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Veröffentlicht am 2017-07-07 23:28:4 in /we/

/we/ 53907: Hallo Bernd, ich muss mich nach langer Zeit mal wied...

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itsracine:#53907

Hallo Bernd,

ich muss mich nach langer Zeit mal wieder bei dir ausheulen. Grob gesagt sind mein Problem die Leute um mich rum. Fangen wir mal bei meinen Eltern an.

Bernd ist 24 und hat 1,5 Jahre alleine in der Stadt gewohnt. Vor 2Monaten bin ich dann wieder zurück zu meinen Eltern gezogen, da die eigene Wohnung nicht mehr unbedingt nötig war, mein Hund bei meinen Eltern lebt und ich dachte(!) das ich ja auch gut mit meinen Eltern klar komme. Ich muss dazu sagen, dass ich auch während der Zeit in der ich alleine gewohnt habe, relativ oft bei meinen Eltern zu Besuch war.

Tja, falsch gedacht! Wie gesagt wohne jetzt 2 Monate wieder hier (und ein paar Wochen davon waren meine Eltern sogar im Urlaub) und ich muss mich einfach ständig aufregen. Zum Einen wird mir hier ständig das Gefühl gegeben ein Versager zu sein, dass vor allem von meiner Mutter. Ich bin mir zu 100% sicher, dass sie das nur macht um mich irgendwie zu motivieren, aber in Wirklichkeit macht es genau das Gegenteil und lähmt mich noch mehr. Wenn ich ihr dann zu verstehen gebe, dass das absolut nicht sinnvoll ist, mir solche Sachen an den Kopf zu schmeißen, reagiert sie nur mit Unverständnis.

Was mein Vater macht, lässt sich fast nicht beschreiben. Würde ich hier ein Beispiel nennen, würde man es kaum nachvollziehen können, aber ich finde es auf Dauer ziemlich zermürbend. Geht so in die Richtung Autismus.

Kurz gesagt: Es ist nicht so das ich jetzt meine Eltern hasse (ganz im Gegenteil), aber es ist einfach der Fall eingetreten, dass man sich für ein Zusammenleben zu weit auseinander gelebt hat. Problem ist das ich hier mindestens noch 1 - 2 Jahre leben werden muss.


Und dann zu guter letzt kommen wir noch zu meinem einzigen Freund: Ich glaube schon das er an sich ein sehr guter Freund ist (und ich bin mir auch sicher das er mich als besten Freund sieht), aber irgendwie hat man sich auch etwas auseinandergelebt. Vor allem ist er noch viel lethargischer als Bernd selber. Mal irgendwie in den Urlaub fahren oder so, schlage ich schon gar nicht mehr vor. Er hat es ja nicht einmal geschafft, mich in den 1,5 Jahren mal in meiner Wohnung zu besuchen.
Es hat Null Sinn irgendwie motivatorisch auf ihn einzuwirken mal irgendetwas zu machen (außer vielleicht an Geburtstagen, aber selbst Silvester hat er schon alleine rumgelungert) und ich habe natürlich das Problem, dass ich kaum jemand anderes kenne und so dann auch fast jedes Wochenende alleine zuhause rum hocke. Also er meldet sich schon regelmäßig, aber dann will trinken wir entweder Kaffee (wobei ich den Alleinunterhalter spielen muss) oder wir gehen in die Spielothek und verballern 2 Euro.

Hinzu kommt dann noch so eine unkameradschaftliche Art, die mich auch im erweiterten Bekanntenkreis extrem nervt. XY verhält sich mal einen Abend etwas komisch, schon wird fast der komplette Kontakt zu besagtem Bekannten abgebrochen, obwohl man sich jahrelang kannte. Nicht mein Verständnis von Freundschaft und nicht mal von Bekanntschaft. Und das zieht sich so durch.


Natürlich habe ich die letzten Monate auch versucht ein paar neue Freundschaften zu knüpfen, aber ich lerne kaum Leute kennen und vor allem gar keine die wirklich meine Interessen und ähnliche Ansichten haben. Bisher sind aus den Versuchen immer nur sehr sehr lose Bekanntschaften entstanden. (besser als nichts!)


FUCK ich bin so einsam und unzufrieden. Seit Jahren die gleiche Dscheiße. Und ich habe keine Ahnung, wie ich da jemals wieder raus komme.

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solid_color:#53908

Ach, Bernd. Leider kann ich dir keine Ratschläge geben, da ich in einer ähnlichen Situation bin und da nicht wirklich rauskomme. Ich kann dir nur sagen, dass ich das Gefühl kenne und nachvollziehen kann.

-Ist bei deinen Eltern wohnen zu bleiben wirklich die einzige Option?
-Besteht vielleicht die Möglichkeit alte Freundschaften und Bekanntschaften wieder "aufzuwärmen"?

Auch möchte ich dir noch sagen, dass sich das Leben immer wieder verändert und oft unerwartet und auch zum positiven. Du bist erst 24 -und ja, ich weiß wie bescheuert sich das anhört- und es kann sich noch sehr viel verändern. Ich habe Geschichten von Bernden gehört, die mit ende 20 - mitte 30 noch richtig losgelegt haben, also GF und Freunde fanden und sich beruflich entwickeln konnten. Ich kenne dieses Aussichtslos-Fühl, aber es werden auch noch andere Zeiten kommen. Du darfst dich nur nicht aufgeben und fallen lassen.

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ayalacw:#53910

>>53908
> da ich in einer ähnlichen Situation bin

Erzähl doch mal von dir, wenn du magst. :3

>-Ist bei deinen Eltern wohnen zu bleiben wirklich die einzige Option?

Fürs Erste schon. Im Prinzip ist es meine eigene Schuld, Bernds Eltern hätten sogar Bernds Wohnung weiter bezahlt. Nur wie gesagt hat Bernd gedacht, dass es aus bereits genannten Gründen eine gute Idee wäre, wieder nach "Hause" zu ziehen.
Jetzt wieder in die Stadt zu ziehen, ist halt kaum möglich. Ist leider auch sehr, sehr schwierig dort eine bezahlbare Wohnung zu finden. (München)

Bernd war gestern lange wach und hat sich jetzt vorgenommen einfach den Kontakt mit seinen Eltern etwas einzuschränken.
Also einfach deutlich weniger Zeit zuhause verbringen... Komme mir dabei dann zwar ein bisschen wie trotziges Zehnalter vor, aber was soll ich sonst machen?

>-Besteht vielleicht die Möglichkeit alte Freundschaften und Bekanntschaften wieder "aufzuwärmen"?

Hat Bernd in den letzten Jahren zu genüge versucht, der Kontakt ist dann immer wieder eingeschlafen und die Leute waren jetzt auch nicht so toll. (gleiche Probleme wie auch bei Bernds Kumpel)


> Du darfst dich nur nicht aufgeben und fallen lassen.

Bei Bernd verläuft das immer so phasenweise. Manchmal hat er das Gefühl, dass es bergauf geht und ist richtig motiviert etwas zu ändern und dann fällt Bernd wieder auf die Nase.