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Veröffentlicht am 2015-12-19 16:37:56 in /we/

/we/ 51685: übersteigerte Empathie -> schizoide Persönlichkeit?

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#51685

Bernd hat keine rechte Freude am Treffen mit anderen Menschen und meidet soziale Kontakte, soweit es ihm möglich ist. Was ihm die Sache vermiest, ist ein unwahrscheinliches Gedankenrasen. Dies tritt während der Treffen selbst auf, hauptsächlich aber direkt danach. Er denkt dann über das Geschehene nach und analysiert es. Dem kann er sich nicht erwehren. Mindestens eine Situation fällt ihm bald ein, in welcher er seine Mitmenschen emotional verletzt haben könnte. Dann empfindet er eine quälende Schuld. Ein Zucken seiner Mimik tritt ein und hört erst auf, wenn er sich in irgendeine Beschäftigung stürzt.

Vermutung im Betreff. Dass die Begriffe sich eigentlich ausschließen, ahnt er. Am wichtigsten wäre ihm aber sowieso von anderen zu hören, die so empfinden. Und am besten: Strategien, damit umzugehen.

joshclark17 Avatar
joshclark17:#51686

kombt mir bekannt vor, Bernd.
Es hilft zu wissen, dass man wann immer man vor die Tür tritt, ganzdollvielen Feinden entgegentritt: Bazillen, Krankheiten, Beleidigungen, Werbung, es ist wie das Geschrei im Dschungel. Dies auszuhalten gehört zum Leben, drum mache dir keine Sorgen, andere zu beleidigen. Würden sie es nicht aushalten, könnten sie nicht vor die Tür treten.

bnquoctoan Avatar
bnquoctoan:#51695

hast du dich schonmal über hochsensibilität informiert? mir geht das ähnlich und ich finde das bis jetzt am passendstens für meine "symptome"

emilioiantorno Avatar
emilioiantorno:#51699

Selbstdiagnosen sind immer retardiert


Also piss dich

falvarad Avatar
falvarad:#51700

Ist eher unsicher-vermeidende PS. Schizoide Menschen sind eher komplett empathielos und geben keinen Fick. Geh aber mal zum Psychiater, der erklärt dir das besser

joshkennedy Avatar
joshkennedy:#51701

>>51699

>Am wichtigsten wäre ihm aber sowieso von anderen zu hören, die so empfinden. Und am besten: Strategien, damit umzugehen.

pakhandrin Avatar
pakhandrin:#51720

>>51701
Ja nur hat Schizoide nix mit "übersteigerter Empathie" zu tun, sondern eher das Gegenteil. Schizoide sind Leute, die vorher mal zu empfindlich waren, und im Laufe ihres Kindesalters und ihrer Jugend deshalb emotional verkrüppelt sind.

OP hört sich nach Sozialphobie an. Diese kann Teil einer SP sein, muss aber nicht.

aadesh Avatar
aadesh:#51721

>>51685
Was die anderen sagen, trifft absolut zu. Schizoid bist du, wenn du ohne besonderen Grund soziale Kontakte meidest. Du hingegen beschreibst sofort den Grund, warum du diese meidest.
Ich kenne solche Fühls und würde sagen, du hast ganz einfach eine Depression.
Viele raffen halt nicht wirklich was das ist, und denken Neetbernd der nur abgammelt und antriebslos ist sei das Paradebeispiel.
Dabei ist "Grübeln" (das beschreibst du) eines der Leitsymptome der Depression - das geht bis hin zum Schuldwahn, in dem man anfängt zu glauben für alles Übel in der Welt verantwortlich zu sein. Wobei das natürlich ein Extremfall ist.
Ehrlich gesagt kommt mir das alles erschreckend bekannt vor, sowohl das Grübeln über Fehltritte als auch der unsinnige Verdacht, an einer schizoiden PS zu leiden - hatte Mitte diesen Jahres eine Phase, in der es mir sehr ähnlich ging.
Geht es dir denn immer so? Also das mit dem Gedankenrasen. Und immer in dem selben Ausmaß wie aktuell?
Die depressive Symptomatik kommt natürlich nicht aus dem "Nichts", d.h. wenn du jemand bist dem es scheissegal ist, ob du Gefühle verletzt, würdest du in einer Depression wohl auch nicht auf den Trichter kommen. Die Depression trifft halt immer deine Schwachstelle, wenn man so will.
Ich hatte im Nachhinein einfach das Gefühl, alles negative viel stärker wahrzunehmen. Es stört mich immer, dass ich nicht so sozial bin, wie ich gerne wäre, dass ich nicht über Dinge reden kann und das ich mich nicht öffnen kann - aber in dieser schlimmen "Phase" wurden aus diesen Hürden, die man manchmal auch kurz überwinden kann, riesige Berge, und ich hatte das Gefühl nichts mehr in meinem Leben vor mir zu haben, das von Wert ist.

Entschuldige die Textwand, vielleicht hast du auch was anderes und ich steigere mich nur rein, aber es kommt mir einfach so bekannt vor. Achja, Hypochondrie ist übrigens auch sehr häufig bei Depression (weil du ja scheinbar schon Krankheiten googlest und sofort etwas sehr drastisches annimmst).
Muss dich aber noch warnen, ich habe keine Diagnose (weil natürlich nicht zum Arzt gegangen), aber bin mir ziemlich sicher das ich depressiv war - zumindest aber eher als schizoid.

Bleib stark Bernd,
dein Bernd.

bouyghajden Avatar
bouyghajden:#51725

>>51721

Vielen Dank, Bernd.

Es ist gut, dass du das mit der Depression sagst. Ich glaube, unterbewusst hatte ich den selben Verdacht. Dass diese ungeheuren Probleme im Sozialen also auf eine Art Krankheit zurückzuführen sind. Nun ist es aber so, dass meine allgemeine Situation sich, sowohl objektiv als auch subjektiv, in den letzten 2, 3 Jahren sehr verbessert hat. Wenn ich eine Depression hatte, dann müsste sie eigentlich vorbei sein.

Ich habe mich einmal kräftig geschüttelt und die Depression ist von mir abgefallen. Aber so sehr ich mich nun auch weiter schüttele: das Wahnsinnige im Mitmenschlichen ist geblieben. Und somit keimt in mir der Verdacht, es könne sich hierbei nicht einfach nur um einen krankhaften Zustand handeln. Sondern um einen Wesenszug von mir: um etwas, was für den Rest meines Lebens bei mir bleiben wird.

Das macht mir wirklich große Angst.

Es sei noch gesagt, dass ich seit fast 2 Jahren in einer wöchentlichen Gruppentherapie bin. Aber ach, erzähle ich dort davon, wollen die Therapeuten immer nur über meine Kindheit und meine Eltern reden. Aus der Psychoanalyse kommen die. Das muss gar nicht falsch sein. Aber ich habe die Hoffnung verloren, darüber Besserung, oder auch nur Linderung, zu finden.

markmushiva Avatar
markmushiva:#51726

>>51686

Danke. In letzter Zeit denke ich immer mehr, dass das der richtige Weg ist: sich solche Gedanken zu nehmen und anhand derer seine Gefühle zu formen. Nicht andersherum.

BillSKenney Avatar
BillSKenney:#51727

>>51695

Ich finde für mich nur schwer einen Zugang zu dem Begriff, muss ich sagen. Es scheint etwas mit Empfindlichkeit zu tun. Ich hätte mich immer als eher unempfindlichen Menschen verstanden. Erst einmal hätte ich also gesagt, dass nicht das Problem ist, wie viel bei mir im Kopf ankommt. Sondern was ich aus dem Wenigen mache, was ankommt. Doch vielleicht bin ich da auch im Unrecht.

mattsapii Avatar
mattsapii:#51900

https://de.wikipedia.org/wiki/Taijin_Ky%C5%8Dfush%C5%8D
https://en.wikipedia.org/wiki/Taijin_kyofusho

Meint ihr, das passt?

herrhaase Avatar
herrhaase:#51910

>>51900
Es ist japanisch, also muss es gut sein.