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Veröffentlicht am 2016-11-22 20:47:01 in /we/

/we/ 53456: Hallo Bernd. Im Moment ist es einfach alles zu viel f&...

krdesigndotit Avatar
krdesigndotit:#53456

Hallo Bernd.
Im Moment ist es einfach alles zu viel für mich. Ich merke einfach, dass ich viel zu schnell an meine Belastungsgrenze komme. Und die liegt wirklich nicht hoch.

Ich habe das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr kann, dass mich jede Kleinigkeit überfordert.
Ich Studiere und muss meine Abschlussarbeit schreiben. Dafür habe ich insgesamt drei Monate Zeit. Nach der Hälfte der Zeit habe ich nun aber noch gar nichts vorzuweisen. Ich habe von den 40 Seiten Text zwei Seiten geschrieben und merke, dass ich noch nicht mal im Ansatz den theoretischen Teil durchdrungen habe bezüglich Lektüre.
Ich sehe nur die Frist und mit jedem Tag bekomme ich mehr Angst und habe weniger Kraft mich aufzuraffen, irgendwas dafür zu tun. Seit zwei Wochen mache ich auch gar nichts mehr. Ich öffne alle vier Tage mal das Dokument, starre eine halbe Stunde auf meine zwei Seiten und füge vielleicht mal einen Zeilenumbruch ein, den ich nach weiteren 15 Minuten wieder Rückgängig mache. Danach schließe ich das Dokument wieder und bin wie in einer Starre für den Rest des Tages.
Meine Eltern, die mich finanzieren, wollen, dass ich nebenher nun auch noch arbeite. Aber wie soll ich das alles schaffen? Die Arbeitsstelle, die sie mir beschaffen wollen würde mich wohl auch komplett überfordern. Und wenn ich mich schlecht anstelle, dann würde das auch auf sie zurückfallen.

Ich habe Angst. Ich weiß auch nicht, was ich machen sollte, wenn ich den Abschluss tatsächlich bestehen sollte. Ich muss mich jetzt eigentlich auch schon um ein etwaiges Folgestudium kümmern. Dabei weiß ich nicht mal ansatzweise, was ich machen sollte. Mich interessiert es eigentlich auch gar nicht mehr und ich habe angst, dass ich es riesig verkacke.

Dann kommt noch hinzu, dass ich eigentlich keine Freunde mehr habe. Drei Bekannte, mit einem mache ich alle drei oder vier Wochen mal was. Den Rest der Zeit bin ich allein in meiner Wohnung. Ich habe keine sozialen Kontakte sonst. Nur noch meine Eltern.
Allerdings gibt es da nun dieses Mädchen, dass ich durch Zufall kennengelernt habe. Sie findet mich aus irgendeinem Grund toll (ich schreibe hauptsächlich übers Internet mit ihr, wir haben uns bis jetzt nur ein mal in echt gesehen). Sie hat einen Freund, aber es fühlt sich so an, als fände sie mich toll. Tut sie wahrscheinlich nicht, aber es tut trotzdem gut es zu denken. Wir schreiben sehr viel und sie ist mittlerweile der einzige Inhalt meines Tages. Ich habe aber angst, dass sie herausfindet, dass ich so unglaublich langweilig bin.

Es gibt sonst auch nichts mehr, auf was ich mich freue. Weihnachten und Silvester werde ich dieses Jahr wohl auch alleine verbringen. Sonst waren immer Freunde da. Ich fühle mich einsam.

Dazu kommt, dass dadurch, dass ich meinen Eltern sagte, dass ich den Job wahrscheinlich nicht schaffe, sie nun maßlos von mir enttäuscht sind. Ich weiß nicht, wie ich mit all dem umgehen soll.

Ich würde so gerne einfach eine Tätigkeit verfolgen, die ich kann. Einen einfachen Beruf, geregelte Arbeitszeiten, kein Risiko. Einfach morgens aufstehen, abends ins Bett fallen und am Wochenende vielleicht mal mit Freunden treffen. Aber weil mich alles so sehr überfordert, habe ich andauernd Stress. Riesigen Stress. Ich habe so viel Stress, dass ich zu nichts komme. Und das macht mir noch mehr Stress.

Ich will einfach nicht mehr. Suizid war für mich schon immer ein Gefühl der Sicherheit. Und in den letzten Tagen und Wochen dachte ich, wenn ich jetzt eine Waffe hätte, ich würde es tun. Für alle anderen Wege bin ich zu feige. Vielleicht ist das aber auch nur ein kleiner oder großer Schrei nach ein bisschen Aufmerksamkeit. Aber wer will es verübeln? Wenn man nie Aufmerksamkeit bekommt, dann wird man irgendwann so wie ich.

Ich wache morgens auf und wünsche mir nichts sehnlicher als Abends endlich wieder schlafen gehen zu können, dass damit der nächste Tag vielleicht besser wird. Aber natürlich ist es klar, wohin das führt.

Ich weiß auch gar nicht, was man jetzt auf diesen inhaltslosen Text antworten könnte. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich angefangen habe, diese Zeilen zu schreiben.
Kannst du mir vielleicht einfach nur ein bisschen gut zu reden, Bernd? Ich weiß einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll.

damenleeturks Avatar
damenleeturks:#53457

Immerhin hast du es bis zur Abschlussarbeit geschafft. Mich hat dein Pfosten zum Beispiel unendlich traurig (und nervös) gemacht, weil er mir vor Augen führt, wie hoffnungslos erfolglos ich bin.

Wenn ich eine Waffe hätte, würde ich mich ohne zu zögern sofort erschießen.

roybarberuk Avatar
roybarberuk:#53458

Feeke es und scheiß auf Gewissen.

Die denen das leicht fällt, machen Karriere.

Die denen das schwer fällt werden Schaf.

Die denen das nicht gelingt, werden NEET.

so wie dieser Bernd.

vladyn Avatar
vladyn:#53459

>>53458
>Feeke es und scheiß auf Gewissen.

Wie meinst du das?

---

Oh Gott, Bernd. Mir gehts heute Abend so schlecht. So fürchterlich schlecht. Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ich habe mich noch nie so sehr einsam gefühlt wie heute. Nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein. Nichts scheint mehr wichtig zu sein. Alles ist nur noch eins. Ich bin innerlich leer, starre mit totem Blick auf den Bildschirm. Was kann ich tun? Ich setze mich nun ins Auto, fahre zu McDonalds und gebe meine letzten zehn Euro für diesen Monat für ein Menü aus.
Dann fahre ich vielleicht irgendwohin, rauche eine Zigarette in der Dunkelheit.

Ich muss irgendwas tun. Irgendwas. Einfach nur ablenken. Das betäubende Gefühl muss weg. Bitte.

polarity Avatar
polarity:#53460

>>53459

Ich nehme dich in Gedanken in den Arm, unbekannter Bernd.
Wisse einfach nur, dass jemand an dich denkt und wünscht, dass du etwas findest, was dir hilft aus diesem loch zu kommen.
Mir helfem lange spaziergänge etwas.
Gibt es jemanden, den du anrufen oder besuchen kannst?

peterlandt Avatar
peterlandt:#53463

>>53460

Danke. Vielleicht klingt meine Antwort nur nach einer Floskel, aber ich bin dir wirklich dankbar Bernd.
Heute geht es mir schon wieder ein bisschen besser. Wie der Zufall es so wollte hat mich nach Monaten tatsächlich heute morgen angeschrieben, ob ich Lust hätte mich mal wieder zu treffen.
Vielleicht sehen wir uns dann nächste Woche. Darauf freue ich mich nun.

andyisonline Avatar
andyisonline:#53464

>>53463
*ein Freund

sunshinedgirl Avatar
sunshinedgirl:#53465

>>53463

das freut mich für dich. Denk immer daran, Du bist niemals ganz verloren.
Jemand da draußen wartet auf Dich.
Mit unerschöpflicher Geduld.

mugukamil Avatar
mugukamil:#53466

Das mit Freunden ist so ne Sache. Du willst, dass sich jemand meldet? Das heißt, dass sich jemand denk, oh Bernd, was macht der denn wohl?
Das ist geben und nehmen. Wie oft meldest du dich? Wenn von 100 Bernds 100 sich denken "ach warum meldet sich niemand" passiert nix. Wenn sich 50 das denken, dann passiert was. Statistisch sollten sich dann ungefähr bei 25 nicht-melde-Bernds jemand melden, der Rest meldet sich bei melde-Bernds. 25 nicht-melde-Bernds sitzen alleine daheim und warten.
Ich kenn das fühls. Dann hab' ich aber festgestellt, dass ich mich auch nie melde. Komisch, ne? Man meldet sich nie, und niemand sich bei dir. Könnte sein, dass da ein Zusammenhang besteht.

Ich weiß, hilft dir jetzt auch nicht weiter. Aber mal soviel zur melde-Theorie.

Nicht zuletzt, wenn's dir scheiße geht, melde dich. Und heul' los, natürlich nicht sofort, aber nicht erst sagen dass alles ok ist. Wirst erstaunt sein, wie viele Bernds das akzeptieren, und dich aufmuntern. Würdest du doch auch tun, oder?

yehudab Avatar
yehudab:#53467

>>53466
Danke für deine Antwort.
Ja, das ist leider wirklich ein Problem. Allerdings habe ich auch nicht so viele Personen, bei denen ich mich melden könnte. Den Personen, bei denen ich mich ab und zu melde, täusche ich oft ein halbwegs intaktes Leben vor. Deswegen kann ich sie nicht jede Woche anfragen, sonst würden sie erfahren, wie es um mich steht. Und das will ich nicht.

Aber ja, du hast recht. Es wäre sicherlich hilfreich, wenn ich mehr Initiative ergreife.

Ach.

crhysdave Avatar
crhysdave:#53468

Wieso nimmst du dir nicht einfach eine Auszeit und gehst eine Zeit lang arbeiten?

Du weißt sowieso nicht, was du weiterstudieren sollst. Es ergibt keinen Sinn, jetzt einfach irgendetwas zu machen. Nimm dir lieber etwas Zeit und triff dann eine wohlüberlegte Entscheidung. Schließlich entscheidest du hier nicht nur über ein paar Studienjahre, sondern auch über deine ersten Arbeitsjahre. Die Richtung, die deine Karriere nimmt, gibst du jetzt vor. Überlege dir gut, was du machst. Deine Eltern werden das schon verstehen.

Der Stress wäre dann auch passé. Beis einfach noch 1 1/2 Monate die Zähne zusammen und gut ist. Mit einem klaren Ziel vor Augen leidet es sich leichter.

starburst1977 Avatar
starburst1977:#53474

3 Tipps noch zusätzlich zu Freunden und Arbeit: ein Psychotherapeut (CBT), ein Lebensziel, jeden Tag sich was Gutes gönnen.

buleswapnil Avatar
buleswapnil:#53476

>>53468
>Wieso nimmst du dir nicht einfach eine Auszeit und gehst eine Zeit lang arbeiten?

Das würde ich wirklich sehr gerne. Mein Leben ist aber aufgrund von Abhängigkeiten sehr stark fremdbestimmt. Ich weiß nicht, ob das ginge.
Aber es würde mir sicherlich gut tun. Angenommen, ich schaffe die Abschlussprüfung, dann wird es eh im Sommersemester keinen direkten Anschluss geben, denke ich. Vielleicht kann ich dann in der Zwischenzeit eine sinnvollere Arbeit suchen und vielleicht gefällt es mir dann so gut, dass ich dort erst mal bleibe.


>>53474
>3 Tipps noch zusätzlich zu Freunden und Arbeit: ein Psychotherapeut (CBT), ein Lebensziel, jeden Tag sich was Gutes gönnen.

Therapeuten kann ich leider nicht in Anspruch nehmen, da das meine Eltern erfahren würden. Das kann ich leider nicht machen. Nach einem Lebensziel suche ich schon lange; im Moment brauche ich wohl einfach erst mal etwas, in dem ich funktionieren kann. Ich brauche das Gefühl, dass ich die Aufgabe, die ich zu bewältigen habe, auch schaffe. Bis jetzt hatte ich dieses Gefühl noch nie. Habe zwar immer alles irgendwie so hinbekommen. Aber es war immer knapp und ich hatte nie das Gefühl, dass ich in dem, was ich tue, gut bin.
Ich habe leider wenig, was ich mir gönnen kann. Ich vereinsame vorm PC.

Aber es gibt auch andere Neuigkeiten. Das Mädchen hat im Spaß gesagt, dass ich sie mal wieder besuchen kommen soll und ich habe all meinen Mut zusammengenommen und einfach mal gesagt, dass ich sie "jetzt" besuche. War zuerst komisch, aber dann haben wir noch ein wenig darüber gescherzt. Bin aber schlussendlich tatsächlich zu ihr und es war ein schöner Abend. Nun weiß ich aber nicht, was ich weiter darüber denken soll. Ich glaube, sie mag mich vielleicht wirklich. Aber das passt mir so gar nicht, da ich weiß, dass wenn ich denke, dass sie mich mag, ich irgendwann richtig verscheißen werde, etwas blödes sage und sie mich danach hasst.
Jetzt mache ich mir so viele Gedanken um das Thema, dass ich auch gar nicht mehr wirklich mit ihr reden kann.
Das schlimme ist, dass mich dieser Umstand eigentlich freuen sollte, da ich sie ja selbst mag. Aber irgendwie artet das schon wieder nur in emotionalem Stress für mich aus. Aber ich will auch nicht, dass sie einfach geht.