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Veröffentlicht am 2017-12-17 16:02:0 in /we/

/we/ 54191: Lieber Bernd, ich habe ein Problem mit meiner Mutter...

vikashpathak18 Avatar
vikashpathak18:#54191

Lieber Bernd,

ich habe ein Problem mit meiner Mutter. Immer, wenn ich sie besuche, ist nach kurzer Zeit ne negative Grundstimmung da und wir reagieren nur noch genervt aufeinander. Das Problem sind eigentlich immer nur Belanglosigkeiten, wie dass ich das Essen von gestern aufwärme und am Herd stehe, und Bernds Mutter dann auch am Herd rumdreht oder wenn Bernd das Essen in die Teller tun möchte, dann kommt sie und tut ihr Essen selber auf ihren Teller, wobei sie mir dann auch im Weg rumsteht. Das finde ich einfach sehr irritierend, weil jede normale Handlung des Familienlebens durch Versuche mir zu helfen verkompliziert wird. Ich finde es dann aber auch schwer, ruhigzubleiben, und bringe dann irgendeinen passiv-aggressiven Kommentar oder zeige durch meine Stimme, dass mich das anstrengt. Meine Mutter ärgert sich dann aber auch über meine genervte Tonlage und wird dann ebenfalls unfreundlich. So besteht dann der ganze Besuch aus Versuchen, sich gegenseitig "nicht zur Last zu fallen", die dem anderen mega auf den Sack gehen. Eigentlich lächerlich, aber wie zwei Figuren in nem Theaterstück sind wir ewig gezwungen, unsere Rollen weiterzuspielen.

Über das Problem zu reden ist sehr schwierig, die Kommunikation mit meiner Mutter besteht im Wesentlichen aus Belanglosigkeiten, sich Anschweigen oder dämlichen Gesprächen, wer das letzte Stück Brot isst ("Will noch jemand das letzte Stück Brot?" "Nein" "Ich muss es nicht essen, du kannst es auch haben" "Aber ich möchte es nicht" "Willst du es wirklich nicht?" "NEIN"...). Auch glaubt meine Mutter, dass das Problem allein meine Schuld ist und nennt mein Verhalten "präbubertär" und Ähnliches. Ich erkenne natürlich an, dass wenn ich gelassener wäre, wir uns nicht streiten würden. Aber andererseits ist sie auch nicht in der Lage zu erkennen, dass es mich nun mal irritiert, wenn sie mir Arbeit aus den Händen reisst oder sie mich mit Belanglosigkeiten vollplappert.

Vielleicht noch als Hintergrundinformation, als ich 14 war, hat sich meine Mutter regelmässig betrunken und mich dann über ihre Arbeit vollgeheult. Das hat damals sehr weh getan und Bernds Mutter ist bis heute der Meinung, dass "alle anderen" Schuld daran sind, weil sie so gemein zu ihr waren. Von daher ist unsere Beziehung schon allgemein nicht so toll. Das mit dem Alkohol und ihrer Arbeit hat sich gebessert, aber seitdem traue ich mich nicht mehr ihr irgendwas aus meinem Leben zu erzählen, was mir wichtig ist. ("Wie läuft die Uni?" Ganz ok?" "Was machst du mit deinen Freunden?" "Ja wir treffen uns halt?"). Wenn das Gespräch sich um irgendwas Inhaltsvolles dreht, streiten wir uns nie. Kommt aber immer selten vor. Meine Mutter ist aber auch nicht so gut darin, mit meinem Problemen umzugehen, was noch verstärkt, dass ich ihr eigentlich nichts erzählen möchte. Letztes Jahr wollte ich mal meinen Master abbrechen und hab ihr davon erzählt, warum. Dann hat sie einen Monat lang diese Entscheidung herumgewälzt ("Einerseits wäre der Master eine gute Chance, andererseits wenn du nicht glücklich bist...") und hat mir dann erzählt, dass sie deswegen nachts wach liegt. Das hat mich dann eigentlich mehr belastet als die Probleme mit meinem Master.

Danke auf jeden Fall fürs zuhören, Bernd.

adewaleolaore Avatar
adewaleolaore:#54192

Fick sie was sie braucht Bruder.

syswarren Avatar
syswarren:#54194

>Will noch jemand das letzte Stück Brot?" "Nein" "Ich muss es nicht essen, du kannst es auch haben" "Aber ich möchte es nicht" "Willst du es wirklich nicht?" "NEIN"...).
Kommt mir sehr bekannt vor. Mal von aussen betrachtet wirkt dass wie eine Szene aus einem Loriot-Sketch.

>Ich erkenne natürlich an, dass wenn ich gelassener wäre, wir uns nicht streiten würden.
Das musst du immer im Hinterkopf behalten, manche Sachen ignoriert man besser.
>Aber andererseits ist sie auch nicht in der Lage zu erkennen, dass es mich nun mal irritiert, wenn sie mir Arbeit aus den Händen reisst oder sie mich mit Belanglosigkeiten vollplappert.
Sie wird sich nicht mehr ändern darum ist es egal.

>Meine Mutter ist aber auch nicht so gut darin, mit meinem Problemen umzugehen, was noch verstärkt, dass ich ihr eigentlich nichts erzählen möchte.
Ist doch in Ordnung, man muss nicht über alles reden. Überleg dir halt vorher ob es sinnvoll wäre oder eher nicht.

stevenfabre Avatar
stevenfabre:#54206

Anderer Bernd hier

>>54194
>Sie wird sich nicht mehr ändern darum ist es egal.

Sehe ich ebenso. Du bist nicht in der Position deine Eltern zu erziehen. Das einzige, was dir bleibt, ist darüber zu reden. Wenn das nichts bringt, dann ist es halt so.
Ich sage nicht, dass du dich damit arrangieren musst. Aber wenn du ein harmonisches Familienleben willst, dann ist es bedeutend einfacher und erfolgsversprechend, wenn du dich anpasst.

Ich liebe meine Mutter über alles auf der ganzen Welt, aber wenn ich sie besuche, dann kann ich ihr das nicht zeigen. Ich kann mich einfach nicht mit ihr unterhalten oder wie ein normaler Mensch in ihrer Umgebung verhalten. Sie wertet das häufig als Abneigung meinerseits und versucht das dann durch maximale Fürsorge zu kompensieren. Das wiederum lässt mich noch unangenehmer fühlen und ich werde noch abweisender. Habe mir auch angewöhnt ihr den Gefallen zu tun und mich bemuttern zu lassen. Ich bleibe am Tisch sitzen und unterhalte mich mit ihr über belangloses Zeug.
Keine Ahnung. Sie freut sich darüber und ich fühle mich nicht wie der Hurensohn des Jahrtausends.
Wir kommen seitdem besser miteinander zurecht.