies einfach Nietzsche, du Spast! Nietzsche hat den ganzen alten Kack nämlich äußerst seriös studiert, weiterentwickelt und dann seine Bücher geschrieben -- welch Wunder, auch noch in der Sprache des Spasten.
Hab selbst mal Seneca angelesen und dachte nach fünf Seiten einfach nur: "Was'n Spast." Aber wenn Du ein Titanicabo dein eigen nennst, dann gefällt dir diese zweitausend Jahre lang auf der Heizung getrocknete Scheiße vielleicht sogar ;)

lisakey1986 Avatar
lisakey1986:#23501

>>23498
>Hab selbst mal Seneca angelesen und dachte nach fünf Seiten einfach nur: "Was'n Spast."
vermutlich reicht deine Vorbildung einfach nicht, um Senecas Anliegen zu erkennen.
Ganz nebenbei: Überufernde Sätze und tonnenweise Implikationen gehörten damals zum guten Stil. Nach fünf Seiten hat man noch nichts von Seneca gelesen, was eine Wertung ermöglicht.
Du musst Seneca nicht gut finden, aber wenn du nicht die Anforderungen erfüllst, in Dialog mit ihm zu treten, ist das Missverständnis tatsächlich deine Schuld.

mbilalsiddique1 Avatar
mbilalsiddique1:#23503

>>23501
Hab irgendein ganzes Buch von ihm gelesen, irgendwas von wegen man solle seine Zeit für sich verwenden statt für Andere, weil man nur einmal lebt. Uiuiui, sooo tief! Das ist wirklich Titanicniveau und wer sich dafür interessiert soll es lesen. Würde aber nicht erwarten, da groß irgendwelche Lehren draus ziehen zu können.
Auch:
> Vorbildung
Fick dich! Sunzi, zum Beispiel, kann jeder ohne irgendeine Vorbildung lesen und verstehen. Und zum Zarathustra von Nietzsche braucht man auch nur ein paar Fremdwörter, Apoll und Dionysos kennen. Autoren die nicht verstanden sein wollen oder zu dumm sind sich verständlich zu artikulieren, können mich mal. Den Scheiß gibt es auf /b/ zur Genüge, jeden Tag frisch.
> gehörten damals zum guten Stil
Wer nicht zeitlos schreiben kann, wird eben nicht immer gelesen. So einfach ist das. Das ist doch großteils alles so: "Trololo, ich bin zwar sonst saudumm aber lese uralte Bücher also bin ich fol Elite."

Na ja, Bernd hat mich ja schon öfters falsch bewiesen: liefere doch einfach mal das Schrifttum von Seneca, von dem du meinst es wäre das Beste was er so verfasst hat. Ich werde es lesen und später dann nochmal einreportieren mit einer Kritik.

kiwiupover Avatar
kiwiupover:#23504

>>23503

zacsnider Avatar
zacsnider:#23510

>>23504
Jahaha, ganz besonders dein unlustiges mimimem.
Der >>23504 hat schon recht und >>23490 ist eine ganz besonders abgelutschte Sammlung.

umurgdk Avatar
umurgdk:#23511

>>23510

tjisousa Avatar
tjisousa:#23516

>>23503
Deine Ignoranz ist erheblich.
Ohne Vorbildung versteht man die meisten Autoren falsch. Wenn du dir grob eine Epoche mit dem Autor teilst, hast du einiges an Vorwissen, aber du kannst nicht erwarten, einen zweitausend Jahre alten Text ohne Vorbildung richtig zu verstehen.
>Sunzi, zum Beispiel, kann jeder ohne irgendeine Vorbildung lesen und verstehen.
Ich unterstelle dir jetzt mal ganz dreist, dass du sehr an der Oberfläche gekratzt hast.
>Und zum Zarathustra von Nietzsche braucht man auch nur ein paar Fremdwörter, Apoll und Dionysos kennen.
Da kann ich dir sicher sagen, dass du nicht in Nietzsches Gedanken eingedrungen bist, wenn das dein Ernst ist.
>Autoren die nicht verstanden sein wollen oder zu dumm sind sich verständlich zu artikulieren, können mich mal.
Lässt sich auch umformulieren zu Ich bin zu dumm oder faul, mich in Texte und Autoren einzuarbeiten. Wenn ich jemanden nicht verstehe, ist es seine Schuld und nicht meine. Ich will keine Herleitungen, ich will klare Aussagen auf dem Silbertablett. Ich verstehe nicht, dass Ergebnisse und Einsicht Aufwand verlangen.
Leider offenbarst du damit, dass du Literatur im Allgemeinen nicht verstanden hast.
>Wer nicht zeitlos schreiben kann, wird eben nicht immer gelesen.
Seneca wird seit knapp zweitausend Jahren gelesen. Ich würde sagen, das klingt ziemlich zeitlos. Seneca hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Kulturentwicklung genommen und hat damit erheblichen Einfluss auf unser Denkgebäude. Ihn einfach abzutun, wie du es tust, offenbart deine schiere Ahnungslosigkeit.
>liefere doch einfach mal das Schrifttum von Seneca, von dem du meinst es wäre das Beste was er so verfasst hat.
Aus zwei Gründen nein: Erstens habe ich mich bislang mit Seneca so geringfügig beschäftigt, dass meine Empfehlung nicht sonderlich sinnvoll wäre. Andererseits ist es verschwendete Zeit, solange du dich nicht mit den Grundlagen beschäftigst. Hol dir eine Besprechung eines Textes.

bruno_mart Avatar
bruno_mart:#23517

Achso, jetzt habe ich ganz vergessen, dem OP zu antworten:
>Ist deutsch überhaupt besser als Englisch oder Französich für altgriechische Übersetzungen aus?
Deutsch ist für die großen Werke der Antike tatsächlich eine recht gute Sprache, weil die Aufklärung und insbesondere der Humanismus sehr viel Wert auf die Werke und Erkenntnisse dieser Zeit legen. Von daher existiert aus dieser Zeit eine Fülle an qualitativ hochwertigen Übersetzungen ins Deutsche.
Wenn man aber wirklich in den Text und seine Feinheiten eindringen will kommt man um das klassische Griechisch und Latein leider nicht herum. Bei mir ist das lang her und ich war nicht sehr talentiert, aber immer mal wieder erschloss sich mir der Sinn einer Passage erst wirklich, nachdem ich den Originallaut verstanden hatte.
Für Platon empfehle ich übrigens Schleiermacher wegen seiner präzisen Übersetzung. Soviel weiß ich noch von damals im Graecumskurs, als ich meine Übersetzungsfehler nachvollziehen musste. :3

ankitind Avatar
ankitind:#23518

>>23498
Für Nietzsche soll man kein Vorwissen brauchen? Der Mann der kaum die Argumente darlegt mit denen er sich beschäftigt, weil er von seinen Lesern erwartet, dass sie sich mit dem Stoff auskennen? Der Mann der ganze Paragraphen anderer Sprachen in seine Texte rein kopiert? Der Mann der sich rühmte in Rätseln zu reden und den Sinn seiner Werke regelrecht errungen haben wollte? Der Nietzsche? Nur weil er in einem guten Stil zu schreiben pflegte?

Heidegger sagte ja in einer seiner Vorlesungen, dass man das Studium Nietzsches erst nach einer zehn- bis fünfzehnjährigen Beschäftigung mit Aristoteles angehen sollte. Nicht dass ich dem unbedingt zustimme, aber nur mal eine gegensätzliche Auffassung hier angemerkt.

alagoon Avatar
alagoon:#23520

Die Platon-Übersetzung von Schleiermacher ist schon ok. Natürlich in einer für die Gegenwart sanft redigierten Form. Generell sind übrigens die Reclam-Übersetzungen immer ok, da sind schon ordentliche Philologen dran. Dagegen sind Übersetzungen wie Humboldts Agamemnon-Übersetzung absichtlich völlig sperrig; das sind eher Kunstprojekte gewesen für ein Publikum, das quasi fließend Altgriechisch konnte.

Allgemein ist die Qualität der Übersetzungen bei praktisch allen größeren Verlagen sehr gut. Das gilt auch für amerikanische, britische oder französische Verlage und die entsprechenden Ausgaben. Man macht aber mit einer deutschen Übersetzung nichts falsch. Die grammatische Struktur ist da sogar vielleicht einen Tacken näher an den Originalen (bei Altgriechisch wohlgemerkt; fragtest du nach Latein, sähe es anders aus), aber das macht eigentlich auch nicht viel aus. Die Argumentation gerade der Philosophen ist nicht von sprachlichen Details abhängig, und falls es doch mal der Fall ist, steht das dann in der Fußnote. Eine wissenschaftliche Ausgabe sollte es also schon sein, aber das gilt zum Beispiel für Reclam-Ausgaben meistens auch schon.
Für Homer kann man auch die Übersetzung von Voss nehmen. Die ist zwar stellenweise aus künstlerischen Gründen ein bisschen sperrig, man findet aber schnell rein und dann geben die recht wortwörtlichen Übersetzungen doch ein ganz besonderes Gefühl. Außerdem ist diese Ausgabe gelegentlich für Ramschpreise zu kriegen.

bruno_mart Avatar
bruno_mart:#23521

>>23517
>Deutsch ist für die großen Werke der Antike tatsächlich eine recht gute Sprache, weil die Aufklärung und insbesondere der Humanismus sehr viel Wert auf die Werke und Erkenntnisse dieser Zeit legen.

Ganz wichtiger Punkt. Der Sprachausbau der deutschen Sprache hat sich ganz wesentlich anhand der Arbeit an den antiken Klassikern vollzogen. Genau das ist diese "Dichter und Denker"-Geschichte. Man kann das gar nicht hoch genug einschätzen. Daher ist OPs Vorhaben hier auch ausdrücklich zu loben.

herrhaase Avatar
herrhaase:#23522

Ist man mit französischen Übersetzungen der Werke anderer romanischen Sprachen (inkl. Latein) gut genug bedient, oder zahlt sich der Mehraufwand des Lernens dieser Sprachen doch letztlich aus? Lieber eine Sprache richtig lernen als fünf nur bruchstückhaft, dachte ich mir zumindest...

thomasgeisen Avatar
thomasgeisen:#23526

Oh gott wie ich dieses kleinliche 1zu1-Denken hasse! Ihr müsst mal einen Schritt weiter denken: Nietzsche sagte: "Gott ist tot!" aber würde er heute leben, würde er sagen: "Der Mensch ist Tot!"(sieht man ja hier)

tomgreever Avatar
tomgreever:#23534

>>23526
Was soll denn diese Anlaogie aussagen?
Verstehst du, was Nietzsche sagen will, wenn er seinen 'tollen Menschen' tagsüber eine Laterne anzünden lässt, auf den Markt schickt und die Leute nach Gott befragen lässt, um ihnen dann mitzuteilen, er sei tot und sie alle (ihn eingeschlossen) seien seine Mörder?
"Der Mensch ist tot!", das ist eine Aussage, die nicht zu Nietzsche passt, aber wieder zeigst du, dass du ihn nicht verstanden hast.
Du schiebst ihm etwas unter. Ich vermute, dass du auch mit den Texten auf diese Weise in Kontakt trittst: Du fragst sie nicht nach dem, was sie dir sagen wollen, und denkst dann darüber nach und entwickelst die Gedanken weiter. Du liest in ihnen, was du willst, dass sie dir sagen. Dann brauchst du auch kein Vorwissen! Aber du wirst über deine eigenen Gedanken nie heraus finden, da du nie im ehrlichen Dialog mit den rezipierten Texten standst.

Tatsächlich vermute ich aber, dass du überhaupt kein Interesse daran hast. Du willst nur deine Gedanken kennen, weil du dich selbst ein paar Stufen zu hoch ansiedelst. Und daher wundert es mich nicht, dass di Seneca nicht mochtest.

Säge, weil dieser Dialog keinen weiteren Stoß benötigt.

samscouto Avatar
samscouto:#23542

>>23522
Die französischen Übersetzungen tun es in der Regel. Bis man die jeweilige Ausgangssprache so gut beherrscht, dass man den poetischen oder stilistischen Wert des Originals richtig erfassen kann, dauert es einfach zu lange. Und gute Übersetzungen können selbst hervorragende Werke sein. Dann sind sie keine Kopien, sondern Versionen des Ausgangswerks von eigenem Rang. Schopenhauer hat das zwar anders gesehen, aber der konnte halt nicht viel außer Miesmachen.

leelkennedy Avatar
leelkennedy:#23543

>>23534
> Kann den Krautmeister nicht von Nazibernd unterscheiden
> Aber du wirst über deine eigenen Gedanken nie heraus finden
statt
> Aber du wirst über deine eigenen Gedanken nie hinaus kommen

Aber voll der Wäregernintellektuelle! Wie alt bist du, 15? Wie du siehst, brauchst du deinen Text nichtmal richtig schreiben und ich verstehe trotzdem was du sagen wolltest. Normalerweise würde ich einfach darüber hinweggehen da nur Spasten all zu großen Wert auf Grammatik legen. Grammatik kann man nämlich auswendig lernen, dazu ist keine Intelligenz nötig. Darum mögen Spasten das so sehr und bilden sich dann Wunder was darauf ein. Hab ich jetzt auch nur das in deinen Text reininterpretiert, was ich darin sehen will?

> rezipierten
Haha, habt ihr das Wort gerade im Deutsch Leistungskurs durchgenommen? Wie lange hat es gedauert, bis du es schreiben konntest? Hast du es jetzt mal ganz ohne Spickzettel geschafft?

Weisst du, wenn man erst ganz viel Vorwissen braucht um einen Autor richtig zu verstehen, dann ist das Scheiße. Die meisten Menschen haben nämlich keine Zeit, um mal eben 9000 Bücher zu lesen. Die leben einfach und haben keinen Bock auf Kreiswichsrei mit so Spasten wie dir. Das gefällt dir natürlich nicht, also musst du irgendwas erfinden damit die, die Dummen sind und nicht du. Wenn ich ein Buch lese, dann weil ich Antworten will. Und wenn Heidegger meint, er kapiert Nietzsche erst nach 15 Jahren Aristoteles, dann ist das zunächst mal nur eine Aussage über Heidegger; und keine besonders schmeichelhafte, wenn du verstehst was ich meine.
Einer der Gründe weshalb ich Sunzi für besonders wertvoll halte, ist die Schlichtheit des Textes. Jeder Bauer versteht was Sunzi will und kann Sunzis Argumente nachvollziehen. Das mühsame ist aber nicht das Verstehen sondern das Anwenden, das gelernte behalten und in die Tat umsetzen. Und genau hier vermute ich den Ursprung deiner Behinderung: Statt dir einzugestehen, dass du zu schwach bist das Wissen in die Tat umzusetzen, redest du dir ein, du hättest noch nicht alles verstanden. Und verschwendest deine kostbare Zeit, um ein tieferes Verständnis zu erlangen. Wenn Sunzi rät, man solle möglichst den König direkt wegnieten und sich nicht mit der Belagerung von Festungen aufhalten, was ist daran nicht zu verstehen, Spasti? Hat sich seit 2000 Jahren nicht viel daran geändert, under Adolf nannte man diese Taktik "Blitzkrieg" und die Amis nennen es Heute "Arabischen Frühling." Ganz einfach, simpel, jeder Bauer... Außer dir, für dich ist für solch simple Erkenntnisse, ob deiner Spastizität, viel Anstrengung vonnöten. Darum dürfen andere da nicht ohne Mühe zu kommen. Weil du dir dann eingestehen müsstest, was für eine arme Wurst du bist.
Bild verwandt, ich hab dir die wichtige Stelle angestrichen. Der das Vorwort da verfasst hat war aber bestimmt auch nur ein dummer Nazi aus der SBZ, nech? Oder interpretier ich da wieder nur das rein, was ich da sowieso rauslesen will? Wie würdest du denn die Stelle interpretieren? Bestimmt fol tief, fol ironisch und sooo intelel XD

dmackerman Avatar
dmackerman:#23547

>>23543
Siehst du, das ist das Problem:
Anstelle eine fremde Position zu durchdenken, versuchst du direkt, sie zu torpedieren.
Dabei ist dir jedes Mittel recht, auch unsinnige Unterstellungen und Beleidigungen, die dir den Zugang zum Gegenüber womöglich ewig verbauen. (Übrigens hast du dabei offenbart, dass du keinen blassen Dunst vom Deutschunterricht der Oberstufe hast.)
Und warum? Weil du nicht in der Lage bist oder sein willst, etwas anderes zu denken als das, worauf du selber gekommen bist (oder meinst gekommen zu sein). Du glaubst, du wärst schon klug.
Und das ist ansich ja kein Problem; das Recht soll dir gewährt sein. Das Problem ist dort, wo du anfängst, andere zu verunglimpfen, weil sie eventuell Interesse daran haben, mehr Einsicht in eine Sache als den bloßen ersten Eindruck zu erlangen. Du verstehst nicht, was passiert und beschimpfst die, die sich bemühen, es zu tun.
>Weisst du, wenn man erst ganz viel Vorwissen braucht um einen Autor richtig zu verstehen, dann ist das Scheiße.
Nein, Bernd. Nur weil es nicht für dich geschrieben wurde, ist es nicht unbedingt Scheiße. Manche Menschen verstehen sich in einem kulturellen Prozess, nicht bloß in der Momentaufnahme, und ich denke, sie haben Recht damit. Und dann schreiben sie eventuell für ein Publikum, das über einen ähnlichen geistigen Horizont verfügt, weil es sich ebenfalls in diesem kulturellen Prozess versteht und um Einsicht in diesen bemüht ist. Das ist nicht der elitäre Kreis, den du unterstellst, sondern simpel eine Interessensgruppe.
Die Heidegger-Anekdote stammt übrigens nicht von mir. Trotzdem halte ich die grün markierte Aussage nicht nur für fragwürdig, sondern sogar für schlichtweg falsch. Sie wird übrigens schon einige Zeilen darüber entlarvt, nämlich in der kurzen Aufzählung der historischen Missverständnisse, denen Nietzsche zum Opfer fiel. (Ist das von Stenzel? Klingt ein wenig so.)

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Du willst nicht die tiefe Einsicht. Du willst die Oberfläche, nicht den Kern der Sache. Du willst bestätigt sehen, was du eh schon weißt. Einzig das Warum verstehe ich nicht. Hast du Sorge, dich zu verbessern, weil die Einsicht, nicht das Maß der Dinge zu sein, schmerzvoll ist?

hota_v Avatar
hota_v:#23551

>>23547
> Weil du nicht in der Lage bist oder sein willst, etwas anderes zu denken als das, worauf du selber gekommen bist (oder meinst gekommen zu sein)
1. Ich lerne nie dazu und sehe in allen Texten immer nur mich selbst.
2. Ich bin noch nie von alleine auf irgendwas gekommen.

Finde den Widerspruch. Ich glaube, du versuchst mir dein Problem anzudichten. Ich bin mir meiner Beschränktheit nämlich durchaus bewusst. Ich kenne meine Schranken. Und darum glaube ich nicht, dass ich Nietzsche besser verstehen kann, wenn ich nur noch zehn andere Bücher lese. Ich glaube dann vielleicht, so wie du, ein höheres Verständnis erlangt zu haben. Aber Glauben ist nicht Wissen. Klar gibt es im Zarathustra viele Metaphern und Anspielungen, die man mit entsprechendem Hintergrundwissen anders versteht oder überhaupt erst wahrnimmt. Dieses Hintergrundwissen kann dich aber auch täuschen und in die Irre führen. Es ist kein Zufall, dass Nietzsches Übermensch ein spielendes Kind ist -- und kein arschbürgernder Arschbürger. Und ja, da geb ich dir sogar ein bisschen Recht: ich lese nicht um alles was ich bin über den Haufen zu werfen, sondern um das was ich bin zu verfeinern und zu perfektionieren. Ich entscheide wer ich sein möchte. Ich lass mir dabei nicht von irgendeinem Buch reinreden, so charakterschwach bin ich nicht. Schon komisch, dass du diese Schwäche hier als Stärke zu verkaufen suchst. Überwinde die Arschbürgerei, werde zum Herrenmenschen :3

johnriordan Avatar
johnriordan:#23552

>>23551
>1. Ich lerne nie dazu und sehe in allen Texten immer nur mich selbst.
Du suchst in den Texten, was du eh schon denkst.
>2. Ich bin noch nie von alleine auf irgendwas gekommen.
Sage ich zu keinem Zeitpunkt.

Du beweist, was ich sage.
Und damit beweist du, dass meine Bestrebungen fruchtlos bleiben müssen. Es hat keinen Zweck, Bernd. Ich gebe auf.

thinkleft Avatar
thinkleft:#23579

>>23552
> Sage ich zu keinem Zeitpunkt.
> Weil du nicht in der Lage bist oder sein willst, etwas anderes zu denken als das, worauf du selber gekommen bist (oder meinst gekommen zu sein)
> (oder meinst gekommen zu sein)
Na dann erklär mir mal, was du damit meinst :)
Du möchtest damit bestimmt nicht implizieren, ich wäre noch nie von alleine auf irgendetwas gekommen. Ich verstehe das sicher nur falsch, weil es zu tief für mich ist ;)

Hier Spasti, nimm diese Wahrheit und dann ficke dich hinfort, mit deinem Vorwissen™:
Die Arbeit von Philosophen besteht darin, universelle und elementare Wahrheiten zu finden. Wenn man Vorwissen™ benötigt um solch einen Fund zu verstehen, dann ist er weder universell (gilt nur im durch das Vorwissen™ geschaffene Universum) noch elementar (Bildet ein ganzes mit dem Vorwissen™, es handelt sich also nur um den Teil eines Konstruktes).

Den anderen Bernds gebe ich noch einen Beweis, dass Nietzsches Schrifttum ohne Vorwissen™ zu verstehen ist und er sich explizit gegen Spastis wie >>23552 wendet:
Ich zitiere Zarathustra IV, VOM HÖHEREN MENSCHEN 8:

Wollt nichts über euer Vermögen: es gibt eine schlimme Falschheit bei solchen, die über ihr Vermögen wollen.
Sonderlich, wenn sie große Dinge wollen! Denn sie wecken Mißtrauen gegen großen Dinge, diese feinen Falschmünzer und Schauspieler: --
-- bis sie endlich falsch vor sich selber sind, schieläugig, übertünchter Wurmfraß, bemäntelt durch starke Worte, durch Aushänge-Tugenden, durch glänzende, falsche Werke.
Habt da eine gute Vorsicht, ihr höheren Menschen! Nichts nämlich gilt mir heute kostbarer und seltner als Redlichkeit.
Ist dies Heute nicht des Pöbels? Pöbel aber weiß nicht, was groß, was klein, was gerade und redlich ist: der ist unschuldig krumm, der lügt immer.

> falsch vor sich selber
> schieläugig, übertünchter Wurmfraß, bemäntelt durch starke Worte, durch Aushänge-Tugenden, durch glänzende, falsche Werke.

Leider gab es zu Nietzsches Zeiten noch kein Gas (Vorwissen™). Gas wurde erst nach Nietzsches Tod erfunden(Vorwissen™). Man muss aber kein Genie sein um sich ausdenken zu können, was Nietzsche geschrieben hätte, hätte es zu seiner Zeit schon Gas gegeben :3

antongenkin Avatar
antongenkin:#23785

>>23518
Was du da von Heidegger berichtest, solltest du nicht für bare Münze nehmen. Als ich mal ein Seminar zu Sein & Zeit belegt habe, hat der gute Prof das Werk mit ähnlich schwerfälligem, ominösem Gebaren behandelt, als sei es ein hermetischer Text aus dem 3. Jahrhundert vor Christus (das hätte Heidegger gern so gehabt, ich weiß ...).
Diese ganzen expliziten Anforderungen der Autoren an den Leser halte ich selbst genug für anmaßend. Nietzsche und Aristoteles stehen in keiner Beziehung zueinander. Schlimmer ist es vielleicht nur, wie Schopenhauer verlangt, Kant zu lesen, um ihn zu verstehen - dabei lässt Schopi bei seiner Kant-Kritik nicht viel übrig, auf das er sich ernsthaft beziehen könnte.
Belesenheit hilft. Aber es ist tatsächlich ein Kritikpunkt, wenn ein Werk nicht für sich stehen kann. Das macht es lästig.