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Veröffentlicht am 2015-10-08 19:02:07 in /we/

/we/ 51355: Ach Bernd, ich muss mich einfach mal an dich wenden. ;_...

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tjisousa:#51355

Ach Bernd, ich muss mich einfach mal an dich wenden. ;_;

Ich denke schon den ganzen Tag über mich und meine allgemeine Persönlichkeit nach. Es sind gleich mehrere Probleme, die ich hier so kurz und bündig wie möglich schildern möchte. Bernd ist nämlich sehr müde und wird das meiste daher bis morgen wieder vergessen haben. Deshalb schreibe ich es jetzt nieder.

Problem A:
Ich bin unfähig zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Früher während der Grundschulzeit hatte ich noch ziemlich viele Freunde und sogar eine erste "Freundin", wenn man es in dem Alter denn so nennen kann. Sie schrieb mir jedenfalls Liebesbriefe und gab mir sogar mal einen Kuss auf die Backe :3. Nunja, die Freunde wurden weniger und mit den Jahren wurde ich zum absoluten Einzelgänger. Mit Mobbing hatte ich zwar nie Probleme, aber die Mitschüler mieden mich so gut es denn ging. In den vergangenen Jahren hatte ich trotzdem hin und wieder mal ein paar Bekannte woraus aber nie eine feste Freundschaft wurde. Ich empfand und empfinde den Kontakt zu anderen Menschen eher als Last.

Problem B:
Ich bin absolut gefühlskalt und kann keine Emotionen zeigen. Es gab in der Vergangenheit mehrere Todesfälle in meiner Familie (Auch enge Verwandte - Großeltern, Vater) und nie habe ich nur eine Träne vergossen. Der Tod meines Vaters machte mich schon sehr traurig, aber bei den anderen fühlte ich nichtmal eine Traurigkeit. Es fühlte sich einfach gleichgültig an, obwohl ein enges Verhältnis bestand. Anderes Beispiel: Vor zwei Jahren kam ich als Ersthelfer an einem schweren Motorradunfall vorbei. Den Fahrer hatte es vollständig zerissen und ich fand die Überreste eher interessant, als dass ich um die Person gekehrt hätte. Ich bin einfach vollkommen emotionslos.

Dazu kommen dann noch teilweise depressive und paranoide Phasen, das volle Programm. Ich weiß nicht was mit mir los ist. Teilweise fühle ich mich wie der letzte Psychopath.

ma_tiax Avatar
ma_tiax:#51356

Und was soll /we/ da tun? Geh zu einem Seelenklempner.

exevil Avatar
exevil:#51357

Ich glaub unter uns Bernds gibt es einige emotionslose

mactopus Avatar
mactopus:#51359

A und B sind das selbe Problem.

carlosgavina Avatar
carlosgavina:#51361

Vielleicht bist du einfach chronisch depressiv? Der Besuch beim Fachmann würde sich wahrscheinlich lohnen.

crhysdave Avatar
crhysdave:#51362

Dass du dir Gedanken über deine Emotionslosigkeit machst, zeigt, dass du sehr wohl Emotionen hast. Du denkst eben rational und das ist auch gut so.

yesmeck Avatar
yesmeck:#51364

>>51355
Seelsorger-Bernd hier. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Einzelgänger nicht ausschließlich an seinem Leben leidet. Es gibt sicher irgendetwas das dich auszeichnet, etwas, das dich besonders macht. Finde heraus, was das ist, beschäftige dich damit und entwickele dich weiter.
Zum Einzelgänger zu werden kann auch nur eine Phase sein, die dir Gelegenheit gibt, deine Fähigkeiten und Kenntnisse zu vertiefen.
Dein Leben will dich herausfordern, du hast jetzt Zeit, alle deine Eigenschaften zu vertiefen. Damals in der Schule habe ich irgendwann gemerkt, dass es niemanden gibt, mit dem ich mich richtig unterhalten kann, also habe ich begonnen, mich mit mir selbst zu beschäftigen und lernte dabei Zeichnen und Fremdsprachen. Ohne dass ich es darauf angelegt hätte, kam ich dadurch mit vergleichsweise interessanten Leuten in Kontakt. Also sieh die Sache konstruktiv, du hast jetzt die Chance, an dir zu arbeiten, einen gesunden Egoismus zu leben, damit du bald nur noch Menschen anziehst, mit denen du dich verstehst anstatt ewig nur in seichten Gewässern wie die breite Masse zu schwimmen.
Und wie Bernd sagt, du hast ganz sicher Gefühle, du bist nur zu intelligent, um dich überall anzupassen. Der Tod ist keine so traurige Sache, wie es uns vorgemacht wird. Mit dir ist alles in Ordnung.

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suprb:#51366

>>51364
Keine Offensive, aber irgendwie scheinst du ja jedem dasselbe um die Ohren zu säuseln. Wenn man es so nimmt, ist ja wohl wirklich alles "Intelligent".
>Und wie Bernd sagt, du hast ganz sicher Gefühle, du bist nur zu intelligent, um dich überall anzupassen
Also soll das quasi heißen, alle anderen sind dumm und lassen sich die Trauer um den Tod nur einreden? Wir reden hier von Gefühlen mein Lieber, nicht von Fakten. Da hat jeder ein Recht auf seine eigene Version, es gibt kein "intelligent" in dem Zusammenhang.
Mal ganz ehrlich, wenn der Tod nich traurig ist, was denn dann? Ist doch irgendwo menschlich, dass Verluste an Personen, die einem was bedeuten, schmerzhaft sind.
Womit wir zu OP kommen:
>>51355
Denn natürlich hat Seelsorgerbernd trotzdem Recht: Gefühle hast du sicherlich. Das ist nunmal einfach eine graduelle Sache, der eine hat schon ernsthaft am Verlust eines Hamsters zu knabbern, während andere halt "normal" reagieren und noch andere eher "kälter" sind und sich von sowas nicht aus der Bahn werfen lassen. Die Tatsache, dass dich der Verlust deines Vaters getroffen hat, zeigt ja, dass du nicht von allem kalt gelassen wirst. Mich, als einen eher sensiblen Menschen, kann manchmal jeder Scheiss zum weinen bringen, und dass ist sozial zumindest bei Männern stärker geächtet als ein Mangel an Sensibilität.
Das bringt mich zu der Frage: Wo genau ist jetzt das Problem? Du hast 2 Sachverhalte geschildert. Willst du diese denn ändern? Würdest du gerne viele Freunde haben? Würdest du gerne mehr unter Verlusten leiden und ein weniger kompetenter Ersthelfer sein?
Das Problem scheint zu sein, dass du irgendwelchen Idealen nacheiferst, die deinem Naturell einfach nicht entsprechen.

Achja und wenn du noch eine Küchenpsychologendiagnose willst:
Schizoide Persönlichkeitsstörung. Kannste ja mal googlen. Wird dich aber sicher auch nicht weiterbringen. Spassfakt: Am Anfang meiner aktuellen depr. Phase war ich irgendwie extrem hypochondrisch und mir zeitweise sicher, das zu haben (obwohl aktuell noch Freunde habend, eher zu emotional, nicht gerade außergewöhnlich einzelgängerisch).

Für ernsthafte Hilfe bleibt dir wohl nichts außer der Besuch beim Psychodoktor.

Chakintosh Avatar
Chakintosh:#51367

>>51366
> scheinst du ja jedem dasselbe um die Ohren zu säuseln

Die Unfähigkeit zu zwischenmenschlichen Beziehungen ist auch im Seelsorger-Faden ein wiederkehrendes Thema. Bevor ich nicht etwas höre, das auffällig und besonders klingt, kommt tatsächlich erstmal etwas Vorhersehbares.
Es kann so viele Gründe geben, warum der Tod einen nicht traurig macht. Entweder hat man seinen Frieden mit den Personen gemacht, man hat allgemein keine Angst vor dem Tod, schließlich ist es ja eine alltägliche Sache, die westliche Gesellschaft versucht sie nur so gut es geht, zu verstecken, und das sind noch nicht alle Möglichkeiten.
Es gibt Gesellschaften, in denen der Tod mit Freudenfesten begangen wird. Der Tod selbst ist tatsächlich etwas Neutrales, und es hängt durchaus sehr stark von der Kultur und der Erziehung ab, wie wir mit ihm umgehen. Ähnlich verhält es sich mit Schmerz. Man möchte es nicht glauben, aber Schmerz ist tatsächlich auch zu einem bedeutenden Teil eine Frage der Erziehung. Bei Interesse kann ich zu den verschiedenen Punkten Quellen liefern.
Natürlich sind die Trauernden nicht dumm, jedes Gefühl ist an und für sich richtig und in Ordnung. Aber ob man nach jedem Gefühl handeln muss, ob man jedes Gefühl ausdrücken muss, das hängt ab von Erziehung, Moral und den eigenen Werten.
Bei Seelsorgerbernd ist es so, dass er oft in Momenten, bei denen andere die Nerven verlieren, sehr stark bleibt, zum Beispiel bei Tod und Unfällen. Ich scheine für die Krisen gemacht zu sein, irgendwie sehe ich da meinen Sinn. Dagegen ist der Alltag oft unerträglich und Kleinigkeiten könnten mich in Freudentaumel oder Weinkrämpfe versetzen. Was OP verstehen sollte, ist, dass es schon seinen Sinn hat, dass er innerlich so fühlt (oder eben nicht). Er ist darum kein mißratener Mensch, er fühlt vielleicht einfach anders und drückt seine Gefühle eben nicht dort aus, wo es alle tun.

albertodebo Avatar
albertodebo:#51368

>>51366
> Ist doch irgendwo menschlich, dass Verluste an Personen, die einem was bedeuten, schmerzhaft sind.

So etwas ist nur solange traurig, wie man glaubt, dass die Verstorbenen wirklich spurlos verschwunden wären. Am traurigsten ist noch, wie sehr Bestatter einen abzocken, wenn man Angehörige begraben muss. Aber mit etwas Glück kommt man irgendwann dazu, die Dinge aus einem Blickwinkel zu sehen, der zeigt, dass in diesem Universum nichts verloren geht. Genauso wie die Wärme der Glut einer Zigarette, die verlöscht, nicht verloren ist, sondern zurückkehrt zum ursprünglichen Potenzial, so ist auch kein Mensch verloren, weil selbst noch der feinste Teil von ihm Zutat des Ganzen ist, und das Ganze bleibt immer ganz.

malgordon Avatar
malgordon:#51369

>>51368
Zunehmende Entropie, Esoterikbernd, kennst du sie?

arashmanteghi Avatar
arashmanteghi:#51370

>>51369
Wenn sich eine Brausetablette im Wasser auflöst, ist ihre Form (die In-Form-ation) zwar hinüber, ihre Bestandteile bleiben aber erhalten. Es gibt keinen Verlust, tausend Menschen werden geboren, die Formen ändern sich fortwährend.

hammedk Avatar
hammedk:#51373

>>51370
> Es gibt keinen Verlust
Thermodynamik, kennste? Die Sonne wird immer kälter, die Erde dreht sich immer langsamer.

tereshenkov Avatar
tereshenkov:#51375

>>51373
Die Sonne wird kälter, weil sie ihre Energie verbraucht. Die Energiemenge des Universums bleibt gleich, wo die Energie vorher in der Sonne war, ist sie darauf verteilt auf den Kosmos. Müsstest du auch wissen. Genauso verhält es sich mit jedem Lebewesen, er verschwindet nicht, er ist bloß wie ein Legohaus, das wieder in seine Grundbausteine zerfällt und damit zum allgemeinen Potenzial beiträgt, dass neue Dinge entstehen können.
Ist doch nicht schwierig zu verstehen, oder?

jpotts18 Avatar
jpotts18:#51377

>gefühlskalt
Ich auch, aber ich seh das als Vorteil. Bei dem ganzen Gore den ich so sehe, glaube ich werde ich in realen Situationen wesentlich besser damit handeln können, als jeder andere. Um mich rum halten mich dann halt alle für verrückt. Aber scheiß drauf.

snowwrite Avatar
snowwrite:#51378

>>51377
Schockierende Szenen können manche auf der visuellen Ebene noch ertragen, anders sieht es mit Gerüchen aus. Man muss schon hartgesotten sein, um die Fassung bewahren zu können bei deftigem Verwesungsgeruch.

layerssss Avatar
layerssss:#51379

>>51375
Dein naturwissenschaftliches Weltbild ist so ungefähr 400 vChr stehen geblieben. Dass du deine spirituellen Ansichten nicht als solche erkennst, ist der Internetzelite unwürdig.

RussellBishop Avatar
RussellBishop:#51380

>>51379
Gerne lasse ich mich auf den neusten Stand bringen. Mittlerweile dehnt sich das Universum demnach nicht nur immer weiter aus, all sein Inhalt geht also auch zunehmend verloren und läuft aus ins Nirgendwo?