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Veröffentlicht am 2016-01-02 16:40:43 in /we/

/we/ 51808: Ich sehe ein, dass Selbstmitleid unproduktiv ist und ma...

olgary Avatar
olgary:#51808

Ich sehe ein, dass Selbstmitleid unproduktiv ist und man sich versuchen sollte zu bessern egal wie schlecht die Karten sind die man vom Leben bekam.

Aber gleichzeitig kann ich es nicht recht glauben, dass wir alle die gleichen Empfindungen haben und somit erfolgreiche Menschen sich genauso fühlten wie man selbst und lediglich unangenehmen Gefühlen mit Willenskraft getrotzt haben. Wenn ich so Beitrage von erfolgreichen Menschen lese kommt es mir vor als hätten sie einen natürlichen Antrieb zur selbstbesserung und Erfolg. Oder sie wurden stark von ihrem Umfeld unterstützt. Bei manchen ist dieser Antrieb nur später erwacht. Aber ich bekomme selten den Eindruck, dass sie sich selbst tragen mussten wie es Versagern oft empfohlen wird.

Beispiel: ein Versager hat das starke verlangen auf Bilderbrettern zu lauern und hat es sehr schwer sich zum etwas produktiven aufzuraffen. Währenddessen ist der Gedanke seine Zeit zu verschwenden für den natürlich antriebsvollen Menschen abstoßend.

Wieso interessiere ich mich dafür wie es anderen geht, statt mich auf mich zu konzentrieren? Weil das die Leute sind die einem Ratschläge geben und mit denen man sich in der Gesellschaft konkurrieren muss. Wenn ihnen alles einfacher fällt habe ich es schwerer.

Lese ich einfach die falschen Beiträge? Es geht mir nicht darum zu beweisen, dass ich nichts an mir ändern kann und somit gerechtfertigt bin mich gehen zu lassen sondern darum Ratschläge von Menschen zu bekommen denen es wie mir geht/ging.

Selbstbesserung fällt mir sehr, sehr schwer und ich würde mir dumm vorkommen wenn ich mich für meine Erfolglosigkeit hassen würde und denken würde, dass ich es verdient habe weil ich nicht hart genug arbeite wenn es andere einfach einfacher haben. Andererseits weiß ich nicht wie man das feststellen könnte.

vigobronx Avatar
vigobronx:#51809

>>51808
>Selbstmitleid unproduktiv
Depressive konsumieren nicht.
>Selbstbesserung
Kaufe dir Zeug, um dich besser zu fühlen oder gib Mullen und ihren Kindern Geld, um selbiges zu tun.
Stecke all deine Energie in die Beschaffung von Ressourcen für den dauerhaft unbefriedigenden Konsum, dann bist du ein nützliches Mitglied der Gesellschaft.
Das war auch schon alles. :3

katiemdaly Avatar
katiemdaly:#51810

>>Aber gleichzeitig kann ich es nicht recht glauben, dass wir alle die gleichen Empfindungen haben und somit erfolgreiche Menschen sich genauso fühlten wie man selbst und lediglich unangenehmen Gefühlen mit Willenskraft getrotzt haben

Man geht davon aus (wer? keine Ahnung), dass Depression sich nicht qualitativ vom 'normalen' Erleben unterscheidet, sondern eher quantitativ. Das heißt, dass Bernd die Umwelt nicht per se scheiße sieht und ein Normalo die gleiche Welt halt toll empfindet, sondern, dass der Normalo mehr Möglichkeiten hat, als Bernd. Mehr Möglichkeiten zu positiven Situationen, mehr Möglichkeiten zu Dingen, die ihm Spaß machen, mehr Möglichkeiten einfach er zu sein, der er gerne sein möchte.

Der Normalo muss sich also gar nicht so sehr anstrengen, weil er einfach viel bessere Ressourcen hat. Kommt für den Normalo mal eine beschissene Situation, dann kann er damit viel eher handeln, weil er viele Möglichkeiten besitzt, aus der Misere wieder herauszukommen.

Wenn du unten bist, dann siehst du halt alles, was du nicht hast. Und dann bist du vielleicht mal in einer Situation, die gut für dich ausgehen könnte, du hast aber eine viel zu selektive Wahrnehmung für das Schlechte, dass du gar nicht dein Potential ausschöpfen kannst. Du ziehst vielleicht direkt den voreiligen Schluss "ja, aber weil der Aspekt xy scheiße ist, ist die gesamte Situation scheiße. Es ist alles so wie immer, ich wusste es doch".

Schlüssel ist es also, dass Bernd erst mal aus dem Loch kommen muss. Er muss sich die Möglichkeiten, die der Normalo schon viel früher bekommen hat, erarbeiten.
Ist er erst mal oben, dann sieht auch er, dass das Glück zu den Glücklichen kommt.

alexradsby Avatar
alexradsby:#51811

Ja Bernd, du hast wohl mit all dem Recht, was du schreibst. Wenn man sein Leben in den Griff bekommt, kann man aber auch als Bernd glücklich werden.

falvarad Avatar
falvarad:#51813

>>51811
>>Wenn man sein Leben in den Griff bekommt, kann man aber auch als Bernd glücklich werden

Ich weiß nicht, ob du mich
>>51810
meinst, aber das ist so ca. das, was ich versucht habe auszudrücken. Nur wenn man die genannten Möglichkeiten (Ressourcen) besitzt, ist man in der Lage, mit Unangenehmem gescheit zu handeln. Aber jeder (auch Bernd) kann sich diese Ressourcen aufbauen. Und somit kann jeder auch sein Leben auf die Reihe bekommen / glücklich werden.
Hat man sie erst ein mal, dann sieht man auch, dass der "Antrieb zur Selbstbesserung und Erfolg" von ganz alleine kommt und keine angeborene und exklusive Fähigkeit des Normalos ist: Wenn du dein Leben mal ein wenig in den Griff bekommst, dann hast du auch mehr Möglichkeiten, es weiter im Griff zu behalten. Jetzt stehst du vor einem riesigen Berg von Scheiße und weißt gar nicht, wo du anfangen sollst.

Der Normalo hat diese Ressourcen halt schon viel früher erworben oder musste im Idealfall gar nichts dafür tun, weil ihm seine Umwelt wohlgesonnen war. Aber Bernd, wenn ich es schaffe, dann schaffst du es auch.