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Veröffentlicht am 2017-02-06 12:05:33 in /we/

/we/ 53672: Versagensanalyse

ankitind Avatar
ankitind:#53672

Hallo Bernd! Ich bin schon seit längerem stiller Mitleser und wollte dir von meinem Versagen der letzten Jahre berichten und deine Meinung erfragen.

Ich habe einigen Jahren ein gutes Abitur gemacht, und bin seitdem seit über 4 Jahren Student. Ich war nicht nur ein guter Schüler, sondern auch ein guter Student.
Mein Problem war jedoch immer, dass ich nie wusste, und bis heute nicht weiß, was ich will, was ich kann und was ich brauche.
So kam es, dass ich ein Studium begann, gute Leistungen hatte, und nach 2 Semestern zu etwas anderen gewechselt bin. Dort bin ich seit Jahren eingeschrieben, hatte Topnoten, bis es mir aber auch langweilig wurde und seitdem stürze ich leistungsmäßig nur ab oder schreibe gar keine Prüfungen.
Mich trifft regelmäßig die Sinnkrise, da ich einfach nicht weiß, in welche Richtung es mich schlägt. So bin ich mit 24 Jahren, also fast Mitte 20, total perspektivlos - trotz zumindest ordentlichem Talent in vielerlei Bereichen.

Bewerte mein Versagen, Bernd!
Und: ist mit 24 schon alles zu spät? Wie inzu seinen Weg finden?
Auch: allg. Tipps erbeten.

vocino Avatar
vocino:#53673

Was für Studiengänge hast du denn durch?

Bernd studiert zwar nicht, aber ihm geht es ähnlich wie dir.
Konnte mich nie entscheiden, habe dann eine krebsige Ausbildung als Bürokaufmann gemacht und (wenigstens das) auch abgeschlossen. Bewerbungen für diesen Job schrieb ich keine, auch nicht an den Betrieb bei dem ich die Ausbildung machte.
Die "Lösung" für mich war, kein Witz, Zeitarbeit. Erst ging ich natürlich ungerne dorthin, aber musste ja vom Amt aus. Dann lernte ich aber die Vorzüge kennen: Kein Stress mit Bewerbungen, keine Entscheidungen und man kommt etwas rum und lernt viele Firmen kennen.
Mittlerweile (nach etwa 1,5 Jahren und rund 5 Firmen) wurde ich auch von einem großen Dax-Konzern übernommen, die Arbeit macht mir Spaß (ich bediene Spritzgußvollautomaten und mache Qualitätskontrollarbeiten) und ich wäre von mir aus niemals auf die Idee gekommen mich in diese Richtung zu orientieren. Mir hat auch nie jemand gesagt wie gut man als "ungelernter" in der Industrie verdient.. Hätte ich das damals gewusst hätte ich mir den Bürokrebs erspart.

Aber genug von mir; Vielleicht brauchst du ja auch einen Anstoß von aussen der dir vorgibt was du machen sollst. Wenigstens ein Weilchen. Es muss ja nicht gleich verpflichtend sein wie ein Zeitarbeitsvertrag, aber vielleicht eine Berufsberatung beim Arbeitsamt? Oder vielleicht gibt es an deiner Uni ja Veranstaltungen die in diese Richtung gehen. Kann mich dunkel erinnern mal während der Berufsschule an der örtlichen Uni gewesen zu sein als dort so ein "Kennenlernen" zwischen Firmen und Interessenten stattfand.

>Und: ist mit 24 schon alles zu spät?

Nein. Ab 30 solltest du aber anfangen dir Gedanken zu machen. Vorher ist eigentlich alles offen, selbst eine Ausbildung kannst du jetzt noch ohne Probleme machen wenn du das wollen solltest.

yangpeiyuan Avatar
yangpeiyuan:#53681

Danke für die Worte Bernd! Du schreibst dir geht es ähnlich, willst du bisschen von dir erzählen?

surajitkayal Avatar
surajitkayal:#53682

Kann es sein, dass du an Depressionen leidest? Lethargie und die Unfähigkeit, an etwas Freude zu empfinden, kann darauf hindeuten. Woran das liegt, kann viele Gründe haben, vielleicht bist du hochbegabt und im Studium unterfordert, vielleichst hast du genetisch Pech gehabt, etc....

Ich würde dir raten zur psychologischen Beratungsstelle deiner Universität zu gehen, um rauszufinden, ob deine Probleme damit zusammen hängen. Bedenke, dass es keine Schande ist, Probleme mit Depressionen zu haben, und man kann was dagegen machen. Eine kurze Wikipediarecherche hat ergeben, dass die Chance, im Leben Depressionen zu kriegen zwischen 11% und 14% liegt, also echt nicht so wenig.

herrhaase Avatar
herrhaase:#53683

Vielleicht bin ich pessimist aber ich glaube, dass nicht jeder einen Beruf finden kann der einen erfüllt oder spaß macht. Ich habe leider mit diesem Gedanken 4 Jahre Studium verschwendet weil ich mich nicht zum lernen aufraffen konnte weil ich es langweilig fand. In retrospektive hätte ich einfach das Studium durchziehen sollen auch wenn es nicht angenehm wäre. In so einem Bachelorstudium werden ja nur die Grundlagen beigebracht da kann man glaube ich schwer vorraussehen wie der Berufsalltag aussehen wird. Generell glaube ich, dass es zwecklos ist die Zukunft genau bestimmen zu wollen.

marrimo Avatar
marrimo:#53760

Meiner Meinung nach kann man hier nicht von Versagen sprechen.

Punkt 1.
Nur in den seltensten Fällen macht ein Job durchgehend Spaß. Sein wir ehrlich! Es ist arbeit. Man muss irgendwas für irgendwen bearbeiten, erarbeiten, bearbeiten und man wird in den seltensten Fällen gefragt ob es auch einem gefällt was man da macht.
Deine Existenz sollte nicht von deiner Arbeit begründet sein.Ich für meinen Teil wäre gern arbeitslos, hätte dann bloß ein Geldproblem.

Was mich zu Punkt 2 führt.

Die Sinnfrage hat ihren Hebelpunkt nicht beim Job sondern in deinen Wünschen fürs Leben.
Was willst du, und vorallem was brauchst du?
Bist du eher ein sozialer?
Willst du was erschaffen?
Was reizt dich?


Und mit 24 bist du noch gut dabei. Wenn ich das recht beobachten durfte gehörst du zu einer Generation die keine Ahnung hat was sie machen soll. Insbesondere da unsicher ist welche Berufe es noch in 20 jahren geben wird.

Und wenn du nicht weißt was dich reizt.
Geh zu öffentlcihen stellen arbeite mal ehren amtlich. Vl giebt es dir eine Ahnung was es so alles gibt.